Die Grenzen sind leider im Moment zu oft wieder dicht, aber davon wollen wir uns nicht aufhalten lassen. Im Kopf kann man sowieso immer reisen. Und auch in Deutschland ist es ja schön, mit dem Rad zu fahren. Das haben wir alle im vergangenen Jahr schätzen gelernt.
Die Reiseräder in unserem Test können, müssen aber nicht, bis ans Ende der Welt fahren. Der Test besteht im Prinzip aus zwei, nein, drei Teilen. Part eins vergleicht sechs Trekking-Reiseräder direkt miteinander. Sie sind voll ausgestattet und auf umfangreichen Gepäcktransport für die große (Welt-)Reise ausgelegt. Ihnen folgen drei Randonneure. Sie sind die Leichtathleten unter den Reiserädern und mögen es auch lieber leichter bepackt. Dabei sind die Übergänge durchaus fließend.
Grundlegende Anforderungen an Reiseräder
Ist es das Gefühl - das man nie mehr vergisst - wenn das bepackte Rad satt auf der Straße liegt? Ja, schon! Dafür bedarf es aber einiger Voraussetzungen. Grundlegend ist ein höheres Systemgewicht für alles, was mitmuss. 160, besser 180 und teils über 200 kg sind sinnvoll. Weniger wird arg knapp, wenn die Fahrer schon 80, 90 kg wiegen und das Rad beinahe 20. Dann muss der temporäre Hausstand noch irgendwo untergebracht und befestigt werden.
Stabile Gepäckträger am Heck, mit tiefer Einhänge-Ebene für besseren Schwerpunkt, sind das Mindeste. Voraussetzung für hohe Systemgewichte sind wiederum stabile Bauteile. Dazu gehören etwa hochwertige, breite Hohlkammer-Felgen und verstärkte Speichen - sehr bewährt sind (Doppel-)Dickend-Speichen, konifiziert mit 1,8 und 2,0 mm Durchmesser. Starke Vorbauten und stabile Lenker, wie Ergotec-Level 6, sind ebenso nötig.
Hochwertige Stähle oder Titan sind daher meist erste Wahl, auch weil sie öfter als Maßrahmen angeboten werden. Es kommt aber auch Aluminium zum Einsatz, im Test zum Beispiel bei den Randonneuren. Das Argument, Stahl könne man überall einfach reparieren, gilt nicht bei modernen, hochklassigen, sehr dünnwandigen Rohrsätzen.
Reparierbarkeit vs. Haltbarkeit
Ein anderer Streitpunkt lautet: „reparierbar oder haltbar?“. Das bezieht sich zuallererst auf Bremsen und Schaltung, betrifft aber doch jedes Teil. Argumente gibt es reichlich für beides. Richtig ist: Wer viel repariert, trägt vermutlich viel Werkzeug und Ersatzteile mit sich. Wer sich auf Haltbarkeit verlässt, dem fehlt am Ende doch ein Teil.
Unsere Reiseräder im Test setzen voll auf moderne, hydraulische Scheibenbremsen. Hat die Leitung ein Leck, ist das ein Problem. Ihre Leistung und Zuverlässigkeit unter allen Bedingungen sprechen aber für sie. Beim Antrieb liegt die Kettenschaltung im Test klar vorne. Wo es bergab geht, so die Erkenntnis, geht es auch sicher wieder bergauf. Übersetzungen kleiner 1:1 sind daher Pflicht, um das auch bepackt zu erkurbeln. Im Test ist die kleinste minimale Entfaltung 1,3o Meter. Das ist ein sehr, sehr guter Wert. Große Raumgewinne von über 2 bis fast 10 Metern pro Kurbelumdrehung stehen aber wenig überraschend auch hoch im Kurs. Je breiter das Übersetzungsspektrum, desto besser kann man beide Welten abdecken.
Beleuchtung und Ausstattung
Bei der Beleuchtung ist uns eine hochwertige, ausfallsichere Dynamo-Anlage wichtig. Sie ist zwar schwerer, dafür aber jederzeit verfügbar. Und um einen USB-Lader ergänzt, kann man unterwegs fast alle elektronischen Geräte aufladen.
