Ende Juli hieß es im Süden von Deutschland wieder „Zweitakt-Öl frei“, als beim vierten Schwarzwald Moped Marathon gut 700 Teilnehmer der Schnapsglas-Fraktion in die freie Wildbahn entlassen wurden.
Die Sonne brennt erbarmungslos, Unmengen von Staub trüben die Sicht und die Luft vibriert vom Getöse vieler Motoren. Mitten in der schwäbischen Einöde an die Grenzen gehen. Geht nicht? Geht doch!
Schon bei der Anreise vieler Auswärtiger aus ganz Deutschland, der Schweiz und Österreich, vereinzelt dem Elsass, bot sich am Freitag auf dem Gelände der Winzergenossenschaft ein illustres Bild. Dort hatten sie ihre mitgebrachten „Fahrräder mit Motor und Pedalen“ zum „Check in“ aufgestellt und nach einer „Warm-up-Runde“ durch die nähere Umgebung abends an einer Fahrerbesprechung teilgenommen - unter anderem auch mit wichtigen Infos über die anspruchsvolle Gesamtstrecke. Die Moped-Fahrer übernachteten dann zumeist auf dem nebenan eingerichteten Acker-Campingplatz, denn die verfügbaren Hotelbetten waren längst nicht nur beim „Rebstock“ weit und breit längst ausgebucht. Kein Wunder bei 794 offiziell registrierten Marathon-Startern plus knapp 100 weiteren nummernlosen Mitfahrern.
So zu teils schon weit mehr als 70 Jahre alten Kreidler Floretts, ehrwürdigen Zündapps, neu glänzenden Triumph‘s, österreichische Puchs und bauchigen Vespa-Rollern aus den 1960er- und 70er-Jahren. All ihnen gemein ist das kleine Zweitakt-„Motörle“ mit einem einzigen Mini-Kolben, dessen steuervorgeschriebener Hubraum mit maximal 49 Kubikzentimetern damit nur zweieinhalb Schnapsglasfüllungen groß ist. Auch in der Ex-DDR einst produzierte schnittige „Schwalben“ fuhren in Münchweier noch immer, ebenso auffällig viele der einst DDR-alltäglichen und ein Weilchen noch nach der Mauerwende produzierten Simsons.
Jedoch: Es gibt nicht zuletzt auch dank fernem Japan Moped-Modernes, etwa Klein-Yahamas, rassige „Honda‘s CB 50“ bis hin zu deren putzigen „Mini“.
Die Herausforderung der Strecke
Die aktuelle Sonntags-Strecke war einfallsreich ausgetüftelt. Mit 248 Gesamtkilometern Länge und dabei insgesamt 5050 zu überwindenden Höhenmetern forderte sie viele der Mopeds gründlich heraus, bei den PS- kleineren etwa mit Zusatz-Pedaltreten bei Steigungen oder vorsichtshalber eingelegten Pausen zum Abkühlen der bei Sommerhitze gelegentlich heiß gelaufenen Motörchen.
Die Route mit eindrucksvoll knatterndem zeitlich gestaffeltem Münchweierer Massenstart schon ab samstags 6 Uhr führte auf durchgehend idyllischen Nebenstrecken bis fast nach Emmendingen hinunter, dann kurvenreich Richtung Haslach hinauf, wieder südlicher übers Prechtal auf den Rohrhardsberg mit erster Verpflegungsstation. Nun ging es noch nördlich durch malerische Landschaften über Hornberg und Wolfach bis nach St. Peterstal zur Kontrollstation samt zweiter Verpflegungsmöglichkeit weiter - dort mit der Besuchsmöglichkeit des dortigen Mopedmuseums.
Zwangsläufig zurück in den Süden knatterte es dann über den hohen Brandenkopf Richtung Zell und schließlich noch den Streitberg als Schikane hinauf und wieder hinunter durch das finale Münstertal. Rallye-Tempo war bei dem Marathon nicht angesagt, sondern gesunde Rückkehr.
So wurden der schnellste Rückkehrer Gerald Goltz mit sechs Stunden ebenso wenig extra belohnt wie Luis Kuny als kurz vor 18 Uhr letzt Eintreffender mit elfeinhalb Stunden Fahrzeit samt auch technisch gegönnt vielen Pausen.
Die meisten der Teilnehmer - darunter augenscheinlich nur recht wenige Damen - standen dann ab 14 Uhr besonders zahlreich „am laufenden Moped“ mit entsprechend blauen Gemisch-Auspuffwölkchen wieder am Ziel-Checkpoint, empfingen dort gleich auch noch ihre Teilnehmer-T-Shirts. Später wurden die der Durchschnittsgeschwindigkeit am nächsten kommenden Teilnehmer geehrt, hierbei als erste: Heiko Wangler aus Schuttertal, Andreas Hohensteion (Oppenheim) und Karsten Farwick als vermutlich weitest angereister Teilnehmer aus Bremen.
Auch vor Ort war Dagobert Bergmann aus dem alpin-österreichischem Vorarlberg. Er hatte von seinen vorerst sechs gesammelten alten Mopeds nur eine Puch mitgebracht: „Die muss ja auch mal ausgefahren werden,“ sagte er lachend.
Rahmenprogramm
Neben der Tombola wurde am Samstagabend noch mit der Coverband „Himmi Brothers“ im Stile der 1950er-Jahre musikalisch gefeiert. Versorgt wurden die Besucher mit Fleischkäse des Kippenheimer MSC Scorpions, über dies Würstchen und Schnitzelweck des „Rebstock“ und Durstlöschendem am Bierstand des Münstertäler MSC.
Impressionen vom 3. Schwarzwald-Moped-Marathon
Freitag, 24. Juni: Der Freitag ist als Anreisetag für die Teilnehmer gedacht. Der Großteil dieser wird auf dem anliegenden, extra geschaffenen Campingplatz in Münchweier, ihr Quartier aufschlagen. Es war in den vergangenen Jahren ein echtes Highlight, zu sehen wie über den Tag eine, unter dem Jahr, karge Wiese zum Hotspot Moped-Begeisterter Enthusiasten wurde, erklärt Daniel Kollofrath. Ab 13 Uhr öffnet das Check-In Zelt, wo sich die Teilnehmer ihre personalisierte Startnummer abholen können. Um 20.30 Uhr findet die für alle Teilnehmer verpflichtende, Fahrerbesprechung statt. Hier wird jeder mit den nötigen Informationen zum großen Marathon Tag versorgt. Anschließend startet die "Fahrerparty" mit der Coverband "Mojo".
Samstag, 25. Juni: Früh morgens ab 6 Uhr wird in Abständen von je zehn Minuten in fünf Startblöcke gestartet. Ab circa 15 Uhr werden die ersten Fahrer im Ziel erwartet. Die Zieleinfahrt wird sich erfahrungsgemäß bis circa 18 Uhr ziehen, teilt der veranstaltende Verein Schwarzwald-Moped-Marathon mit. Abends findet die Preisverleihung und die Verlosung statt. Bei der "50er-Party" wird die Liveband "Dr. Trinkmanns" für alle Fahrer, Schaulustige und Besucher spielen.
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