Die Geschichte des Fahrrads: Von den Anfängen bis zur modernen Revolution

E-Bikes? Lastenräder? Rennräder? Heute nehmen wir sie als selbstverständliche, klimafreundliche Alternative zum Auto - als Hobby oder Sportgerät.

Doch das, was wir heute unter dem Fahrrad verstehen, gibt es noch gar nicht so lange. Wir erzählen Dir die Geschichte des Fahrrads.

Die Ursprünge des Fahrrads

Die Ursprünge des Fahrrads reichen bis in das Jahr ohne Sommer 1816 (siehe: Klimageschichte) zurück, in dessen Folge viele Pferde verendeten und Karl von Drais auf der Suche nach Ersatz 1817 die erste Laufmaschine erfand. Ein Ansporn für den Karlsruher Karl Drais, sich erneut mit Fahrzeugen zu beschäftigen, die nicht auf Pferdekraft angewiesen sind.

Die Laufmaschine von Karl Drais

Im Jahr 1817 stellte der deutsche Erfinder Karl Drais die Laufmaschine vor, die später als Draisine bekannt wurde.

Der badische Forstbeamte war es, der im Jahr 1817 seine Laufmaschine vorstellte - der Beginn des Fahrrads. Doch warum baute Drais seine Laufmaschine?

1815 brach der indonesische Vulkan Tambora aus. Es kam zu dramatischen Ernteausfällen und einer Reihe „sommerloser“ Jahre.

Es brauchte eine Lösung: Drais entwickelte ein Gefährt, das unabhängig von Tieren war. Und so entstand das „erste Fahrrad“.

Damit war Drais ein Revolutionär. Sein Zweirad wog kaum mehr als ein heutiges Hollandrad - etwa 22 Kilogramm.

Zudem gab es Sondermodelle - persönlich von Drais angefertigt.

Doch etwas fehlte: Pedale.

Mit 13 bis 15 km/h „radelte“ Drais 1817 mit seiner eigenen Laufmaschine 14 Kilometer von Mannheim zum Schwetzinger Relaishaus im heutigen Mannheimer Stadtteil Rheinau.

Dem folgte eine Bergfahrt von Gernsbach nach Baden-Baden mit über 200 Metern Höhenunterschied.

Drais schaffte die Strecke doppelt so schnell wie Fußgänger*innen.

Doch noch war es kein Massenprodukt.

Das damalige Zweirad war teuer.

Es gab keine Fahrradwege - manche Städte verboten Bürger*innen, auf den Gehwegen zu fahren und die Straßen waren holprig.

So vergingen einige Jahrzehnte bis zur nächsten Sensation: Die Erfindung des Pedalrads in Frankreich.

Gefertigt wurde diese Maschine nach seinen Angaben von einem Mannheimer Stellmacher - aus Holz.

Drais nannte seine Erfindung „Draissienne“, später nannte man sie Draisine. Die Fahrer waren "Draisinenreiter". Man bewegte sich mit ihr fort, indem man sich mit den Füßen am Boden abstieß.

Für einen 'sicheren' Sitz sorgte eine Auflage für die Unterarme.

Diese Laufräder wurden in Frankreich, England und Amerika nachgebaut und im Detail verbessert. Sie hatten anfangs gleichgroße Räder.

Das Laufrad war das schnellste Fahrzeug seiner Zeit. Laut Patentschrift der Badischen Regierung erreichte die Draisine auf der Ebene die Geschwindigkeit eines galoppierenden Pferdes - und war damit schneller als die Postkutsche.

Ein Gesetz verbot es dem verbeamteten Drais, seine Erfindung selbst kommerziell zu nutzen (Nebentätigkeitsverbot), so dass er lediglich Lizenzen für den Nachbau vergeben konnte.

Bald waren Raubkopien der Erfindung in der gesamten westlichen Welt zu finden.

Der Boom hielt aber nur ca. zwei Jahre an, da die Draisinen-Fans von schlechten Straßen und Balancierproblemen entmutigt wurden.

Mancher Fahrer gab nicht seiner Unaufmerksamkeit, sondern der Maschine die Schuld und weigerte sich, die Verantwortung für verursachte Verletzungen, Unfälle und deren Folgen zu übernehmen.