Alle 9 Testräder verkörpern die große Bandbreite an Ansprüchen. Sie sind dabei hochwertig und zuverlässig. Die ausführlichen Testberichte lesen Sie in der Radfahren 4/2021. Darüber hinaus stellen wir sieben weitere Reiseräder und Randonneure von Böttcher, Velotraum, MTB Cycletech, Bendixen, idworx, Rotor und Norwid vor.
Soil Ultra Trekking Lite im Detail
Das Ultra Trekking Lite von Soil zeigt, dass Reiseräder nicht unbedingt schwer sein müssen. Leicht, schnittig, wendig und agil, mit kompletter Reise-Ausstattung inklusive Schutzblechen, Gepäckträger vorne und hinten sowie Beleuchtung: Das Ultra Trekking Lite von Soil ist ein knapp 11,5 kg schweres Schmuckstück.
Das Design des leichten Aluminiumrohrsatzes verleiht dem Rahmen eine hohe Steifigkeit. Er ist ausgesprochen sportlich ausgelegt und verlockt dazu, lange Strecken auf der Straße zurückzulegen. Ausflügen auf unbefestigten Wegen steht nichts im Wege, aber insgesamt ist das Ultra Trekking Lite als Reiserad für die Straße gedacht. Dabei dürfen Berge auf dem Programm stehen, die Übersetzung bietet viele Gänge im kleinen Bereich. Die Shimano Deore XT-Ausstattung arbeitet gewohnt zuverlässig. Die vordere V-Brake ist mit einem gut funktionierenden Shimano-Bremsverzögerer ausgestattet.
Mavics Ksyrium-Laufräder zeichnen sich durch ihr geringes Gewicht und gute Aerodynamik aus. Allerdings müssen für diese Laufräder extra Ersatzteile mitgenommen werden - der Spanner für die Speichennippel wird mitgeliefert. Das Rad wird mit Lichtanlage ausgeliefert, wobei die Rückleuchte mit Standlichtfunktion ausgestattet ist. Der Union-Rollendynamo wird bequem mit einem Rasterschritt des Schalthebels am Unterrohr eingeschaltet.
Die Schalt- und Bremszüge sind schmutzunanfällig am Oberrohr verlegt und an allen wichtigen Stellen zusätzlich mit Schmutzfängern ausgestattet. Das vordere Schutzblech ist sehr sorgfältig montiert. Am Testrad fiel auf, dass die Streben des hinteren Schutzblechs noch vor den Gepäckträgerstreben an die Anlötaugen des Rahmens montiert wurden. Dem kritischen Auge fallen ebenso unschön zwei einfache Schrauben auf, die hinten im Bremssteg den Gepäckträger und vorne die Lampe halten.
Für das geringe Gewicht mussten manche Konzessionen gemacht werden. Das Rad und vor allem die Gepäckträger sollten nicht mit zu viel Gewicht belastet werden. Für das getestete Modell gibt der Hersteller eine Maximallast von 110 kg an, die Montage von Anhängern ist nicht zulässig. Zusammen mit dem Lowrider Duo können ca. 33 kg Gepäck transportiert werden. Auch mit Gepäck sind die Fahreigenschaften des Ultra Trekking Lite sehr zu loben.
Der gerade Lenker ist wie der Vorbau aus besonders leichtem Aluminium (“Ergal”) gefertigt. Um bei längerer Fahrt Abwechslung in der Sitzposition zu bieten, sollten unbedingt Hörnchen montiert werden, die optional geliefert werden. Soil bietet einen begrüßenswerten Service: jedes Rad wird mit einem Fahrzeugbrief und -schein ausgeliefert, aus dem technische Angaben wie Länge, Gewicht, zulässiges Gesamtgewicht und Achslasten sowie Ausstattungsmerkmale hervorgehen. Die benötigten Servicehefte der Komponenten gehören ebenso dazu wie Werkzeug und Wartungsanweisungen.
