Scheibenbremsen am Fahrrad richtig einbremsen: Eine umfassende Anleitung

Die Scheibenbremse ist zweifellos ein Meilenstein in der Welt des Fahrradfahrens, aber um ihre Spitzenleistung zu erreichen, ist das Einbremsen von entscheidender Bedeutung. Bei einem neuen Fahrrad mit Scheibenbremsen ist besonders zu beachten, dass die Bremsen zunächst richtig eingebremst werden.

Warum ist das Einbremsen wichtig?

Das Einbremsen deiner Scheibenbremse ist entscheidend für deine Sicherheit und die Performance beim Fahrradfahren. Neue Scheibenbremsen sind oft mit einer glatten Oberfläche ausgestattet, die ihre volle Bremskraft einschränkt. Das Einbremsen ist der Prozess, bei dem du die Bremsbeläge und Bremsscheiben aufeinander abstimmen und optimieren kannst. Ziel des Einbremsens ist es, die optimale Bremsleistung zu erzielen und unangenehme Geräusche zu minimieren.

Deshalb empfehlen wir Dir das Einbremsen:

  • Mehr Sicherheit durch maximale Bremskraft: Durch das Einbremsen werden Bremsscheibe und Bremsbelag optimal aufeinander eingeschliffen. Dies ergibt die optimale Reibefläche für eine wirkungsvolle Bremsung.
  • Widerstandsfähige Bremsen: Durch das Einbremsen entsteht Hitze, die Restbestände an Bindemitteln und anderen Materialien in den Bremsbelägen auflöst. Dadurch werden die Bremsbeläge widerstandsfähiger.
  • Geld sparen: Widerstandsfähiger heißt auch langlebiger. Der Verschleiß Deiner Bremsbeläge ist geringer und sie müssen seltener ausgetauscht werden.

Die Bremsen müssen eingebremst werden, wenn:

  • Dein E-Bike neu ist
  • Die Bremsbeläge getauscht wurden
  • Eine neue Bremsscheibe montiert wurde

Damit die Bremse ihre optimale Bremskraftwirkung erreichen kann, muss sie eingebremst werden.

Verschiedene Arten von Bremsbelägen

Zunächst solltest du wissen, dass es verschiedene Bremsbeläge gibt. Es gibt „organische“ und „gesinterte“ Bremsbeläge. Organische Bremsbeläge setzen sich aus verschiedenen Produkten der organischen Chemie zusammen. Gesinterte Bremsbeläge bestehen aus gesinterten Metallen. Diese Sintermetalle werden mit viel Druck und Hitze zusammengepresst. Egal für welchen Typ man sich letztlich entscheidet - Das richtige Einbremsen muss sein!

Basiswissen - Organische vs. Gesinterte Bremsbeläge

Im Handel findet man im Wesentlichen zwei Arten von Bremsbelägen: Organische Beläge, gefertigt aus mehrheitlich organischen Stoffen. Und gesinterte Beläge, bestehend aus gepressten Metall- und Keramikteilen. Eher selten sieht man Semi-Metall-Beläge, eine Mischform aus organisch und gesintert.

Generell kann man sagen: Organische Beläge neigen weniger zu Quietschgeräuschen als gesinterte Beläge. Sie haben eine etwas höhere Bremsleistung, verschleißen aber unterm Strich schneller. Die Metall-Kollegen vertragen höhere Temperaturen, erzeugen aber auch mehr Hitze im Bremssystem. Die Beläge selbst sind standfest, aber sie verschleißen die Scheiben schneller als organische Beläge.

So gut wie jedes E-Bikes, dass wir bei uns verkaufen kommt von Haus aus mit organischen Bremsbelägen. Diese haben, einmal eingebremst, eine sehr gute Bremswirkung, sind leise und haben ein gutes Preis-Leistungsverhältnis.

In wenigen Fällen kann es sinnvoll sein, von einer organischen auf einen metallischen (gesinterten) Bremsbelag zu wechseln. Dieser hat eine höhere Hitzebeständigkeit und hat eine noch höhere Bremsleistung. Die metallischen Bremsbeläge sind in der Regel deutlich lauter und machen ein quietschendes Geräusch, welches fälschlicherweise oft mit dem Quietschen von abgefahrenen Bremsbelägen verwechselt wird. Die zusätzliche Bremskraftwirkung kann bspw. bei Downhill-Fahrern oder besonders schweren Fahrern sinnvoll sein. Der Einbremsvorgang von metallischen Bremsbelägen dauert länger und sollte mit mehr Bedacht durchgeführt werden.

Schritt-für-Schritt-Anleitung zum Einbremsen

Die Hersteller von Bremsbelägen für Scheibenbremsen geben an, dass beim Einbremsen das Fahrrad auf 30 km/h beschleunigt werden soll und 30 (manchmal auch mehr) Vollbremsungen nötig sind. Dies gilt je Bremse, also jeweils für vorne und hinten. Lasse dafür einfach die Bremse bei langsamer Fahrt leicht schleifen, damit sich mikroskopisch feine Unebenheiten von Bremsklötzen und Bremsscheibe anpassen.