Immer öfter kamen Fahrer auch mit dem Gesetz in Konflikt - die Obrigkeit hatte z. B.

Die Entwicklung des Pedalrads

Der Erfolg dieser Erfindung war (wie der vieler anderer Erfindungen) auch aus der Not geboren. Im April 1815 brach der Vulkan Tambora auf der Insel Sumbawa im heutigen Indonesien aus.

Die Folgen waren Missernten und Hungersnöte, auch hierzulande und das Jahr 1816 ging als" Jahr ohne Sommer" in die Geschichte ein.

Während der Jahre 1812 bis 1817 stiegen durch Missernten unter anderem die Getreidepreise in nie geahnte Höhen.

So herrschte der Hunger und der Hafer für die Pferde war unbezahlbar. Deshalb wurden die meisten Pferde - bis dahin die wichtigsten 'Verkehrsmittel' - geschlachtet und gegessen.

sollte der deutsche Instrumentenmacher Philipp Moritz Fischer aus Oberndorf bei Schweinfurt - indem er an das Vorderrad eine Tretkurbel montierte - ein Rad gebaut haben, bei dem man während der Fortbewegung nicht mehr den Boden berühren musste.

Laut Wikipedia ist dies Rad allerdings erst 1869 durch einen Eintrag in der sog. Enderlein-Chronik belegt.

entwickelte der Franzose Pierre Michaux in Paris mit seinem Sohn Ernest einen Tretkurbelantrieb für Draisinen und fertigte in den nachfolgenden Jahren seine "Michaulinen". Sie besaßen große Vorder- und kleine Hinterräder.

Michaux' Konstruktion war aus fertigungstechnischer Sicht bereits weitgehend ausgereift.

1869 wurden bereits 200 Stück pro Tag produziert.

Das neue Velociped wog mit seinem schmiedeeisernen Rahmen doppelt so viel wie Drais‘ Laufmaschine - ungefähr 40 Kilogramm.

Der Sattel war nun zu hoch, um mit den Füßen zu laufen.

Jetzt gab es Pedale.

Das Hochrad: Ein Symbol des technischen Fortschritts

Das Hochrad wurde entwickelt, um höhere Geschwindigkeiten zu erreichen. Die Idee war einfach: Je größer das Vorderrad, desto weiter konnte das Fahrrad mit einer einzigen Pedalumdrehung rollen.

Der Antrieb erfolgte direkt über das Vorderrad, an dem die Pedale befestigt waren. Das Hochrad bot eine bis dahin unerreichte Geschwindigkeit.

Vor allem junge, sportliche Männer entdeckten das Radfahren für sich und genossen den neuen Nervenkitzel.

Der Aufstieg auf das Hochrad war abenteuerlich.

Eine zweite Person hielt im Idealfall das Velociped, denn eine Fußraste zum Aufsteigen wurde erst später erfunden.

Das Hochrad kam gut an.

Es entwickelte sich die Devise: Je größer das Fahrrad, umso größer die Entfernung, die mit einer Pedalumdrehung zurückgelegt werden kann.

Fahrräder wuchsen immer weiter in die Höhe - und das Aufsteigen wurde stetig gefährlicher.

Ende des 19. Jahrhunderts kostete ein Hochrad fast 400 Reichsmark - der Jahreslohn damaliger Arbeiter*innen.

So stand das Fahrrad schnell für Prestige.

Vorwiegend edle junge Männer mit einer guten Balance nutzten das teure Hochrad.

Anbieter*innen gab es viele. Britische Firmen in Coventry, hunderte Patente in den USA - in Deutschland gab es ab 1869 mehr als 37 Hersteller*innen.

Im Jahr 1869 wurden zum ersten Mal Kugellager in der Radachse verwendet.

1869 gründeten die Fans des Velozipeds den ersten Radfahrclub der Welt: den Eimsbütteler Velocipeden-Reitclub.

Das war knapp 50 Jahre nach der Erfindung von Drais.

Mit Reiten hatte der Club nichts zu tun.

Damals kannte man den Begriff Fahrradfahren einfach noch nicht.

Die Mitglieder waren begeisterte Fahrradfahrer*innen. Sie veranstalteten Rennen und unternahmen Reisen.

