Scheibenbremse am Fahrrad nachrüsten – Eine detaillierte Anleitung

Fahrradfahren ist nicht nur ein beliebter Freizeitvertreib, sondern auch eine praktische Möglichkeit, sich fortzubewegen. Die Sicherheit spielt dabei eine entscheidende Rolle. Wie in vielen Bereichen der Technik entwickeln und verbessern die Hersteller auch im Fahrradsegment ihre Produkte stetig weiter. Wer mit seinem Fahrrad zufrieden ist und es gut pflegt, muss es nicht ständig ersetzen, um auf dem neuesten Stand der Technik zu sein. In vielen Fällen können moderne Elemente problemlos nachgerüstet werden.

Scheibenbremsen, auch bekannt als Disc Brakes, bieten eine deutlich höhere Bremswirkung als herkömmliche Felgenbremsen. Zudem gelten sie als äußerst zuverlässig und wartungsarm. Heutzutage sind sie bei guten neuen Fahrrädern bereits standardmäßig verbaut.

Voraussetzungen für die Nachrüstung

Bevor Sie mit der Nachrüstung beginnen, sollten Sie prüfen, ob Ihr Fahrrad die notwendigen Voraussetzungen erfüllt. Überprüfen Sie, ob Ihr Fahrrad an der Federgabel und am Hinterbau des Rahmens über Discaufnahmen verfügt. Ebenso müssen am Hinterbau und am Oberrohr Bremsleitungsführungen vorhanden sein. Wenn Ihr Fahrrad diese Merkmale aufweist, können Sie Scheibenbremsen nachrüsten. Andernfalls müssen die entsprechenden Bauteile ausgetauscht werden, da einzelne Aufhängungen nicht erhältlich sind.

Montage der Scheibenbremsen

Es gibt keine allgemeingültige Anleitung, da die Einbauweise je nach Hersteller variieren kann. Bauen Sie die neuen Bremsen immer genau nach der jeweiligen Herstelleranleitung ein und halten Sie sich strikt an die Vorgaben.

Schritte zur Montage:

  1. Scheibenbremse auf der Fahrradnabe montieren: Beachten Sie dabei die Laufrichtung, die in der Regel durch einen kleinen Pfeil gekennzeichnet ist.
  2. Adapter befestigen: Befestigen Sie die mitgelieferten Adapter gemäß der Anleitung am Fahrradrahmen. Achten Sie darauf, den vorderen und hinteren Adapter nicht zu verwechseln.
  3. Bremshebel anbringen und Bremsleitungen verlegen: Montieren Sie die Bremshebel am Lenker und verlegen Sie die Bremsleitungen entsprechend.
  4. Transportsicherungen entfernen: Entfernen Sie die Transportsicherungen an den Bremsbelägen. Wichtig: Betätigen Sie den Bremshebel nicht, da sonst Bremsflüssigkeit austreten und Luft in das System gelangen könnte.
  5. Räder anbauen: Montieren Sie die Räder wieder am Fahrrad.
  6. Bremssattel ausrichten: Achten Sie darauf, dass der Bremssattel mittig zur Bremsscheibe ausgerichtet ist.

Detaillierte Montageschritte

Hebelmontage

  1. Richtige Position: Schieben Sie den Bremshebel zwischen Schalthebel und Griff auf den Lenker. Bei einigen Bremsen kann es sinnvoll sein, Bremse und Schalter umgekehrt zu positionieren.
  2. Richtiger Winkel: Stellen Sie den Bremshebel so ein, dass Ihre ausgestreckte Hand bei gewohnter Sitzposition leicht nach oben abknickt.
  3. Hebelweite/Druckpunkt: Stellen Sie die Hebelweite über eine Madenschraube oder ein Stellrad ein. Der Hebel sollte parallel zum Lenker stehen, wenn der Druckpunkt voll greift.
  4. Abstand vom Griff: Schieben Sie die Befestigungsschelle nach innen, um den Hebel mit einem Finger bedienen zu können.

Bremssattel und Scheibe

  1. Sattel anbringen: Setzen Sie zuerst den passenden Adapter und dann den Bremssattel auf die Bohrungen an Gabel oder Rahmen. Schrauben leicht reindrehen, aber nicht festziehen!
  2. Disc montieren: Ziehen Sie die sechs Torx-Schrauben "über Kreuz" an. Das bedeutet, Sie drehen eine Schraube leicht an, dann die gegenüberliegende. Wiederholen Sie dies im Uhrzeigersinn und ziehen Sie die Schrauben schließlich fest (ca. 5 Nm).
  3. Centerlock: Montieren Sie Centerlock-Discs nur an speziellen Naben. Ziehen Sie den großen Schraubring (40 Nm) mit dem Kassetten-Werkzeug fest.
  4. Sattel ausrichten: Richten Sie den noch lockeren Sattel aus und ziehen Sie ihn danach fest.
  5. Spaltmaß prüfen: Wenn die Disc schleift, lösen Sie eine Schraube leicht und drücken Sie den Sattel mit Fingerspitzengefühl in die perfekte Position. Ziehen Sie die Schraube anschließend fest.
  6. Adapter: Je nach Rahmen, Gabel und gewünschter Scheibengröße benötigen Sie unterschiedliche Adapter. Der Pfeil auf dem Adapter zeigt die Montagerichtung an, und die oft kryptische Bezeichnung gibt das Maß an.

