Für alle Einsatzzwecke gibt es spezielle Rennräder: Zeitfahren, Race, Langstrecke, Gravel, Cyclocross. Bei den Helmen verhält es sich inzwischen nicht grundsätzlich anders: Manche Modelle sind extrem gut belüftet, andere sind auf Geschwindigkeit ausgelegt: Aero-Helme - wie sie die Radprofis bereits seit Jahren tragen.
Diese Modelle sind glattflächig und weisen nur wenige kleine Belüftungsöffnungen auf. Der Charakter eines Helms wird von vielen Kriterien bestimmt: Aerodynamik, Belüftung, Sicherheit, Gewicht, Optik, Preis.
Aerodynamik im Test: Wie viel Leistung lässt sich sparen?
Grundsätzlich sind Aero-Helme technisch ausgeklügelte Produkte. Denn: Spezielle düsenförmige Öffnungen an der Front führen den kühlenden Wind durch großzügig bemessene Kanäle gleichmäßig über den Kopf, die großen Kanäle führen deshalb in der Regel zu einer größeren Bauhöhe.
Gut gemachte Aero-Helme sind oft besser belüftet, als ihre geschlossene und verschalte Außenhülle vermuten lässt. Wie bei allen Tests, bei denen die Aerodynamik beziehungsweise der Luftwiderstand im Vordergrund steht, heißt auch hier die Ausgangsfrage: „Wie viel Leistung und Zeit lassen sich mit Aero-Helmen gegenüber den Standard-Varianten sparen?“ Und was ist ein typischer Standardhelm? Der Abus Aventor lag nur ein Zehntel Watt unter diesem Wert. Deshalb nahmen wir ihn auch in diesen Test auf: als Standardhelm und Bezugsgröße.
Im Windkanal ermittelten wir für alle neun Helme die Leistung, die benötigt wird, um den Luftwiderstand zu überwinden. Die Differenzen sind allein den Unterschieden zwischen den Helmen zuzuschreiben. Der Windkanalbetreiber GST gibt die Genauigkeit der Messungen mit plus/minus 0,5 Watt an.
Während der Messung dreht sich der Prüfstand mit dem Versuchsaufbau von minus nach plus 20 Grad. Damit sind Seitenwindverhältnisse hier mitberücksichtigt. Einschließlich der Frontalanströmung, null Grad, erhalten wir für jedes Grad einen Messwert. Das heißt: Die einzelnen Winkel mit den dazugehörigen Leistungen werden in dem Maße prozentual gewichtet, wie sie draußen in der Praxis auf den Straßen vorkommen.
Die gewichteten Leistungen betragen bei unserem Standardhelm Abus Aventor 278 Watt - und beim Testsieger Scott Cadence Plus 267,4 Watt. Die Differenz beträgt somit 10,6 Watt. Dies entspricht dem Leistungsgewinn zum Standardhelm. Mit anderen Worten: Mit dem Aerohelm Scott Cadence Plus lassen sich bei einer Geschwindigkeit von 45 Kilometern pro Stunde 10,6 Watt sparen: Man kann demnach bei der gleichen Leistung schneller fahren.
Ebenso ist dort die Zeit für 100 flache Kilometer bei 45 und bei 35 Kilometer pro Stunde notiert, mitsamt der gewonnenen Zeit gegenüber dem Standardhelm. Hier verrechneten wir die Leistungsgewinne der einzelnen Helme. Immerhin lassen sich so mit dem Testsieger bei einem „45er Schnitt“ 71 Sekunden auf 100 Kilometer sparen. Bei einem „35er Schnitt“ spart man 88 Sekunden. Der Zeitgewinn ist deshalb größer, weil man mit der langsameren Geschwindigkeit auch länger unterwegs ist.