Spezifikationen des Soil Ultra Trekking Lite
- Rahmen: Soil Smart Tube Set (7020-TL Aluminium, mehrfach konifiziert)
- Gabel: Alu Trekking-Spezial, mit durchgehenden Anlötösen für Tubus Duo-Lowrider
- Schaltung: Shimano Deore XT
- Bremsen: Shimano Deore XT
- Laufradsatz: Mavic Ksyrium
- Gewicht: ca. 11,5 kg
Wer auf seinen Radreisen mit nicht zu viel Gepäck vorwiegend auf Asphalt unterwegs ist, kann vom Ultra Trekking Lite in Versuchung geführt werden. Das geringe Gewicht prädestiniert es geradezu für Bergtouren, und auch im Flachen verführt das Rad zu sportlichem Fahren.
Das Ultra Trekking Lite ist nicht gerade billig, aber der steife Rahmen, die hochwertigen Komponenten und die durchdachte Ausstattung rechtfertigen den Preis dieses Leichtgewichts.
Weitere getestete Modelle und ihre Besonderheiten
Neben dem Soil Ultra Trekking Lite wurden auch andere Modelle getestet, die sich durch spezifische Eigenschaften auszeichnen:
- Schauff Sumo: Konzipiert für große und gewichtige Fahrer, mit einer Tragfähigkeit von bis zu 190 kg.
- Tout Terrain: Bietet besondere Lösungen wie den sauberen Gates-Riemenantrieb mit Rohloff-Nabe und rahmenintegrierten Gepäckträger aus Edelstahl.
- Rennstahl: Ein Allrounder unter den Randonneuren mit hohem Komfort und einer Ausstattung, die keine Wünsche offen lässt.
- Norwid Skagerrak: Ein auf Maß gefertigter Randonneur aus Columbus Zona- und Life-Rohren, der Fahrspaß und reisetauglichen Aufbau vereint.
- Velotraum Speedster: Ein agiles Rad mit exzellentem Grip und hoher Fahrsicherheit, ideal für Fahrten mit Gepäck.
- Contoura iWerk: Ein sportlicher Allrounder mit elektronischer Shimano Ultegra DI2 Schaltung und ausgewogenem Fahrverhalten.
- Salsa Marrakesh: Der beste Randonneur fürs Grobe, ausgestattet mit einem robusten Stahlrahmen und vielseitigen Montagemöglichkeiten für Zubehör.
- Poison Taxin: Ein leichter und fahrstabiler Alurahmen, der individuell konfiguriert werden kann und sich besonders für sportliche Touren eignet.
- VSF Fahrradmanufaktur TX Randonneur: Ein Klassiker mit allem, was man für lange Reisen auf der Straße braucht, von den Gepäckträgern bis zur Shimano 105 3-fach-Gruppe.
Reiseräder mit Rennlenker: Eine vielseitige Option
Reiseräder mit Rennlenker sind im Kommen. Ein Grund dürfte sein, dass die Radgattung vielseitiger wird und immer mehr Komfort bietet. Die Tage, in denen der Rennlenker nichts als körperquälende Sportlichkeit signalisierte, scheinen gezählt. Tatsächlich kann man mit Rennlenker heutzutage ganz normal, ganz ohne übertriebenen sportlichen Ehrgeiz Radfahren. Das liegt vor allem daran, dass die Sitzhaltung auf modernen Rädern mit Rennlenker meist deutlich komfortabler ausfällt als noch vor wenigen Jahren. Jetzt muss man sich nicht mehr so stark bücken.
Randonneure profitieren davon besonders. Denn die Haltung immer wieder zu verändern, entlastet alle Teile des Oberkörpers gerade auf langen Strecken enorm. Gleichzeitig bringt die sogenannte „Unterlenkerhaltung“, wenn der Fahrer in die Biegung greift, eine sehr gute Position, um dem Gegenwind beim schnellen Fahren ein Schnippchen zu schlagen.
Verstärkung erhält die Gattung durch den Trend der Gravelbikes. Das sind geländetaugliche Räder mit Rennlenker, gemacht um lange Strecken auf befestigten, aber nicht geteerten Wegen zurückzulegen. Von diesen sogenannten „Gravelroads“, wie sie in der Trendheimat USA heißen, haben die neuen Bikes auch ihren Namen. Von echten Rennrädern unterscheiden sie sich meist durch einen längeren Radstand und ein tieferes Tretlager für ruhiges Fahrverhalten. Insofern sind sie den Randonneuren ähnlich.