Neben der Begeisterung war auch die Zahl der Unfälle mit dem Hochrad groß. Insbesondere der sogenannte Kopfsturz war gefürchtet.

Das Sicherheitsrad: Ein neuer Meilenstein

Das erste Sicherheitsrad ist offiziell das Xtraordinay von Singer aus dem Jahr 1878.

Schnell folgten weitere Modelle.

1885 wurde in England das heutige „Niederrad“ erfunden.

Dabei wurde erstmals der Begriff „Fahrrad“ verwendet.

Bereits ein Jahr zuvor hatte es einen erneuten Durchbruch gegeben: John Kemp Starley baute das erste Zweirad mit einem kettengetriebenen Hinterrad.

Zunächst wurde der Rover im Vergleich zu den Hochrädern als unsportlich angesehen.

Deshalb organisierte Starley 1885 ein Rennen.

Nun wurden die Menschen aufmerksam: 1886 produzierte Starley den „Rover III“ mit Nackensteuerung.

Er gilt als der Prototyp des modernen Fahrrades.

1889 folgte eine neue Sensation: das Modell „Ladies Rover“ mit tiefem Durchstieg.

Das Fahrrad im 20. Jahrhundert und heute

Das Fahrrad stand für Freiheit und Mobilität. Das wollten die Frauen. Das Recht aufs Fahren mussten sie sich allerdings erkämpfen: Es gab Vorurteile und Falschinformationen.

Radfahren sei schlecht für die Gebärfähigkeit oder Radfahren mit langen Röcken ist nicht möglich.

Doch die Frauen blieben hartnäckig - und so fuhren sie zunehmend mit dem Fahrrad.

Das Recht, ein Fahrrad zu nutzen, trug zur damaligen Emanzipation bei.

Annie Londonderry war 1895 die erste Frau, die mit einem Fahrrad um die Welt fuhr.

Harte Vollgummireifen wurden durch Luftgummireifen ersetzt.

Die Anpassung von Vorderrad und Hinterrad machten das Velociped sicherer als das Hochrad.

Preise sanken, das Radfahren wurde bequemer und für die breite Masse tauglich.

Nach Ende des zweiten Weltkrieges änderte sich die Situation: Das Auto wurde beliebt.

Bis Ende der 1980er Jahre war das Auto das Fortbewegungsmittel schlechthin.

Umwelt schützen, Sport machen, sich selbst fit halten - das Fahrrad ist zurück.

Ab den 1990er Jahren setzte ein Umdenken ein.

Anfangs waren Fahrradfahrer*innen noch skeptisch: Sie nannten das E-Bike oder Pedelec „Rentnerkutsche“.

Das ist Schnee von gestern - inzwischen steigt der Umsatz der E-Bikes stetig.

2018 verkauften Fahrradhändler*innen mehr als 900.000 E-Bikes in Deutschland.

Man kommt vor allem in der Innenstadt schneller ans Ziel als mit dem Auto.

Das E-Bike ermöglicht neue Radtouren im Urlaub, die ohne zu anstrengend wären.

Trotzdem sind E-Bikes umstritten.

Langsam aber sicher legt Deutschland nach: Radwege werden gebaut, die Zahl der Abstellmöglichkeiten in den Städten steigt.

Im Urlaub oder zu Besuch in anderen Städten wollen Touristen die Umgebung mit dem Fahrrad erkunden.

Allen voran - Münster. Hier sammeln sich die Fahrradfans.

In Münster gibt es nach Angaben des städtischen Fremdenverkehrsamts doppelt so viele Fahrräder wie Einwohner*innen.

Die Fahrradindustrie im Wandel

Bereits Ende des 19. Das serielle Fertigen von Teilen, die von anderer Stelle oder Firma zu einem Ganzen zusammengebaut werden, wurde von der Militärindustrie entwickelt und im zivilen Bereich zuerst im Nähmaschinenbau eingesetzt, jener Branche, die besonders viele Fahrradproduzenten hervorbringt.

Serielle Fertigung prägt und begleitet die Fahrradindustrie von ihrer Entstehung an.

Während das Fahrrad zum Massenverkehrsmittel aufsteigt, kämpfen seine Produzenten um ihre Existenz.