Mit den vier aerodynamischsten Helmen dieses Tests - den Modellen von Scott, Ekoi, Specialized und Giro - lassen sich rund zehn Watt bei einem „45er Schnitt“ einsparen. Nur, wenn ein engagierter Hobbyfahrer seine flache Feierabendrunde mit einem bemerkenswerten Schnitt von 35 Kilometer pro Stunde absolviert, dann bleibt vom Leistungsgewinn zehn Watt - bei 45 km/h - nur knapp die Hälfte übrig: 4,7 Watt.
Der Grund: Leistung und Geschwindigkeit verhalten sich nicht proportional zueinander - der Leistungsbedarf zur Überwindung des Luftwiderstands steigt in dritter Potenz mit der Geschwindigkeit. Desgleichen hochgerechnet bedeutet das für Elite- und Profi-Zeitfahrer: Bei einem „55er Schnitt“ werden ganze 18,3 Watt gespart. Desgleichen gewinnen Einsteiger bei einem „25er Schnitt“ nur 1,7 Watt.
Wir ermittelten die Geschwindigkeit, die sich einstellt, wenn sich der beschriebene Rennradfahrer eine zehnprozentige Gefällestrecke ohne zu treten hinabrollen lässt.
Sicherheit geht vor: MIPS und andere Schutzsysteme
Die Top-Helme der Hersteller sind zunehmend mit dem Sicherheitssystem MIPS ausgestattet, so auch sechs Helme in diesem Test. Der Kopf soll damit nicht nur gegen eine Stoßbelastung geschützt werden, sondern zusätzlich auch gegen eine Rotationsbeschleunigung.
Beim MIPS-System kommt eine zweite, dünne, innere Helmschale zum Einsatz, die sich gegen die äußere um bis zu 15 Millimeter verdrehen kann. Specialized geht beim Thema Sicherheit noch einen Schritt weiter. Der neue „S-Works Evade 2“ verfügt neben dem MIPS-System auch über einen Notfall-Sensor namens ANGi, der im Falle eines Sturzes automatisch eine SMS mit den Daten des Unfallortes an eine vorgegebene Adresse schickt.
Design und Belüftung: Eine Frage der Balance
Zusammengefasst können wir festhalten: Die Aero-Helme sind durchgehend besser belüftet, als ihre geschlossene Außenschale vermuten lässt. Bei der Sicht von oben auf dieses Siegerpodest fällt auf, dass die Helme von Scott und Specialized eine tropfenähnliche Form aufweisen. Bekanntlich ist der Tropfen die strömungsgünstigste Körperform. In der Seitenansicht erkennen wir, dass beide Helme weit über den Hinterkopf hinausragen, ähnlich wie bei reinen Zeitfahrhelmen.
Die sehr guten Ergebnisse des zweitplatzierte Ekoi sind mit einer glatten Außenschale und einer eingeschränkten Belüftung erzielt worden. Der Scott Cadence Plus überzeugt nicht nur mit phantastischen Messwerten, sondern auch mit einem ausgeklügelten Belüftungssystem. Mit fünf Verschluss-Stopfen, den Aeroplugs, lassen sich die großen Belüftungskanäle einzeln verschließen. Die „offene Variante“ benötigte nur zwei Watt weniger, als die geschlossene.
Scott Cadence Plus im Detail
Der neue Cadence Plus ist der Aero-Helm von Scott. Im Vergleich zum Vorgängermodell soll er bei Gegenwind 5,2 % weniger Luftwiderstand bringen und sogar 22 % bei Seitenwind. Das Design bzw. die Form ist stimmig und die verfügbaren Farben passen zu allen möglichen Klamotten.
Das Inlay lässt sich im Umfang und hinten in der Höhe verstellen. So passt sich der Helm auf die Anatomie des Kopfs in alle Richtungen gut an. Positiv fällt auf, dass lange Haare sich nicht verheddern. Die Fummelei eine Sonnenbrille in den Helm zu stecken entfällt beim Cadence Plus auch. Durch die großen Öffnungen lässt sich die Brille einfach und chic verstauen. Den Aero-Helm von Scott gibt es in vier Farben: Weiß, Schwarz, Grau und Blau.
