Fahrrad Scheibenbremse Set Test

Wer bremst, verliert - aber wer später bremst, ist länger schnell. So oder so braucht es dafür eine geile Bremse. Fakt ist: Bikes werden immer potenter, die Strecken härter und wir schneller - da müssen auch die Bremsen mithalten.

Bremsen sind ein entscheidender Faktor für Kontrolle und Sicherheit auf dem Fahrrad. Trotzdem schenken ihnen die meisten Radfahrer kaum Beachtung. Zu Unrecht! Eine oft gehörte Frage beim Radkauf: „Hat das Rad eine XT-Schaltung?“ Gemeint ist das XT-Schaltwerk, auf das die Kundschaft stark achtet. Die Bremsanlage? Egal. Dabei sorgt diese doch für eine kontrollierte Entschleunigung und damit Sicherheit.

Zum Test sind Bremsen geladen, die an Fitness-, Cross-, Trekking-, Reiserad und Mountainbike eine gute Figur machen. Die BigPlayer im Erstausrüstergeschäft (Neuräder) sind Magura, Shimano, Sram und Tektro. Als Edelschmieden gelten Hope und Trickstuff.

Grundlagen der Scheibenbremse

Die hydraulische Fahrradbremse ist eine der wichtigsten Komponenten an einem Fahrrad und sorgt für eine zuverlässige Verzögerung des Fahrrads. Im Vergleich zu herkömmlichen mechanischen Fahrradbremsen bietet die hydraulische Bremse eine bessere Bremsleistung und ein genaueres Dosieren der Bremskraft.

Die hydraulische Fahrradbremse besteht aus mehreren Komponenten, die zusammenarbeiten, um das Fahrrad zu bremsen. Eine der wichtigsten Teile ist der Bremshebel, der mit dem Lenker des Fahrrads verbunden ist. Im Bremszylinder befindet sich ein Kolben, der sich durch die eintretende Bremsflüssigkeit bewegt und so den Druck auf die Bremsbeläge erhöht. Diese werden an die Bremsflanke des Fahrrads gedrückt und sorgen so für eine Verzögerung des Fahrrads.

Bei einer hydraulischen Fahrradbremse wird die Kraft des Bremshebels über eine Bremsleitung, die mit Bremsflüssigkeit gefüllt ist, auf den Bremskolben übertragen. Dieser drückt die Bremsbeläge an die Bremsscheibe oder Felge und sorgt somit für eine Verzögerung des Rades. Die Bremsflüssigkeit ist in der Regel eine mineralöl- oder dotierbasierte Flüssigkeit, die nicht komprimierbar ist und somit eine hohe Bremskraft ermöglicht.

Was alle Scheibenbremsen gemeinsam haben? Vier Bremskolben und eine hydraulische Betätigung - also mit einer Flüssigkeit. Das Testfeld bewegt sich preislich zwischen erschwinglichen 240 und stolzen 1.300 €, wobei sich das Gros der Teilnehmer zwischen 400 und 700 € einpendelt. Die Preise haben wir jeweils als unverbindliche Preisempfehlung im Set, also 2 Bremsen, aber ohne Bremsscheiben verglichen. In der Realität liegen einige Bremsen natürlich auch im Set und auf dem freien Markt deutlich unter UVP. Shimano-Bremsen, die seit langem unverändert auf dem Markt sind, bekommt man beispielsweise fast um die Hälfte der UVP.

Vorteile hydraulischer Scheibenbremsen

Einer der größten Vorteile der hydraulischen Fahrradbremse ist die bessere Bremsleistung im Vergleich zu herkömmlichen mechanischen Bremsen. Ein weiterer Vorteil ist die genauere Dosierung der Bremskraft. Durch die Verwendung von Bremsflüssigkeit anstelle von Seilen oder Drähten kann die Bremskraft präziser dosiert werden. Ein weiterer Pluspunkt ist die geringe Wartung der hydraulischen Fahrradbremse. Im Gegensatz zu mechanischen Bremsen sind hier keine regelmäßigen Einstellungen oder Justierungen nötig.

Eine hydraulische Fahrradbremse bietet einige Vorteile im Vergleich zu mechanischen Bremsen. Zum einen ist sie in der Regel wartungsärmer, da sie weniger anfällig für Verschmutzungen und Korrosion ist. Auch die Bremskraft lässt sich bei hydraulischen Bremsen besser dosieren, da sie nicht von der Spannung des Bremszugs abhängig ist. Des Weiteren sind hydraulische Fahrradbremsen in der Regel leichter als mechanische Bremsen, da sie keine Bremszüge benötigen. Dies kann vor allem bei Rennrädern oder Mountainbikes ein wichtiger Faktor sein, um das Gewicht des Fahrrads zu reduzieren.

