Die Kettenschaltung am Mountainbike oder E-MTB sauber einzustellen, sollte zum Standard-Repertoire gehören, egal ob es sich um einen Shimano- oder SRAM-Antrieb handelt. Die Schaltung eines Fahrrads ist ein komplexes System, in dem mehrere mechanische Bauteile zusammenwirken. Diese müssen optimal aufeinander eingestellt sein, um das Konzept Kettenschaltung reibungsarm und effizient werkeln zu lassen.
Da an den meisten Mountainbikes, E-Bikes eingeschlossen, mittlerweile ein Einfach-Antrieb montiert ist, bei dem nur noch hinten geschaltet wird, ist das Einstellen sogar weniger komplex als früher mit Schaltwerk und Umwerfer. Um die fehlende Bandbreite vorne zu kompensieren, müssen die Kassetten hinten allerdings größer sein und somit auch mehr Ritzel als früher haben, damit die Sprünge zwischen den Gängen nicht zu groß werden.
Mittlerweile müssen sich 12 Ritzel den gleichen Bauraum teilen wie früher 9 oder 10 Stück. Sie rücken enger zusammen, daher muss auch die Kette schmaler sein. Dies alles zusammen bedingt eine etwas genauere Feineinstellung der Schaltkomponenten als es früher der Fall war.
Voraussetzungen für optimale Schaltleistung
Um Deine Schaltung bestmöglich einstellen zu können, gibt es ein paar Voraussetzungen. Alle Teile des Antriebs und der Schaltung müssen zueinander kompatibel sein. Schaltwerk und Schaltgriff müssen vom gleichen Hersteller und idealerweise aus der gleichen Serie stammen. Essenziell sind hier aber die Schaltstufen: ein 12-fach Schaltwerk kann nur von einem 12-fach-Schaltgriff gleichen Herstellers angesteuert werden; es kann ausschließlich eine 12-fach-Kassette und -Kette benutzt werden.
Shimano- und SRAM-Bauteile können NICHT gemixt werden. Dies führt unweigerlich zu Problemen bis hin zur kompletten Fehlfunktion. Auch wenn andere Hersteller kompatible Teile anbieten, schwöre ich persönlich auf Originalbauteile des jeweiligen Gruppen-Herstellers, um die beste Performance zu gewährleisten.
Für beste Performance ist ein markenreines, in sich kompatibles System obligatorisch. Hier: Shimano XT 12-fach.
Vorbereitung: Reinigung und Prüfung der Bauteile
Grobe Verschmutzungen, insbesondere an Ritzeln, Kette und Schaltröllchen, können Probleme beim Schalten verursachen. Eine gründliche Reinigung ist daher obligatorisch. Für geschmeidige Schaltvorgänge muss die Kette sauber und gut geschmiert sein. Die Gelenke des Schaltwerks müssen leichtgängig sein. Sind sie verdreckt oder ist die Schmierung durch häufiges Waschen mit dem Hochdruckreiniger nicht mehr gegeben, darfst Du ihnen nach dem Säubern gern einen Tropfen Kettenöl spendieren.
Dasselbe gilt für die Lager der Schalträdchen. Grundsätzlich sollen alle Komponenten, die mit im Spiel sind, vor dem Einstellen der Schaltung sauber und natürlich technisch einwandfrei sein. Die Hauptursache für schlecht funktionierende Schaltungen ist zu viel Reibung. Weniger Dreck bedeutet weniger Reibung. Alle beweglichen Teile müssen sauber und geschmiert sein.
Detaillierte Bauteilprüfung
Nimm Dir zuerst die Kassette vor: Wenn Du das größte Ritzel im montierten Zustand an zwei gegenüberliegenden Stellen fasst und die Kassette dann zu kippen versuchst, darf nur wenig bis kein Spiel spürbar sein. Kontrolliere bitte das Anzugsmoment der Kassette am Freilauf (40Nm). Die Kassette sollte in puncto Verschleiß im grünen Bereich sein. Spitze Zähne, auch „Haifischzähne“ genannt, sind ein klares Indiz dafür, dass die Kassette getauscht werden muss. Kontrolliere die Kassette auch auf etwaige Beschädigungen wie beispielsweise krumme oder abgebrochene Zähne. Ist dies der Fall, muss sie ebenfalls getauscht werden.
