Madonna del Ghisallo: Die Schutzpatronin der Radfahrer

In einer Kapelle hoch über dem Comer See, genauer gesagt in Magreglio, wird Radsport zur Religion. Vor allem, seitdem der Papst die dort verehrte Madonna del Ghisallo zur Patronin der Radsportler erklärte.

Nicht nur der Fußball in Italien hat seine eingefleischten Fans, die "Tifosi", sondern auch der Radsport. Zu dem Ort auf dem Colle di Ghisallo, einem Hügel im Dreieck zwischen den beiden Armen des Sees, gehört auch eine Kapelle. Hier verehrten die Menschen der Region über Jahrhunderte das Bild einer stillenden Muttergottes.

Die Geschichte der Madonna del Ghisallo

Im Herbst des Jahres 1905 quälte sich von Bellagio am Seeufer kommend eine Karawane keuchend den Weg zur Kapelle hinauf: die Teilnehmer der vom italienischen Radrennfahrer Giovanni Gerbi ersonnenen ersten Lombardei-Rundfahrt. Allerdings blieb die Zahl der Pilger übersichtlich, bis sich diese besagte Karawane zur Kapelle hinaufquälte. Auch in den Folgejahren führte das Rennen stets zum Ghisallo hinauf.

Don Vigano, der seit 1945 jedes Mal mit Hunderten anderer Tifosi am Straßenrand stand, sah darin einen Wink des Himmels. Und so baute der umtriebige Seelsorger den Ghisallo zu einem Wallfahrtsort für Radsportler aus. Die Frommen unter ihnen überzeugte er, der Madonna ein Trikot als Votivgabe zu überlassen.

Am 12. Oktober passiert die Lombardei-Rundfahrt, die als "Rennen der fallenden Blätter" die offizielle Radsport-Saison beschließt, erneut die Madonna di Ghisallo. Einen Tag später wird ihre Schutzpatronin 70 Jahre alt. Es war der 13. Oktober 1949, als Papst Pius XII.

Die Ernennung zur Schutzpatronin

Es war der 13. Oktober 1949, als Papst Pius XII. die Madonna del Ghisallo offiziell zur Schutzpatronin der Radfahrerinnen und Radfahrer ernannte. Die entsprechende Urkunde hängt heute an der rechten Innenwand der Kapelle. In lateinischen Sätzen, die länger scheinen als der gut zehn Kilometer lange Anstieg hinauf nach Ghisallo, heißt es dort: "...

Bereits ein Jahr zuvor, im Herbst 1948, geleitete eine Staffel prominenter Radrennfahrer - unter ihnen Fausto Coppi und Gino Bartali - eine überdimensionale Fackel von Castel Gandolfo nach Ghisallo.

Die Kapelle und ihre Bedeutung

Heute steht die etwa 1,5 Meter hohe Plastik in der Mitte der Kapelle. Auf ihr sind in drei Szenen Pius XII. und diverse Radsport-Granden Italiens zu sehen. Die vierte Seite zeigt eine Darstellung der stillenden Madonna. Die Tag und Nacht in leicht kitschigem Rosa (elektrisch) brennende Flamme stehe für die Frömmigkeit der Radfahrer, heißt es, und erinnere an die Gefallenen. Wandtafeln präsentieren Bilder jener, die "auf der Straßen fielen, weil sie einen Traum von Ruhm verfolgten, den sie sich im Lichte des Opfers ihres jungen Lebens erfüllten".

Unter den zahlreichen Votivgaben ist auch das Rad von Fabio Casartelli. Das hoffnungsvolle Radsporttalent, geboren in Como, war 1995 bei der Tour de France auf einer Abfahrt in den Pyrenäen gestürzt, mit dem ungeschützten Kopf auf einen Betonpfeiler geknallt. Es brauchte indes noch acht Jahre und einen weiteren tödlichen Unfall, bevor der Radsport-Weltverband (UCI) für Profis die Helmpflicht einführte.

Der Anstieg zur Madonna del Ghisallo

Wahre Ghisallo-Pilger nehmen den 10,6 Kilometer langen Anstieg auf zwei Rädern in Angriff, um die 556 Meter höher gelegene Madonna zu erreichen. Zwei bis zu 14 und 12 Prozent steile Rampen werden unterbrochen durch eine relativ ebene Passage, die kurz verschnaufen lässt. Wer sich mit brennenden Oberschenkeln, gelegentlich aus dem Sattel gehend, die Straße hinaufschraubt, meint auf ihr die Schweißtropfen seiner Vorgänger wahrzunehmen. Erst oben angekommen, wenn der Puls sich beruhigt, beginnen die Augen zu schwärmen. Manche sagen, das Dreieck am Comer See sei der schönste Teil der Lombardei.

