Ebenso wie Füße und Gesäß müssen die Hände beim Rennradfahren viel Gewicht auf kleiner Fläche ertragen. Viele Radfahrer klagen über Probleme mit den Händen, Armen und dem Schulterbereich, wobei die meisten Probleme im Bereich der Hand auftreten. Je nach Sitzposition wird ein Teil des Fahrergewichts am Lenker abgestützt.
Nicht jeder kann einfach so auf sein Fahrrad steigen und problemlos losfahren. Es gibt einige Radfahrer, die haben Schmerzen beim Fahrradfahren. Nicht immer sind Vorerkrankungen der Grund dafür, vielmehr ein falsch konfiguriertes Fahrrad. Es gibt unterschiedliche Schmerzbereiche, die durch verschiedene Problematiken ausgelöst werden. Oftmals entstehen die Schmerzen erst nach längeren Touren.
Mit diesen vier Tipps können Sie Schmerzen im Handgelenk entgegenwirken und einer Überlastung vorbeugen:
Tipps zur Vorbeugung und Behandlung von Handgelenkschmerzen
- Mehr Polstern: Nutzen Sie dickere Polster an Handschuhen oder Lenker. Schon doppelt gewickeltes Lenkerband ist komfortabler und schont die Handgelenke. Einige Firmen bieten Gelpolster an, die unter dem Lenkerband befestigt werden. Eine günstige Alternative: passend zugeschnittene Streifen Lenkerband an den neuralgischen Punkten unter das eigentliche Lenkerband kleben. Stärker gepolsterte Handschuhe müssen sich gut an die Hand schmiegen und dürfen nicht drücken. Deshalb unbedingt vor dem Kauf anprobieren!
- Core-Training: Mit gut ausgebildeter Oberkörper-Muskulatur müssen die Hände in Rennradhaltung nicht so viel Gewicht abfedern und werden somit entlastet. Viele Zeitfahrspezialisten bei den Profis setzen auf Schlingentraining, um ihre Körperspannung zu verbessern und dadurch Druck von den Händen und Handgelenk zu nehmen.
- Umgreifen: Wechseln Sie ruhig häufiger die Griffposition, damit Sie Ihr Handgelenk nicht einseitig belasten. Wenn die Finger trotzdem mal taub werden, schütteln Sie sie kurz aus - das regt die Blutzirkulation an. Simpel, aber hilfreich: erst die Faust ballen, dann wieder locker lassen. Der Wechsel von Anspannung und Entlastung stimuliert Muskeln und Nerven.
- Reifen wechseln: Mit mehr Reifenvolumen und weniger Luftdruck fährt es sich komfortabler. Wer einen 23 Millimeter breiten Reifen mit acht Bar Luftdruck fährt, kann auf einen 25 oder 28 Millimeter breiten Pneu mit deutlich geringerem Druck wechseln - vorausgesetzt, am Rad ist genügend Platz für breitere Reifen in Gabel und Hinterbau. Niedrigerer Luftdruck lässt breitere Reifen besser federn, auch das Handgelenk muss dann weniger Stöße auffangen.
Ergonomische Anpassungen am Fahrrad
Um Schmerzen beim Fahrradfahren zu vermeiden, ist es zunächst wichtig, auf eine möglichst ergonomische Sitzposition zu achten und sicherzustellen, dass dein Fahrrad richtig auf dich eingestellt ist. Stelle sicher, dass Fahrradsattel und Lenker in der richtigen Höhe und Position sind, um eine übermäßige Belastung deines Körpers zu vermeiden. Es kann aber auch sein, dass sich das Bike gar nicht optimal auf die Körpermaße abstimmen lässt. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn die Rahmengröße nicht passt. Dies kann zu einer unnatürlichen Haltung und dadurch zu Schmerzen führen. Stimmen jedoch die Rahmengröße und die Einstellung, kann es immer noch zu Problemen kommen. Abhilfe können dann ergonomische und zum jeweiligen Einsatzbereich passende Komponenten schaffen, wie zum Beispiel Flügelgriffe und Sättel mit einer geschlechtsspezifischen Entlastungsoberfläche.
