Die Fahrradbremse ist das wichtigste Sicherheitsbauteil am Fahrrad. Damit die Bremse zuverlässig funktioniert und das Fahrrad bei normalen Bremsvorgängen aber auch bei Gefahrenbremsungen zum Stillstand bringt, sollten die Bremsbeläge und die Bremsen Hand in Hand arbeiten.
Grundsätzlich unterscheiden wir in diesem Beitrag zwischen zwei der verschiedenen Arten von Fahrradbremsen: Felgenbremsen (V-Brakes, Seitenzugbremsen, Cantilever-Bremsen) und Scheibenbremsen. Beide Bremsarten haben Bremsbeläge, die von außen sichtbar sind und bei denen man den Verschleiß optisch erblicken kann.
Neben den unzähligen Bauformen von Bremsbelägen für die verschiedenen Bremsenmodelle (hier bitte immer nur für Modelle explizit passende Beläge verwenden) gibt es weitere Faktoren, in denen sich Bremsbeläge unterscheiden. Der größte und wichtigste Unterschied hierbei ist die Belagmischung.
Verschiedene Arten von Bremsbelägen
Es gibt verschiedene Arten von Bremsbelägen, die sich in ihrer Materialzusammensetzung und ihren Eigenschaften unterscheiden. Hier ist ein Überblick über die gängigsten Typen:
- Organische Bremsbeläge: Sie eignen sich am besten für Bremsscheiben mit kleinen Aussparungen. Durch die weichere Belagmischung schonen sie die Bremsscheibe, verschleißen jedoch auch am schnellsten. Sie gelten als leise und haben gute Kaltreibeigenschaften (Arbeitstemperatur bis ca. 380° C). Die Inhaltsstoffe sind ähnlich denen der organischen Beläge (Glas, Gummi, Carbon, Kevlar etc.).
- Semi-metallische Bremsbeläge: Sie bieten das Beste aus beiden Welten. Überragende Bremskraft, geringerer Verschleiß als organische Beläge, gute Kalt- und Heißreibeigenschaften (Arbeitstemperatur bis ca. 500° C). Diese Bremsbeläge eignen sich auch für Bremsscheiben mit großen Aussparungen. Durch die härtere Belagmischung verschleißen die Bremsscheiben schneller als bei organischen Belägen. Je nach Bremssystem neigen diese gelegentlich zum Quietschen. Sie bestehen aus den Inhaltsstoffen der organischen Beläge zuzüglich ca. 10-30 % metallischer Bestandteile.
- Gesinterte Bremsbeläge: Sie haben eine harte Belagmischung und eignen sich somit auch für Bremsscheiben mit großen Aussparungen. Sie haben sehr gute Heißreibeigenschaften und bieten beste Bremskraft. Der Belagverschleiß ist wesentlich geringerer als bei organischen Belägen, durch die härtere Belagmischung verschleißen allerdings die Bremsscheiben schneller als bei organischen Belägen.
- Keramische Bremsbeläge: Sie haben eine sehr harte Belagmischung und somit einen sehr geringen Verschleiß. Sie sind für Bremsscheiben mit großen Aussparungen und den harten Einsatz bei Schlamm und Nässe geeignet. Sie haben überragende Heißreibeigenschaften (Arbeitstemperatur bis ca. 650° C). Bei niedrigen Temperaturen geht die Bremskraft jedoch merklich zurück.
Trägerplatte des Bremsbelags
Ein weiteres Unterscheidungsmerkmal ist die Trägerplatte des Bremsbelags. Bei den meisten Bremsbelägen aus Stahl ausgeführt, gibt es auch Trägerplatten aus Aluminium oder selten auch aus Titan.
Bei den Trägerplatten können Materialien wie Stahl, Aluminium und Titan zum Einsatz kommen. Teilweise können die Bremsbeläge Kühlrippen aufweisen. Dies ist jedoch im normalen Alltagsfahren kaum notwendig und eher etwas für alle, die sportlich und bei Wettkämpfen unterwegs sind. Die Trägerplatte ist der Halter für den Bremsbelag selbst.
Worauf Sie beim Kauf achten sollten
Beim Kauf sollte in der Produktbeschreibung darauf geachtet werden, dass der Bremsbelag zur entsprechenden Scheibenbremse des vorhandenen Herstellers passt. Es ist daher die Bezeichnung der Bremse abzulesen, diese ist entweder auf dem Bremssattel bzw. der Bremse zu finden oder im Datenblatt des Fahrrads / E-Bikes.
Die unterschiedlichen Hersteller der Bremsen haben teilweise andere Bauarten der Trägerplatte. Somit passt nicht jeder Belag auf jede Bremse bzw.
Hinweis: Einige Bremsscheiben sind nur für den Einsatz von Sintermetall oder organischen Belägen konzipiert. Hier sollte man sich an die Herstellerangabe des Bremsscheibenherstellers halten. Eine Weiche Scheibe kann durch harte Sinterbeläge sehr schnell abnutzen, warm werden und ggf.
