Shimano GRX Schaltung richtig einstellen: Eine detaillierte Anleitung

Es gibt kaum etwas Ärgerlicheres für Radfahrer, als wenn die Kette beim Schalten zögert oder gar zwischen den Ritzeln hängen bleibt. Eine präzise eingestellte Schaltung ist entscheidend für ein angenehmes und effizientes Fahrerlebnis. Hier erfahren Sie, wie Sie Ihre Shimano GRX Schaltung optimal einstellen können.

Vorbereitung und Grundlagen

Bevor Sie mit der eigentlichen Einstellung beginnen, sollten Sie einige wichtige Punkte überprüfen und vorbereiten:

  • Sauberkeit: Reinigen Sie Ihr Fahrrad gründlich, insbesondere Kette, Schaltwerk, Umwerfer, Kassette und Kettenblätter. Verwenden Sie einen speziellen Reiniger wie den Muc Off Bike Cleaner und gegebenenfalls eine Reinigungsbürste.
  • Kette: Überprüfen Sie den Verschleißzustand der Kette mit einer Verschleißlehre. Eine verschlissene Kette sollte ausgetauscht werden, idealerweise alle 1.000 bis 1.500 Kilometer.
  • Schaltzüge und -hüllen: Achten Sie darauf, dass die Schaltzüge und -hüllen nicht beschädigt oder geknickt sind. Der Zugverlauf sollte keine zu engen Kurven aufweisen. Bei Oxidationsspuren ist ein Austausch ratsam.
  • Kompatibilität: Stellen Sie sicher, dass alle Teile des Antriebs und der Schaltung zueinander kompatibel sind. Schaltwerk und Schaltgriff sollten vom gleichen Hersteller und idealerweise aus der gleichen Serie stammen.

Schritt-für-Schritt-Anleitung zum Einstellen des Schaltwerks

Wir zeigen Ihnen hier die einzelnen Schritte an einem Shimano-Schaltwerk.

  1. Endanschlag unten (H-Schraube)

    Schalten Sie zunächst auf das große Kettenblatt vorne und das kleinste Ritzel hinten. Bei einem Einfach-Antrieb können Sie die Hinweise bezüglich großem oder kleinem Kettenblatt vernachlässigen. Lösen Sie dann den Schaltzug mit einem Inbusschlüssel. Die Schaltwerksröllchen sollten nun exakt parallel in einer Linie mit dem kleinsten Ritzel stehen. Mit den mit H und L gekennzeichneten Schrauben lassen sich die Endanschläge verstellen. Die Schaltwerksröllchen sollten parallel zum kleinsten Ritzel liegen, dann ist der untere Endanschlag korrekt eingestellt.

  2. Endanschlag oben (L-Schraube)

    Um den oberen Endanschlag einstellen zu können, schalten Sie zunächst vorne auf das kleinste Kettenblatt. Da das Schaltseil zum Schaltwerk noch locker ist und Sie deshalb hinten nicht schalten können, müssen Sie das Schaltwerk mit den Fingern in Richtung großes Ritzel drücken. Dabei kann es helfen, ein Stück die Kurbel zu drehen. Sobald Sie das Schaltwerk ganz „auf Anschlag“ haben, kontrollieren Sie erneut die Stellung der Schaltwerksröllchen. Hier muss ebenfalls das größte Ritzel der Kassette in einer Linie mit den Schaltwerksröllchen stehen.

  3. Winkeleinstellung (B-Schraube)

    Zur Winkeleinstellung verbleibt die Kette auf dem kleinsten Kettenblatt und auf dem größten Ritzel. Mit der B-Schraube (sie ist bei neueren Schaltwerken i.d.R. markiert) verstellen Sie die Feder in der Schaltwerksaufhängung und somit die Höhe des oberen Schaltröllchens. Ist die Federspannung zu locker, kann das Röllchen das größte Ritzel berühren. Optimal ist die Spannung eingestellt, wenn zwischen den Zähnen des größten Ritzels und dem Schaltröllchen ca. 1 bis 1,5 Kettenglieder betragen. Shimano stanzt in der Regel eine kleine Hilfslinie auf der Hinterseite des Schaltwerkskäfigs ein. Diese Hilfslinie muss mit der oberen Kannte der Zähne des größten Ritzels der Kassette fluchten.

  4. Zugspannung einstellen

    Schalten Sie zunächst auf das große Kettenblatt und drehen Sie nun die Einstellschraube für die Zugspannung am Schalthebel oder am Schaltwerk fast ganz hinein.

