Vor einigen Jahren begann ich, mein Felt Custom Rennrad zur Allround-Maschine umzubauen. Neben einem Rennradlenker mit weiten Untergriffen, einem gefederten Vorbau und Mountainbike-Klickpedalen waren mir geeignete Reifen besonders wichtig. Sie sollten schnell auf der Straße sein, etwas Profil und Grip bei Nässe und im leichten Gelände haben und vor allem möglichst robust sein.
Der Schwalbe Marathon Plus: Ein robuster Allrounder
Der Marathon Plus ist ein Drahtmantel (kein Faltmantel). Die innere Schicht, die den Schlauch umfasst, hat an den Seiten steife Drahtringe, die fest in die Felge greifen. Darauf befindet sich mittig die 5 mm dicke Smart Guard Einlage, die zu den Seiten hin dünn ausläuft. Die Seitenwände kommen ohne extra Schutz aus.
Schwalbe sagt, dass der Reifen sehr viel aushalten würde, er unplattbar sei, der Pannenschutz nicht so sehr zu Lasten des Rollwiderstandes gehen würde, wie bei Nachahmerprodukten und die Seitenwand die Überlastung durch Stauchen bei zu geringem Luftdruck vergleichsweise viel länger aushalten würde, bevor sich Risse auftun. Die Reifen sind E-Bike ready, was bedeutet, dass sie sich für diese schwereren und schnellen Fahrräder anbieten dürften.
Das flache Profil sorgt für etwas Sicherheit bei zugleich gutem und leisem Rollverhalten. Die umlaufenden Seitenreflektoren sind gerade in der Stadt eine große Hilfe. Im Fokus stand und steht für mich jedoch die Haltbarkeit. Selbst in schwierigem Gelände lässt sich der Reifen gut handeln.
Mit der Haftung bin ich an sich ganz zu Frieden. Auf nassem Kopfsteinpflaster und glitschigen Fahrradwegen ist mir das Vorderrad schon ein paar Mal weggerutscht. Diese Stürze könnten aber auch meinem Fahrstil geschuldet sein.
Eine harte Gummimischung, die robust gegenüber scharfen und spitzen Gegenständen sowie gegenüber Abrieb ist, hat leider eine schlechtere Haftung. Guter Grip durch weiches Gummi verringert wiederum die Haltbarkeit. Die Marathon Plus haften einigermaßen gut am Boden, sind jedoch sehr robust. Scherben und spitze Steinchen haben dank des blauen Durchstichschutzes keine Chance.
Haltbarkeit und Abrieb
Natürlich sind die Mäntel irgendwann runter gerockt. Der Abrieb von Vorder- und Hinterreifen ist jedoch verschieden. Während der Vordere 25er nach 6000 km nur aufgeraut war und kleine Löcher in der äußeren Schicht aufwies und die Dicke von ursprünglichen 6 mm auf 5 bis 6 mm herunter gefahren war, sah es beim Hinterreifen schon ganz anders aus.
Aufgrund des leichteren Blockierens bei Vollbremsungen hatte sich hier die Dicke über 6000 km von ursprünglichen 6 mm auf 2.4 mm abgerieben. Stellenweise schaute der blaue Durchstichschutz heraus und das Profil hatte sich in der Mitte gänzlich verabschiedet.
Nicht beim Pendeln durch die scherbenreiche Stadt, nicht durch zahlreiche Vollbremsungen, nicht durch Verkanten im Kopfsteinpflaster, sondern auf einem 280 km langen Gravel-Rennen. Das war jedoch in den letzten 2 Jahren der einzige Platte.
Reifenbreite und Komfort
23 mm Mäntel halte ich für unnötig unbequem und fragil. Selbst im Rennradsport geht der Trend wieder weg von den ganz dünnen Mänteln, die in puncto Rollwiderstand und Aerodynamik wohl doch nicht das Optimum sind. Für den Fall, dass die maximale Reifenbreite ausgenutzt werden soll, sind auch Kombinationen unterschiedlicher Breiten denkbar.
Ein breiterer Reifen hinten bietet mehr Sitzkomfort, während z.B. ein 28er vorne, wie ich ihn letzten Sommer gefahren bin, mehr Sicherheit im Gelände bietet. Nicht nur, dass das Wegrutschen des Vorderreifens fatalere Folgen haben kann, ein breiter Reifen bietet auch mehr Auftrieb im Matsch oder feinen Sand.