Weitere Tipps zur ergonomischen Anpassung:
- Lenkereinstellung: Ein falsch eingestellter Lenker kann Nacken-, Schulter- und Handgelenkschmerzen verursachen. Ist der Lenker zu weit entfernt, kann dies zu Verspannungen im Nacken- und Schulterbereich führen.
- Lenkergriffe: Falsch ausgerichtete Lenkergriffe können dazu führen, dass die Hände einschlafen oder taub werden. Eine falsche Griffposition kann Druck auf Nerven und Blutgefäße ausüben, was zu Beschwerden und Schmerzen führt.
- Lenker: Verwende einen Lenker, der zu deinem Fahrstil und deiner Körpergröße passt. Ein verstellbarer Vorbau kann ebenfalls helfen, die Lenkerhöhe und -reichweite optimal einzustellen.
Karpaltunnelsyndrom (KTS)
Das Karpaltunnelsyndrom (KTS) ist eine häufige Erkrankung, die durch die Kompression des Medianusnervs (Mittelnerv) im Handgelenk verursacht wird. Dieser Nerv verläuft durch den sogenannten Karpaltunnel, einen engen Kanal der durch Knochen und Bindegewebe räumlich eingegrenzt ist, der den Nerv und einige Sehnen schützt. Wenn der Tunnel verengt wird, sei es durch Schwellungen, Entzündungen oder strukturelle Faktoren, entsteht Druck auf den Nerv, was zu Schmerzen, Kribbeln oder Taubheitsgefühl in den Fingern führen kann.
Das Karpaltunnelsyndrom kann beim Radfahren problematisch sein, da das ständige Aufstützen der Hände auf den Lenker zum Abknicken und somit einer erhöhten Belastung des Handgelenks führt.
Der beim Karpaltunnelsyndrom komprimierte Medianerv versorgt den Daumen, Zeigefinger, Mittelfinger und Teile des Ringfingers. Die Symptome können von leichtem Kribbeln, Missempfindungen und Taubheitsgefühl im Finger (oder den Fingern) bis hin zu starken Schmerzen und Funktionsverlust - so kann es zu Einschränkungen beim Bremsen und Schalten kommen - in diesen Bereichen und somit auch der gesamten Hand reichen.
Behandlungsmöglichkeiten des Karpaltunnelsyndroms:
- Handgelenkschienen: Diese helfen, das Handgelenk in einer neutralen Position zu halten und so den Druck auf den Medianusnerv zu reduzieren.
- Medikamente: Medikamente wie Ibuprofen können helfen, Schmerzen und Entzündungen zu lindern.
- Physiotherapie: Spezielle Übungen zur Stärkung der Hand- und Unterarmmuskulatur sowie Dehnungen können helfen, den Druck auf den Nerv zu verringern.
Vorbeugung des Karpaltunnelsyndroms beim Radfahren:
- Bikefitting: Ein professionelles Bikefitting sorgt dafür, dass dein Fahrrad optimal auf deine Körperproportionen abgestimmt ist. Achte dabei besonders auf die Position des Lenkers und des Fahrradsattels, um den Druck auf die Handgelenke zu minimieren.
- Lenkerhöhe und -neigung: Ein zu niedriger Lenker führt dazu, dass mehr Gewicht auf die Hände und Handgelenke verlagert wird. Eine etwas höhere Position des Lenkers kann helfen, den Druck zu verringern.
- Griffe oder Lenkerband: Viele Radfahrer winkeln ihre Handgelenke zu stark ab. Ergonomische Fahrradgriffe können hier gute Abhilfe schaffen oder auch vorbeugen.
- Handschuhe mit Polsterung: Spezielle gepolsterte Handschuhe für Radfahrer absorbieren Vibrationen und reduzieren den Druck auf die Handnerven.