Wer sich nicht sicher ist welche Beläge er kaufen soll, der ist gut damit beraten einen Fachhändler aufzusuchen oder sich für genau die Beläge zu entscheiden, die er austauschen möchte. Sofern man mit der Bremsleistung zufrieden war, spricht nichts dagegen, dieselben Bremsbeläge wieder zu verbauen. Beim Tausch der Bremsbeläge sollte immer die gesamte Bremse untersucht werden. Bremsscheiben aber auch die Felge sind auf Verschleiß zu kontrollieren.
Das richtige Einbremsen der Bremsbeläge
Essentiell bei jedem neuen Bremsbelag ist das richtige Einbremsen. Wichtig ist zunächst, dass die Bremsbeläge sich auf die Bremsscheibe einschleifen.
So wird sichergestellt, dass die Bremse um Ernstfall ihre volle Bremsleistung entfalten kann.
Beläge und Scheiben müssen sich aneinander gewöhnen. Dabei soll es ruhig heiß hergehen. Was viele nicht wissen: Das Paarungsverhalten von Belägen und Scheibe hängt entscheidend von den ersten gemeinsamen Momenten ab.
Dazu empfehlen sich ca. 25-35 mittelstarke Bremsungen aus moderater Geschwindigkeit. Nach Abschluss dieser Phase sollte sich die Bremswirkung nicht mehr merklich erhöhen - ansonsten lieber nochmal ein paar zusätzliche Bremsungen durchführen.
Metallische oder semi-metallische Bremsbeläge benötigen eine höhere Temperatur, um eine tragfähige Reibschicht auszubilden. Hier ist es daher zusätzlich notwendig, die Beläge einmalig richtig heiß werden zu lassen bis die Bremswirkung sich merklich verschlechtert (z.B.
Anleitung zum Einbremsen:
- Einschleifen: Im Neuzustand oder nach dem Wechsel einer Komponente müssen sich Scheibe und Belag erst geometrisch anpassen. Dazu die Bremse bei langsamer Fahrt drei Mal zirca 30 Sekunden leicht schleifen lassen.
- Reibschicht erzeugen: Auf Belag und Scheibe muss sich eine mikroskopisch dünne Schicht bilden, die durch Materialaustausch von Scheibe und Belag entsteht. Erst auf ihr sind hohe Reib- und gute Verschleißwerte möglich. Beschleunigen Sie auf circa 30 km/h und bremsen Sie dann bis auf Schritt-Tempo ab - und zwar so lange, bis sich die Bremswirkung nicht mehr merklich erhöht, ungefähr 30 Mal.
- Heiß bremsen: Sinterbeläge benötigen teilweise hohe Temperaturen, um eine tragfähige Reibschicht zu erzeugen, organische Beläge können ausgasen. Damit das nicht aus heiterem Himmel passiert, bremsen Sie auf einer langen, steilen Abfahrt die Bremse (einzeln) richtig heiß. Wenn es beißend stinkt, ist das jetzt ausnahmsweise ein gutes Zeichen. Dann gut abkühlen lassen!
Bremsbelagtests in Fachzeitschriften
Um Dir eine Entscheidungshilfe bei der Auswahl unter den unzähligen Bremsbelägen zu geben, gibt es zum Glück regelmäßige weitestgehend objektive Bremsbelagtests in diversen Bike-Zeitschriften.
Im Test befanden sich 15 Bremsbeläge, darunter 4 für Avid-Bremsen, 6 für Formula-Bremsen und 5 für Shimano-Bremsen mit den Bewertungen 1 x „überragend“, 13 x „sehr gut“ und 1 x „gut“.
Unterschiedliche Härtegrade und Wettereinflüsse
Ähnlich wie es bei Fahrradreifen der Fall ist, können Bremsbeläge auch einen unterschiedlichen Härtegrad aufweisen. Alleine durch Temperaturunterschiede können die Materialien im Winter wesentlich härter sein als im Sommer.
Im persönlichen Fahrrad Bremsbelag Test haben wir härtere und weichere Bremsbeläge getestet. Das Material und die Bremsleistung ist auch von Wettereinflüssen abhängig. An heißen Tagen können bestimmte Materialen wesentlich besser „greifen“ als bei Minustemperaturen. Die Bremsleistung war bei nassem Wetter schlechter als an trockenen Tagen.
Fading
"Fading" bezeichnet ein plötzliches Abfallen der Bremskraft durch hohe Temperatur.
- Dies geschieht in der Regel nach dem Loslassen des Bremshebels, da zuvor der hohe Leitungsdruck auch den Siedepunkt der Bremsflüssigkeit stark erhöht.
- Die Bremsbeläge (vor allem bei organischen Belägen) werden so heiß, dass bestimmte nicht ausgehärtete Bestandteile verdampfen. Bis alle flüchtigen Bestandteile komplett ausgegast sind, bleibt der Druckpunkt gewohnt hart, es tritt jedoch kaum eine Bremswirkung ein.
