Scheibenbremsen Einbremsen: Shimano Anleitung für Optimale Bremsleistung

Ob moderne Urbanbikes, Trekkingräder, Mountainbikes oder E-Bikes - viele hochwertige Bikes verfügen heutzutage über Scheibenbremsen. Was mich mittlerweile bei jedem Bike-Typ zum überzeugten Scheibenbrems-Fanatiker macht, ist, dass die Bremspower bei jeder Witterung gleichbleibend ist und das mit geringem Kraftaufwand. Gerade bei Regen im oft hektischen Stadtverkehr oder auch auf längeren Abfahrten auf dem Rennrad gibt mir die Bremse so die nötige Sicherheit und Kontrolle über mein Fahrrad. Bei einem neuen Fahrrad mit Scheibenbremsen ist besonders zu beachten, dass die Bremsen zunächst richtig eingebremst werden.

Warum ist das Einbremsen von Scheibenbremsen wichtig?

Die Einführung der Scheibenbremse am Fahrrad war ein Quantensprung in puncto Sicherheit und Fahrspaß. Der Grund dafür ist, dass man sich nun endlich auf eine stets gleichbleibende und kraftvolle Bremsleistung verlassen konnte. Denn bei einer Scheibenbremse handelt es sich um ein geschlossenes System mit aufeinander abgestimmten Komponenten. Außerdem sitzt eine Scheibenbremse im Zentrum des Laufrades, wo Nässe und Schmutz weniger Einfluss auf die Bremswirkung nehmen können, als außen an der Felge.

Beim Einbremsprozess bzw. Einschleifen passen sich Bremsscheibe (Disc Brake) und Bremsbelag optimal aufeinander an. Mikroskopisch kleine Unebenheiten auf beiden Bauteilen werden abgeschliffen, so dass der Bremsbelag beim Bremsen plan auf der Bremsscheibe aufliegt. Dieses ist sehr wichtig, damit später beim Bremsvorgang diese beiden Komponenten perfekt Kontakt finden und das Laufrad verlangsamen. Aber nicht nur das.

Beim kräftigen Einbremsen finden bei einem neuen Bremsbelag chemische Prozesse statt. Der Belag ist ab Werk noch recht weich. Beim Bremsen wird der Belag stark erhitzt. Das Material gast aus. Der ehemals weiche Belag härtet aus, ist temperaturresistent und kann nun seine optimale Bremswirkung entfalten. Findet kein Aushärten der Beläge statt, ist dieser so weich, dass er frühzeitig extrem verschleißt und dadurch wieder früher gewechselt werden muss. Außerdem können die Bremsbeläge deutlich eher überhitzen, dann verglasen und im Extremfall durch die übermäßige Hitze sogar die Bremsscheiben (Disc Brakes) in Mitleidenschaft ziehen und leicht verformen.

Wie Sie sehen, geht ein Unterlassen des Einbremsens der Scheibenbremsen-Beläge mit einem erhöhten Kostenaufwand und deutlich verminderter Sicherheit einher.

Kurz und bündig: Drei gute Gründe für richtiges Einbremsen

  • Maximale Bremswirkung erzielen: Rauhe Oberflächen auf Belag und Scheibe werden beim Einbremsen geglättet. Erst dann liegen beide Reibpartner plan und großflächig aufeinander.
  • Bremsbeläge widerstandsfähig machen: Ab Werk besitzt ein Bremsbelag noch nicht die größtmögliche Härte. Er enthält Stoffe, zum Beispiel Bindemittel, die durch Hitze herausgelöst werden müssen, damit sich eine optimale Reibschicht bildet. Diese Hitze muss beim Einbremsen erzeugt werden.
  • Geld sparen: Das Einbremsen macht die Beläge lange haltbar. Deshalb sparst du unterm Strich bares Geld.

Die Richtige Vorbereitung

Zunächst solltest du wissen, dass es verschiedene Bremsbeläge gibt. Es gibt „organische“ und „gesinterte“ Bremsbeläge. Organische Bremsbeläge setzen sich aus verschiedenen Produkten der organischen Chemie zusammen. Gesinterte Bremsbeläge bestehen aus gesinterten Metallen. Diese Sintermetalle werden mit viel Druck und Hitze zusammengepresst.