- Haltung ändern: Wechsel die Handposition regelmäßig, um die Belastung auf die Hand und die Unterarmmuskulatur zu reduzieren. Achte bei der Auflage der Hände auf den Lenker, dass der Druck auf die Handflächen gleichmäßig verteilt ist. Verwende Griffe, die eine neutrale Handgelenkstellung fördern.
- Regelmäßige Pausen: Mache regelmäßige Pausen, besonders auf langen Fahrten. Das hilft, die Belastung der Handgelenke zu verringern.
Sehnenscheidenentzündung (Tendovaginitis)
Eine Sehnenscheidenentzündung oder medizinisch Tendovaginitis bildet sich an der Hand besonders häufig aus. Sehnenscheidenentzündungen am Unterarm oder am Fuß kommen ebenfalls vor, sind aber seltener. Sehnenscheiden finden sich an Stellen, an denen Sehnen sehr nahe an harten knöchernen Strukturen entlanglaufen. An der Hand führen die Sehnen für eine optimale Kraftübertragung eng an den Fingerknochen vorbei. Wird eine Sehnenscheide zu stark beansprucht, entstehen Symptome wie Schwellungen und Entzündungen. Auch die Sehne selbst kann sich entzündlich verändern.
Ursachen einer Sehnenscheidenentzündung:
- Eine akute Überlastung der Sehnen und Sehnenscheiden.
- Chronische Überbeanspruchung.
- Selten liegt der Tendovaginitis eine bakterielle Infektion zugrunde.
Symptome einer Sehnenscheidenentzündung:
- Stechende und ziehende Schmerzen im Bereich der betroffenen Sehnenscheide.
- Entlang des Verlaufs von Sehne und Muskel verspüren die Betroffenen einen Druckschmerz.
- Das angegliederte Gelenk fühlt sich überwärmt an und ist angeschwollen und gerötet.
Behandlung einer Sehnenscheidenentzündung:
Zur Behandlung einer Sehnenscheidenentzündung stehen die nichtoperativen Maßnahmen an erster Stelle. Eine Schiene, die Hand und Handgelenk umschließt, kann bei einer Sehnenscheidenentzündung zur Ruhigstellung zum Einsatz kommen. Auf diese Weise vermeidet der Patient unnötige, schmerzende Bewegungen. Allerdings darf die Hand nicht zu lange unbeweglich in der Schiene gelagert werden, da sich die Sehnen verkürzen könnten.
Weitere Ursachen und Lösungen für Beschwerden beim Radfahren
Häufige Beschwerden beim Fahrradfahren entstehen also, wie wir gesehen haben, oft durch ungünstige Körperhaltung, falsche Einstellungen am Fahrrad oder Überlastung. Beschwerden beim Radfahren lassen sich in vielen Fällen mit einfachen Anpassungen lindern. Etwa mit einer besseren Sitzposition, geeigneter Ausrüstung oder gezielten Dehnübungen.
Ein Arztbesuch ist notwendig, wenn die Schmerzen länger anhalten, mit Schwellungen, Taubheitsgefühlen oder Bewegungseinschränkungen verbunden sind. Unsere oben vorgestellten Lösungen je Beschwerde helfen, das Wohlergehen beim Radfahren langfristig sicherzustellen.
Zusammenfassung der wichtigsten Punkte:
- Ergonomische Anpassung: Stelle sicher, dass dein Fahrrad richtig auf deine Körpergröße und -form eingestellt ist.
- Richtige Ausrüstung: Verwende ergonomische Sättel und Griffe, gepolsterte Fahrradhosen und Handschuhe.
- Regelmäßige Pausen: Mache regelmäßige Pausen, um den Druck auf den Körper zu reduzieren.
- Gute Fahrtechnik: Achte auf eine entspannte Haltung und eine gleichmäßige Trittfrequenz.
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