Schwalbe Airless Fahrradreifen im Test: Die Zukunft der Pannensicherheit?

Ein platter Reifen vermiest jede Radtour im Handumdrehen. Bei der riesigen Auswahl fällt es schwer, den richtigen Fahrradreifen zu finden. Doch es gibt Innovationen bei Fahrradreifen, die dem Ziel, unplattbar zu sein, immer näher kommen. Schwalbe hat mit seinem Airless-System bereits einen luftlosen Reifen auf den Markt gebracht und verspricht mit diesem System komplett wartungsfreies Radfahren.

Was ist das Schwalbe Airless System?

Das Schwalbe Airless System ist die innovative luftfreie Fahrradbereifung mit komfortablen Fahreigenschaften. Das System ist absolut wartungsfrei und ideal für alle, die komfortabel und sorgenfrei Fahrradfahren möchten. Bei üblicher Nutzung kann der Reifen ohne jegliche Wartung bis zu 10.000 Kilometer gefahren werden.

Anstelle einer herkömmlichen Mantel-Schlauch-Kombination besteht Airless aus einem Mantel, der mit einem thermoplastischen Polyurethan (E-TPU) gefüllt ist, dem der Chemie-Konzern BASF den Namen Infinergy gegeben hat, das auch schon in Laufschuhen und Sätteln verbaut wird. Das Material soll dämpfen wie ein mit Luft gefüllter Reifen. Gefühlt fährt man bei Airless auf Luftreifen mit etwa drei Bar.

Vorteile des Airless-Systems

  • Keine Platten mehr, da keine Luft im Reifen ist.
  • Komplett wartungsfreies Radfahren.

Nachteile und Bedenken

  • Mehr Gewicht.
  • Erhöhter Rollwiderstand.

Diese Punkte fallen bei einem E-Bike jedoch kaum ins Gewicht.

Alternativen zum Airless-System: Reifen-Inserts und Pannenschutzreifen

Reifen-Inserts erfreuen sich immer größerer Beliebtheit in allen MTB-Kategorien, um Pannen zu vermeiden und die Felge zu schützen. Das Prinzip an sich ist sehr simpel: In die tubeless-aufgebauten Reifen wird bei der Montage ein kreisförmiges Stück Schaumstoff-Nudel hineingelegt. Das soll Schläge auf die Felge abdämpfen, den Durchschlagschutz verbessern und zudem ein sanfteres Fahrgefühl bringen.

Funktionsweise von Reifen-Inserts

Die Inserts dämpfen Schläge auf die Felge ab, verbessern den Durchschlagschutz und bringen ein sanfteres Fahrgefühl. Durch die breite Form der Inserts wird die Seitenwand der Reifen stabilisiert, sodass dieser nicht so schnell aus dem Felgenbett rutscht. Durch die stabilisierte Seitenwand walgt der Reifen unter Belastung weniger, was ein direkteres Fahrgefühl in schnellen Anliegern oder starken Kompressionen gibt.

Reifen mit integriertem Pannenschutz sind eine clevere Wahl: Eine spezielle Lage zwischen Mantel und Schlauch wehrt Scherben und andere spitze Objekte zuverlässig ab. Die „unplattbaren“ Marathon PLUS 14 Draht Reflex Fahrradreifen von Schwalbe bestehen zum Teil aus recyceltem Naturkautschuk und sind auch für E-Bikes bis zu 50 km/h geeignet. Dank der fünf Millimeter dicken SmartGuard-Einlage versprechen sie eine hohe Pannensicherheit bei gleichzeitig geringem Rollwiderstand - eine Holperfahrt über Scherben und Granulat sollten die Fahrradreifen also überstehen.

Test von Reifen-Inserts: Werkstatt, Labor und Trail

Um die Leistungsfähigkeit von Reifen-Inserts zu beurteilen, wurden Tests in drei Bereichen durchgeführt:

  1. Werkstatt: Montage und Handhabung der Inserts.
  2. Labor: Test des Durchschlagschutzes.
  3. Trail: Praxistest des Fahrverhaltens.

Ergebnisse des Labortests zum Durchschlagschutz

Im Labortest wurde der Durchschlagschutz der Inserts im hauseigenen Prüflabor von Schwalbe getestet. Dazu wurden die Inserts auf eine Test-Felge aus Stahl montiert und der Big Betty-Testreifen mit Super Gravity-Karkasse mit einem konstanten Druck von 1,5 bar darübergezogen. Ein Gewicht von 19 kg wurde dann mit einer harten Kante aus steigender Höhe fallen gelassen. Je größer die Fallhöhe, bei der ein Schnitt im Mantel infolge eines Durchschlags erzeugt wurde, desto besser schützt das Insert.

Generell kann man aber sagen: Je schwerer das Insert, desto besser ist der Durchschlagschutz. So bietet das massive Technomousse mit einer Fallhöhe von 720 mm mit einigem Abstand den besten Schutz. Der 40 g leichte Baumarkt-Insert hat leider keinerlei Schutzwirkung gezeigt und mit einer Fallhöhe von gerade einmal 510 mm den exakt gleichen Wert wie der Big Betty Super Gravity-Reifen ohne Insert.