Rationalisierung und serielle Fertigung führen zur Umstrukturierung der Branche.

«Es ist Abend, Du stehst auf dem nassen Fabrikhof der Göricke-Werke. Elektrokarren fahren klingelnd über den Hof. Jetzt brennt hinter einem großen Fenster ein grünes Licht auf, stärker und stärker, bis seine Flamme die Gebäudemassen grün färbt. Hinter einem anderen Fenster schwirrt ein Rad in ununterbrochen kreisendem Lauf. Aus den tausend Lärmen erklingt dir die Symphonie der Industrie. Du schwebst empor und siehst das Werk, in dessen Mitte du eben standest, tief unter dir wie eine große leuchtende Fläche. Und von allen Seiten bewegt es sich auf diese Leuchtfläche zu. Fern hinten Schiffe auf dem Meer mit schwankenden Lichtern; wie schwarze Schlangen tobende Eisenbahnzüge, rasselnde Kraftwagen. Alles Bewegung, alles Leben, flutendes, brausendes Leben. Und wie du höher schwebst, vervielfältigt sich das Bild. Aus der einen leuchtenden Fläche werden tausende. Und nun verstehst du das Lied von der Industrie.

Die zunehmende Bedeutung des Fahrrads

Morgens in die Arbeit, zum Einkaufen oder durch die Stadt - das Fahrrad setzt sich durch und ist beliebter denn je.

Doch wie kam es zu dieser Fahrrad-Begeisterung?

Wer hat das Fahrrad erfunden?

Die Geschichte des Fahrrads: Wie kam es zu dem heute so beliebten Rad?

Hätte man ihm damals vom heutigen Fahrrad-Boom erzählt - Karl von Drais hätte es kaum geglaubt.

Das Fahrrad stellt eine Vervollkommnung des menschlichen Körpers selbst dar, sozusagen den Gipfel. Es ist ein Paar schnellere Beine, die ihm angeboten werden.

Er und seine Maschine sind nur noch eins. […] es ist ein einziges Wesen, ein Automat, der aus einem Stück besteht.

Es gibt keinen Menschen und es keine Maschine. Es gibt nur noch einen schnelleren Menschen.

Noch bevor das Fahrrad in den 1890er Jahren ein viel gekauftes Massenprodukt wurde, gründeten sich im Deutschen Reich (wie auch in vielen anderen Ländern, vor allem in Frankreich, Großbritannien und den USA) ab 1869 zahlreiche Fahrradvereine, deren Mitglieder das Fahrrad zu sportlichen Zwecken nutzten: zu Wettrennen, Fahrradtouren oder ausgedehnten Radwanderungen.

Die Vereine luden auch zu sogenannten „Kunstrad- und Reigenfahrten“ ein (wie auf dem Foto oben zu sehen ist) und entwarfen dafür besondere Kleidung und Kostüme für Radfahrer und Radfahrerinnen.

Kurioses rund um das Fahrrad

  • Das „Fahrradgesicht“: Im 19.
  • Ein hungriger Zeitgenosse: Michel Lotito verspeiste in seinem Leben 18 Fahrräder. Er zerkleinerte die Räder in kleine Häppchen und schluckte diese Stücke hinunter.
  • Einmal um die Welt: 1886 umrundete Thomas Stevens als erster Mensch die Erde mit seinem Hochrad.
  • Autos verboten: Mackinac Island ist eine 11,3 km² große Insel im Bundesstaat Michigan. Dort gibt es den M-185 Highway - der einzige Highway der USA, der nicht von motorisierten Fahrzeugen genutzt werden darf.
  • Ersparnis für das Gesundheitssystem: Fährt man regelmäßig mit dem Fahrrad, spart das Gesundheitssystem ungefähr 2.000 Euro pro Jahr.
  • Rückwärts fahren: Der Australier Andrew Hellinga legte 2013 ganze 337,6 Kilometer in 24 Stunden zurück - die längste Rückwärtsfahrt.
  • Natürlich - zur Geschichte des Fahrrads zählen auch Fahrrad-Diebstähle. Pro Jahr werden in Deutschland fast 300.000 Fahrräder gestohlen - die Dunkelziffer dürfte weit höher liegen.

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