Um den aktuell besten Schutz vor Rotationsverletzungen bei einem Aufprall zu gewährleisten, setzt Scott auf MIPS Air Node. Der Verschluss ist, ähnlich wie beim Trek Ballista Helm, mit magnetischer Schnalle. Laut einem Test vom Tour Magazin wird bei einem Sturz mit dem Scott Cadence Plus (redaktionelle Anm.: Test war mit altem Modell) liegt die Wahrscheinlichkeit einer Gehirnerschütterung bei 24 %.
Das bringt einen kühlen Kopf, trotzdem ist kein Aerohelm für hochsommerliche Bergetappen gemacht. Alle Helmhersteller bemühen sich um einen immer besseren Luftstrom. Das gelingt dem Scott-Helm nicht ganz so gut, wie beim neuen GameChanger 2.0 von Abus. Gegenüber dem Referenzhelm Abus Aventor brachte es der Scott Cadence Plus auf 10,6 Watt Ersparnis, bei 45 km/h.
Um die maximal mögliche Aerodynamik zu erreichen, sind 19,95 Euro fällig. Dafür liefert Scott nämlich Aero-Plugs, die in die vorderen Öffnungen gesteckt werden. Mit 280 Gramm (Angabe Scott) ist der Scott schwerer als der Abus GameChanger 2.0 und Trek Ballista.
Scott hat sich was einfallen lassen und ein Rücklicht in den Helm integriert. Das trägt zum Thema Sicherheit bei und, wer es noch nicht bewusst wahrgenommen hat, dieses Feld wird von Komponentenherstellern nicht mehr nur Garmin mit dem Radar-Rücklicht überlassen. Dauerlicht und Blinken ist möglich.
Der Scott Cadence Plus Helm überzeugt natürlich. Passform, Gewicht, MIPS und Ventilation spielen maximal gut zusammen. Mit diesem Aero-Helm macht der Radsportler rein gar nichts falsch. Insgesamt ist der Scott Cadence Plus ein toller Helm, der seinen Preis rechtfertigt. 249,- Euro kostet der Helm.
Die Herausforderung für die Helm-Designer liegt darin, windschnittige Form und möglichst gute Belüftung unter eine Schale zu bringen. Glaubt man den Worten von Scott, ist dies beim neuen Cadence Plus besonders gut gelungen. Zwar können wir dazu noch keine Windkanal-Daten liefern, doch zumindest über Passform und Belüftung gibt es nur Gutes zu berichten. Der Helm fängt den Fahrtwind über fünf relativ große sowie zwei kleine Luftschlitze in der Front ein und leitet ihn durch innenliegende Kanäle über den Kopf.
Wenn Aerodynamik wichtiger ist, lassen sich die größeren Öffnungen durch passgenaue Styroporstopfen schließen - was übrigens auch bei kühlem Wetter sehr nützlich ist. Damit die Sicherheit nicht zu kurz kommt, verfügt der Helm über das MIPS-System, eine Art zweiter Innenschale, die die Aufprallenergie besser absorbieren soll als ein klassischer Helm. Anpassen lässt sich der Cadence Plus mit einem fein gerasterten Drehverschluss, der das Kopfband reguliert.
Weitere getestete Helme und ihre Eigenschaften
Im Test den ROADBIKE gemeinsam mit TÜV SÜD durchgeführt hat, wurden zwölf aktuelle Top-Helme zum Test eingeladen. Vorgabe an die Hersteller: das leichteste und am besten belüftete Modell im Portfolio zu schicken. Die Preisspanne ist erstaunlich groß: Gerade mal 149 Euro kostet der günstigste Helm, der Venger von Rudy Project. Für den teuersten, den neuen S-Works Prevail II Vent von Specialized, werden stolze 330 Euro fällig. Hoher Preis, mehr Schutz?
