Moderne MTB-Schaltungen mit bis zu zwölf Ritzeln an der Kassette sind sensibel. Der geringe Abstand zwischen den einzelnen Ritzeln und die große Bandbreite von 10 bis 50 Zähnen - oder sogar mehr wie bei manchen Nachrüst-Kassetten - verlangt nach einer exakten Einstellung. Ansonsten hat man keinen Spaß auf dem Bike, denn die Schaltbefehle vom Hebel werden nicht umgesetzt, die Kette springt zwischen den Ritzeln oder rattert laut durch die Schaltröllchen.
Wer seine Schaltung einstellen möchte, braucht kein Profi zu sein - mit etwas Vorbereitung, dem richtigen Werkzeug und einem Schritt-für-Schritt-Vorgehen gelingt die Justierung von Schaltwerk und Umwerfer auch zu Hause. Eine präzise eingestellte Schaltung sorgt für reibungslose Gangwechsel und erhöht nicht nur den Fahrkomfort, sondern auch die Lebensdauer des Antriebs.
Vorbereitung zum Einstellen der Schaltung
Um gut an der Schaltung arbeiten zu können, muss sich das Hinterrad frei drehen lassen. Die beste Lösung: der Montageständer. Wenn nicht, oder wer keinen Montageständer hat, kann das Bike auch auf den Kopf stellen. Empfindliche Armaturen und Displays dann aber besser abnehmen oder mit einer weichen Unterlage (Lappen, Schaumstoff) polstern. Kette und Ritzel sollten außerdem gut geputzt sein!
Wichtig: Bevor du Hand anlegst, lohnt sich ein kurzer Blick auf das Wesentliche. Eine korrekt eingestellte Schaltung sorgt nicht nur für flüssiges und geräuschloses Schalten - sie verlängert auch die Lebensdauer deiner Kette und Kassette.
Die wichtigsten Punkte für die Einstellung
Ist das Schaltauge sauber ausgerichtet und flutscht der Schaltzug zwischen Schaltwerk und Schalthebel durch den Bowdenzug, dann gibt es nur drei Dinge zu beachten, um die Schaltung richtig einzustellen:
- die Zugspannung
- der Abstand des Schaltwerks zur Kassette
- die Anschläge/Begrenzungsschrauben des Schaltwerks
Diese drei Dinge lassen sich mit wenig Werkzeug und der nötigen Erfahrung rasch justieren. Wer weiß, wie es geht, kann nerviges Kettenrasseln sogar schon auf dem Trail beheben.
Schritt-für-Schritt-Anleitung zum Einstellen der Schaltung
1. Überprüfung des Schaltwerks
Lockere oder beschädigte Teile sind die häufigste Ursache für Schaltprobleme. Deswegen vor dem Einstellen der Schaltung zunächst Befestigungsschrauben am Schaltauge und die große Schraube am Schaltwerk sowie das Schaltauge selbst kontrollieren. Dazu einen mittleren Gang einlegen. Die beiden Schaltröllchen müssen in exakt gerader Linie mit dem Ritzel fluchten (rote Linie im Foto unten) und parallel zur Fahrtrichtung stehen. Sonst ist das Schaltauge verbogen und muss gerichtet oder ersetzt werden.
2. Schaltaußenhülle und Züge kontrollieren
Die zweite typische Fehlerquelle an einer Gangschaltung: Verschleiß bei Zügen und Außenhüllen. Sind sie korrodiert oder haben sich einzelne Litzen gelöst, ist die Reibung in den Hüllen zu hoch, und die Schaltung kann nicht richtig funktionieren. Das kontrolliert man am besten, indem man ohne zu kurbeln vom größten aufs kleinste Ritzel durchschaltet. Dadurch längt sich der Zug so, dass sich an der Außenhülle die Endkappen abziehen lassen. Bei Korrosion oder Beschädigung: alles austauschen und neue Züge und Außenhüllen am Bike montieren!
Tipp: Weiter unten finden Sie noch einen guten Tipp zum Schmieren der Züge.
3. Anschläge der MTB-Schaltung einstellen
Springt die Kette von der Kassette, stimmen die Endanschläge nicht. Zum Überprüfen des oberen Anschlags (B: obere Schraube) auf das größte Ritzel schalten. Dann die Kurbel vorsichtig weiterdrehen und den Schalthebel weiter drücken. Wandert die Kette nun übers Ritzel in die Speichen, muss man die rechte Anschlagschraube (B) etwas reindrehen. Der untere Anschlag ist schwieriger zu checken, da das Schaltwerk oft von der Zugspannung in Position gehalten wird. Deswegen: Erstmal schauen, ob das Schaltröllchen exakt mit dem kleinsten Ritzel fluchtet. Dann über die untere Schraube (A) so ausrichten, dass es beim Schaltvorgang leicht und exakt auf das nächste Ritzel springt.