Vor der Kapelle erwarten den Pilger die Hauptapostel des italienischen Radsports, Alfredo Binda, Gino Bartali und Fausto Coppi, in Form von Bronzebüsten. Auch dem umtriebigen Don Vigano wurde ein Denkmal gesetzt.

Das Innere der Kapelle

Das Kirchlein ist gefüllt mit Rennrädern, Pokalen und Trikots: als Dank der Besitzer an die Madonna, von Fans wie Reliquien verehrt. Räder von Fausto Coppi, Eddy Merckx, Francesco Moser oder auch Alfonsina Strada, der ersten Frau, die 1924 beim Giro d'Italia der Männer mitfuhr. Vorne über dem Altar, abgetrennt durch einen schmiedeeisernen Lettner, hängt das Bildnis der stillenden Muttergottes.

Das Radsportmuseum Madonna del Ghisallo

Die Kapelle selbst ist kleiner als ihr Ruf; weswegen vor einigen Jahren direkt daneben ein Radsport-Museum gebaut wurde. Um alle Schätze unterzubringen, die Radsportler der Madonna del Ghisallo widmen, gibt es seit 2006 neben der Kirche ein Radsportmuseum, in dem die technische Weiterentwicklung des Fahrrads, die Lebensgeschichten spannender Persönlichkeiten und einiges zur Geschichte der großen italienischen Radrennen gezeigt wird. Papst Benedikt XVI. persönlich setzte den Schlussstein für das Museum - also auch das ein Ort mit ganz speziellem Segen.

Wallfahrt und Fahrradsegnung

Anlass für die Wallfahrt und die Fahrradsegensfeier ist der Gedenktag der Madonna del Ghisallo. Sie wurde am 13. Oktober 1949 von Papst Pius XII. zur Schutzpatronin der Radfahrer erhoben.

Für die Kapelle haben wir natürlich nach einem Patronat gesucht. Und wir dachten, hervorragend wäre es, wenn wir einen Patron oder eine Patronin der Radfahrer hätten. Deswegen ist die Madonna del Ghisallo die Schutzpatronin der Radfahrer.

Oft von der Wichernkapelle aus, manchmal sogar von Wipperfürth, wo es auch eine Fahrradkirche gibt. Das ist dann ein weiterer Weg. Und jetzt laden wir eben dazu ein, dass man die Nordbahntrasse fährt. In diesem Jahr wird es keine geführte Wallfahrt geben. Um 15 Uhr ist Ankunft an der Ludgerkirche. Dann werden wir einen Gottesdienst feiern, bei dem wir die Räder und die Radfahrenden segnen. Danach gibt es in St.

Christophorus-Plaketten und Schutzsymbole

Viele kennen den Heiligen Christophorus vermutlich als Plakette, die man ins Auto kleben oder sich am Fahrrad befestigen kann. Die Bedeutung seines Namens ist „Christusträger“. Gemeint war ursprünglich, dass Christophorus Christus in seinem Herzen trägt.

Die Plakette dient als symbolischer Schutz für das Fahrrad und seinen Fahrer und kann als Glücksbringer verwendet werden. Sie kann auch als kleine Andenken oder als Geschenkidee verwendet werden.

Glaube und Radfahren: Gemeinsamkeiten

Radfahren und Glauben haben viele Gemeinsamkeiten. Es ist ein Geschenk der Schöpfung Gottes. Es ist eine Erfahrung von Glück, Liebe und Geborgenheit. Es gibt im Leben Bergetappen, bei denen es scheinbar nicht weitergeht. Stürze gehören dazu. Doch es geht darum, wieder aufzustehen und weiterzumachen. Dabei hilft das Vertrauen, dass Gott einen begleitet.

So empfinde ich es auch mit dem Glauben. Ich fahre gerne Fahrrad und freue mich immer, wenn ich meinen Arbeitsweg am Rhein entlang radeln kann. Außerdem bin ich katholisch und kenne mich mit Schutzheiligen und ihren Zuständigkeiten ganz gut aus. Aber was ich bis vor kurzem auch nicht wusste: Es gibt sogar eine eigene Schutzheilige für Radfahrende! Es ist die Heilige Madonna del Ghisallo.

Die Botschaft der Madonna del Ghisallo

Mir ist diese Schutzheilige und ihre Geschichte sympathisch. Die Kapelle steht an einem Pass, der nicht ohne Weiteres zu befahren ist: Es braucht Ausdauer und Können und trotzdem bleibt das Radfahren auch ein risikoreicher Sport. Und das lässt sich auch auf die alltägliche Fahrt durch den Straßenverkehr übertragen.

Egal, ob jemand zum Spaß unterwegs ist, das Rad als Sportgerät oder Transportmittel nutzt, ob jemand per E-Antrieb oder Muskelkraft unterwegs ist: Alle sollen aufeinander achten. Das ist mein Wunsch für das fahrradbegeisterte Italien genauso wie für den engen Raum der deutschen Städte. Fahrt vorsichtig und rücksichtsvoll!

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