Die Shimano 105 Schaltgruppe zählt seit Jahrzehnten zu den beliebtesten Wahlmöglichkeiten für Rennradfahrer und hat sich als eine der vielseitigsten und zuverlässigsten Gruppen am Markt etabliert. Ihre Stärke liegt in der optimalen Balance zwischen Leistung und Kosten, was sie sowohl für Freizeitfahrer als auch für ambitionierte Sportler attraktiv macht. Egal, ob mechanisch oder elektronisch: Die Shimano 105 steht für präzises Schalten, lange Haltbarkeit und einfache Wartung.
Vor gut 30 Jahren brachte Shimano die erste Generation der Schaltgruppe 105 auf den Markt. Damals hatte sie den Beinamen Golden Arrow - die dreistellige Zahl war lediglich die inoffizielle Seriennummer. Die Gruppe sollte eine preiswerte Alternative für Hobby-Radsportler sein und die damals recht große Lücke zwischen den teuren Rennrad-Gruppen Dura-Ace und 600 (später Ultegra) und den günstigen Sportrad-Angeboten schließen. Schnell entwickelte sich die 105 zum Verkaufsschlager und wurde ein Grundstein für die heutige Marktmacht des japanischen Teileproduzenten.
Die 105 hat über die Jahre ihren Ruf gefestigt, für etwa die Hälfte des Preises annähernd die Funktionen einer Profi-Gruppe zu bieten, wenn man Kompromisse bei Gewicht und Optik eingeht. Ob das auch für die jüngste Generation gilt, haben wir in diesem ausgiebigen Test überprüft. Wie in Shimanos Produktstrategie üblich, bekommt die 105 mit dem Shimano-Kürzel 5800 etwas zeitverzögert die Features der zuletzt renovierten Gruppen Dura-Ace und Ultegra weitergereicht - am deutlichsten zu erkennen am elften Ritzel am Hinterrad.
Die Shimano 105 bringt Eigenschaften mit, die früher nur in den Oberklasse-Gruppen Ultegra und Dura-Ace zu finden waren.
Mechanisch oder elektronisch?
Die mechanische Shimano 105 bietet klassische Zuverlässigkeit und einfache Wartung. Die Shimano 105 Di2 bringt modernste Technologie zu einem erschwinglichen Preis.
Bei der Testfahrt fällt auf, dass vor allem Ergonomie und Bedienung eine Klasse besser geworden sind. Die Körper der Schaltbremsgriffe sind schmaler gestaltet und liegen besser in der Hand als die voluminösen Vorgänger. Die Griffweite lässt sich nun stufenlos mit einer Schraube einstellen, die bisher verwendeten Einlegekeile aus Kunststoff werden überflüssig.
Die Schaltung beeindruckt mit sehr niedrigen Bedienkräften, dennoch bleibt der Klick beim Gangwechsel deutlich hör- und spürbar. Den Kettenblattwechsel erledigt der neue Umwerfer mit dem langen Hebelarm noch einmal besser, seine Einstellung ist aber aufwendiger als bei den früheren Generationen. Die neuen Züge mit einer strukturierten Teflon-Beschichtung haben großen Anteil an den guten Schalteigenschaften.
Die Bremszüge sind nicht beschichtet, zusammen mit den einfacheren Lagerungen der Bremsarme ist das System etwas weniger kräftig und feinfühlig als die Profi-Version. Die neue, sehr steife Konstruktion der Bremskörper ist aber dennoch eine spürbare Verbesserung gegenüber der Vorgängergruppe 5700.
Shimano 105: Details und Funktionen
Neben dem zusätzlichen elften Ritzel ist vor allem die Kurbel neu. Der Shimano-Standard mit vier Aufnahmen für die Kettenblätter wird auch auf die 105 angewandt, der neue Lochkreis funktioniert mit allen angebotenen Kettenblattkombinationen. Zur Auswahl stehen zunächst die Kombinationen 50/34, 52/34 und 53/39, die bisher erhältliche Dreifach-Version wird ersatzlos gestrichen - die jetzt elf Ritzel sollen das nötige Spektrum abdecken und die Gangsprünge in erträglichen Grenzen halten.
Dafür können Ritzelpakete mit bis zu 32 Zähnen gefahren werden, nachdem Shimano schon innerhalb der 5700-Reihe von 28 auf 30 aufgestockt hatte. Für die beiden größten Kassetten wird ein optional erhältliches Schaltwerk mit längerem Käfig empfohlen.
Die Innenseite ist zum kleinen Blatt hin gewölbt und fängt die Kette beim Schaltvorgang möglichst früh auf. Während das große Blatt bei Ultegra und Dura-Ace hohl ist und aus zwei verklebten Teilen besteht, ist das der 105 einfacher hergestellt. Es ist einteilig, hat außen die Form des Kurbelsterns und auf der Innenseite 36 Verstärkungsrippen, die wie Turbinenschaufeln angeordnet sind und die entsprechende Nähe zum kleinen Blatt herstellen. Ob es am Design der Kurbel oder des Kettenblattes liegt, lässt sich schwer beurteilen, unsere Messungen zeigen jedoch, dass die neue Kurbel damit 20 Prozent weniger steif ist als ihre Vorgängerin.
Shimano 105 im Vergleich
Die neue 105 wird mit dieser Leistung kaum Marktanteile einbüßen, zu groß ist der Vertrauensvorsprung von Käufern und Herstellern, die auch diesmal nicht enttäuscht werden. Alle Teile funktionieren hervorragend - unbesehen sind sie von einer Top-Gruppe kaum zu unterscheiden. Dazu kommt das unschlagbare Preis-Leistungs-Verhältnis: Online-Händler offerieren die Gruppe bereits für deutlich weniger als 500 Euro, womit die 105 die günstigste Elffach-Gruppe am Markt ist. SRAMs Rival 22 kostet etwa 20 Prozent mehr.