Wichtige Aspekte beim Kauf

Beim Kauf einer hydraulischen Fahrradbremse solltest du auf einige wichtige Faktoren achten. Zunächst solltest du darauf achten, dass die Bremse mit deinem Fahrrad kompatibel ist. Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Qualität der Bremse. Achte darauf, dass die Bremse aus hochwertigen Materialien gefertigt ist und eine gute Verarbeitung aufweist. Des Weiteren solltest du auf die Bremsleistung der Bremse achten. Sie sollte stark genug sein, um dein Fahrrad in jeder Situation sicher zu verzögern.

Allerdings lassen sich nicht alle Fahrräder ohne weiteres auf eine Scheibenbremse umrüsten, da das Bremssystem spezielle Bohrungen zur Befestigung erfordert. Das heißt, dass Rahmen, Gabel und Laufräder beziehungsweise Radnabe für die Montage kompatibel sein müssen. Sie können aber problemlos von einer mechanischen Scheibenbremse bei Ihrem Mountainbike oder Rennrad zu einer hydraulischen wechseln.

Größe der Bremsscheibe

Sie sollten sich auch mit der Größe der Bremsscheibe auseinandersetzen. Für die richtige Wahl sind Gewicht und der Einsatzzweck entscheidend: Je schwerer Fahrer und Gepäck sind, je schneller gefahren wird und je größere Steigungsunterschiede die Strecke aufweist, umso größer sollte die Scheibe sein. Größere Bremsscheiben kühlen besser ab.

Wer mit seinem Mountainbike oder Rennrad viel im bergigen Terrain unterwegs ist, sollte daher auf große Scheiben Wert legen. Zu empfehlen wären 180-Millimeter-Scheiben oder sogar 200-Millimeterscheiben bei großem Gesamtgewicht. Kleinere 140- oder 160-Millimeter-Scheiben sind für Tourenfahrer und weniger anspruchsvolle Gelände geeignet.

Wartung und Service

Damit eine Bremse auf Dauer ihre Arbeit einwandfrei verrichtet, gehören Wartung und Service dazu. Hier spielt das Bremsmedium eine wichtige Rolle, denn im Radbereich gibt es aktuell vier verschiedene Typen, die untereinander nicht kompatibel sind!

  • Vorteil von DOT: weltweite Verfügbarkeit in hoher Qualität, günstiger Preis, ein hoher Siedepunkt und das Binden von Wasser. Nachteile: Es unterliegt Alterungserscheinungen, sollte daher jährlich getauscht werden.
  • Vorteilhafter und immer weiter verbreitet sind indes Mineralöle, wie sie Magura, Shimano, Tektro und TRP einsetzen. Sie sind etwas dickflüssiger als DOT, greifen Oberflächen nicht so aggressiv an und brauchen keinen regelmäßigen Wechsel. Allerdings gibt es keinen Standard für Mineralöle, daher sollte nur die jeweilig vorgeschriebene Variante bei einer Bremse eingesetzt werden.
  • Hydrauliköl wird bei Trickstuff eingesetzt. Das sogenannte Bionol wird in Deutschland aus nachwachsenden und biologisch abbaubaren Pflanzenölen hergestellt, ist giftklassefrei, toxikologisch unbedenklich und sogar für die Lebensmittelproduktion zugelassen! Einziger Nachteil: der sehr hohe Preis.
  • Wasser ist der absolute Exot und findet sich bei BFO. Positiv ist die hohe Druckstabilität, Dünnflüssigkeit und das hohe Wärmeaufnahmevermögen. Zudem ist es billig, überall zu bekommen und an sich umweltfreundlich.

Beim Spülen und Entlüften des Bremssystems achten wir auf eine gute Zugänglichkeit und Bedienung der Serviceports sowie den Entlüftungsvorgang an sich. Shimano XT und Sram sind hier perfekt.

Beim Verschleißcheck gilt: Nicht nur die Beläge sollten regelmäßig überprüft werden. Die Bremskraft ergibt sich aus dem Übersetzungsverhältnis des Bremshebels zum -sattel, der Scheibengröße sowie dem Zusammenspiel von Belag und Bremsscheibe.

Bremsbeläge

Den Belägen kommt eine elementare Aufgabe zu: Sie sind Hauptreibpartner und damit zum Großteil für die Performance einer Bremse verantwortlich. Auf dem Markt gibt es organische, semi- oder Sintermetallbeläge. Die meisten Hersteller haben verschiedene Belagstypen im Portfolio. Aber Vorsicht: Nur bei Trickstuff verliert man bei Fremdbelagsnutzung die Garantie der Bremse nicht!

