Motorrad Rundreise Schottland: Planung und Tipps

Schottland ist eine Region, die niemanden kaltlässt. Natur, Menschen, Strecken und Wetter bewegen Reisende seit langem. Grandiose Motorradstrecken durch bergige Landschaften, deren Charakter zwischen lieblich, rau und einsam wechselt, erwarten Sie. Skurrile, stolze, humorvolle Menschen, die Reisende willkommen heißen, wilde Küsten, Seen, Burgen, Schlösser, Mythen, eine aufwühlende Historie und schlussendlich die exotische Küche, samt interessanten Getränken, in deren Zentrum der Whisky steht, sind Gründe für eine unvergessliche Motorradreise.

Das Motorrad-Reisemagazin RIDE hat für die Ausgabe 17, die am 27. Juni 2023 erschienen ist, 8 magische Touren in Schottland exklusiv für seine Leser und Leserinnen zum Nachfahren produziert und aufbereitet. Das alles ist in RIDE Schottland verdichtet und wird angereichert mit ausgesuchten Kultur-, Hotel- und Gastro-Tipps sowie Infos von Insidern. Unsere nutzwertige Faltkarte und Links zu GPS-Downloads aller Touren erleichtern RIDE-Lesern die Planung von epischen und unvergesslichen Trips durch Schottlands spannendste Regionen.

Planung Ihrer Schottland Motorradtour

Eine Motorradreise durch Schottland sollte am besten zwischen Frühling und Herbst stattfinden. Die Wintermonate eignen sich nicht, da in den Highlands zwischen Oktober und April mit Schnee zu rechnen ist. Im Sommer erreicht der Tourismus seinen Höhepunkt; zu dieser Zeit ist es im ganzen Land teurer und überlaufener. Wer es etwas ruhiger mag, sollte möglichst außerhalb dieses Zeitraums reisen.

Anreise

Möchte man mit dem eigenen Motorrad nach Schottland reisen, bietet sich die Überfahrt mit einer Fähre an. Direkt nach Rosyth nahe Edinburgh gelangt man vom belgischen Zeebrügge aus. Beliebt ist die Fähre von IJmuiden bei Amsterdam nach Newcastle in Nordengland. Sofern vor Ort ein Motorrad geliehen wird, stellen Flugzeug und Bahn Alternativen dar. Es besteht die Möglichkeit, sich in England oder Schottland ein Fahrzeug zu mieten.

Motorradmiete

Vor allem in London und Umgebung sowie in den größeren schottischen Städten wie Edinburgh oder Glasgow sind mehrere Anbieter mit einer breiten Palette an Bikes vertreten. Doch auch in anderen Gegenden des Vereinigten Königreichs finden sich Leihmöglichkeiten. Grundsätzlich gilt es, die Preise genau zu vergleichen und im Vorfeld zu beachten, welche Leistungen inklusive sind bzw. welche Zusatzkosten entstehen. Häufig ist eine hohe Kaution zu hinterlegen.

Unterkünfte

Nach einem abwechslungsreichen Reisetag auf ruhigen, kurvigen Straßen durch die einmalige landschaftliche Schönheit Schottlands, sind Sie am Abend zu Gast in den legendären, gemütlichen Pubs, in denen Gastfreundschaft ganz groß geschrieben wird. Das Motorrad wird bis zum nächsten Morgen sicher geparkt.

Wichtige Hinweise für Motorradfahrer

Wegen des Linksverkehrs braucht man sich als Kontinentaleuropäer keine Sorgen zu machen, wenn man mit dem Motorrad nach Schottland fährt. Am Steuer des eigenen Fahrzeugs gewöhnt man sich schnell an die ungewohnte Straßenseite. Außerdem sind die Schotten die höflichsten Autofahrer der Welt. Sie streiten sich fast darum, wer wem Vorfahrt gewähren darf. Gewöhnen muss man sich an die Single Track Roads. Das sind einspurige Straßen, mit denen fast alle abgelegenen ländlichen Gegenden durchzogen sind. Alle paar hundert Meter wartet eine Ausweichstelle. Das Ganze ist kein Problem, wenn man während seiner Motorradtouren ein wenig vorausschauend fährt.