Testergebnisse im Detail
- Abus AirBreaker: Herausragend leicht, sehr gut belüftet und dennoch überzeugend bei der Schutzleistung. Sehr gut (87 Punkte)
- Bollé Furo MIPS: Trotz der weniger offenen Schale ist der Furo von Bollé sehr gut belüftet, auch der Schutz überzeugt. Nur das hohe Gewicht kostet Punkte. Gut (58 Punkte)
- Bontrager Velocis MIPS: Beim Schutz gehört der Velocis MIPS zur Spitzengruppe, auch Belüftung und Tragekomfort überzeugen, allerdings ist er nicht der leichteste. Sehr gut (75 Punkte)
- HJC Ibex 2.0: Leicht, sicher und gut belüftet: Durch die Bank zeigt sich der Ibex von HJC stark, ohne in den einzelnen Disziplinen Spitzenwerte zu liefern. Sehr gut (75 Punkte)
- Lazer Genesis: Leicht, sicher und gut belüftet: Durch die Bank zeigt sich der Ibex von HJC stark, ohne in den einzelnen Disziplinen Spitzenwerte zu liefern. Sehr gut (74 Punkte)
- Met Trenta 3k Carbon: Dank der weichen Pads trägt sich der Trenta von Met angenehm, zudem lässt er sich sehr gut anpassen und ist leicht. Andere schützen besser. Sehr gut (81 Punkte)
- Oakley Aro 3 MIPS: Der Aro 3 von Oakley punktet in Sachen Schutz und Belüftung, auch die Anpassung gefällt. Allerdings gehört er zu den schwereren Modellen. Gut (68 Punkte)
- POC Ventral Lite: Leichter ist keiner: Mit 203 Gramm setzt der POC Ventral Lite den Bestwert. Auch Schutz und Belüftungseigenschaften sind top: Testsieg! Überragend (ROADBIKE-Testsieger) (91 Punkte)
- Rudy Project Venger: Der günstigste Helm im Test punktet mit hohem Tragekomfort, auch das Gewicht und die Belüftung sind konkurrenzfähig - Preis-Leistungs-Tipp! Sehr gut (ROADBIKE-Preis-Leistungs-Tipp) (77 Punkte)
- Scott Centric Plus: Das geringe Gewicht und die sehr gute Anpassbarkeit gefallen beim Centric Plus von Scott, auch die Schutzwirkung kann absolut überzeugen. Sehr gut (79 Punkte)
- Specialized S-Works Prevail II Vent: Bester Schutz und beste Belüftung - und zudem sehr leicht. Specializeds neuer S-Works Prevail II Vent setzt Maßstäbe und holt sich den Testsieg! Sehr gut (ROADBIKE-Testsieger) (91 Punkte)
Weitere Scott Fahrradhelme im Überblick
- Scott Watu: Nach professioneller Inmold-Technologie gefertigt, mit großzügigen Belüftungslöchern und Fliegennetzen. Kritikpunkt ist die Einheitsgröße.
- Scott Spunto: Für Kinder und Jugendliche, leicht und mit anpassbarer Passform. Der Kinnriemen kann bei schmalen Köpfen etwas zu lang sein.
- Scott Arx: Gutes Preis-Leistungsverhältnis, MIPS-Technologie und abnehmbares Visier. Nutzer loben das geringe Eigengewicht.
- Scott Vivo: Sportliches Design, geringes Gewicht und angenehmer Komfort. Bietet erweiterte Schutzabdeckung und abnehmbares Visier.
Wichtige Kriterien beim Helmkauf
- Sicherheitsnormen: Alle Fahrradhelme müssen ein CE-Prüfzeichen vorweisen und einer DIN-Sicherheitsnorm entsprechen.
- MIPS: Ein spezielles Schutzsystem, das den Fahrer bei schrägen Aufprallen besser schützen soll.
- Größe und Passform: Nicht jeder Rennradhelm passt zu jeder Kopfform. Die Einstellungsmöglichkeiten sollten genutzt werden, um einen perfekten Sitz zu gewährleisten.
- Belüftung: Eine gute Balance zwischen Aerodynamik und Belüftung ist wichtig, um Überhitzung zu vermeiden.
- Komfort: Der Helm sollte angenehm zu tragen sein und keine Druckstellen verursachen.
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