Die Geschichte des E-Bikes reicht weiter zurück, als viele vermuten. Das Zeitalter der motorisierten Individualmobilität begann mit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Die ersten Fahrräder, die als E-Bikes bezeichnet werden können, gab es bereits vor 1900.
Die Pioniere des 19. Jahrhunderts
Es war wohl der amerikanische Erfinder Sylvester H. Roper, dem es Ende der 1860er Jahre als erstem gelang, auch ein Fahrrad mit einer Dampfmaschine auszurüsten. Neben Pierre Michaux , der etwa zeitgleich dampfgetrieben durch Frankreich tuckerte. Ropers fast 70 Kilogramm schwerer Drahtesel war buchstäblich eine heiße Kiste: Der Kessel hing am Rahmen und direkt unter dem Sattel des Fahrers - so dürfte Roper unabsichtlich auch die Sitzheizung erfunden haben.
Er entwickelte mehrere, sie waren wegen ihres hohen Schwerpunkts reichlich wackelig. Erfolge feierte Roper damit nur auf Jahrmärkten, wo er zischend und stinkend mit bis zu 60 Kilometern pro Stunde seine Kreise zog. Als er 1896 auf einer Rennstrecke die unbändige Kraft und Geschwindigkeit seines motorisierten Zweirades beweisen wollte, endete das tödlich: Sylvester H. Roper kam ins Schleudern und starb noch vor Ort.
Im ausgehenden 19. Jahrhundert verhieß Elektrizität eine saubere, modernere Mobilität. Bereits 1832 soll es erste Experimente mit "elektrischen Karren" gegeben haben. Aber noch scheiterte elektrische Mobilität daran, dass alle Batterien Einweg-Energiespeicher waren - damit ließ sich keine Strecke machen.
Der Durchbruch kündigte sich 1854 an, als Wilhelm Josef Sinsteden die wieder aufladbare Batterie erfand - den Blei-Akku, wie wir ihn heute noch als Autobatterie kennen. Diese Batterien boten 1881 bereits genügend Kapazität für Stadtfahrten: Gustave Trouvé baute ein Tricycle zum E-Fahrzeug um und summte damit dem vier Jahre vor der Erfindung des ersten Benzinmotorwagens vielbeachtet durch Paris.
Ein E-Rad mit Radnabenmotor meldete der US-amerikanische Erfinder Ogden Bolton Jr. am 19. September 1895 zum Patent an. Das erste seiner Art war es indes kaum. Bolton selbst bezeichnete sein Konzept im Patentantrag als "neue und nützliche Verbesserung elektrischer Fahrräder" - andere Tüftler hatten es möglicherweise versäumt, ihre Räder patentieren zu lassen.
Bereits im Februar 1899 meldete der Deutsche Albert Hänsel ein E-Rad zum Patent an, das Elektromotor und Pedalantrieb kombinierte - ein Kompromiss, der niedrigeres Gewicht und größere Reichweite möglich machte. Hänsels Rad setzte sogar schon auf Kraftrückgewinnung: Bergabfahrten luden den Akku wieder auf. Es ist die Technik, die uns die Autobauer noch kürzlich als revolutionäre Innovation verkaufen wollten.
Frühe Patente und Konzepte
- 1895: Ogden Bolton Jr. (USA) meldet Patent für ein elektrisches Fahrrad ohne Pedalantrieb an.
- 1899: Albert Hänsel (Deutschland) kombiniert Pedalantrieb mit Elektromotor und meldet Patent an.
Die Zeit nach 1900: Stagnation und neue Ansätze
Und doch blieb das elektrische Fahrrad über hundert Jahre eine Randerscheinung der Mobilitätsgeschichte. Gehemmt wurde sein Erfolg durch zwei Faktoren: hohes Gewicht und mangelnde Reichweite der Batterien. Und daran änderte sich über gut hundert Jahre herzlich wenig. So gab es zwar jede Menge Prototypen, aber kaum Fortschritt und keinen nennenswerten Markterfolg.
Die Philipps Elektrorad aus den 1930er Jahren war eines der frühesten, funktionsfähigen Elektrofahrräder, welches in Serie produziert wurde. Ab 1932 produzierte die Phillips-Tochter EMI das Simplex Elektrofahrrad in Kleinserie. Im Prinzip war dieses den heutigen E-Bikes schon recht ähnlich. Die Batterien fielen allerdings vergleichsweise mächtig aus, außerdem fehlte noch eine ausgeklügelte Leistungselektronik.
Aber erst nach dem zweiten Weltkrieg verbreiteten sich Fahrräder mit Hilfsmotoren in größerer Zahl. Angetrieben wurden diese mit Miniaturverbrennern. Recht erfolgreich war ab 1949 unter anderem das aus britischer Produktion stammende Cyclemaster.
In den frühen 1970er Jahren wurden neue Ansätze gestartet elektrifizierte Fahrräder zu bauen. In Japan stellte Panasonic einen Prototypen vor, der den heutigen Pedelecs schon recht ähnlich war.