Eine Bevölkerungsschicht Schottlands kennt allerdings keine Gnade mit Besuchern - die Schafe. Halbwild weiden sie das ganze Jahr über auf den Wiesen und kennen keinen Respekt vor Motorfahrzeugen jeder Art. Gerne warten sie, bis man dicht an ihnen dran ist, um dann mit einem Satz die Fahrbahn zu überqueren. Besonders die Kinderschafe sind auf solche Einlagen spezialisiert.

Verkehrsregeln

Generell sind die schottischen Straßen überwiegend gut ausgebaut. Es gibt viele moderne neue Straßen, auf denen auch Anfänger ohne Schwierigkeiten fahren können. Allerdings sind die älteren Nebenstraßen deutlich attraktiver. Dabei handelt es sich um „Single Track Roads“, also einspurige Straßen. Diese sind schmal und kurvenreich und sorgen daher für ein abwechslungsreicheres Fahrerlebnis. Da diese Straßen lediglich über eine Fahrbahn verfügen, finden sich in regelmäßigen Abständen Möglichkeiten zum Ausweichen, die „Passing Places“. Der Gegenverkehr muss auf derartigen Strecken besonders gut im Auge behalten werden. Der Fahrer, welcher zuerst den Passing Place erreicht, lässt das entgegenkommende Fahrzeug passieren. Zudem können schnellere Verkehrsteilnehmer dort überholen. In Schottland herrscht Linksverkehr. Dennoch gilt: rechts vor links. Sowohl die Entfernungsangaben als auch die Geschwindigkeitsbegrenzungen sind in Meilen angegeben. Auf Autobahnen dürfen 70 mph, also 112 km/h gefahren werden. In geschlossenen Ortschaften liegt das Tempolimit bei 30 mph (48 km/h). Vor Kurven weisen Schilder darauf hin, die Geschwindigkeit zu drosseln. Die vorgeschriebenen Begrenzungen sollten unbedingt eingehalten werden, so genannte „Speed Cameras“ kontrollieren dies vielerorts. Mit Hindernissen in Form von Schafen oder Kühen, muss in ländlichen Gebieten jederzeit gerechnet werden.

Ausrüstung

Der Asphalt in Schottland ist deutlich rauer und griffiger als in Deutschland. Das hat den Vorteil, dass auch nasse Fahrbahnen guten Halt bieten. Nachteilig ist jedoch, dass sich die Reifen wesentlich schneller abnutzen. Benzin ist in Schottland teurer als in Deutschland. Es empfiehlt sich, in größeren Städten zu tanken, da man in abgelegenen Ortschaften in der Regel mehr bezahlt.

Als Biker sollte man allerdings von der Badehose über atmungsaktives Regenzeug bis hin zu leicht gefütterten Handschuhen alles einpacken, um den Roadtrip bei jedem Wetter genießen zu können.

Mücken in den schottischen Highlands

Bei eventuell auftauchenden „Highland midgets“ (Culicoides impunctatus) handelt es sich um nur zwei Millimeter große, beißende Fliegen mit dunklen Punkten auf beiden Flügeln. Nach dem sie zugebissen haben, saugen sie etwas Blut, weil sie Proteine zur Eiablage benötigen. In ihrem Speichel ist Histamin enthalten - was uns die lästig juckenden Quaddeln beschert. Im Gegensatz zum Biss von anderen Blutsaugern kann der Biss der "midgets" keine Krankheiten übertragen. Mückensaison ist Ende Mai bis Mitte Juni und Ende Juli bis Anfang August. Die kleinen Vampire lieben hohe Luftfeuchtigkeit, relativ hohe Temperaturen und meiden helles Licht. Wie unsere einheimischen Stechmücken sind sie vor allem dämmerungsaktiv. Aktiven Bikern können sie aufgrund der Geschwindigkeit und der Motorradkluft kaum etwas anhaben.

Routenvorschläge für Ihre Motorradtour

Eine Bikertour durch Schottland kann sehr gut individuell geplant und durchgeführt werden. Es werden aber auch diverse organisierte Gruppenreisen angeboten. Je nachdem, wie viel Zeit zur Verfügung steht, sind unterschiedliche Strecken möglich. Auf einer Rundreise können verschiedene Regionen des Landes entdeckt werden. Vom Ausgangspunkt kann die Fahrt im oder gegen den Uhrzeigersinn angetreten werden. Die genaue Routenplanung kann entsprechend der persönlichen Präferenzen individuell gewählt werden. Grundsätzlich bietet Schottland eine vielfältige Mischung aus Natur, Geschichte, Städten und Kultur. Hauptattraktionen wie Schlösser oder das berühmte Loch Ness sind über reizvolle Strecken bequem erreichbar. Auch die Highlands im Norden lassen sich gut auf zwei Rädern erkunden. Überall lässt sich die beeindruckende Natur genießen.

