Shimano Deore Scheibenbremse im Test: Eine umfassende Bewertung

Ein Mountainbike ohne hydraulische Scheibenbremse ist im Jahr 2015 praktisch nicht mehr vorstellbar. Egal, ob es 500 Euro kostet oder mehrere tausend. Doch wie schlagen sich die günstigsten Hydraulik-Stopper? Wie groß sind die Unterschiede zu den Top-Modellen?

Wir haben drei Einsteigerbremsen von Avid, Hayes und Shimano auf dem Prüfstand und in der Praxis getestet. Die drei hydraulischen Scheibenbremsen bekommt man zum Nachrüsten bereits deutlich unter 100 Euro pro Stück. Die Bremsscheiben kommen noch dazu, wobei 180er-Scheiben bei Shimano etwa 20 Euro, bei Avid und Hayes rund 40 Euro kosten.

Gewicht und Aufbau

Die günstigen Stopper bringen einzeln etwa 50 Gramm mehr auf die Waage als vergleichbare Highend-Modelle: So liegt die Deore mit 469 Gramm nur 50 Gramm über einer XTR Trail, während die DB3 von Avid nur 60 Gramm mehr als die Sram Guide RSC wiegt. Auf Leichtbaubremsen büßen die drei günstigen Discs allerdings deutlich mehr als 100 Gramm ein.

Beim Aufbau unterscheiden sich die preiswerten Scheibenbremsen vor allem durch das zweiteilige Geber-Gehäuse. Zudem kann man den Druckpunkt bei keinem der drei Modelle verstellen. Die Hebelweite dagegen schon: Bei Avid funktioniert das sogar werkzeuglos, bei Hayes und Shimano benötigt man einen kleinen Inbus-Schlüssel.

Bremsleistung im Test

Auf dem Prüfstand mussten sich alle Bremsen mit 180er-Scheiben beweisen. Sowohl bei der mittleren Bremskraft als auch bei der Standfestigkeit überzeugte die Shimano Deore. Vor allem beim Fading-Test hinterließ die RT66-Scheibe einen sehr positiven Eindruck: Sie deformierte sich zwar kurzzeitig, überlebte aber - im Vergleich zu den IceTech-Scheiben - die Prüfstandfolter. Noch etwas mehr Bremskraft generiert die Deore-Bremse mit den RT64-Scheiben. Allerdings hält die 1,7 Millimeter dünne Scheibe nicht so lange durch wie die RT66-Variante für 6-Loch-Befestigung.

Die folgende Tabelle zeigt die mittlere auf dem Prüfstand gemessene Bremskraft in Newton aus Nass- und Trockenbremsung bei 80 Newton Handkraft, ermittelt mit einer 180-mm-Bremsscheibe.

Bremse Bremskraft (Newton)
Avid DB3 299
Hayes Radar 327
Shimano Deore (RT66-Scheibe) 335
Shimano Deore (RT64-Scheibe) 347

Detaillierte Betrachtung der Shimano Deore M615

Technische Details

  • Preis: ca. 70 Euro/Stück
  • Gewicht/Größe: 469 Gramm/180 mm
  • Details: Zweikolbenbremse mit zweiteiligem Sattel, organischen Belägen, Mineralöl, Hebelweite mit Werkzeug verstellbar

Bewertung

  • Dosierbarkeit: 5/6
  • Standfestigkeit: 4/6
  • Bremskraft: 3/6
  • Ergonomie: 5/6

Die Shimano Deore profitiert von der Technik der teureren Modelle. Der kurze Hebel greift sich sehr angenehm, die Bremskraft lässt sich damit fein dosieren. Am Prüfstand packte die Deore am kräftigsten zu. Die RT66-Scheibe ist zudem sehr standhaft. Sie überlebte den Fading-Test.

Dank des schnelleren Ansprechverhaltens der Bremse und des kürzeren Leerwegs ermöglicht der SHIMANO DEORE BL-M6100 Bremshebel ein intuitives Bremsen und damit mehr Konzentration auf den Trail.

Das Scheibenbremssystem mit Bremssatteldesign mit doppeltem Durchmesser und gegenläufigen Kolben hat vorn und hinten unterschiedlich große Kolben. Das System umfasst ein Kraftübertragungssystem, in dem die Bremsscheibe durch den kleineren Kolben am Eingang der Bremsscheibenaufnahme und auch von dem stärkeren, größeren Kolben an der Rückseite gedrückt wird. Der Vierkolben-Bremssattel vergrößert die Kontaktfläche mit der Bremsscheibe, während seine Größe kompakt bleibt.

