Turbulenzen und Insolvenzen bei Schwinn Beschläge

Die Marke Schwinn, die seit über 90 Jahren auf dem Markt für Möbelzierbeschläge besteht, hat in ihrer Geschichte viele Herausforderungen erlebt. Gegründet wurde das Unternehmen 1932 von Peter Schwinn in Ober-Ramstadt als Kunstharzdreherei mit zwei Mitarbeitern. Im Laufe der Zeit entwickelte sich Schwinn zu einem wichtigen Entwicklungspartner für die Wohnmöbel-, Küchen- und Badindustrie weltweit sowie für den Fachhandel, mit einem Angebot, das Möbelgriffe, -knöpfe, -füße und Garderobenhaken umfasste.

Von der Produkt- und Designentwicklung über den Werkzeugbau und die Produktion bis hin zur vielfältigen Oberflächenveredelung und Montage der Zierbeschläge bekommen Kunden alles aus einer Hand.

Erste Krise und Übernahme

Erstmals kriselte es 2006, als Adam Schwinn wegen Meinungsverschiedenheiten mit seinen Kindern aus dem Unternehmen ausschied. Das Vertrauen der Banken schwand, und das Unternehmen musste Insolvenz anmelden. Zum 1. Januar 2007 erwarb die Beteiligungsgesellschaft Finatem die wesentlichen Anteile der Schwinn GmbH. Die Familie Schwinn stieg komplett aus.

Die deutschen Standorte sowie die ausländischen Töchter firmierten fortan unter Schwinn Beschläge GmbH. Im Dezember 2015 veräußerte die Finatem die Schwinn-Gruppe an die DUBAG Beteiligungsgesellschaft. Doch schon 2019 kam es zur Schließung des Standortes Weimar und zur erneuten Insolvenz.

Insolvenz in Eigenverwaltung und Neustart

Nach einem turbulenten Jahr 2020 konnte der Investorenprozess für die Schwinn Beschläge GmbH im Rahmen der Insolvenz in Eigenverwaltung erfolgreich abgeschlossen werden. Das Unternehmen wurde zum 1. Februar 2021 in die KSB GmbH Klügel Schwinn Beschläge mit neuer personeller Konstellation überführt.

Der bisherige Personalchef Jens Klügel hat das Unternehmen samt Marken, Geschmacksmustern und Produkten gemeinsam mit dem - nicht mit der Gründerfamilie verwandten - Co-Investor Sven Schwinn im Rahmen eines Asset-Deals übernommen. In der KSB GmbH Klügel Schwinn Beschläge wird Jens Klügel die Geschäftsführung übernehmen und Sven Schwinn als Prokurist die Leitung der operativen Prozesse verantworten.

Beide wollen die von der Marke Schwinn traditionell verkörperten Werte fortführen. In diesem Sinne ist es den Beteiligten ein gemeinsames Anliegen, dass Schwinn auch künftig als verlässlicher und kompetenter Geschäftspartner gilt.

Sämtliche Marken, Geschmacksmuster, Produkte und das wesentliche Personal werden übernommen. Zur Zeit werden die Weichen gestellt, um die Beschaffungskette verstärkt nach der Prämisse „Made in Europe“ auszurichten.

Erneute Insolvenz 2024

Der Zierbeschlag-Hersteller KSB - Klügel Schwinn Beschläge GmbH ist erneut insolvent. Aufgrund von Zahlungsschwierigkeiten des Unternehmens wurde dem Insolvenz-Antrag im Februar stattgegeben. Dem Insolvenz-Antrag wurde am 13. Februar 2024 stattgegeben. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter ist Rechtsanwalt Mirko Lehnert von der Kanzlei Schiebe und Collegen aus Darmstadt bestellt worden.

Da war die am deutschen Standort Ober-Ramstadt angesiedelte Produktion von Kunststoffbeschlägen bereits stillgelegt. Gefertigt wurde fortan zu 90 Prozent bei Schwinn in Krakau, zu zehn Prozent bei Partnerbetrieben in Asien. Die KSB GmbH selbst siedelte sich in Heppenheim an. Jens Klügel übernahm die Geschäftsführung und Sven Schwinn als Prokurist die Leitung des Vertriebs.

Jetzt geriet das Unternehmen selbst in Zahlungsschwierigkeiten, so dass Klügel den Gang zum Amtsgericht antreten musste.

Bemühungen um Sanierung und Ausblick

Trotz aller Turbulenzen besteht Schwinn von allen deutschen Marken für Möbel-Zierbeschläge und -Accessoires am längsten. Dieser Besonderheit waren sich auch Jens Klügel und Sven Schwinn bewusst, als sie vor zwei Jahren mit ihrer KSB GmbH die Marke übernahmen. So strebten sie bereits vor dem Nachfrageeinbruch im letzten Jahr einen Sanierungsprozess gemeinsam mit einer Wirtschaftsberatung an.

Noch im Januar waren sie mit 18 Mitarbeitern von Heppenheim nach Darmstadt umgezogen. Von hier aus sollte das Motto „made in Europe - made by Schwinn“ neue Impulse erfahren. Nun steht die Zukunft der Marke aber erneut auf der Kippe.

Anfang Mai soll sich endgültig herausstellen, ob es weitergeht, wenn ja, wie, und welche Rolle die Schwinn Polska mit 130 Beschäftigten dabei spielt.

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