  5. Feinjustierung

    Dieser Schritt erfordert etwas Übung und Geduld. Wenn Sie bis jetzt alles richtig gemacht haben, sollte die Schalteinstellung schon fast passen. Schalten Sie zuerst auf das mittlere Kettenblatt. Nun bewegen Sie die Kurbel und schalten die Gänge einzeln durch. Achten Sie hier auf die Reaktion der Kette: Springt sie in die gewünschte Richtung, ist alles okay. Springt der Gang nicht sofort auf das nächsthöhere Ritzel, muss die Zugspannung etwas erhöht werden. Dies erreichen Sie, indem Sie die Einstellschraube um ca. eine viertel Drehung herausdrehen. Machen Sie das so lange, bis der Gang sofort wechselt. Springt die Kette nicht direkt nach dem Schalten auf das nächstkleinere Ritzel, muss das Schaltseil etwas entlastet werden. Hierfür drehen Sie die Einstellschraube wieder etwas hinein.

  6. Probefahrt

    Zu guter Letzt empfehle ich eine kleine Probefahrt.

Einstellen des Umwerfers (falls vorhanden)

Wenn Sie mit einem Zwei- oder Dreifach-Antrieb unterwegs sind, müssen Sie auch den Umwerfer einstellen:

  1. Höhe des Umwerfers

    Ihr Umwerfer hat dann die richtige Höhe, wenn zwischen Leitblech und den Zähnen des großen Kettenblatts ca. 1 bis 3 Millimeter Platz ist. Ist dies nicht der Fall, können Sie die Höhe über die Klemmschelle oder durch ein Langloch mit Schraube verstellen. Hierfür müssen Sie gegebenenfalls den Schaltzug lösen.

  2. Unterer Endanschlag

    Zur Einstellung des unteren Endanschlags müssen Sie zunächst auf das größte Ritzel und das kleinste Kettenblatt schalten. Lösen Sie nun den Schaltzug, indem Sie die Inbusschraube lockern. Nun können Sie wieder mit der mit L gekennzeichneten Schraube die Lage des Leitblechs verstellen. Der untere Endanschlag des Umwerfers ist dann korrekt eingestellt, wenn zwischen Kette und Leitblech ca. 0,5 Millimeter Platz ist.

  3. Schaltzug montieren

    Nachdem Sie den unteren Endanschlag eingestellt haben, können Sie den Schaltzug wieder am Umwerfer montieren.

  4. Oberer Endanschlag

    Schalten Sie nun auf das größte Kettenblatt und das kleinste Ritzel. Stellen Sie die Endanschläge eher etwas enger ein. Denn auch hier gilt: Ist der Endanschlag zu weit eingestellt, springt die Kette beim Schalten vom Blatt.

  5. Zugspannung einstellen

    Sind alle Endanschläge eingestellt, ist nun - wie beim Schaltwerk - die Zugspannung an die Reihe. Schalten Sie hierfür auf das mittlere Blatt und auf das größte Ritzel.

  6. Probefahrt

    Machen Sie eine kleine Probefahrt.

Häufige Probleme und Lösungen

  • Kette rutscht durch: Möglicherweise ist der Antrieb verschlissen. Überprüfen Sie mit einer Verschleißlehre, ob Kette oder sogar Kassette/Kettenblätter ausgetauscht werden müssen.

Überblick über die Einstellschrauben

Hier ist ein kurzer Überblick über die 3 Einstellschrauben eines modernen Schaltwerks.

  • B-Schraube (B-Screw): Diese Schraube ist für den Grad der Umschlingung der Kette auf der Kassette und für den Abstand des oberen Schalträdchens zum jeweiligen Ritzel zuständig.
  • L-Schraube (Low Limit Screw): Diese Schraube stellt die obere Begrenzung des Schaltwerk-Schwenkbereichs ein, am größten Ritzel der Kassette.
  • H-Schraube (High Limit Screw): Diese Schraube stellt die untere Begrenzung des Schaltwerk-Schwenkbereichs ein, am kleinsten Ritzel der Kassette.

Zusätzliche Tipps und Hinweise

  • Montageständer: Für die Einstellung empfiehlt sich ein Montageständer, in den das Rad eingehängt werden kann.
  • Endanschläge: Achten Sie darauf, die Endanschläge eher etwas enger einzustellen. Ist der Endanschlag zu weit eingestellt, springt die Kette beim Schalten vom Blatt.
  • Probefahrt: Führen Sie nach jeder Einstellung eine Probefahrt durch, um die Funktion der Schaltung zu überprüfen.

Wartung und Pflege

Regelmäßige Wartung und Pflege sind entscheidend, um die Lebensdauer Ihrer Schaltung zu verlängern und eine optimale Performance zu gewährleisten.

  • Reinigung: Reinigen Sie die Kette regelmäßig mit einem Kettenreiniger und schmieren Sie sie anschließend neu.
  • Schmierung: Schmieren Sie die beweglichen Teile des Schaltwerks und Umwerfers regelmäßig mit einem geeigneten Schmiermittel.
  • Überprüfung: Überprüfen Sie regelmäßig den Zustand der Schaltzüge und -hüllen und tauschen Sie diese bei Bedarf aus.

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