Das Schaltwerk muss fest und mit vorgeschriebenem Drehmoment am Schaltauge verschraubt sein. Selbstverständlich darf es nicht verbogen oder verzogen sein, was beim ernsthaften Mountainbiken schon mal vorkommt. Auf bockigen Abfahrten kann das Schaltwerk schon mal anecken und beim Kontakt gewinnt in aller Regel der Felsen. Durch das Gerüttel auf den Trails schlägt es auch irgendwann in seinen Gelenken aus. Dies spürst Du, wenn Du den Käfig unten fasst und seitlich bewegst. Nur ein spielfreies Schaltwerk kann die Gänge sicher, schnell und präzise wechseln.
Kontrolliere auch das seitliche Spiel der Schalträdchen (idealerweise bei abmontierter Kette), indem Du daran wackelst. Sind die Lager verschlissen, kippen die Rädchen hin und her. Das Schaltwerk ist dann nicht mehr in der Lage, die Kette sauber unter dem gewünschten Ritzel in Position zu bringen und sie in der Flucht zu den Ritzeln zu halten.
Dann kannst Du gleich noch den Zustand der Zähne an den Schalträdchen checken: Genau wie bei der Kassette und dem vorderen Kettenblatt dürfen die Zähne der Schalträdchen ebenfalls nicht verschlissen oder beschädigt sein. Bist du unsicher, nimm Dir einfach ein Bild eines neuen Schalträdchens zur Hand, falls du gerade kein neues dahast.
Möchtest Du die Kette weiter benutzen und keine neue verbauen, solltest Du sie vorher mit einer Kettenlehre auf Längung prüfen. Gerade am Mountainbike schlägt die Kette durch die starken Vibrationen und Schläge zusätzlich seitlich aus. Spürst Du beim seitlichen Tordieren der Kette starkes Spiel und lässt sich die Kette sehr weit „biegen“, muss sie getauscht werden.
Moderne 11- und 12-fach-Schaltwerke von Shimano und SRAM beherbergen eine Mechanik zur Erhöhung der Kettenspannung, die in der Verbindung von Schaltwerkskörper zum Käfig steckt. Da diese Technik ebenfalls einem Verschleiß unterliegt, kontrolliere die Funktion bzw. die Wirkung der Kupplung: Der Käfig darf sich nur mit spürbarem Kraftaufwand nach vorne bewegen lassen - Du spürst ein deutliches Losbrechmoment im Gelenk, bevor du gegen die Federkraft andrückst. So soll es sein! Prüfe den Widerstand des Käfigs sowie eventuelles Spiel in den Gelenken und Röllchen.
Schlägt das Schaltwerk gegen einen festen Gegenstand, verbiegt das Schaltauge auch gerne mal, obwohl das Schaltwerk selbst vielleicht gar nicht viel abbekommen hat. Dafür ist es schließlich auch da: Als „Sollbruchstelle“ zwischen Rahmen und Schaltwerk. Wir empfehlen, bei Beschädigung direkt ein neues Schaltauge zu verbauen.
Damit der Schaltgriff exakte „Befehle“ an das Schaltwerk weiterleiten kann, muss der Schaltzug und die schützende Außenhülle akkurat angeschlossen sein. Wenn Du einen neuen Schaltzug installierst, solltest Du auch immer gleich prüfen, ob er reibungsarm durch die komplette Hülle gleitet. Falls nicht, musst Du besser auch die Hülle tauschen. Beim Kürzen einer neuen Außenhülle ist wichtig, dass sie sauber und im 90°-Winkel abgeschnitten wird. Nimm hierzu auf keinen Fall einen Seitenschneider oder die Kombizange, da die Hülle hierbei gequetscht wird. Ein Bowdenzugschneider schert die Außenhülle sauber und quetschfrei ab. Mit einem speziell beschichteten Schaltzug verringerst Du die Reibung nochmals spürbar.
Prüfe die Reibung des Schaltzugs in der Außenhülle. Präzises Schalten geht nur mit wenig Reibung! Zu enge Radien bei der Verlegung der Außenhülle erhöhen die Reibung unnötig und sollten daher vermieden werden. Die Endkappe muss kräftig auf die Hülle gedrückt werden, damit sie später nicht noch weiter nachgibt, was die Schaltzug-Spannung wiederum verändern würde.
Vermeide enge Radien bei der Zugverlegung. Lieber etwas mehr Leitung und dafür weite "Kurven" - das senkt die Reibung.