Motorradtouren durch Schottland lassen sich im Grunde mit keiner anderen vergleichen. Das Fahren an sich rückt hier eher in den Hintergrund. Es ist mehr eine Reise in eine andere Zeit, in eine mystische Landschaft, zu bezaubernden Menschen, in ein Land, in dem man sich trotz - oder vielleicht gerade wegen des wechselhaften Wetters - als Motorradfahrer extrem wohl fühlt. Balsam für die Seele.

North Coast 500

Folgen Sie uns auf der berühmten „North Coast 500“ immer entlang der rauen Atlantikküste und durch das wilde Hochland Schottlands. Nachdem die North Coast 500 seit 2015 erfolgreich beworben wurde, müssen Motorradfahrer damit rechnen, dass in den Sommermonaten dort recht viele Pkw und Wohnmobile unterwegs sind. Wer es arrangieren kann, sollte seinen Roadtrip über die North Coast 500 in Schottland auf Anfang Mai legen. Dann sind die Tage lang, das Wetter ist für schottische Verhältnisse schön und auf den schmalen Landstraßen ist noch kaum Verkehr. Falls der Mai nicht zu eurer Planung passt, solltet ihr alternativ mit dem September liebäugeln. Im September gibt es mehr Regen, ab Ende Mai sind mehr midgets unterwegs (beißende kleine Fliegen).

Auf der Strecke der North Coast 500 bewegt ihr euch durchgängig auf einer Fernstraße - außer ihr macht Abstecher zu Sehenswürdigkeiten. Fernstraßen sind in Schottland mit dem Buchstaben A vor der Nummer gekennzeichnet. Auf einspurigen Straßen außerhalb von Ortschaften (single carriage ways) ist die Geschwindigkeit für Motorradfahrer auf 96 km/h (60 mph) begrenzt. Auf zweispurigen Straßen mit einer Abgrenzung in der Mitte (dual carriage ways) sind Bikern maximal 70 mph (112 km/h) erlaubt. „Single Track Roads“ sind einspurige Straßen, die nur Platz für ein einziges Fahrzeug bieten. An diesen sind Ausweichbuchten eingerichtet, auf die schon von Weitem hingewiesen wird. Bei Gegenverkehr gilt, dass derjenige ausweicht, der einen „passing place“ auf seiner linken Seite hat. Die Buchten haben auch den Zweck, schnellere Fahrzeuge an langsameren vorbeizulassen. Während freilaufende Schafe meistens panisch von den schmalen Fahrbahnen der North Coast 500 flüchten, wenn ein Motorrad heranbraust, scheint so etwas die stoischen Wiederkäuer nicht sonderlich zu beeindrucken. In Anbetracht ihrer beeindruckend langen Hörner solltet ihr euch mit ihnen auf ein rücksichtsvolles Miteinander einigen: Wer im Schritttempo an ihnen vorbei tuckert, ist auf der sicheren Seite.

Speyside Whisky Trail

Der Speyside Whisky Trail ist knapp hundert Kilometer lang und eine Route, die auf keiner Schottland Tour mit dem Motorrad fehlen darf. Diese Route führt durch die wichtigste der fünf schottischen Whisky-Regionen und ist die einzige ihrer Art weltweit. Drei Tage sollte man sich für den Whisky Trail Zeit nehmen. Auf den hundert Kilometern dieser Motorrad Tour in Schottland warten sieben Destillerien, eine historische Brennerei und eine Böttcherei. Durch alle Destillerien sollte man sich unbedingt durchprobieren, danach ist mit dem Fahren selbstverständlich erst mal Schluss. Übrigens sollte man den Whisky Trail auch unter die Räder nehmen, wenn man nicht unbedingt ein Liebhaber dieses Getränks ist. Allein wegen der teils uralten historischen Anlagen und der einzigartigen Atmosphäre, die dort herrscht, zählt sie mit zu den schönsten Motorradstrecken in Schottland. Und so mancher - wir sprechen aus eigener Erfahrung - wurde auf seinem Motorrad durch Schottland unterwegs zum Whisky-Liebhaber. Die sieben aktiven Destillerien auf dem Trail sind: Glenlivet, Cardhu, Glenfiddich, Glen Grant, Strathisla, Glen Moray und Benromach. Der Platz im Seitenkoffer kann also nicht groß genug sein, um ein Souvenir vom Whisky-Trail mit nach Hause zu bringen.