Zudem werden in Kombination mit dem SERVOWAVE Bremshebel unglaubliche 50 % mehr Bremskraft erzielt als mit dem Vorgängermodell.

Fading der Bremse bei längerer ununterbrochener Betätigung zum Beispiel in der Abfahrt beeinträchtigt die Bremsleistung. SHIMANO hat Bremsscheiben und Bremsbeläge mit ICE TECHNOLOGIES eingeführt, um eine Kühltechnologie für gleichbleibend hohe Bremsleistung zu schaffen.

Oversize-Kolben übertragen Hydraulikleistung direkt auf den Bremsbelag. Ein Keramikmaterial (XTR: Hochisolierter Kunststoff) wird verwendet, um Wärmeübertragung zu vermeiden und für konstante, sichere Bremsleistung zu sorgen.

Der Bremshebel ist mit einer Griffweitenverstellung ausgestattet. Damit passt sich der Griff der Größe der Hand des Fahrers bzw. seinem Fahrstil oder persönlichen Präferenzen an.

Alternativen und Vergleiche

Im Vergleichstest von zehn Bremsen zwischen 110 und 515 Euro und mit Gewichten zwischen 280 und 500 Gramm wurden acht massive Vierkolben-Konstruktionen mit Gravity-Anspruch getestet. Die markantesten Unterschiede fanden wir dabei einmal mehr in der Standfestigkeit der Stopper.

Einige der getesteten Bremsen umfassen:

  • Formula Cura 4
  • Hayes Dominion A2
  • Hope Evo Tech 3 E4
  • Magura MT7 Pro
  • Shimano Deore 6120
  • Shimano XTR 9120
  • Sram Code RSC
  • Trickstuff Piccola
  • Trickstuff Piccola HD
  • TRP DH-R Evo

Testbedingungen

Die Bremsen wurden sowohl in der Praxis als auch im Labor getestet. In der Praxis wurde eine Teststrecke mit 230 Tiefenmetern und bis zu 25 Prozent Gefälle genutzt, um Dosierbarkeit, Bremskraft und Standfestigkeit zu testen. Im Labor wurden die Bremsen schrittweise an ihre Grenzen gebracht, wobei 200 Bremsungen durchgeführt wurden, um Nass- und Trockenbremswerte sowie das Fading zu ermitteln.

Shimano XT Bremse im Detail

Die XT Bremse ist wahrscheinlich die Bremse, die in den vergangenen Jahren am meisten an hochwertigen Bikes verbaut wurde. Für das neue Modelljahr wurde sie modifiziert und sie hat neben einer neuen Farbe eine neue Gebereinheit bekommen. Diese wirkt deutlich schlanker, hat eine schmalere Lenkerklemme und Shimano Shifter lassen sich über die I-Spec II Kombi-Klemme am Bremshebel montieren.

Gleich geblieben sind die individuellen Einstellmöglichkeiten. Werkzeuglos kann man die Hebelweite und mit einem Schraubendreher den „Free Stroke“ bzw. Druckpunkt verändern. Die hervorragende Hebelergonomie der neuen Shimano XT Bremse ist mit der ihres Vorgängers identisch.

Die Shimano XT hat über mehrere Jahre bewiesen, dass sie zu den besten Bremsen gehört. Die Konkurrenz hat jedoch nicht geschlafen. Während es in der Vergangenheit nur wenige Alternativen gab, haben andere auf das Niveau aufgeschlossen.

Weitere Erkenntnisse aus dem Test

Im Testfeld gab es Budget-Bremsen, die üblichen Verdächtigen, die sich an den meisten Serien-Bikes finden, als auch echte Boutique-Bremsen, die eurem Kontostand alles abverlangen. Was alle Scheibenbremsen gemeinsam haben? Vier Bremskolben und eine hydraulische Betätigung - also mit einer Flüssigkeit.

Das Bremsmedium - also die Flüssigkeit, die die Power vom Hebel zum Bremssattel am Rad überträgt - variiert nur zwischen mineralischem Öl oder DOT-Bremsflüssigkeit. Ebenfalls nur diametral sind die Unterschiede bei den Bremsbelägen, die entweder metallisch oder organisch sein können.

Hydraulisch betätigte Bremsen bedeutet, dass diese die Kraft durch eine Flüssigkeit übertragen. DOT-Bremsflüssigkeit kommt ursprünglich aus dem Kfz-Bereich. Kleiner Fun-Fact: Sie trägt den Namen vom US-Verkehrsministerium - Department of Transportation.

