Die Scheibenbremsen an einem Fahrrad gehören zu den wichtigsten Bauteilen überhaupt. Das gilt für alle Fahrradtypen gleichermaßen, auch wenn natürlich die Fahrradbremse im Gelände höheren Ansprüchen gerecht werden muss. Im Vordergrund stehen hierbei eine ausreichend hohe Bremswirkung und absolute Verlässlichkeit. Richtig eingestellte Scheibenbremsen sind grundlegend für die Sicherheit Ihres Fahrrads.
Denn: Auf die Bremsen muss Verlass sein - ob Sie lange Touren fahren oder nur kurz ums Eck wollen. Korrekt eigestellte Scheibenbremsen verleihen Sicherheit und Kontrolle über Bremsweg und Bremskraft.
Wichtigkeit der regelmäßigen Wartung
Beides kann nur mit einer regelmäßigen Kontrolle und Wartung gewährleistet werden, denn die Bremsbeläge sind ein klassisches Verschleißteil. Die Haltbarkeit von Scheibenbremsbelägen hängt von vielen Faktoren ab, in erster Linie natürlich von der Art und Häufigkeit der Nutzung. Am Anfang stehen allerdings immer eine korrekte Einstellung sowie das absolut notwendige Einbremsen der neuen Beläge. Nur so können Sie das volle Potential überhaupt erst nutzen und die Bremsbacken verschleißen oder verglasen nicht vorzeitig. Schlecht ausgerichtete Schreibenbremsen können zu einem späteren Zeitpunkt die bekannten Probleme, wie zum Beispiel Schleif- oder Quietschgeräusche, verursachen. Diese entstehen oftmals durch asymmetrische Abnutzungen aufgrund einer unsauberen Bremssatteleinstellung.
Grundlagen der Scheibenbremseneinstellung
Um eine Scheibenbremse am Mountainbike richtig einzustellen, müsst ihr einfach gesagt, die Bremsscheibe absolut mittig zwischen den Bremskolben platzieren. Was sich auf den ersten Blick einfach anhört, kann je nach Modell ziemlich aufwendig und komplex werden.
Werkzeuge für die Einstellung
An fast allen Fahrrädern findet man inzwischen hydraulische Scheibenbremsen. Die modernen Systeme sind ausgereift und verhältnismäßig einfach zu warten. Wir zeigen dir, welche Servicearbeiten du in Eigenregie erledigen kannst. Angefangen beim regelmäßigen Check und Austausch der Bremsbeläge. Bis hin zur Fehlersuche bei Schleif- oder Quietschgeräuschen.
Werkzeug - Diese Tools benötigst du:
- Satz Innensechskantschlüssel (Inbus)
- Torx Schlüssel (je nach Bremsentyp)
- Drehmomentschlüssel (empfehlenswert!)
- Schleifpapier ca. Korn 100 bis 150
- Bremsenreiniger Spray
- Zur Bremse passende Ersatzbeläge
Einstellung bei Postmount-Sockel
Wenn ihr eine Postmount Sockel an Gabel und Hinterbau habt, könnt ihr euch glücklich schätzen. Denn mit dieser Scheibenbremsenaufnahme ist die Ausrichtung der Scheibenbremse ein Kinderspiel. Das Vorgehen ist bei Vorderrad und Hinterrad identische.
- Ihr dreht die Bremssattelschrauben ein wenig heraus.
- Jetzt sollte der Bremssattel ein wenig Spiel haben und sich leicht von rechts nach links bewegen lassen.
- Jetzt drückt ihr den Bremshebel für das jeweilige Laufrad fest zu. Der Bremssattel wird sich jetzt automatisch exakt mittig justieren.
- Während ihr die Bremse gedrückt haltet (am Besten lasst ihr euch dabei helfen), zieht ihr die Schrauben des Bremssattels wieder mit einem Drehmomentschlüssel fest.
Am Hinterrad könnt ihr genauso vorgehen.
Einstellung bei IS2000 Standard
Bei älteren Mountainbikes findet man oft den alten IS2000 Standard wieder. Hierbei ist der Bremssattel seitlich montiert. Als erstes müsst ihr herausfinden zu welcher Seite hin die Bremsscheibe tendiert. Wenn die Bremsscheibe zu weit rechts steht (was meistens der Fall ist), könnt ihr spezielle Unterlegscheiben (Syntace Disc Shims) verwenden. Diese werden zwischen Nabe und Bremsscheibe platziert und sind ca. 0.2 mm dick. Damit wandert die Bremsscheibe weiter nach links und bringt die Disc weiter Richtung Mitte.