Den 28er habe ich jedoch wieder verbannt, hat er doch immer Matsch und Steinchen mit hoch gerissen, die den Spalt zwischen Gabel, Bremse und Reifen verstopft haben. Zudem haben die Steinchen die komplette Lackierung von der Innenseite der Gabel geholt.
Tubeless-Option
Mäntel lassen sich mittlerweile auch ohne Schlauch auf der Felge montieren. Damit das System die Luft hält müssen Felge und Mantel dafür ausgelegt sein (Tubeless ready), die Felge muss mit einem geeigneten Felgenband zu den Speichen hin abgedichtet werden und in den Mantel kommt eine Dichtmilch. Diese dichtet dann die letzten Stellen ab, an denen Luft entweichen kann. Im Falle eines Loches im Mantel verschließt sie dieses ebenso.
Der Vorteil von Tubeless gegenüber einem Schlauch ist zum einen das selbstständige Abdichten von Löchern. Zum Anderen kann der Reifen mit weniger Druck gefahren werden. Das verleiht ihm mehr Auflagefläche und damit mehr Traktion. Bei Nässe oder im Gelände eine schöne Sache.
Wird ein Reifen mit Schlauch mit geringerem Druck gefahren, so kann ein Stein bis auf die Felge durchschlagen, den Schlauch einklemmen und ein Loch hinein reißen, ohne durch den Mantel dringen zu müssen. Natürlich hat Tubeless auch längst das Rennrad erreicht, jedoch werden so schmale Reifen ohnehin mit hohen Drücken gefahren.
Druck ist Kraft pro Fläche. Um die gleiche Kraft zu genießen, die einen vom Boden fern hält muss ein schmalerer Reifen mit geringer Auflagefläche also mit einem höheren Druck gefahren werden. Zudem verringert dieser den Rollwiderstand auf der Straße.
Fazit zum Schwalbe Marathon Plus
Für mich der absolute Allrounder: Verhältnismäßig schnell auf der Straße, bietet etwas Grip bei Nässe und im Gelände und ist einfach unzerstörbar. Für ein Rad, das nur schmale Rennrad-Bereifung aufnehmen kann, ein Gewinn, der einem so einige Möglichkeiten eröffnet.
Wie aus meinem Bericht jedoch deutlich wird, hat auch dieser Reifen und vor allem auch mein Rennrad seine Grenzen, weshalb ich meine Flotte um n+1 Fahrrad erweitern werde. Falls sich mein Blick durch den Monster-Graveler ändern wird und ich mein Rennrad wieder mehr für die Straße ausrichte, werde ich diesen Bericht durch einen ergänzenden Kommentar updaten.
Schwalbe Marathon GT 365: Der Ganzjahresreifen
Egal bei welchem Wetter, der 365 bringt dich zuverlässig und schnell von A nach B. Der Marathon 365 ist wie von Schwalbe gewohnt, sehr gut verarbeitet. Mit der Green-Guard-Version besitzt er auch einen erhöhten Pannenschutz, welcher gut zu funktionieren scheint, da ich pannenfrei von A nach B gekommen bin (3 Monate, ca. 1.200 km). Bester Grip verspricht auch die Addix-4-Season Gummimischung.
Mein persönlicher, bester Aspekt ist der Reflex-Streifen auf der Reifenseite. Zum Radclub-Partner-Netzwerk gehört Schwalbe als Marktführer in Europa bei Fahrradreifen. Schwalbe berät Radclub-Mitglieder bei Themen rund ums Thema Reifen, beispielsweise in Webinaren. Die Funktionen erfüllen nach ausgiebigen Test Ihren Zweck.
Mein Streckenprofil erstreckt sich von geteerten Straßen, über Waldautobahnen, Schotterpisten, Feldwegen bis hin zu schmalen Wanderpfaden. Bei all den Wegen trifft man immer wieder auf Scherben, spitze Steine, Dornen o. Ä. Der Marathon hat allem Stand gehalten ohne einen einzigen Platten.
Da ich sonst auf Cyclocross-Reifen unterwegs bin, war ich sehr positiv vom Grip auf Asphalt überrascht. In Kurven fühlt man sich auch bei Nässe sehr sicher. Auf Schotterstraßen oder Waldwegen bietet er auch sehr sicheres Fahrgefühl. Die einzige Schwäche, die mir aufgefallen ist, war das Fahren in tiefen, losen Schotter, was aber auf viele Reifen zutrifft. Dort war die Kontrolle des Vorderreifens schwierig.