4. Zugspannung einstellen
Am Shifter wird die Zugspannung der Schaltung so justiert, dass alle Gänge verwendet werden können. Schaltet die Kette nicht in den leichtesten Gang, ist die Spannung zu niedrig, die Verstellschraube muss herausgedreht werden (gegen den Uhrzeigersinn). Diese Schraube ist bei Sram vorgelagert, ein Stück vor dem Schalthebel.
Schaltet die Schaltung nicht in den schwersten Gang, ist die Spannung zu hoch. Wechselt die Kette am Ende gleich schnell auf leichtere wie auf schwerere Gänge, und sind alle Gänge nutzbar, ist die Spannung richtig eingestellt. Reicht der Verstellbereich nicht aus, muss man den Zug am Schaltwerk straffen oder längen.
5. Umschlingung einstellen
Mit der Umschlingungsschraube (A) stellt man den Abstand von oberem Schaltröllchen und Kassette ein. Ist der Abstand zu groß, schaltet die Schaltung nur sehr behäbig. Ist er zu klein, beginnt die Schaltung in leichten Gängen zu rattern. Bei Shimano sollten im leichtesten Gang etwa zwei Kettenglieder frei zwischen Schaltröllchen und Kassette liegen. Shimanos Zwölffach-Schaltwerke haben innen im Schaltkäfig auch eine Hilfslinie, die im leichtesten Gang mit den Kassettenzähnen fluchten sollte. Bei Sram-Schaltungen sollte man das Chain-Gap-Tool für die Einstellung einsetzen.
Spezifische Anleitungen für Sram und Shimano Schaltungen
Sram Schaltung einstellen
Seit dem hat - ausgelöst von der Entwicklung der Firma Sram - ein großes Umdenken eingesetzt und wir schalten auf 9 bis 12 Ritzeln hinten. Dafür gibt es bei aktuellen Bikes vorn nur noch ein Kettenblatt, etwas ältere (oder Rennräder) schalten noch mit zwei. Aus diesem Grund haben wir im Folgenden verschiedene How-tos und Guidelines verlinkt, damit für (fast) jede Schaltungsvariante etwas dabei ist.
Sram 1x12-Schaltung einstellen
Die neueste Variante von Sram ist die 1x12fach MTB-Schaltung. Mit einer Bandbreite von 10 bis 50 Zähnen und eventuell mit dem übergroßen Eagle-Ritzel sind sie Abstände zwischen den Gängen viel kleiner als früher geworden und die Schaltung entsprechend sensibler.
Besonderheit: Bei der 1x12-Eagle-Variante der Sram Schaltung wird eine Lehre für die exakte Einstellung der Umschlingung (s.o.) benötigt.
Ob E-Mountainbike oder unmotorisiertes MTB: Bei Sram-Schaltungen muss man die Umschlingung an Fullys im Sag (Negativ-Federweg) einstellen. Dafür braucht man eine spezielle Lehre - das Chain-Gap-Tool - und idealerweise eine Hilfsperson, die entweder in etwa das gleiche Gewicht wie Fahrerin oder Fahrer haben, oder die für Euch die Stellschraube dreht.
Sram 1x11-Schaltung einstellen
Auch bei den 11fach-Antrieben von Sram ist Fingerspitzengefühl gefragt. Denn schon kleine Ungenauigkeiten bei der Einstellung können entscheiden zwischen leichtlaufendem Antrieb und Kettenrasseln. Für die optimale Zugspannung kommt wieder das Drehrädchen am Schalthebel zum Einsatz.
Alles korrekt eingestellt, aber die Schaltung funktioniert immer noch nicht einwandfrei? Dann lohnt sich ein zweiter Blick auf die Verschleißteile. Eine verschlissene, zu lange Kette oder ein verschlissenes Ritzel verhindern oft, dass sich der Antrieb korrekt einstellen lässt. Dann hilft nur noch der Austausch.
Shimano Schaltung einstellen
Ab 2020 wurde bei Mountainbikes auch häufiger eine Shimano-1x12-Schaltung verbaut - massenkompatibel in der Deore-Version. Die Japaner hatten einen Moment gebraucht bis sie dem Trend zur Einfach-Schaltung gefolgt sind. BIKE zeigt, wie Sie das Schaltwerk einer Shimano XT mit wenigen Handgriffen perfekt einstellen. Denn das Grundprinzip, wie eine MTB-Schaltung perfekt eingestellt wird, hat sich unabhängig von Hersteller und Schaltgruppe seit Jahrzehnten kaum verändert.
Shimano 1x12-Schaltung einstellen
Durch den geringen Abstand zwischen den einzelnen Ritzeln entscheidet oft schon eine halbe Umdrehung. An die perfekte Einstellung der Gangschaltung muss man sich deshalb in kleinen Schritten herantasten.
Wichtig: Im Gegensatz zu Sram-Schaltungen braucht man bei Shimano keine spezielle Lehre, um die Umschlingung korrekt einzustellen. Wenn man von innen auf den Schaltwerkskäfig schaut, sieht man eine mit Pfeil und "51T" versehene Hilfslinie. Die Zähne des größten Ritzels und diese Hilfslinie müssen exakt hintereinander liegen.