Basiswissen - Organische vs. Gesinterte Bremsbeläge

Im Handel findet man im Wesentlichen zwei Arten von Bremsbelägen: Organische Beläge, gefertigt aus mehrheitlich organischen Stoffen. Und gesinterte Beläge, bestehend aus gepressten Metall- und Keramikteilen. Eher selten sieht man Semi-Metall-Beläge, eine Mischform aus organisch und gesintert.

Generell kann man sagen: Organische Beläge neigen weniger zu Quietschgeräuschen als gesinterte Beläge. Sie haben eine etwas höhere Bremsleistung, verschleißen aber unterm Strich schneller. Die Metall-Kollegen vertragen höhere Temperaturen, erzeugen aber auch mehr Hitze im Bremssystem. Die Beläge selbst sind standfest, aber sie verschleißen die Scheiben schneller als organische Beläge.

Egal für welchen Typ man sich letztlich entscheidet - Das richtige Einbremsen muss sein!

Schritt-für-Schritt-Anleitung zum Einbremsen von Scheibenbremsen

Scheibenbremsbeläge richtig einfahren bzw. Die Hersteller von Bremsbelägen für Scheibenbremsen (z.B. Shimano, Avid, Contec, XLC etc.) geben an, dass beim Einbremsen das Fahrrad auf 30 km/h beschleunigt werden soll und 30 (manchmal auch mehr) Vollbremsungen nötig sind. Dies gilt je Bremse, also jeweils für vorne und hinten. So gehen Sie beim Einfahren bzw.

Die wichtigsten Tipps zum Einbremsen der Bremsbeläge bei Scheibenbremsen:

  1. Scheiben & Beläge einschleifen: Beläge und Bremsscheiben müssen zunächst eingeschliffen werden. Das ist wichtig, damit die mikroskopisch kleinen Unebenheiten der jeweiligen Oberflächen ausgeglichen werden. Ansonsten reiben nur die Spitzen dieses Mini-Gebirges aufeinander, was zu extrem hoher lokal begrenzter Hitzeentwicklung führt. Wir beginnen daher mit einer ganz sanften Schleiffahrt in Schrittgeschwindigkeit. Lassen Sie dabei zuerst die MTB-Scheibenbremse bei langsamer Fahrt oder geringem Gefälle 200 bis 300 Meter leicht schleifen.
  2. Moderate Bremsungen aus 30 km/h: Den Einbremsprozess der Scheibenbremse geben die Bremsenhersteller meist so oder so ähnlich an: mindestens 30 moderate Bremsungen aus mittlerer Geschwindigkeit (ca. 30 km/h) fast bis zum Stillstand. Fast bis zum Stillstand deshalb, damit sich keine Anhäufungen von Bremsbelag auf der Reibfläche bilden, die später ungewünschte Vibationen (Ursache für Geräusche) hervorrufen können. Man sollte während dieses Schrittes eine Zunahme der Bremswirkung spüren. Erhöht sich die Bremspower der Scheibenbremse nicht mehr merklich, ist dieser Schritt angeschlossen.
  3. Richtig heiß bremsen auf einer langen Abfahrt: Zum Abschluss des Einbremsens von Scheibenbremsen am Mountainbike sollte man - bei organischen Belägen - das Ausgasen provozieren. Dazu auf einer langen, steilen Abfahrt die Bremse (einzeln!) so lange schleifen lassen (also: richtig heiß bremsen), bis das Initial-Fading beginnt, die Bremswirkung also deutlich nachlässt. Ganz Hartgesottene bleiben jetzt sogar so lange auf der MTB-Bremse, bis die Verzögerungswirkung wieder zurückkommt. Erst dann ist der Belag optimal eingebremst, verschleißfest und standfest.

Wiederholen Sie diesen Vorgang für vorne und hinten je 30 mal, wenn die Bremsbeläge neu sind. Ganz wichtig bei organischen Belägen: Nach dem Einbremsen sollten Sie die Beläge dann noch richtig heiß bremsen, um das sogenannte Ausgasen (der Lösungsmittel im Material) herbeizuführen. Am besten lassen Sie auf einer steilen Abfahrt die Bremsen einzeln schleifen bis diese richtig heiß werden. Achten Sie unbedingt darauf, das Einbremsen auf einer wenig befahrenen Straße durchzuführen.