Vor- und Nachteile des Schwalbe Marathon GT 365
- Vorteile: Sehr guter Grip auf Asphalt, Schotter und Waldwegen, hoher Pannenschutz, Reflexstreifen für die dunkle Jahreszeit.
- Nachteile: Hohes Gewicht, suboptimal bei Sand, tiefem Matsch oder Schotter.
Schwalbe Marathon Plus vs. Marathon Plus Tour
Marathon Plus und Marathon Plus Tour sind zwei beliebte Fahrradreifenmodelle von Schwalbe. Beide Reifen bieten ausgezeichneten Pannenschutz und hohe Langlebigkeit.
- Marathon Plus: Vielseitiger Fahrradreifen für Straßen, Radwege und leichtes Gelände. Glatteres Profil für geringere Reibung auf Asphalt.
- Marathon Plus Tour: Speziell für Touren- und Trekkingräder entwickelt. Griffigeres Profil für bessere Traktion auf unterschiedlichen Oberflächen, einschließlich Schotterwegen.
Schwalbe Marathon Supreme Evolution HD SpeedGuard OneStar
Der Schwalbe Marathon Supreme Evolution HD SpeedGuard OneStar ist ein leichterer Tourenreifen mit Fokus auf Geschwindigkeit und Komfort. Um trotz der leichten Konstruktion noch Schnitten und Stichen trotzen zu können, setzt Schwalbe auf den V-Guard, ein dichtes Gewebe, das als Pannenschutzlage im Reifen eingearbeitet ist.
Der Reifen überzeugt durch seinen geringen Rollwiderstand und seinen Fahrkomfort. Die One-Star Triple Compound Gummimischung stammt aus dem Rennradbereich und verwendet zusätzlich spezielle Polymere, um Rollwiderstand und Grip zu optimieren.
Im Ganzen nennt sich der Reifen: Schwalbe Marathon Supreme Evolution HD SpeedGuard OneStar. In dieser Größe gibt Schwalbe den Reifen mit 560 g an.
Ich war gespannt, wie sich die Technologie in der Praxis bewähren würde. Aber spitze Steine, zerschlagene Bierflaschen und scharfe Kanten gibt es hier wirklich genug, und auch nach fast einem Jahr haben meine Marathon Supremes bisher Schnitt, Stich und Durchschlag wacker getrotzt. Anfangs war ich nahezu paranoid, dass mir jede Bordsteinkante gleich das leichte Gewebe aufschlitzt. Doch auch diese Sorge erwies sich als unbegründet - ob Treppenabsätze, Schotterwege oder rostige Fahrradständer, die dünne Seitenwand erwies sich als überraschend robust und so konnten diese Pannenmacher dem Reifen nichts anhaben.
Die wichtigsten Eigenschaften des Marathon Supreme Evolution HD:
- Geringes Gewicht
- Geringer Rollwiderstand
- Hoher Fahrkomfort
- Guter Pannenschutz
Allgemeine Erkenntnisse aus Rennradreifen-Tests
Die Reifenauswahl ist ein wichtiges Thema für Radfahrer. Gerade im Mountainbike-Bereich ist das Segment in den letzten Jahren ziemlich explodiert. Auch am Rennrad wird es immer bunter: Neben altbekannten Renn-, Trainings- und Zeitfahr-Reifen wird der Markt immer mehr von Produkten für Komfort, Gravel und Langstrecke belebt.
Breitere Reifen: Ein breiterer Reifen hat bei gleichem Luftdruck in der Regel einen geringeren Rollwiderstand als ein schmaler. Die Bodenkontaktfläche ist dabei in der Länge und in der Breite ausgeglichener. Bei schmaleren Pneus ist sie deutlich länger als breit. Daher entsteht bei einem breiteren Reifen weniger Walkarbeit - was den Widerstand verringern kann. Auch verringert sich die Kontaktfläche bei einer seitlichen Neigung weniger stark - dies bringt mehr Grip in Kurven.