Mineralöl als Bremsflüssigkeit ist die Alternative zu DOT. Das Mineralöl wird aus Erdöl gewonnen und hat in der Regel einen niedrigeren Siedepunkt von 190° C. Es ist nicht gesundheitsschädlich oder schlecht für den Lack, nur der Kontakt mit den Bremsbelägen sollte unbedingt vermieden werden.

Die Herstellung der Beläge erfolgt grundsätzlich bei allen Belägen gleich: Die Masse wird unter Hitze und hohem Druck auf die Trägerplatte gepresst.

Shimano setzt zum Beispiel bei den XTR ICE-TECH-Bremsscheiben auf einen Kern aus Aluminium, der die Wärmeableitung und das Gewicht verbessern soll.

Für unseren umfassenden Bremsentest haben wir alle Bremsen mit original Bremsbelägen und den zugehörigen 200-mm-Bremsscheiben an Front und Heck getestet. Das Testergebnis setzt sich aus drei Parametern zusammen: Labor, Telemetrie-Aufzeichnung mit BrakeAce und natürlich dem Praxistest auf dem Trail.

Die Hayes Dominion T4 zeigt eine enorme Performance, sowohl auf dem Trail mit einem sehr guten Bremsgefühl als auch im Labor. Ihre beeindruckende Power und das Hebelgefühl, kombiniert mit dem geringsten Gewicht und nützlichen technischen Features wie die Crosshair-Bremssattel-Montage, machen die Hayes Dominion T4 zum Testsieger im Rennen um die beste MTB-Scheibenbremse.

Die Shimano SLX überzeugt mit dem besten Preis-Leistungs-Verhältnis im Test und einer starken Verzögerung samt solider Dosierbarkeit. Das digitale Bremsgefühl erfordert eine kurze Eingewöhnung, dafür muss man bei Anmutung, Ergonomie und Handling keine Abstriche in Kauf nehmen.

Die Shimano XT Bremse ist ein echter Klassiker im umfangreichen Angebot des japanischen Herstellers. Häufig an Serien-Bikes verbaut, präsentiert sich die XT als Allround-Lösung mit hochwertiger Haptik.

Im Trail-Test zeigt die Shimano XT eine sehr gute Bremspower. Das Bremsgefühl kann man dabei als „digital“ beschreiben: Der Druckpunkt ist sehr knackig und sehr definiert in einem schmalen Bereich verglichen zu Hope, Trickstuff oder Hayes.

Durch die ICE-TECH-Bremsscheiben und -Beläge mit Kühllamellen entwickelt die Bremse viel weniger Hitze: In unseren Laborversuchen zeigt das Thermometer 25° C weniger als als bei der SLX im direkten Vergleich. Das führt zu Fading auf langen Abfahrten.

In Summe lässt die Shimano XT keine Wünsche offen, hebt sich aber auch in keine Richtung besonders ab. Die Shimano XT überzeugt mit gutem Preis-Leistungs-Verhältnis, starker Power und gutem Feeling. Auf dem Trail zeigt sie keinen spürbaren Unterschied zum teureren XTR-Topmodell, bietet jedoch Sparpotenzial von über 200 €.

Die Bremse zählt zu den wichtigsten Zubehör eines Fahrrads und muss vor allem zuverlässig funktionieren. Shimano-Bremsen erfreuen sich aktuell großer Beliebtheit. Das liegt vor allem an der guten Ergonomie, der hohen Zuverlässigkeit und der Sorglosigkeit der japanischen Bremsen. Viele Käufer überzeugt zudem das gute Preis Leistung Verhältnis.

Die M615 kostet vorne 84 und für das Hinterrad 88 Euro. Damit liegt die Scheibenbremse im unteren Preissegment. Die Scheiben gibt es in drei unterschiedlichen Größen zu kaufen: 160mm, 180mm, und 203mm. Dadurch lässt sich die Bremse in die meisten Bikes einbauen.

Die Shimano Deore Scheibenbremse konnte mit dem Textergebnis „sehr gut“ abschneiden. Getestet wurde die Bremse in fünf unterschiedlichen Kategorien: Gewicht (10%), Bremsleistung (30%), Standfestigkeit (20%), Dosierbarkeit (20%) und Ergonomie (20%).

Verglichen zu elf anderen Scheibenbremsen konnte sie am meisten überzeugen. Wenn man bedenkt, dass die Shimano-Bremse unter den elf Konkurrenten die günstigste war, überrascht einem das Ergebnis umso mehr. Auch im Langzeittest überzeugt die Deore. Es zeigt sich, dass billig nicht immer nur schlechtere Qualität nach sich zieht.

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