So funktioniert’s:

  1. Suche Dir eine lange, möglichst ebene Strecke.
  2. Fahre langsam los und beschleunige auf etwa 25 bis 30km/h.
  3. Bremse dann ordentlich, bis Du fast zum Stillstand kommst und beschleunige dann wieder.
  4. Wiederhole diesen Vorgang mindestens 30 Mal.

Abhängig vom Bremsscheibendurchmesser und Breite des Materials, variiert der Einbremsvorgang. Auch Dein Gewicht kann - zumindest bei Bremsscheiben mit großem Durchmesser - von Bedeutung sein. Wenn Du auf Nummer sicher gehen willst, prüfe vorher die Angaben auf der Herstellerseite Deiner Bremsen.

Das Einbrems-Prozedere in der Praxis:

  • Oberflächen glätten: Lasse dazu die Bremsen auf einer Straße mit geringem Gefälle leicht schleifen. Also wirklich nur leicht schleifen lassen, aber das über eine Strecke von mehreren Hundert Metern.
  • Reibschicht bilden: Dieser Vorgang muss für jede Bremse, also vorne und hinten separat durchgeführt werden - und das je etwa 30 Mal! Bremse dazu das Bike aus einer Geschwindigkeit von etwa 25 km/h heraus beherzt bis fast zum Stillstand ab. Achte darauf, dass das Rad nicht blockiert. Du wirst feststellen, dass die Bremsleistung bei den ersten Versuchen eher schwach ist, aber bald darauf mit jedem weiteren Versuch ansteigt.

Besonderheiten bei organischen Bremsbelägen

Nach dem Einschleifen soll bei organischen Bremsen der Ausgasungsprozess stattfinden. Vorder- und Hinterradbremse sollen einzeln auf langer Strecke heißgebremst werden. Die o.g. Bremsvorgänge wiederholst du solange, bis die Bremsen heiß sind, um auszugasen zu können.

Lösungsmittel ausgasen: Dieser Schritt ist vor allem bei organischen Belägen essentiell wichtig. Dazu die Bremse auf einer längeren und/oder steilen Abfahrt einmal richtig heiß bremsen. Auch hierbei wirst du feststellen, dass die Bremsleistung nach einer Weile abnimmt - das so genannte Fading hat eingesetzt. Jetzt aber den Bremsvorgang noch etwas länger fortsetzen. Erst dann kannst du das Einbremsen beenden.

Ganz wichtig bei organischen Belägen: Nach dem Einbremsen sollten Sie die Beläge dann noch richtig heiß bremsen, um das sogenannte Ausgasen (der Lösungsmittel im Material) herbeizuführen. Am besten lassen Sie auf einer steilen Abfahrt die Bremsen einzeln schleifen bis diese richtig heiß werden.

Was passiert beim Einbremsen genau?

Bremst Du Deine Bremsen wie oben beschrieben ein, erzeugst Du gezielt Reibung zwischen den Bremsbelägen und der Bremsscheibe. Dabei werden Staub und andere Verunreinigungen abgetragen, die bei der Herstellung entstanden oder eventuell bei der Lagerung angefallen sind. Außerdem schleifst Du die Oberflächen der Reibpartner genau passend zueinander ein. Das macht einen großen Unterschied, da aufgrund von Fertigungstoleranzen weder Beläge noch Scheiben zu 100 Prozent plan sind. Je nach Art der Beläge können durch die Erhitzung beim Einbremsen auch noch Bestandteile ausgasen.

Kurz und bündig: Drei gute Gründe für richtiges Einbremsen

  • Maximale Bremswirkung erzielen: Rauhe Oberflächen auf Belag und Scheibe werden beim Einbremsen geglättet. Erst dann liegen beide Reibpartner plan und großflächig aufeinander.
  • Bremsbeläge widerstandsfähig machen: Ab Werk besitzt ein Bremsbelag noch nicht die größtmögliche Härte. Er enthält Stoffe, zum Beispiel Bindemittel, die durch Hitze herausgelöst werden müssen, damit sich eine optimale Reibschicht bildet. Diese Hitze muss beim Einbremsen erzeugt werden.
  • Geld sparen: Das Einbremsen macht die Beläge lange haltbar. Deshalb sparst du unterm Strich bares Geld.

Regelmäßige Wartung und Bremstechnik

Neben dem richtigen Einbremsen sind auch regelmäßige Wartung und die richtige Bremstechnik wichtig, um die Lebensdauer deiner Bremsbeläge und -scheiben zu verlängern und die Bremsleistung zu optimieren.

  • Regelmäßige Wartung: Halte deine Bremsscheiben und Beläge stets sauber und frei von Schmutz und Öl.
  • Bremstechnik: Lerne die richtige Bremstechnik, um die Bremsbeläge und -scheiben zu schonen.

Die Geschichte der Scheibenbremse am Fahrrad

Was vielen (und auch mir bevor ich diesen Blogbeitrag verfasst habe) unbekannt war: Die erste mechanische Scheibenbremse für Fahrräder wurde 1989 von dem Tschechen Bob Sticha an ein Rennrad gebaut. In den 90ern fand diese anfangs selbst von der Fachpresse eher belächelte Idee dann Einzug in die Entwicklung der Mountainbikes. Erste Serienbremsen wurden damals von Formula, Sachs und Hope produziert.

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