Schienbeinschmerzen nach Radfahren: Ursachen und Behandlung

Das Schienbeinkantensyndrom zählt zu den häufigsten Überlastungsverletzungen bei Sportlerinnen und Sportlern. Die Schmerzen treten meist bei andauernder Belastung auf und können die sportliche Aktivität erheblich einschränken.

Was ist das Schienbeinkantensyndrom?

Das Schienbeinkantensyndrom ist unter verschiedenen Bezeichnungen bekannt, darunter mediales Tibiakantensyndrom, Shin-Splint-Syndrom, MTSS (Mediales Tibiales Stress Syndrom) oder Periostitis (Knochenhautentzündung). Es handelt sich um eine Reizung der Innenseite des Schienbeins (Tibia), die typischerweise die unteren zwei Drittel der Schienbein-Innenseite betrifft. Besonders betroffen ist der Bereich des Muskelansatzes und der Sehne des Musculus tibialis posterior (hinterer Schienbeinmuskel). Wiederholte oder lang andauernde Belastungen können zu einer Reizung des Sehnenansatzes führen, die schließlich eine Entzündung des Schienbeins verursacht.

Ursachen von Schienbeinschmerzen

Eine Schienbein-Entzündung tritt häufig bei intensiven Lauf-, Sprung- oder Hallensportarten auf. Besonders betroffen sind Läuferinnen und Läufer, Tänzerinnen und Tänzer sowie Sportlerinnen und Sportler in Disziplinen wie Wandern oder Skilanglauf. Doch auch andere Sportarten können das Schienbeinkantensyndrom auslösen.

In den meisten Fällen ist eine Überbeanspruchung durch hohe Trainingsumfänge oder zu intensive Einheiten die Hauptursache. Gerade bei den genannten Sportarten kommt es zu einer starken Belastung der Unterschenkel, was das Risiko für eine Entzündung erhöht.

Harte Böden und ungewohnte Untergründe (z. B. Neueinstieg) können ebenfalls die Entstehung von Überlastungsverletzungen begünstigen. Dem Schienbeinkantensyndrom liegen häufig muskuläre Verspannungssyndrome, sogenannte Myogelosen, zu Grunde.

Weitere Ursachen und Risikofaktoren

  • Falsches Schuhwerk
  • Überbelastung
  • Falsches Abrollverhalten
  • Überpronation (Einknicken des Rückfußes beim Laufen nach innen)
  • Essstörungen oder einseitige Mangelernährung

Studien konnten zeigen, dass Frauen ein höheres Risiko haben, Stressverletzungen des Schienbeines zu erleiden, als Männer. Laufverletzungen erhöhen das Risiko, am medialen Schienbeinkantensyndrom zu erkranken.

Symptome einer Knochenhautentzündung am Schienbein

Das Schienbeinkantensyndrom äußert sich durch Schmerzen an der Vorder- und Innenseite des Unterschenkels, die oft als stechend oder dumpf beschrieben werden. Zunächst treten die Beschwerden nur während des Trainings auf, insbesondere bei anhaltender Belastung und Druck auf die Beine. In diesem frühen Stadium sind sie meist noch tolerierbar und zwingen Betroffene nicht zum Abbruch der Aktivität.

Mit zunehmender Belastung verschlimmern sich die Schmerzen: Im fortgeschrittenen Stadium treten sie bereits zu Beginn der Belastung oder sogar beim Gehen auf. In diesem Fall muss die Aktivität häufig abgebrochen werden. Ohne ausreichende Erholung kann es zu Ruheschmerzen kommen, die sich schon bei geringer Belastung - etwa beim Gehen im Alltag - verstärken.

Diagnose des Schienbeinkantensyndroms

Die Diagnose des Schienbeinkantensyndroms erfolgt zunächst durch eine ausführliche Anamnese und körperliche Untersuchung. Typische Hinweise sind die vom Patienten oder der Patientin beschriebenen Schmerzen an der Vorder- oder Innenseite des Schienbeins. Zur Abgrenzung weiterer Erkrankungen und zur genauen Ursachenanalyse kommen zusätzlich apparative Diagnoseverfahren zum Einsatz.

Eine Laufanalyse kann helfen, Fehlstellungen zu erkennen, die das Schienbeinkantensyndrom begünstigen. Die Magnetresonanztomographie (MRT) und das Röntgen sind besonders wichtig, um andere Erkrankungen auszuschließen. Die MRT hat dabei aufgrund ihrer hohen Sensitivität und Bildauflösung eine zentrale Bedeutung. Nur durch bildgebende Verfahren lassen sich Stressfrakturen, venöse Erkrankungen oder andere Differenzialdiagnosen sicher erkennen, sodass eine gezielte Therapie eingeleitet werden kann.