Einbremsen Schritt für Schritt

Zum Einbremsen Deiner Bremsanlage solltest Du Dir eine sichere Umgebung suchen, wo Du ungestört bist und relativ viel Platz hast. Ein leerer Parkplatz funktioniert gut, aber auch ein übersichtlicher Forstweg, auf dem wenig los ist. Widme Dich der Vorder- und Hinterradbremse jeweils einzeln! So funktioniert das Einbremsen besser als würdest Du versuchen, beide zugleich einzubremsen.

So gehst Du vor:

  1. Beschleunige auf etwa 30 km/h - Du musst nicht sprinten, aber etwas schneller, als würdest Du nur entspannt dahinrollen, sollte es schon sein.
  2. Ziehe eine von beiden Bremsen so stark, dass das Rad gerade noch nicht blockiert.
  3. Lass sie so schleifen, bis du stehst. Es hilft, dabei Dein Gewicht nach vorne oder hinten zu verlagern, je nachdem, ob Du gerade die Vorder- oder Hinterradbremse einbremst.
  4. Wenn Du zum Stehen gekommen bist, dann wiederhole die ersten beiden Schritte so oft, bis Du spürst, dass die Bremsleistung zunimmt. Wie viele Wiederholungen es dazu braucht, hängt von einigen Faktoren ab - Geschwindigkeit, Art der Bremsbeläge, Temperatur und auch Größe der Bremsscheibe.
  5. Nun kannst Du den Vorgang mit der jeweils anderen Bremse durchführen.

Tipp: Wenn Du die Bremsbeläge vor dem Einbau etwas mit Sandpapier anraust, kannst Du die Prozedur des Einbremsens oft etwas beschleunigen.

Was passiert beim Einbremsen genau?

Bremst Du Deine Bremsen wie oben beschrieben ein, erzeugst Du gezielt Reibung zwischen den Bremsbelägen und der Bremsscheibe. Dabei werden Staub und andere Verunreinigungen abgetragen, die bei der Herstellung entstanden oder eventuell bei der Lagerung angefallen sind. Außerdem schleifst Du die Oberflächen der Reibpartner genau passend zueinander ein. Das macht einen großen Unterschied, da aufgrund von Fertigungstoleranzen weder Beläge noch Scheiben zu 100 Prozent plan sind. Je nach Art der Beläge können durch die Erhitzung beim Einbremsen auch noch Bestandteile ausgasen.

Was passiert, wenn Du neue Beläge nicht einbremst?

Wenn Du Deine Bremsbeläge und Bremsscheiben nicht gezielt einbremst und einfach losfährst, wird sich der Effekt irgendwann durch die ganz normale Nutzung der Bremsen einstellen. Das kann aber einige Touren dauern. So lange verzichtest Du auf einen erheblichen Teil Deiner möglichen Bremsleistung, was gerade im Gelände unangenehm sein kann. Da Vorder- und Hinterradbremse beim ganz normalen Fahren unterschiedlich stark beansprucht werden, werden sie unterschiedlich lange brauchen, bis sie eingebremst sind. Es lohnt also, ein paar Minuten ins Einbremsen zu investieren, damit Du von Anfang an die volle Power Deiner Scheibenbremsen nutzen kannst.

Weitere Tipps zu Scheibenbremsen

Das Einbremsen von Bremsbelägen und Bremsscheiben ist nur ein Aspekt einer gut gewarteten Scheibenbremse. Was es sonst so zu beachten gibt und wie Du Deine Bremsen zum Beispiel entlüften und korrekt einstellen kannst, kannst Du im nachfolgenden Blogbericht nachlesen: Wartung der hydraulischen Scheibenbremse.