Schritt-für-Schritt-Anleitung zum Schaltzugwechsel
Bevor es losgeht: Zeit solltest du dir für diesen Job auf jeden Fall genug nehmen. Grund sind die heute üblichen, im Inneren des Rahmens verlaufenden Züge. Das verschönt zwar die Optik des Bikes, erfordert aber einige Überlegungen und Arbeitsschritte mehr, als das früher bei außen verlegten Zügen der Fall war. Deshalb ist es auch keine Schande, wenn du nach dem Lesen des Artikels vielleicht entscheidest, das Bike für den Schaltzugwechsel lieber einer Fachwerkstatt anzuvertrauen.
In welchem Turnus ein Schaltzug erneuert werden muss, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Vor allem aber von der Nutzungsintensität. Denn die Gleitfähigkeit des Stahlseils in der Außenhülle nimmt mit der Zeit ab. Hinzu kommt der Störfaktor Schmutz, der trotz winziger Dichtungen an den Ein- und Ausgängen der Außenhüllen ins Innere eindringen kann. Weitere mechanische Einflüsse können das Schaltverhalten verschlechtern, zum Beispiel abknickende oder ungünstig verlegte Züge.
Untrüglicher Hinweis auf einen notwendigen Zugwechsel sind permanente, unpräzise Schaltschritte. An modernen Schaltungen mit 10, 11 und mehr Ritzeln auf engstem Raum muss das Schaltwerk extrem kleine und präzise Schritte ausführen. Wenn die Schaltrollen am Ende des Schaltvorgangs nicht exakt senkrecht unter dem gewählten Ritzel stehen bleiben, erzeugt die Kette Laufgeräusche oder springt zum benachbarten Zahnkranz über. Man kann sich also vorstellen, dass jede Behinderung des Schaltseils auf seinem langen und kurvenreichen Weg vom Lenker zum Schaltwerk Probleme verursacht.
Unser wichtigster Tipp zu Beginn: Bei einem Zugwechsel sollte stets das gesamte System erneuert werden, also Innenzug UND Außenhülle. Grund: Weil das Gleitmittel im Liner verharzt, bringt ein neues Stahlseil kaum eine Verbesserung (als Liner bezeichnet man das Kunststoffröhrchen in der Zughülle). Nur bei einem neuen Komplettsystem ist bestmögliche Gleitfähigkeit gegeben. Zugegeben, der Kompletttausch ist etwas aufwändiger, aber dafür muss man heute bei Einfach-Antrieben nur noch einen Zug wechseln.
Benötigtes Werkzeug und Material:
- Zughüllenschneider (Cable Cutter)
- Inbussatz
- Kreuzschlitz-Schraubendreher
- Klebeband
- Teflonspray oder Silikonöl
- Schaltzugset (Innenzug und Außenhülle)
- Liner (falls erforderlich)
- Zugendhülsen
- Endkappen
- RockShox Barb Connector (optional, für durchgehende Außenhüllen)
Die Step-by-Step Anleitung (für durchgehende Außenhüllen):
- Zug entlasten: Schalten Sie die Kette aufs kleinste Ritzel. Betätigen Sie den oberen Hebel so oft, bis keine Schaltstufe mehr möglich ist. Dann liegt die Plombe am oberen Zugende in der richtigen Position und kann später herausgeschoben werden.
- Schaltzug lösen: Knipsen Sie die Endkappe am unteren Zugende ab. Als Werkzeug empfiehlt sich ein Kabelschneider. Danach müssen Sie die Klemmschraube mit einem Inbusschlüssel lösen. Drehen Sie die Schraube aber nur so weit, bis sich der Zug locker aus der Klemmung ziehen lässt.
- Ausfädeln: Öffnen Sie mittels Kreuzschlitz-Schraubendreher die kleine Plastik-Abdeckschraube, die Sie bei Shimano-Schaltungen zwischen den Hebeln finden. Schieben Sie danach von hinten den Zug heraus, bis oben an der Öffnung die kleine Plombe erscheint.
- Zughülle mobilisieren: Selbst bei komplett innenverlegten Zügen sollten Sie prüfen, ob Sie auch die Hülle tauschen müssen. Wenn nicht, können Sie etwas Silikonöl in das obere Ende geben. Dann läuft der neue Zug geschmeidiger und ist besser vor Korrosion geschützt.
- Einfädeln: Fädeln Sie den Zug zuerst in den Schalthebel ein - gehen Sie dabei in umgekehrter Reihenfolge wie in Schritt 3 vor. Hebel verschließen. Dann in Hülle einfädeln. Auf deren Ende eine gedichtete Endkappe aufsetzen (Shimano: eine mit vier Rillen an der Seitenwand, ungedichtete haben zwei).