Tourenvorschlag: 9 Tage ohne Planung

Neun Tage Zeit, ohne Planung durch Schottland. Ist das ratsam? Ja, absolut. Wäre ich nicht alleine unterwegs gewesen, hätte ich natürlich ganz anders planen müssen, zumindest das ewige Zelten wäre mir dann wohl erspart geblieben. Allerdings wäre auch die Spontanität auf der Strecke geblieben. Letztendlich sind neun Tage natürlich viel zu wenig Zeit für so ein wunderschönes Land und ich werde dort mit Sicherheit noch einmal hinfahren, vielleicht mit einem Wohnmobil?

Beispielroute für eine 9-tägige Motorradtour durch Schottland

  1. Tag 1: Anreise - Lowlands - Loch Lomond. Wir empfehlen die Anreise mit der Nachtfähre von Amsterdam nach Newcastle. Durch die Einsamkeit der North Pennines und die grünen Lowlands erreichen Sie hinter Glasgow den Loch Lomond & Trossachs Nationalpark. Übernachtung im Raum Loch Lomond. (ca. 285km)
  2. Tag 2: Rannoch Moor - Glencoe - Ardgour. Unternehmen Sie am Vormittag eine kleine Rundfahrt durch die Trossachs. Spektakulär ist die Landschaft, die Sie auf Ihrer Fahrt durch das Rannoch Moor erleben. Übernachtung im Raum Fort William. (ca. 135km)
  3. Tag 3: Bealach na Ba Pass - Applecross - Gairloch. Unvergesslich wird Ihnen die Tour durch das Great Glen mit dem Caledonian Canal und die traumhafte Landschaft der West Highlands auf der Fahrt in Richtung Küste bleiben. Genießen Sie den Abend. Übernachtung in Gairloch. (ca. 270km)
  4. Tag 4: Inverewe Gardens - Gairloch. Kurz hinter Gairloch befindet sich Schottlands bekanntestes Gartenparadies, Inverewe Gardens, weltbekannt für seine große Artenvielfalt. Am kleinen Hafen von Gairloch werden Bootstouren zur Wal- und Delfinbeobachtung angeboten. Übernachtung in Gairloch
  5. Tag 5: Der Norden Schottlands. Erstes Ziel des heutigen Tages ist die Abgeschiedenheit von Assynt. Dunrobin Castle ist bereits seit über 700 Jahren Sitz seiner Familie, der Dukes of Sutherland, das macht Dunrobin Castle zu dem am längsten, dauerhaft bewohnten Schloss in Schottland. Am Abend erreichen Sie Ihr gemütliche Unterkunft im Raum Nairn/Elgin. (ca. 260km)
  6. Tag 6: Speyside Whisky Destillerien - Loch Ness. Weiter geht es nach Speyside, einem Paradies für Whiskyliebhaber. Besichtigen Sie eine Brennerei, lernen Sie alles über “das Wasser des Lebens”, oder Sie verbringen den Tag mit einer Monsterjagd am Loch Ness. Kehren Sie am Abend in Ihre gemütliche Unterkunft zurück. (ca. 200km)
  7. Tag 7: Grampian Mountains - Fife - Edinburgh. Über die imposante Forth Road Bridge geht es in Richtung Edinburgh, der schottischen Hauptstadt. (ca. 350km) Übernachtung in der Nähe von Edinburgh.
  8. Tag 8: Edinburgh. Eine Stadtrundfahrt im offenen Doppeldeckerbus verschafft einen guten Überblick über die Sehenswürdigkeiten der Stadt. Besuchen Sie ein Pub mit Live-Musik oder schließen Sie sich einer “Literary Pub Tour” an. Übernachtung in der Nähe von Edinburgh.
  9. Tag 9: Heimreise. Je nach Abfahrtszeit/Ort gestalten Sie individuell Ihr Programm und die Rückreise.

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