Tubeless-Systeme: Tubeless-Systeme, bei denen der „Mantel“ ohne Schlauch - dafür mit einer abdichtenden und Pannen sofort und selbst schließenden Sealant-Milch - auf der Felge montiert wird, haben sich im Mountainbike- und Gravel-Bereich bereits weitgehend durchgesetzt. Von diesen Vorteilen profitiert man jedoch auch auf der Straße. Auch hier lässt sich der Luftdruck deutlich senken - oft um rund zwei Bar. Dies kann hinsichtlich des Fahrkomforts und der Rolleffizienz zu großen Verbesserungen führen - im Vergleich zu vielen Clincher-Schlauch-Kombinationen. Die Gefahr von Durchschlägen auf die Felge, bei denen der Schlauch durch einen „Snakebite“ beschädigt wird, entfällt.
Testergebnisse und Empfehlungen:
Der Grand Prix 5000 von Continental überzeugt unter den Clincher-Modellen besonders - sowohl durch seine Laborwerte beim Rollwiderstand und beim Pannenschutz als auch durch die Praxiseindrücke zum Grip und zum Abrollverhalten. Dieses Allround-Top-Niveau erreicht ansonsten nur der Pro One von Schwalbe. Im Tubeless-Sektor ragt ein Modell heraus: Der in der Praxis sehr geschmeidig rollende Pro One TLE von Schwalbe ist der Beste in den Kategorien Gewicht und Rollwiderstand - und auch beim Pannenschutz vorne dabei.
Die folgende Tabelle fasst exemplarische Messungen zusammen, die unter gleichen Bedingungen (Reifendruck: 7 bar, Geschwindigkeit: 30 km/h, Last: 75 kg) durchgeführt wurden.
| Reifenmodell | Gewicht (g) | Rollwiderstand (Watt) | Pannenschutz |
|---|---|---|---|
| Continental Grand Prix 5000 (Clincher) | 215 | 9 | Gut |
| Schwalbe Pro One (Tubeless) | 200 | 8 | Sehr Gut |
Weitere Aspekte bei der Reifenwahl:
- Aerodynamik: Laut einer Studie von AeroCoach beeinflussen bereits geringe Unterschiede in der Reifenbreite den Luftwiderstand.
- Pannenschutz: Moderne Rennradreifen bieten hierfür spezielle Schutzschichten aus Materialien wie Kevlar, Vectran, PU, Aramid et cetera.
- Reifendruck: Dieser zeigte sich in einer Messreihe als wichtiger Einfluss auf den Rollwiderstand.
Winterreifen-Test: Sechs robuste Rennradreifen im Vergleich
Im Winter werden Rennradreifen durch Split und Schlaglöcher auf eine harte Probe gestellt. RoadBIKE hat getestet, welche Modelle durchhalten.
Bei der Zusammenstellung des Testfeldes hat sich RoadBIKE deshalb helfen lassen und sechs renommierte Hersteller gebeten, ihre Sortimente nach den optimalen Reifen für die Bedingungen der kommenden Monate zu durchforsten. Gesucht war robustes Material, das sich gegen spitzen und scharfen Split zu wehren weiß und auch auf nassem Untergrund nicht ins Rutschen kommt.
Die tatsächlich gemessenen Breiten liegen zwischen 22,6 Millimeter beim Vredestein und 25,6 Millimeter beim Michelin. Dass die meisten Hersteller eher auf breite Modelle jenseits der 24 Millimeter setzen, hat einen guten Grund: Je breiter die Reifen, desto komfortabler fahren sie sich. Gerade im Winter, wenn die Straßen häufig dreckig sind, und der Frost den Belag rissig macht, sind leicht federnde Reifen deutlich angenehmer zu fahren als schmale Modelle, die den Fahrer jeden Kiesel spüren lassen.
Im Testfeld haben Continental, Michelin und Vittoria in dieser Disziplin die Nase vorn und fahren ein erfreuliches Ergebnis ein: Sie rollen zum Teil leichter als die ausgewiesenen Wettkampfreifen dieser Anbieter! Was den Rollwiderstand angeht, müssen Winterradler also keine nennenswerten Abstriche in Kauf nehmen.
Testergebnisse im Überblick:
- Continental Grand Prix 4-Season: Top-Werte beim Pannenschutz und geringes Gewicht.
- Schwalbe Durano Plus: Mäßiges Abschneiden im Labortest, dennoch robust im Praxiseinsatz.
- Michelin und Schwalbe: Sehr guter Grip bei Nässe.
Wichtig: Guter Pannenschutz, guter Grip bei Nässe
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