Praxistest auf dem Trail

Um einen möglichst direkten Vergleich der Inserts zu bekommen, wurden Back-to-back-Runs auf einem Test-Track durchgeführt, der mit schnellen Anliegern, großen Sprüngen, roughen Steinfeldern und rutschigen Wurzeln alles zu bieten hatte, was Bike, Fahrer und vor allem die Inserts an die Grenzen bringen kann. Bei allen fünf Inserts sind wir mit unseren Körpergewichten zwischen 70 und 75 kg einen Druck von 1,4 bar an der Front und 1,6 bar am Heck gefahren.

Auf dem Trail konnten wir allerdings trotz der höheren rotierenden Masse keine Unterschiede in Sachen Agilität feststellen. Allerdings wird durch den niedrigeren Druck, den man mit Inserts fahren kann, auch der Rollwiderstand der Reifen erhöht.

Reifenkauf: Worauf muss ich achten?

Neben der richtigen Reifengröße und dem passenden Profil gibt es weitere Eigenschaften, die ein guter Fahrradreifen aufweisen sollte. Hier die wichtigsten Punkte:

  • Größe: ETRTO, Zoll oder Millimeter.
  • Reifenbreite: Beeinflusst Komfort und Haftung.
  • Reifenprofil: Glatt für Straßen, stärker für Gelände.
  • Reifentyp: Drahtreifen, Faltreifen oder Tubeless-Reifen.
  • Ventilart: Auto-Ventil, Presta-Ventil oder Dunlop-Ventil.
  • Maximaler Luftdruck: Herstellerangaben beachten.
  • Pannenschutz: Eingebaute Schutzschichten.

Größenbezeichnungen bei Fahrradreifen

Bei Fahrradreifen lassen sich in der Regel vier verschiedene Größenbezeichnungen aufzählen. Die zeitgemäße Bezeichnung ist nach der Europäischen Reifen- und Felgennorm (ETRTO), die englische und französiosche Bezeichnung ist allerdings ebenfalls noch häufig zu finden.

  • ETRTO (European Tire and Rim Technical Organization): Hierbei handelt es sich um eine europäische Reifen- und Felgennormgröße, welche die Breite und den Innendurchmesser des Reifens in Millimeter angibt. Bei einer Reifenbreite von 47 mm und einem Innendurchmesser von 203 mm würde die Reifengröße in ETRTO wie folgt angegeben: 47-203.
  • Zoll: Die etwas veraltete Größenbezeichnung in Zoll ist bei Fahrradreifen immer noch weit verbreitet. Diese Maßeinheit gibt sowohl den Außendurchmesser des Fahrradreifens, sowie auch die gesamte Größe des Fahrrads an. Hierbei sollte man allerdings beachten, dass der Außendurchmesser des Reifens je nach Reifendruck variieren kann. Daher ist sie im Vergleich zu den anderen Größenbezeichnungen relativ ungenau.

Typen von Fahrradreifen

In der Regel lassen sich folgende Arten von Fahrradreifen unterscheiden:

  • Drahtreifen: Diese Reifen haben starre Stahl- oder Kevlar-Drähte, die in die Kante des Reifens eingearbeitet sind und auf der Felge sitzen. Sie sind in der Regel günstiger, aber auch schwerer und schwieriger zu montieren. Sie gehören zu den Klassikern unter den Fahrradreifen. Drahtreifen werden in der Regel mit zusätzlichem Fahrradschlauch gefahren und sind somit nicht Tubeless-kompatibel.
  • Faltreifen: Faltreifen sind vom Aufbau ähnlich wie Drahtreifen, allerdings besitzen sie biegsame Kevlar-Drähte, was sie leichter und einfacher zu transportieren macht, da sie faltbar sind. Im Gegensatz zu klassischen Drahtreifen lassen sich Faltreifen auch schlauchlos fahren.
  • Tubeless Reifen: Diese Reifen werden ohne Schlauch gefahren und benötigen eine spezielle tubeless-kompatible Felge. Sie bieten Vorteile bei der Pannensicherheit und können mit geringerem Luftdruck gefahren werden, was mehr Komfort und besseren Grip ermöglicht. Außerdem sind sie um einiges leichter als Drahtreifen. Für den zusätzlichen Pannenschutz sorgt die sogenannte Dichtmilch oder Tubeless-Milch. Bei Kontakt mit der Luft härtet sie aus und dichtet somit kleinere Löcher aus, die z. B. beim Überfahren von Scherben entstehen können.

Wann sollte man einen Fahrradreifen wechseln?

Ein Wechsel des Fahrradreifens steht generell dann an, wenn er entweder beschädigt oder stark abgenutzt ist. Außer beim Mountainbike-Reifen kann ein abgefahrener Reifen theoretisch zwar noch weitergefahren werden, jedoch hat er somit wesentlich weniger Grip. Spätestens wenn auf der Lauffläche bereits die Pannenschutzeinlage durchscheint, sollte der Reifen gewechselt werden.

Empfehlenswerte Fahrradreifen im Überblick

Hier eine Auswahl empfehlenswerter Fahrradreifen mit Pannenschutz:

Reifen Besonderheiten
Schwalbe Marathon Plus Hohe Pannensicherheit, geringer Rollwiderstand
Continental Ride Tour Gutes Preis-Leistungs-Verhältnis, robust
Schwalbe G-One Allround Performance Tubeless-kompatibel, hervorragende Bodenhaftung

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