Einige mögen nun fragen, wieso nicht einfach kleine Unterlegscheiben am Bremssattel verwenden? Die Idee an sich ist gut, allerdings passt beim Laufradwechsel die Scheibenbremse wieder nicht. Jeder Laufradsatz ist nicht auf 0.x mm exakt gefertigt. Deswegen ist es geschickter die Bremsscheibe mit Hilfe der Syntace Disc Shims auszurichten! Damit könnt ihr jedes Laufrad passend ausrichten.
Sollte die Bremsscheibe zu weit links stehen, sind entweder die Schrauben des Bremssattels nicht ausreichend fest angezogen oder es sind noch zu viele Lackreste an der Federgabel (Fixierungspunkte für Bremsssattel) vorhanden. In diesem Fall muss die Aufnahme an der Federgabel plangefräst werden.
Weitere Tipps und Hinweise
Regelmäßige Kontrolle
Regelmäßige Kontrolle (Beläge, Züge, etc.) und ggf.
Druckpunkt der Scheibenbremse
Der Druckpunkt der Scheibenbremse sollte spätestens auf halben Bremshebelweg erreicht sein.
Reinigung der Scheibenbremsen
Wenn du lange Freude an deinem Fahrrad, Mountainbike oder E-Bike haben möchtest, solltest du es regelmäßig pflegen. Auch wenn du selten oder gar nicht bei schlechtem Wetter unterwegs warst. Das ist in der Regel schnell erledigt: Einsprühen mit Fahrradreiniger zum Anlösen der Verschmutzungen, einwirken lassen und anschließend abspülen mit klarem Wasser. Nach Regenfahrten sollte eine intensivere Behandlung mit Schwamm und Bürste selbstverständlich sein.
Im Zuge eines solchen Waschgangs kannst du die Scheibenbremsen im Prinzip ohne besondere Behandlung einbeziehen. Die Bauteile vertragen Wasser und Fahrradreiniger problemlos. Bei stärkerer Verschmutzung solltest du mit Bremsenreiniger (Spray) arbeiten, der speziell den typischen, aggressiven Bremsstaub lösen kann. Wir empfehlen, den Reiniger dosiert einzusetzen, oder ihn mit einem benetzten Tuch aufzutragen. Zum Beispiel zum Säubern der Scheiben. Das kann im Übrigen auch zur Bekämpfung von Quietschgeräuschen hilfreich sein.
Achtung!! Niemals Öl oder ölhaltige Substanzen auf die Beläge bringen!!
Bremsbeläge prüfen und austauschen
Je nach Fahr-Intensität solltest du etwa alle zwei bis drei Wochen einen Blick auf die Beläge werfen. Nach Schlechtwetter-Einsätzen jedoch gezielt und öfter! Das kannst du bei relativ neuen Belägen mit Hilfe einer Taschenlampe von oben durch den Schlitz im Sattel erledigen.Wenn die Beläge dünner werden, empfehlen wir, sie zur Sichtprüfung auszubauen. Dazu zunächst das Laufrad ausbauen.
- Als erstes sollten die Beläge in ihre maximale Ausgangsposition zurück gedrückt werden. Dazu mit einem flachen und stumpfen Hebel zwischen die Beläge fahren und diese mit sanfter Gewalt auseinander drücken. Es eignet sich zum Beispiel ein dünner Reifenheber (Ein scharfkantiger Schraubendreher kann die Beläge beschädigen!). Das Zurückdrücken der Kolben ist auch nötig, damit bei Bedarf neue Beläge im Sattel genügend Platz finden.
- Zur Entnahme musst du noch den Sicherungsbolzen oben auf dem Sattel entfernen (i. d. R. Innensechskant-Schraube). Der Bolzen ist mit einem kleinen Sprengring gegen selbstständiges Lösen gesichert, der sich mit Hilfe einer Spitzzange oder von Hand abziehen lässt.
- Zur Entnahme musst du noch den Sicherungsbolzen oben auf dem Sattel entfernen (i. d. R. Innensechskant-Schraube). Der Bolzen ist mit einem kleinen Sprengring gegen selbstständiges Lösen gesichert, der sich mit Hilfe einer Spitzzange oder von Hand abziehen lässt.
Neue Bremsbeläge einbremsen
Erst nachdem neue Bremsbeläge nach folgendem Prozedere eingebremst wurden, können sie ihre volle Bremsleistung entfalten: Das Fahrrad etwa 20 bis 30 Mal hintereinander auf rund 30 km/h beschleunigen und anschließend kraftvoll bis zum Stillstand abbremsen.
Geräusche ermitteln und beseitigen
Nichts ist schlimmer, als eine quietschende Scheibenbremse. In einzelnen Fällen kann dieses Bremsgeräusch unerträgliche Lautstärken erreichen. Aber auch weniger laute Geräusche wie kratzen, schleifen oder rubbeln können nerven. Umso mehr, wenn der Krach mit einer verringerten Bremsleistung einher geht. Grund genug, die Probleme aufzuspüren und zu beseitigen.
