Schwalbe Aerothan Rennradschlauch im Test: Eine Revolution?

Mit dem Schwalbe Aerothan möchte der Reifen- und Schlauchspezialist den Markt revolutionieren. Aber hält der neue Schlauch, was er verspricht? Unser Testbericht liefert die Antworten.

Die Innovation: Was ist Aerothan?

Aerothan ist ein neuartiges Material, das aus thermoplastischem Polyurethan (TPU) besteht. Dieses Material vereint die Haltbarkeit von Kunststoffen mit der Elastizität von Gummi. Im Gegensatz zu herkömmlichen Butylschläuchen bietet TPU einige entscheidende Vorteile.

Vorteile von TPU-Schläuchen

  • Geringes Gewicht: Die 23- bis 28-Millimeter-Variante wiegt gut 40 Gramm, während ein klassischer Schlauch über 100 Gramm wiegt.
  • Kleines Packmaß: Im Rennrad-Satteltäschchen nimmt die leichteste Ausgabe der neuen Spezies nur gut etwa die Hälfte an Platz ein, den der alte Gummischlauch für sich reklamierte.
  • Recyclebar: Der Schlauch soll zu 100 Prozent recyclebar sein, bei der Produktion werden keine Ruße oder Öle verwandt - auch das ein absolutes Schlauch-Novum.

Die Montage: Kinderleicht und problemlos

Die Montage des Schwalbe Aerothan gestaltet sich denkbar einfach. Der Tube wird minimal angepumpt, sodass er seine Röhrenform hat - maximal mit 0,3 Bar. Kunststoff-Ventil ins Loch stecken und Schlauch komplett in die Felge einlegen.

Das Schöne: Da bleibt er auch. Er ist schon bei minimalem Druck so formstabil, dass man gelassen den Pneu ringsum über das Felgenhorn wuchten kann - ohne das klassische Problem, dass auf den letzten 20 Zentimetern der Schlauch herausquillt und man unweigerlich Gefahr läuft, ihn einzuklemmen. Auch bei mehrmaliger Montage war es nicht nötig zu kontrollieren, ob der Schlauch komplett im Felgenbett sitzt oder doch irgendwo unter dem Reifen klemmt.

Achtung: Beim Aufpumpen sollte man sich strikt an die Druckvorgaben am Reifen halten. Heißt auch: Wer Tubeless-Reifen mal wegen Panne mit Aerothan-Schlauch fahren muss, kann nicht kurzzeitig zweistellige Barwerte in den Pneu zu jagen, damit der auch wirklich da sitzt, wo er sitzen soll. Hier hilft nur, die Reifenwulst des Tubeless-Reifen entsprechend gleitfähig zu machen.

Fahrverhalten und Rollwiderstand

Natürlich machen Erwartungshaltung und praktische Gegebenheiten es schwierig, etwas über Rollwiderstand und Fahrverhalten zu sagen. Unserem Eindruck nach liegt die Kombo Aerothan-Schlauch und Clincher aber mindestens in der Mitte zwischen guten Tubeless-Reifen und Standard-Reifen-/Schlauchset. Was man auch bemerken kann: Der Rennrad-Pneu gibt auch bei geringem Luftdruck mehr Halt in Kurven als das klassische Set.

Pannenschutz: Hält der Aerothan, was er verspricht?

Beim Graveln gab es bei knapp 2,3 bar im 40er Reifen schon mal einen Durchschlag, der zum Snakebite führte. Natürlich schlägt dann der Reifen mit Aerothan auch durch. Der Snakebite aber blieb uns bei den ersten Versuchen damit tatsächlich erspart.

TPU-Schläuche im Vergleich: Aerothan gegen Butyl, Latex und Tubeless

Um die Leistung des Schwalbe Aerothan besser einordnen zu können, haben wir ihn mit anderen Schlauchtypen verglichen:

Butyl-Schläuche

Butylschläuche sind günstig und nahezu überall verfügbar. Sie sind einfach reparierbar, bieten aber nur mäßigen Pannenschutz und sind im Vergleich recht schwer.