Bekannte Bremsbeläge im Test
Im Folgenden werden einige Bremsbeläge und deren Testergebnisse aus einem Test von BIKE vorgestellt:
Magura MT6 mit Storm HC 180 Disc
Besonders Touren-Biker schätzen die Bremskraft und die Zuverlässigkeit der MT6. Die Beläge wurden, wie bei Shimano und Sram auch, auf einer 180er-Scheibe ermittelt.
Kool-Stop D160
- Bewertung: SEHR GUT
- Fazit: Leichtes Fading bei hohen Temperaturen und etwas schwache Nasswertung kosten den D160 auf der Magura Punkte. Aber: Top Verschleiß!
Kool-Stop D160S
- Bewertung: SEHR GUT
- Fazit: Höchste Bremskraft bei Nässe und auch bei extremen Temperaturen keine Schwäche. Top! Der D160S schont die Scheibe, kann aber laut werden.
Magura 7.C
- Bewertung: GUT
- Fazit: Starke Bremswerte und bis in höchste Temperaturbereiche sicher. Der relativ hohe Verschleiß drückt auf die Kosten, trotz des günstigen Preises.
Magura 7.P
- Bewertung: SEHR GUT
- Fazit: Lange Einbremszeit lohnt sich! Genauso stark, aber besserer Verschleiß als der hauseigene 7.C - bei extremer Hitze jedoch etwas früher an der Grenze.
Swissstop Disc 30
- Bewertung: GUT
- Fazit: Starker, bissiger Belag! Ein zu frühes, leichtes Fading und eine nur durchschnittliche Laufleistung kosten dem Disc30 das Testurteil Sehr gut.
Swissstop Disc 30 E
- Bewertung: GUT
- Fazit: Der zahme E-Bike-Belag war 2014 auf Shimano Verschleißkönig, verliert auf der Magura MT6 aber mehr Material. Temperaturgrenze von 300 °C.
Shimano Deore XT
Shimanos Bremse der oberen Mittelklasse gilt als robust und ist an vielen Bikes verbaut. Doch welche Beläge harmonieren mit ihr am besten?
Reverse Air-Con
- Bewertung: GUT
- Fazit: Ein guter Systembelag mit separater, gut funktionierender Kühlplatte. Gute Bremskraft. Aber das leichte Initial-Fading kostet Punkte.
Reverse Disc Organic
- Bewertung: BEFRIEDIGEND
- Fazit: Noch gute Bremskraft, jedoch starkes Fading. Belagverschleiß gerade noch befriedigend. Aber: sehr hoher Verschleiß an der XT-Scheibe!
Shimano G02A
- Bewertung: SUPER
- Fazit: Sehr niedriger Verschleiß und höchste Bremskraft auf der XT mit Ice-Tech-Scheibe. Leichtes Fading ab 300 °C verhindert die volle Punktzahl.
Shimano J02A
- Bewertung: SUPER
- Fazit: Genauso bärenstark und langlebig wie der G02A-Belag. Aber auch der J02A zeigt ab 300 °C ähnliches Initial-Fading wie der Bruder - damit verspielt er ein paar Punkte.
Aktuelle Scheibenbremsbeläge im Vergleich (2025)
Hier ist eine Übersicht der besten Scheibenbremsbeläge im Vergleich, basierend auf aktuellen Tests:
| Produkt | Material Bremsbelag | Bremskraft | Vorteile | Nachteile |
|---|---|---|---|---|
| Tektro E10.11 | Semi-metallisch | Sehr hoch | Sehr hohe Bremskraft, geringer Verschleiß, geringe Wärmeleitung, mit sehr vielen Bremssystemen verwendbar | Vergleichsweise hoher Verschleiß |
| Tektro P20.11 | Semi-metallisch | Sehr hoch | Sehr hohe Bremskraft, geringer Verschleiß, geringe Wärmeleitung, mit sehr vielen Bremssystemen verwendbar | Vergleichsweise hoher Verschleiß |
| Miles Racing Fahrrad-Scheibenbremsbeläge | Semi-metallisch | Besonders hoch | Temperaturbeständig, zuverlässiges Bremsen, sehr vielseitig | Vergleichsweise hohe Wärmeleitung |
| Miles Racing MI-MET-65 | Semi-metallisch | Besonders hoch | Längere Nutzungsdauer, bessere Wärmebeständigkeit, TÜV Süd geprüft / EN 14802 | Vergleichsweise hohe Wärmeleitung |
| Miles Racing MI-MET-25 | Semi-metallisch | Besonders hoch | Perfekte Kontrolle, hohe Passform, Rennsport getestet | Vergleichsweise hohe Wärmeleitung |
| Reverse 01853 | Resin - organisch | Hoch | Mit vielen Bremssystemen verwendbar, sehr geringe Wärmeleitung | Vergleichsweise hoher Verschleiß |
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