Quietschen bei Nässe
Leider ist es ein recht häufiges Phänomen, dass Scheibenbremsen während einer Regenfahrt plötzlich zu quietschen anfangen. Die Geräusche verschwinden, sobald alles wieder trocken ist. Warum das passiert, ist nicht wirklich zu klären. Aber unserer Erfahrung nach kannst du kaum etwas dagegen tun. Manchmal verschwindet das „Nassquietschen“ auch auf längeren Abfahrten wieder, wenn die Bremsscheiben heiß werden.
Welche Beläge sind montiert?
Es gibt hauptsächlich zwei verschiedene Arten von Material, das für Bremsbeläge zum Einsatz kommt:
- Organische Beläge aus verpressten Fasern organischer Stoffe.
- Beläge aus Sintermetall, also verschiedenen Metallgranulaten.
Unser Tipp: Wer sich häufig über Bremsgeräusche ärgert, sollte unbedingt organische Beläge verwenden. Diese verschleißen zwar etwas schneller als Sinterbeläge, neigen aber weniger zu Geräuschentwicklungen. Außerdem lassen sich Bremsen mit organischen Belägen besser dosieren.
Sind die Beläge verschlissen?
Auch abgefahrene Beläge können Geräusche verursachen. Dabei handelt es sich meist um ein metallisches Schleifen, verursacht durch die Spreizklammer zwischen den Belägen, die bei zunehmend dünner Bremsfläche an der Scheibe kratzt. Oder die Beläge sind bereits komplett abgenutzt, so dass das Trägermetall auf der Scheibe schleift. So oder so müssen derart abgenutzte Bremsbeläge unverzüglich ausgetauscht werden!
Ist die Oberfläche der Beläge verglast?
Besonders auf langen Abfahrten werden die Bremsen sehr heiß. Durch die hohen Temperaturen kann sich mit der Zeit eine harte, glänzende Schicht auf den Bremsbelägen bilden. Man spricht dann von verglasten Belägen. Das äußert sich mit nachlassender Bremswirkung und erhöhter Geräuschentwicklung. Bei rechtzeitiger Behandlung kannst du die Beläge retten und weiter verwenden. Dazu die Beläge ausbauen und so oft über einen ausgelegten Bogen Schleifpapier ziehen, bis die Bremsfläche wieder matt aussieht. Achte darauf, dass du den Belag nicht schräg anschleifst. Die Oberfläche muss parallel zur Trägerplatte stehen.
Alle Schraubverbindungen fest?
Eine Ursache für Geräusche ist, dass ein oder mehrere Teile in Schwingung geraten und hochfrequent vibrieren. Das kann ein Bauteil selbst sein oder eine (lose) Verbindung zwischen zwei Bauteilen. Im ersten Fall kann man nicht wirklich etwas tun. Du kannst jedoch prüfen, ob alle Schraubverbindungen an den Bauteilen der Bremsanlage fest geschlossen sind: Das sind zum einen die Befestigungsschrauben der Sättel an Rahmen und Federgabel. Zum anderen die Befestigungsschrauben der Bremsscheiben an den Naben. Bitte hier mit Gefühl vorgehen und einen Drehmomentschlüssel verwenden!
Sitzt der Bremssattel mittig über der Scheibe?
Die Bremsscheibe muss bei geöffneter Bremse mittig zwischen den Bremsbelägen rotieren, ohne diese zu berühren. Bei einer gut eingestellten Bremse ist der Spalt links und rechts minimal. Schleift die Bremse einseitig, kann dies Geräusche verursachen. Heute sitzen nahezu alle Laufräder mit Hilfe von Steckachsen in Rahmen und Gabel. Das heißt, die Position der Scheibe ist bei jeder Laufrad-Montage präzise definiert und somit identisch. In der Regel muss man also den Sattel nur einmal korrekt ausrichten.
Zwei Methoden führen zum Erfolg. Die einfachere geht so: Den Bremssattel an den beiden Inbusschrauben lockern, so dass er sich leicht von Hand seitlich bewegen lässt. Nun die Bremse am Hebel fest anziehen. Dadurch klammert sich der Sattel an die Scheibe und richtet sich automatisch aus. Nun bei weiterhin gezogener Bremse die beiden Schrauben wieder fest anziehen (Drehmomentschlüssel!). Nach Loslassen des Hebels sollte die Scheibe mittig zwischen den Belägen stehen und frei rotieren.