Die Wiederbelebung in den 1980er Jahren
Erst in den 1980er Jahren gab es wieder erste Tendenzen das E-Bike erneut auf den Markt zu bringen. Die ersten Elektrofahrräder standen jedoch eher weiter in Konkurrenz zu (Benzin-) Mofas statt zu Fahrrädern.
Ein wichtiger Schritt zum modernen E-Bike war 1982 die Patentanmeldung für das Pedelec-Prinzip durch Egon Gelhard, seine Idee war es die Motorunterstützung abhängig von der Tretleistung zu machen. Erstmalig eingesetzt wurde dieses Prinzip allerdings erst 1990 von der Schweizer Firma Velocity.
Der Durchbruch mit Lithium-Ionen-Akkus
Um das Gewichtsproblem des E-Bikes zu lösen, brauchte es den Lithium-Ionen-Akku (Sony, 1991), der erst durch die Massenfertigung für den Laptop-Bau in den vergangenen zehn Jahren auch bezahlbar wurde.
Um diese Zeit kamen motorisch unterstützte Fahrräder wieder in Mode, neben der Saxonette mit Verbrennungsmotor, war auch das Elektrofahrrad Hercules Elektra recht erfolgreich. Dieser namhafteste Vertreter der neuen Elektromobilität blieb bis Mitte der 1990er Jahre das meistverkaufte E-Bike in Europa. Der Markt war noch überschaubar, wurde aber von Kynast und Yamaha beherrscht.
Mit der Entwicklung von Lithium-Ionen-Akkus in den 1990ern werden E-Bikes leichter und leistungsfähiger. Die Preise für die Akkus sinken, was die Weiterentwicklung und Verbreitung von E-Bikes erleichtert.
2001 wurde erstmalig ein Prototyp als Pedelec bezeichnet, das Sparta Ion. Hier war der Motor in der Hinterradnabe und der Akku integriert, sprich nicht auf den ersten Blick erkennbar. Zwei Jahre später kam der Prototyp und Vorreiter des Pedelecs in den Markt, das trotz seines Namens auf eine Ni-Mh-Batterie setzte.
Der Boom im 21. Jahrhundert
Vier Jahre später erlebte das E-Bike seinen großen Durchbruch und seitdem entwickelte sich der Markt rasant weiter. Ausgeklügelte Technik, stärkere Antriebe, leichtere Akkus und elegantes Design: E-Bikes werden immer beliebter. 2023 wurden erstmals mehr Fahrräder mit Unterstützung verkauft als herkömmliche Räder.
Spätestens ab 2005 zeichnete sich ab, dass die Zeit der E-Bikes gekommen war - mehr als 100 Jahre nach ihrer Erfindung. Zwar hatten elektrische Fahrräder noch einige Zeit mit dem Ruf zu kämpfen, nur etwas für Seniorinnen und Senioren zu sein. Doch das hat sich in den vergangenen Jahren rasant verändert.
Seit über zehn Jahren erfreut sich die Fahrradindustrie an dem Umsatzwachstum der E-Bikes. Doch die Geschichte des E-Bikes ist älter als man zuerst annehmen mag. Der Boom kam aber erst relativ spät. Gefühlt sind Elektrofahrräder ein eigentlich noch junges Phänomen, in Wirklichkeit aber gab es die ersten Fahrräder mit elektrischem Antrieb schon vor 120 Jahren.
Seitdem entwickelte sich der Markt um das elektronisch unterstützte Fahrrad rasant weiter, in sehr kurzer Zeit kamen eine Vielzahl neuer E-Bike-Typen mit zunehmend verfeinerter Technik und eleganterem Design und viel Komfort auf den Markt. Immer größere Reichweiten und geschmeidiger arbeitende Antriebe, wie etwas von Bosch, leisteten beim Kunden große Überzeugungsarbeit.
Meilensteine der E-Bike-Geschichte
| Jahr | Ereignis |
|---|---|
| 1895 | Ogden Bolton Jr. meldet ein Patent für ein elektrisches Fahrrad an. |
| 1899 | Albert Hänsel kombiniert erstmals Pedalantrieb mit einem Elektromotor. |
| 1932 | Phillips-Tochter EMI produziert das Simplex Elektrofahrrad in Kleinserie. |
| 1982 | Egon Gelhard meldet das Pedelec-Prinzip zum Patent an. |
| 1991 | Sony entwickelt den Lithium-Ionen-Akku. |
| 2001 | Sparta Ion wird als erstes Pedelec bezeichnet. |
| 2010 | Haibike präsentiert das erste sportliche Serien-E-MTB. Bosch steigt ins E-Bike-Geschäft ein. |
Die Zukunft des E-Bikes
Die Zukunft von Elektrofahrrädern sieht besser aus als je zuvor, angetrieben durch kontinuierliche Fortschritte und die wachsende Nachfrage nach umweltfreundlicheren, effizienteren Transportmöglichkeiten. Zudem wird in naher Zukunft der Vormarsch von Festkörperbatterien erwartet.
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