  • Vorteile:
    • günstig in der Anschaffung
    • nahezu überall verfügbar
    • einfach reparierbar
  • Nachteile:
    • mäßiger Pannenschutz
    • im Vergleich recht schwer

Latex-Schläuche

Latex ist extrem elastisch, was sich in extrem niedrigem Rollwiderstand widerschlägt. Dafür verliert das Material schnell Luft und die Herstellung ist teuer.

  • Vorteile:
    • guter Pannenschutz
    • sehr niedriger Rollwiderstand
    • preiswert
  • Nachteile:
    • hoher Luftverlust
    • kaum Alternativen

Tubeless-Systeme

Tubeless bietet hohen Komfort, besten Pannenschutz und sehr niedrigen Rollwiderstand. Allerdings können Montage und Wartung nerven, und es gibt eine Sauerei, falls die Milch einen Defekt nicht abdichtet.

  • Vorteile:
    • hoher Komfort, weil bei niedrigem Druck fahrbar
    • bester Pannenschutz
    • dichtet Durchstiche selbstständig ab
    • sehr niedriger Rollwiderstand bei maximalem Grip
  • Nachteile:
    • Montage und Wartung können nerven
    • Sauerei, falls die Milch einen Defekt nicht abdichtet

Testergebnisse: TPU-Schläuche im Detail

Im Test haben wir verschiedene TPU-Schläuche untersucht. Die Ergebnisse zeigen deutliche Unterschiede in den Bereichen Pannenschutz, Rollwiderstand und Gewicht.

Modell Gewicht Rollwiderstand Durchschlag Durchstich (Kraft/Weg)
Barbieri NXT Tube MTB 29 144 Gramm 12,8 Watt 625 mm 39,23 N / 13,13 mm
Continental TPU Tube 29" SV60 45 Gramm 10,9 Watt 538 mm 12,77 N / 9,47 mm
Eclipse Off-Road 59 Gramm 11,5 Watt 550 mm 14,1 N / 8,8 mm
Pirelli Scorpion Smartube 100 Gramm 13,1 Watt 550 mm 28,87 N / 9,83 mm
Schwalbe Aerothan MTB Tube 91 Gramm 11,1 Watt 625 mm 32,04 N / 15,13 mm
Schwalbe Aerothan MTB Tube+ 125 Gramm 12,4 Watt 625 mm 40,76 N / 13,47 mm
Tubolito S-MTB 42 Gramm 11,3 Watt 513 mm 12,46 N / 8,35 mm

Fazit: Die Wahl des richtigen TPU-Schlauchs hängt von den individuellen Bedürfnissen ab. Wer auf geringes Gewicht und niedrigen Rollwiderstand Wert legt, sollte zu Modellen wie Continental TPU oder Tubolito S-MTB greifen. Für Tourenbiker, die hohen Pannenschutz suchen, sind Schwalbe Aerothan MTB Tube+ oder Barbieri NXT Tube MTB 29 empfehlenswert.

Schwalbe Aerothan 2.0: Das Update für 2025

Schwalbe hat seinem Aerothan-Schlauch ein Update verpasst. Die neue Version kommt laut Hersteller mit einem Ventilschaft aus Aluminium statt Kunststoff - inklusive Außengewinde. Das soll nicht nur die Stabilität erhöhen, sondern auch die Handhabung verbessern.

Zusätzlich soll jetzt eine breitere Kompatibilität geboten werden. Laut Schwalbe sei der neue Schlauch jetzt unter anderem mit dem Clik Valve-System, allen gängigen Pumpen, dem Airmax Smart Bike Sensor und dem Bosch Speed Sensor nutzbar.

Schwalbe setzt auf Nachhaltigkeit und gibt an, dass die Aerothan-Schläuche aus 91 Prozent recycelten Materialien stammt.

Der Recyclingprozess für die Aerothan-Schläuche ist komplex und involviert mehrere Partner. Schwalbe bezieht TPU-Material (Thermoplastisches Polyurethan) aus dem ChemCycling®-Verfahren von BASF. Dieses Verfahren ziele darauf ab, hochwertige Produkte aus chemisch recycelten Kunststoffabfällen in industriellem Maßstab herzustellen.

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