Testkriterien für Reiseräder mit Rennlenker
Die Räder werden in den gezeigten Kategorien nach einem Punkteschema mit über 90 einzelnen Unterpunkten bewertet: von der Dicke der Reifen und der Qualität der Kontaktpunkte für den Komfort bis hin zur Art der Kabelverlegung, dem Bremsentyp (Stichwort: Wartungsarmut) oder dem Kettenschutz in der Alltagswertung.
Wegen des großen Preisspektrums im Test haben wir die Räder für die Vergabe der Top-Produkt- und Preis-Leistungsempfehlungen in zwei Klassen aufgeteilt: Modelle bis 2.000 Euro und Modelle über 2.000 Euro.
Als Maßstab für die Bewertung der Gewichtszulassung legten wir ein Fahrergewicht von 90 kg zugrunde sowie ein Gepäck von 15 kg. So konnte ein Rad mit einer Gewichtszulassung von 120 kg in diesem Punkt schon eine gute Bewertung erhalten. Bei unseren Reiserad-tests liegt diese Grenze bei 140 kg. So konnten insgesamt weniger Punkte vergeben werden.
Die Bewertungen der Radreisequalität und des Fahrverhaltens beinhalten subjektive Einschätzungen der Tester. So wird etwa die gefühlte Fahrsicherheit bei Lastwechseln mit einem Gepäck von 15 kg mit bis zu 10 von 47 Punkten belohnt.
Schauff E-Bike Modelle (2015)
Hier eine Übersicht einiger E-Bike Modelle der Marke Schauff aus dem Jahr 2015:
| Modell | Typ | Laufradgröße | Schaltung | Motor | Akku | Preis (ca.) |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Herren Pedelec | Trekking Bike | 28 Zoll | Shimano SLX Hinterradnabe | 25W Ansmann RM7.0 | 36V 9Ah | 5.199€ |
| Herren Pedelec | Trekking Bike | 28 Zoll | Shimano XT Hinterradnabe | 25W Ansmann RM7.0 | 36V 9Ah | 5.199€ |
| Herren Pedelec | Trekking Bike | 28 Zoll | Nuvinci 360 Vorderradnabe | 250W Ansmann Vorderrad-Nabenmotor Typ A | 36V 12Ah | 3.799€ |
| Herren Pedelec | Trekking Bike | 28 Zoll | Shimano Hinterradnabe | 250W Ansmann Hinterrad-Nabenmotor Typ C | 36V 9Ah | 4.999€ |
| Unisex Pedelec | Faltrad / Kompakt | 20 Zoll | Shimano Nexus Vorderradnabe | 250W Ansmann Vorderrad-Nabenmotor Typ A | 36V 9Ah | 2.599€ |
| Unisex Pedelec | Sonder- / Spezialform | 26 Zoll | Nuvinci 360 Vorderradnabe | 250W Ansmann Vorderrad-Nabenmotor Typ A | 36V 9Ah | 4.299€ |
| Unisex Pedelec | Sonder- / Spezialform | 26 Zoll | NuVinci N360 Vorderradnabe | 250W Ansmann Vorderrad-Nabenmotor Typ A | 36V 12Ah | 4.499€ |
| Unisex Pedelec | Sonder- / Spezialform | 26 Zoll | Rohloff Speedhub Vorderradnabe | 250W Ansmann Vorderrad-Nabenmotor Typ A | 36V 12Ah | 5.299€ |
| Unisex Pedelec | Sonder- / Spezialform | 26 Zoll | Rohloff Speedhub Vorderradnabe | 250W Ansmann Vorderrad-Nabenmotor Typ A | 36V 9Ah | 4.999€ |
| Unisex Pedelec | Sonder- / Spezialform | 28 Zoll | Shimano XT/Alivio Hinterradnabe | 25W Ansmann RM7.0 | 36V 9Ah | 5.199€ |
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