Eine Laufanalyse ist entscheidend, um die individuellen Ursachen des Schienbeinkantensyndroms zu identifizieren. Sie gibt Aufschluss darüber, ob eine Fußfehlstellung vorliegt, die die Beschwerden begünstigt. Muskelverletzungen (z. B. tibialis posterior), langem Zehenbeuger (M. flexor digitorum longus ) sowie des Schollenmuskels (M. soleus) können mittels MRT-Untersuchung in vier verschiedene Schweregrade unterteilt werden.

Das mediale Schienbeinkantensyndrom kann auch ohne Veränderungen im MRT bereits symptomatisch sein. 66% der Stress- verletzungen werden im Röntgenbild nicht abgebildet. Diese wird durch eine klinische Untersuchung bestätigt. Hier kann sich eine verdickte, ödematöse Knochenhaut (Periost) zeigen.

Behandlung des Schienbeinkantensyndroms

Die Behandlung des Schienbeinkantensyndroms erfolgt in der Regel konservativ. Ziel ist es, die akuten Symptome zu lindern und die Entzündung nachhaltig zu behandeln. Während der Schmerzphase sollte die sportliche Aktivität stark reduziert oder angepasst werden, um das Schienbein zu entlasten.

In der Akutphase und starken Schmerzen sollte das betroffene Bein entlastet werden. Erst wenn kein Druckschmerz mehr vorhanden ist, sollte die sportliche Aktivität wieder aufgenommen werden. Im Orthozentrum Bergstraße erstellen wir für unsere Patientinnen und Patienten ein individuelles Behandlungskonzept, das sowohl die akuten Beschwerden lindert als auch langfristig zur Prävention beiträgt.

Konservative Behandlungsmethoden

  • Sportliche Aktivität reduzieren oder anpassen
  • Gezieltes Dehnen der Wadenmuskulatur
  • Koordinationstraining (z. B. Übungen auf instabilen Untergründen)
  • Optimierung der Trainingsschuhe und eventuell Einlagenversorgung
  • Triggerpunktakupunktur zur Senkung des Muskeltonus
  • Stoßwellentherapie
  • Verbesserung der Rumpfstabilität und Propriozeption (Lauf-ABC, Stabi, Barfußläufe...)

Mittels der Triggerpunktakupunktur können wir den Muskeltonus verlässlich senken und so eine schnelle Schmerzreduktion erreichen. Die Stoßwellentherapie wird auch hier erfolgreich eingesetzt. In der Regel werden 3 Sitzungen à 2000 Stöße absolviert.

Ergänzt wird die Therapie im Profisport durch die Analyse des Vitamin D3-Stoffwechsels. Die Einnahme von NSAR (nicht-kortisonhaltige Rheumamittel) sollte bei diagnostizierter Stressfraktur kritisch gesehen werden. Das mediale Schienbeinkantensyndrom ist eine konservativ in der Regel gut beherrschbare Überlastungsverletzung. Operative Maßnahmen sind normalerweise nicht nötig.

Athleten gelingt es, mit der richtigen Therapie meist bereits nach 3-6 Wochen wieder, kurze Läufe mit vollem Körpergewicht zu absolvieren. Die Herausforderung besteht darin, ein Wiederauftreten (Rezidiv) zu vermeiden. Höhergradige Stressverletzungen benötigen deutlich mehr Rehabilitationszeit. Fortschreiten bishin zum Ermüdungsbruch ist möglich.

NSAR wie z.B. Diclofenac, Ibuprofen oder Indometacin können möglicherweise dazu führen, dass Stressfrakturen schlechter heilen.

Prävention von Schienbein-Entzündungen

Viele Maßnahmen, die in der Therapie des Schienbeinkantensyndroms eingesetzt werden, helfen gleichzeitig bei der Prävention von Schienbeinschmerzen. Wer diese Präventionsmaßnahmen konsequent umsetzt, kann das Risiko eines Schienbeinkantensyndroms erheblich reduzieren und langfristig beschwerdefrei bleiben.

Am Anfang der Behandlung steht immer eine differenzierte Diagnostik. Beim Schienbeinkantensyndrom empfiehlt sich meist eine Laufanalyse, da häufig Technikprobleme oder Becken-Beinachseninstabilitäten ursächlich sind.

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