Die Vorteile einer guten Scheibenbremse

Die Vorteile einer guten Scheibenbremse liegen auf und - im wahrsten Sinne des Wortes - auch in der Hand. Jedoch ist es mit dem Fahrspaß schnell dahin, wenn du mit ohrenbetäubenden Geräuschen die Abfahrt hinunter fetzt, von jedem auf dem Trail gehört wirst und du dich am liebsten im Wald verstecken würdest. Doch Geräuschentwicklung, sowie fehlende Bremspower müssen nicht sein. Wir zeigen einfache Tipps und Tricks, die dir dauerhafte Bremsleistung garantieren.

Richtiges Bremsverhalten

Achte auch auf das richtige Bremsverhalten. Fahre Trails stets vorausschauend, sodass du auf sicheren Abschnitten kontrolliert Geschwindigkeit drosseln kannst. Im Gegenzug gibst du deinem Bike mehr Speed, wenn Hindernisse zu überwinden sind, welche Geschwindigkeit abverlangen. Denn eine dauerhafte Beanspruchung der Bremsen solltest du stets vermeiden. Wer seine Bremsen pausenlos schleifen lässt, gibt dem Bremssystem keine Möglichkeit abzukühlen und riskiert Überhitzungen. Die Folge: die Belagoberflächen der Bremsbeläge „verglasen“ und werden „speckig“. Die Bremse verlangt dadurch deutlich mehr Kraft am Bremshebel ab, verliert einen großen Teil ihrer Leistung und kann dazu noch wahnsinnig laut werden.

Pflege und Wartung

Einer der häufigsten Ursachen für Komplikationen mit Scheibenbremsen ist auf eine versehentliche Kontaminierung der Bremsschieben mit Schmiermitteln und Fetten zurückzuführen. Unsere Tipps an dieser Stelle mögen trivial klingen, aber so oft, wie wir diese Fehlerquellen im beruflichen Alltag beobachten, können sie gar nicht oft genug wiederholt werden. Halte die Scheibenbremse und Bremsbeläge fern von jeglicher Art von Ölen, Fetten, Schmiermitteln und Bremsflüssigkeit. Achte beim Reinigen deines Rades darauf, dass nicht jedes Reinigungsmittel mit den Bremsparts in Berührung kommen darf. Einige Hersteller weisen sogar explizit darauf hin, dass ihre Bremsprodukte nicht mit Bremsreiniger in Verbindung gebracht werden dürfen. Auch beim Entlüften der Bremse kommt es immer wieder zu Verunreinigungen. Verzichte daher auf das „schnelle Entlüften“ und nimm dir zwei Minuten Zeit, deine Bremsbeläge vor dem Entlüften zu entfernen.

Verglaste und speckige Bremsbeläge: Ja sind die noch zu retten!?

Sind Bremsbeläge aufgrund von unsachgemäßem Einbremsen oder einer ausgereizten Dauerbelastung leicht verglast, ist ihr Schicksal nicht unweigerlich besiegelt. Oftmals hilft die Bearbeitung mit einem Schleifpapier (Körnung 100 bis 150), um den Belag wieder anzurauen. Um eine gleichmäßige Abtragung zu gewährleisten, achte auf jeden Fall darauf, dass die Beläge plan aufliegen, während du sie bearbeitest. Nach einem kreuzweisen Anschliff sollten die Bremsen wieder deutlich mehr Power bekommen. Reinige vor der Montage auf jeden Fall auch deine Scheibenbremse gründlich mit Spiritus, um dort verbliebene Rückstände ausschließen zu können. Leichte Verglasungen können so durchaus behoben werde, bei einer starken Verglasung raten wir hingegen dringend zum Neukauf.

Anders verhält sich die Situation bei verölten Bremsen. Zwar findet man immer wieder DIY-Tipps im Netz, welche Schmierrückstände mithilfe von Hitze beseitigt haben wollen, allerdings können wir hiervon nur abraten. Gerade organische Bremsbeläge sind hitzeanfälliger als Sintermetalle und können springen, reißen und im schlimmsten Fall zu Verletzungen führen. Zusätzlich birgt auch eine Behandlung mit Heißluftgeräten, Brennspiritus und Co. stets Unfallgefahren mit sich und es gibt anschließend keine Garantie auf eine gesteigerte Bremsleistung. Bei einem Anschaffungswert der meisten Bremsbeläge von zehn bis 20 Euro würden wir hier immer einen Neukauf vorziehen.

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