Damit die Bremsanlage von Anfang an ihre Leistung abruft, müssen Beläge und Scheibe aufeinander eingebremst werden.

  1. Auf circa 20 km/h beschleunigen, im Sattel sitzen bleiben und langsam, gleichmäßig bis auf Schrittgeschwindigkeit abbremsen. Wichtig: Bremsungen bis zum Stillstand vermeiden!
  2. Nun auf 30 km/h beschleunigen und erneut bis auf Schrittgeschwindigkeit abbremsen.
  3. Vor der ersten Ausfahrt das Bremssystem abkühlen lassen.

Testverfahren und Ergebnisse

Um den Bremsen auf den Zahn zu fühlen, beinhaltet der Praxistest Abfahrten auf Teer, Schotter und Waldwegen. Die Trekkingräder wurden zusätzlich mit Packtaschen bestückt, um ein Systemgewicht von 130 kg zu erreichen. Alle anderen geben keine Gewichtsbeschränkung vor.

Während des Tests wurden Hebelergonomie, Druckpunkt, Dosierbarkeit und Bremskraft überprüft. Jede Scheibenbremse wurde von mehreren Testern bewertet.

Beim Prüfstandtest wurden alle Scheibenbremsen auf ein Rad montiert, welches auf einem Rollenprüfstand fixiert war. Das Prüfprogramm bremste alle Bremsen ordnungsgemäß ein, bis die maximale Bremskraft anlag. Der Test basiert auf der DIN-Norm für Bremssysteme und wurde vom Prüfinstitut Velotech in Schweinfurt durchgeführt.

Bei der Bremskraft bieten Hayes und Trickstuff mit Abstand die höchste Leistung. Hier reicht ein Finger auch für starke Verzögerungen. Im Vergleich von trockenen zu nassen Bedingungen bremsen Hayes und Magura MT Sport am konstantesten. Hier ändert sich das Bremsverhalten quasi nicht. Top sind Sram, Tektro und Trickstuff, weil die Handkräfte fast annähernd gleich bleiben.

Alle Hersteller geben zwei Jahre Garantie, mehr nicht. Weiter geht nur Magura: Die Schwaben geben fünf Jahre auf Dichtigkeit ihres Bremssystems.

Am Ende stechen fünf Scheibenbremsen hervor: TRP ist durch die Bank gutmütig und problemlos, verdient sich den Preis-Leistungstipp. Durchweg gute Noten und ein Liebling der Tester ist die Sram G2. Sie heimst eine Empfehlung ein.

Vom Geheimtipp zum Testsieg! Die Hayes Dominion T4 zeigt eine enorme Performance, sowohl auf dem Trail mit einem sehr guten Bremsgefühl als auch im Labor, und legt damit ein erfolgreiches Comeback hin. Ihre beeindruckende Power und das Hebelgefühl, kombiniert mit dem geringsten Gewicht und nützlichen technischen Features wie die Crosshair-Bremssattel-Montage, machen die Hayes Dominion T4 zum Testsieger im Rennen um die beste MTB-Scheibenbremse.

Vergleichstabelle: Fahrradbremsen

Modell Im Set enthalten Vorne | Hinten Vorteile
Shimano Deore Fahrradbremse 1 Bremse Ja | Ja hervorragende Bremsleistung, zwei Bremsen für Vorder- und Hinterrad, sehr geringes Gewicht
Boao Fahrradbremsen-Set 2 Bremsen Ja | Ja hervorragende Bremsleistung, Set inkl. Bremshebeln, zwei Bremsen für Vorder- und Hinterrad
CNC Fahrradbremse 2 Bremsen Ja | Ja Federspannung einfach einstellbar, besonders großer Bremsbelag, zwei Bremsen für Vorder- und Hinterrad
Libershine Fahrrad Bremsen Set 2 Bremshebel Ja | Ja hochwertige Aluminiumlegierung, komplettes Set, langlebig
Chooee Fahrrad V Bremse 1 Bremse Ja | Ja gute Bremsleistung, Federspannung einfach einstellbar, breite Anwendbarkeit
Promax Fahrradbremse 2 Bremsen Ja | Ja hervorragende Bremsleistung, zwei Bremsen für Vorder- und Hinterrad
P4B Fahrradbremse 2 Bremshebel Ja | Ja Set inkl. Bremshebeln, Bremshebel per Schrauben an Fingerlänge anpassbar, sehr langlebig
Shimano BR-T4000 1 Bremse - Federspannung einfach einstellbar

Verwandte Beiträge:

Kommentar schreiben

Kommentare: 0