Leitung kürzen

  1. Leitung lösen: Ziehen Sie die Gummistulpe ab, die die Sechskantschraube abdeckt, und lösen Sie die Schraube mit einem 8-mm-Maulschlüssel. Achten Sie darauf, austretende Bremsflüssigkeit aufzufangen.
  2. Länge festlegen: Wählen Sie die Leitungslänge so, dass die Leitung bei vollem Lenkeinschlag noch etwas Spiel hat. Markieren Sie die Stelle.
  3. Leitung kappen: Verwenden Sie ein scharfes Teppichmesser, legen Sie die Leitung auf einen Holzblock und schneiden Sie das Ende im 90°-Winkel ab.
  4. Montage-Kit: Schieben Sie die Stulpe und die Überwurfmutter auf die Leitung, dann den Schneidring ("Olive"). Treiben Sie die Stützhülse mit einem Hammer bis zum Anschlag in die Leitung.
  5. Leitung ansetzen: Drücken Sie die Leitung samt Schneidring in die Gewindeöffnung am Bremshebel und drehen Sie die Mutter anschließend von Hand in das Gewinde.
  6. Festziehen: Ziehen Sie die Mutter mit ca. 5 Nm fest. Die Leitung darf sich nicht aus dem Hebel ziehen lassen.

Hinweise zur Bremsscheibenmontage

Die Montage von Bremsscheiben erfordert Sorgfalt und Präzision, um die Sicherheit zu gewährleisten. Hier sind einige wichtige Aspekte, die Sie beachten sollten:

  • Werkzeugauswahl: Verwenden Sie das passende Werkzeug, wie z. B. Torx-Schlüssel und Drehmomentschlüssel.
  • Reinigung: Reinigen Sie die Bremsscheibe vor der Montage gründlich mit Bremsenreiniger, um Öl oder Fett zu entfernen.
  • Bremssattelposition: Achten Sie darauf, dass der Bremssattel korrekt über den Bremsbelägen und der Bremsscheibe sitzt.
  • Funktionstest: Führen Sie vor der ersten Fahrt einen Funktionstest durch, um sicherzustellen, dass die Bremsen gleichmäßig und ohne Vibrationen greifen.

Bremsscheibensysteme: Centerlock vs. 6-Loch

Es gibt hauptsächlich zwei Befestigungsstandards für Bremsscheiben:

  • 6-Loch: Die Bremsscheiben werden mit sechs Schrauben befestigt, die mit 4-6 Nm angezogen werden sollten.
  • Centerlock: Dieses System verwendet einen einzelnen Abschlussring, der mit einem Kassetten- oder Innenlagerwerkzeug montiert wird. Hier werden 40-50 Nm Drehmoment benötigt.

Vor- und Nachteile der Systeme

Merkmal 6-Loch Centerlock
Vorteile
  • Große Auswahl an Naben und Bremsscheiben
  • Montage per Multitool (meist Torx-25)
  • Ersatzschrauben leicht zu beschaffen
  • Kompatibel mit 15/20mm Achsen
  • Einfache und schnelle Montage
  • Eventueller Gewichtsvorteil
  • Mit Adapter auch 6-Loch Bremsscheiben möglich
Nachteile
  • Montage dauert länger
  • Höhere Wahrscheinlichkeit, ein Gewinde zu beschädigen
  • Spezielles Werkzeug notwendig
  • Reduzierte Auswahl an Bremsscheiben und Naben
  • Keine Umrüstung auf Centerlock möglich
  • Für verschiedene Achsen werden unterschiedliche Abschlussringe benötigt

Bremsscheibendurchmesser

Gängige Bremsscheibendurchmesser sind 140, 160, 180 und 200 mm. Die Wahl des Durchmessers hängt vom Einsatzbereich und dem Fahrergewicht ab:

  • 140mm: Rennräder und Cyclocrosser (Fahrergewicht < 80 kg)
  • 160mm: Cross-Country-Fahrer
  • 180mm: Trail-Touren (vorne und hinten)
  • 200mm: Enduro-Fahren, E-Bikes (vorne und ggf. hinten)

Wichtige Hersteller

Zu den bekanntesten Herstellern von Scheibenbremsen gehören:

  • Shimano
  • SRAM
  • Magura
  • Tektro
  • Trickstuff
  • Hope

Diese Hersteller bieten eine breite Palette an Scheibenbremsen für verschiedene Einsatzbereiche und Budgets an.

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