Sollte diese Methode nicht funktionieren, kannst du es händisch probieren: Den Bremssattel ebenfalls lösen, aber nur soweit, dass er sich mit etwas Kraftaufwand verschieben lässt. Damit verhinderst du zu große Bewegungen. Nun ist Augenmaß gefragt, denn man muss den Sattel in kleinsten Schritten verschieben. Dazu stets von oben durch den Schlitz die Position kontrollieren. Erst wenn sich die Scheibe frei dreht, kannst du den Sattel wieder richtig festschrauben.
Fahren alle Kolben gleichmäßig und leichtgängig aus?
Nach längerer Nutzung und vielen Schlechtwetterfahrten kann es sein, dass die Kolben verschmutzt sind und nicht mehr gleichmäßig ausfahren. Oder dass sich einer der Beläge nach dem Bremsvorgang nicht mehr von der Scheibe zurückzieht. Auch das kann dann Schleifgeräusche verursachen. In diesem Fall müssen die Kolben wieder gängig gemacht werden. Dazu das Rad ausbauen, die Beläge (und Kolben) zurück drücken und anschließend entnehmen (siehe Schritt eins: Beläge checken).
Als erstes den Innenbereich des Sattels und die Druckfläche der Kolben mit Bremsenreiniger säubern. Nun ist wieder Fingerspitzengefühl gefragt, denn mit einem sachten Zug am Bremshebel müssen die Kolben ein kleines bisschen ausgefahren werden. Bitte hier extrem vorsichtig sein und die Kolben höchstens einen Millimeter weit ausfahren! Jetzt kannst du die Gleitflächen mit etwas Bremsenreiniger benetzen.ur Schmierung kannst anschließend einen Tropfen Hydrauliköl mit einer Spritze aufbringen. Achtung! Es darf kein Öl auf die Bremsbeläge gelangen! Zum Zurückdrücken der Kolben die Beläge wieder einsetzen! Niemals auf die Kolben direkt drücken.
Schleifende MTB-Scheibenbremsen
Schleifende MTB-Scheibenbremsen strapazieren nicht nur die eigenen Nerven, sondern auch die anderer Biker. Mit diesen Tricks lässt sich das Spaltmaß zwischen Bremsbelag und Scheibe leicht einstellen.
Die Kraft, die man durch eine schleifende Scheibenbremse verliert, ist vernachlässigbar. Aber das Quietschen und Schleifen sind auf die Dauer nervtötend. Zum Glück lässt sich jede MTB-Scheibenbremse mit nur zwei Schrauben neu ausrichten. Das Tückische dabei ist jedoch: Die Bauweise der Bremssättel lassen der Bremsscheibe links und rechts nur wenige Zehntel Millimeter Platz zu den Bremsbelägen. In unserer Video-Anleitung verraten wir einen Tipp, wie sich eine Scheibenbremse am Bike schnell und exakt einstellen lässt. Die Ursachen für nervtötende Geräusche an MTB-Scheibenbremsen können vielfältig sein.
Darum schleift eine Scheibenbremse
Steht der Bremssattel nicht mittig zur Bremsscheibe, dann schleift die Scheibenbremse dauerhaft, egal ob man langsam bergauf tritt, nur dahinrollt oder gen Tal abfährt. Die Lösung des Problems heißt: Scheibenbremse richtig einstellen. Wie das geht, zeigen wir in der Video-Anleitung unten.
Bei Mountainbikes mit herkömmlichen Schnellspannern (QR, quick release) ist häufig nur das Laufrad schief eingebaut. Bei Steckachsen kann das nicht mehr passieren. Teilweise muss allerdings für die korrekte Passung das Steckachsengewinde im Ausfallende am Heck ausgerichtet werden. Ansonsten gilt für QR-Bikes: Einfach Schnellspanner lockern, Bike in der Ebene gerade hinstellen und den Schnellspanner erneut schließen.
Hydraulische Scheibenbremsen können im Auslieferungszustand manchmal mit zu viel Bremsflüssigkeit befüllt sein. Dadurch können sich die Kolben nicht weit genug von der Bremsscheibe zurückziehen. In diesem Fall muss der Füllstand des Bremsmediums korrigiert und die Bremse entlüftet werden.
In vielen Fällen ist nur die Bremsscheibe verbogen und schleift deshalb an manchen Stellen am Belag. Man kann versuchen die Bremsscheibe behutsam zurückzubiegen. Achtung: Kein Fett oder Öl auf die Bremsscheibe bringen. Meist erledigt sich das Problem, wenn man die Scheibenbremse auf einer langen Abfahrt einmal richtig heiß bremst, von selbst.
Vor allem ältere Bremsen können einen Kolbenklemmer erleiden. Manchmal hilft eine Reinigung und die Beläge einfach zurückzudrücken. Meist ist die Bremse aber reif für den großen Service - oder den Schrott.
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