- Justageschraube herausdrehen: Am Schalthebel befindet sich eine Einstellschraube. Drehen Sie sie raus, erhöhen Sie die Zugspannung. Drehen Sie sie hinein, lässt die Spannung nach. Drehen Sie die Schraube komplett rein und dann wieder eine Umdrehung raus, bevor Sie den Zug befestigen.
- Zug befestigen: Führen Sie den Zug am Schaltwerk durch die Führung unter der Klemmung hindurch. Sobald er richtig sitzt, können Sie die Klemmschraube wieder anziehen. Achten Sie darauf, dass der Zug nur leicht gespannt ist. Zum Schutz eine Metallkappe auf das Zugende knipsen.
- Schaltung einstellen: Schalten Sie jeden Gang durch. Falls das Schaltwerk unsauber arbeitet, müssen Sie die Zugspannung regulieren. Am besten geht der Check auf dem dritt- und viertkleinsten Ritzel. Die Zähne müssen exakt in der Mitte der Kettenlaschen stehen.
Die Anleitung für den Fall, dass die Außenhüllen nicht durchgehend verlegt sind:
- Vorbereitung: Schalten Sie die Kette aufs kleinste Ritzel. Lösen Sie den entspannten Schaltzug an der Klemmschraube am Schaltwerk.
- Außenhülle entfernen: Ziehen Sie die Außenhülle am Schalthebel einige Zentimeter weg und legen Sie das Stahlseil frei. Schneiden Sie es dort ab. Entfernen Sie das Segment der Außenhülle zwischen Lenker und Rahmenrohr, so dass das blanke Schaltseil noch aus dem Rahmen hängt. Entfernen Sie ebenso die Außenhülle unten am Tretlager.
- Liner verwenden: Schieben Sie den Liner über den alten Seilzug, bis er unten wieder aus dem Rohr kommt. Ziehen Sie erst jetzt den alten Zug nach unten aus dem Liner. Achten Sie darauf, dass der Liner im Rohr an Ort und Stelle bleibt! Er dient als Führung für das neue Schaltseil.
- Neue Außenhüllen zuschneiden: Schneiden Sie die neuen Außenhüllen-Segmente auf die richtigen Längen. Optimieren Sie die Verlegung, falls die alten Hüllen zu lang oder kurz waren. Weiten Sie die Einlässe mit einem Nagel, bevor Sie die PVC-Endhülsen aufstecken.
- Neues Schaltseil einfädeln: Schrauben Sie am Hebel die Zugwechsel-Öffnung auf. Schieben Sie den alten Seilrest heraus. Fädeln Sie das neue Seil durch den Hebel und das erste Segment der Außenhülle. Fädeln Sie es anschließend vorsichtig durch den Liner im Rahmenrohr. Sobald das Seil unten auftaucht, ziehen Sie den Hilfs-Liner mit dem Seil zusammen durch bzw. aus dem Rahmen.
- Abschluss: Fädeln Sie den Schaltzug und weitere Außenhüllensegmente bis zum Schaltwerk. Ziehen Sie das System straff, klemmen Sie das Seil und stellen Sie die Schaltung gegebenenfalls ein.
Feineinstellung und Nachjustierung
Nach dem Wechsel des Schaltzugs ist eine korrekte Einstellung unerlässlich. Hierzu dienen die Einstellschrauben am Schaltwerk:
| Schraube | Funktion | Einstellung |
|---|---|---|
| H-Schraube (High Limit Screw) | Begrenzung des Schaltwerk-Schwenkbereichs am kleinsten Ritzel (schwerster Gang) | Schalträdchen muss unter dem kleinsten Ritzel stehen. |
| L-Schraube (Low Limit Screw) | Begrenzung des Schaltwerk-Schwenkbereichs am größten Ritzel (leichtester Gang) | Schaltwerk darf nicht über das größte Ritzel hinaus in die Speichen gelangen. |
| B-Schraube (B-Screw) | Abstand des oberen Schalträdchens zum jeweiligen Ritzel | Korrekter Abstand sorgt für optimale Schaltperformance. |
Ein neues Schaltzugsystem muss man nach den ersten Ausfahrten meist ein oder zwei Mal nachjustieren! In der Regel genügt dazu ein kleiner Dreh an der Zugspannschraube, dort wo der Zug am Schalthebel anflanscht. Grund: Die Abfolge aus Außenhüllensegmenten, Endhülsen und Anschlägen drückt sich bis zum endgültigen Sitz etwas zusammen. Dadurch gibt der Seilzug minimal nach - die Schaltung wird unpräzise.
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