Shimano 2x12-Schaltung einstellen
Anders als Sram bietet Shimano nach wie vor eine Option mit zwei Kettenblättern an. Die Vorteile, die für einen 2x12-Antrieb sprechen, sind ersichtlich: Es gibt keine aktuelle MTB-Schaltung mit einer größeren Bandbreite (Gesamtübersetzung) bei gleichzeitig so feiner Abstufung der Gänge. Bei der Einstellung unterscheiden sich die Einfach- und Zweifach-Schaltung dann im zusätzlichen Umwerfer vorn. Dieser ist nicht ganz so sensibel wie das Schaltwerk, muss aber genauso exakt justiert werden, damit die Kette weder ins Tretlager beißt ("Chainsuck" / Kettenklemmer), noch übermütig über das große Kettenblatt hinaus springt.
Werkzeuge
Du benötigst für das Einstellen der meisten Schaltungen nur minimales Werkzeug. In der Regel reicht ein Kreuzschlitz-Schraubenzieher oder ein Inbusschlüssel - je nach Modell deines Fahrrads. Für Shimano- und SRAM-Schaltungen ist das Standard-Setup oft identisch.
Die H- und L-Schrauben
Zwei kleine Schrauben haben eine große Wirkung: Die sogenannte H-Schraube (High) und L-Schraube (Low) begrenzen die äußersten Positionen des Schaltwerks. Damit verhindern sie, dass die Kette über das kleinste bzw. größte Ritzel hinausspringt - das schützt sowohl das Material als auch deine Sicherheit.
- Die H-Schraube regelt den unteren Anschlag (kleinstes Ritzel)
- Die L-Schraube regelt den oberen Anschlag (größtes Ritzel)
Ein falsch eingestellter Anschlag führt oft dazu, dass Gänge gar nicht erreichbar sind oder die Kette abspringt.
Wartung und Pflege
- Kette und Ritzel reinigen: Schmutz beeinflusst die Schaltvorgänge negativ.
- Fahrrad in einen stabilen Zustand bringen: entweder mit einem Montageständer oder seitlich aufgestellt.
- Kette auf das mittlere Ritzel legen: das ist der neutralste Startpunkt.
- Ganghebel durchschalten: prüfe, wie die Kette reagiert. Bleibt sie hängen? Springt sie?
Häufige Probleme und Lösungen
Verbogenes Schaltauge
Das sogenannte Schaltauge ist der kleine Halter, an dem das Schaltwerk am Rahmen befestigt ist. Es ist aus gutem Grund oft aus weichem Aluminium gefertigt - denn im Falle eines Sturzes oder Transports soll sich lieber das Schaltauge verbiegen als der Rahmen oder das teure Schaltwerk.
Symptome eines verbogenen Schaltauges:
- Die Kette springt unregelmäßig
- Die Schaltung reagiert verspätet oder überspringt Gänge
- Gänge lassen sich gar nicht mehr sauber durchschalten
Lösung:
Ein verbogenes Schaltauge lässt sich manchmal mit einer Zange vorsichtig richten - allerdings nur, wenn du weißt, was du tust. Andernfalls: ab in die Werkstatt!
Abstand zwischen Schaltröllchen und Ritzel
Ein weiteres Detail ist der Abstand zwischen oberem Schaltröllchen und Ritzel. Ist dieser Abstand zu gering, kann die Kette nicht sauber über die Ritzel springen.
- Drehen gegen den Uhrzeigersinn: Schaltwerk näher ans Ritzel
- Optimaler Abstand: ca. 1 bis 1,5 cm zwischen oberem Leitrollen-Zahn und dem Zahnkranz.
Verschlissene Komponenten
Auch abgenutzte Komponenten können der Grund sein, warum sich deine Schaltung nicht mehr sauber einstellen lässt. Besonders bei häufiger Nutzung, schlechter Schmierung oder dreckigen Antrieben verschleißt Material schneller als gedacht.
Worauf du achten solltest:
Ist die Kette stark gedehnt? In diesen Fällen hilft kein Einstellen mehr - da muss getauscht werden.
Tabellarische Übersicht der Einstellschritte
| Schritt | Aktion | Ziel |
|---|---|---|
| 1 | Schaltwerk überprüfen | Sicherstellen, dass alle Teile fest und nicht verbogen sind. |
| 2 | Schaltzüge und -hüllen prüfen | Auf Korrosion und Beschädigungen prüfen und ggf. austauschen. |
| 3 | Endanschläge einstellen (H und L) | Verhindern, dass die Kette über die Kassette hinausspringt. |
| 4 | Zugspannung einstellen | Sicherstellen, dass die Kette sauber auf die Ritzel wechselt. |
| 5 | Umschlingung einstellen | Abstand zwischen Schaltröllchen und Kassette optimieren. |
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