Im ersten Praxistest musste sich die Shimano 105 an einem Rose Xeon RS beweisen. Das Rad steht exemplarisch für die 105-Räder der kommenden Saison, denn in dieser Preisklasse lohnt es sich nach wie vor, einem guten Aluminiumrahmen gegenüber Carbon den Vorzug zu geben. Stärken sind das beeindruckend geringe Set-Gewicht von Rahmen und Gabel, das mit einer neuen Legierung und optimierten Schweißverfahren noch einmal gedrückt werden konnte, sowie die hohe Fahrstabilität. Damit stellt das Xeon RS so manche Mittelklasse-Carbonrahmen in den Schatten.
Gerade schwerere Fahrer dürften den vergleichsmäßig geringen Druck der alten Stopper kennen, dieses Problem hat Shimano mit den neuen Bremsen jedoch in den Griff bekommen. Selbst rasante Abfahrten ließen sich mit dem aktuellen Modell in Angriff nehmen - das war vorher keineswegs so.
Shimano 105 Di2 im Dauertest
Nach über 6000 Testkilometern mit Shimanos 105 Di2 urteilte einer von zwei Testfahrern: "Bei der 105 fragt man sich, warum man überhaupt mehr Geld für eine Dura-Ace oder Ultegra ausgeben sollte ..." In der Praxis sind die Unterschiede zu den darüber angesiedelten, höherpreisigen Elektro-Gruppen der Japaner tatsächlich kaum spürbar.
Die Gänge wechseln knackig und präzise, auch wenn der 105 Di2-Umwerfer für den Kettenblattwechsel einen Wimpernschlag länger benötigt als die Pendants von Dura-Ace und Ultegra. Dennoch: Gegenüber mechanischen Antrieben sind die elektronischen Gangwechsel einer 105 Di2 eine Offenbarung - vor allem unter Vollast. Auch die Bremsen überzeugen: Sie verzögern mit geringer Handkraft, sehr gut dosierbar und auf Wunsch kraftvoll - quietschen bei Nässe allerdings gerne empört.
Größter Aufreger im Test: Nach 4500 Testkilometern quittierte der Umwerfer den Dienst - ein Defekt des Stellmotors. Das Schadensbild war laut Shimano-Importeur Paul Lange bislang nicht bekannt - sollte es dennoch bei Endkunden auftreten, könnten die mit anstandslosem Austausch rechnen.
Vor- und Nachteile der Shimano 105
- Vorteile:
- Präzises Schalten
- Lange Haltbarkeit
- Einfache Wartung
- Gutes Preis-Leistungs-Verhältnis
- Ergonomische Bedienung
- Nachteile:
- Höheres Gewicht im Vergleich zu Ultegra und Dura-Ace
- Keine elektronische Version (außer Di2)
- Einfachere Materialien und Verarbeitung im Vergleich zu Top-Gruppen
Für schnelle Reiseradler, das Stadtrad oder einen Crosser ist unser Fazit klar: Ja, elf gewinnt. Einem ähnlichen Verschleiß wie die alte 2x10fach-Gruppe stehen ein breiteres Gangspektrum, besserer Ergonomie und smartes Schaltverhalten gegenüber. Das macht Shimanos robustes und langlebiges Arbeitstier auch in der 2x11fach-Variante für sportliche Bergradreisen mit einem Randonneur interessant.
Kompatibilität und Zubehör
Mit der Wahl zwischen der bewährten mechanischen R7000-Serie und der innovativen elektronischen Di2 R7100 bietet sie etwas für jeden Fahrer.
1. Welche Kassette ist mit Shimano 105 kompatibel?
Shimano 105 ist mit allen 11-fach-Kassetten von Shimano sowie mit den 12-fach-Kassetten der Di2-Serie kompatibel.
2. Kann man Shimano 105-Komponenten durch Ultegra-Komponenten ersetzen?
Ja, Shimano 105-Komponenten können problemlos durch Ultegra-Komponenten ersetzt werden. Beide Gruppen nutzen dieselbe Technologie und sind voll kompatibel.
3. Ist die Shimano 105 Di2 elektronisch?
Ja, die Di2-Version ist elektronisch und kabellos.
4. Wie lädt man die Shimano 105 Di2 auf?
Der Akku der Di2 wird über einen USB-Anschluss geladen.
5. Wie funktionieren Shimano 105 Schalthebel?
Die mechanischen Schalthebel arbeiten mit einem Dual-Control-System, bei dem Bremsen und Schalten kombiniert sind.
6. Was ist Shimano 105 Di2?
Die 105 Di2 ist die erste elektronische Version der Shimano 105.
Komponentenübersicht
| Komponente | Beschreibung |
|---|---|
| Schaltwerk | Präzises Schalten, kompatibel mit großen Kassetten (Di2 bis 11-36 Zähne). |
| Umwerfer | Führt die Kette zwischen Kettenblättern; Di2-Version mit automatischer Anpassung. |
| Schalthebel | Ergonomisch und leicht zu bedienen; elektronische Version kabellos. |
| Kurbelgarnitur | 2-fach-Kettenblatt (z. B. |
Die Generationen im Überblick
Die Entwicklung der 105 (Baujahre - Modellnamen - Besonderheiten)
- 1983-1985 Golden Arrow (105), Fünffach, Unterrohr-Friktionsschalthebel
- 1985-1989 105 (1050/1051) - Sechsfach, UniGlide-Kassettennabe, gerasterte SIS-Unterrohr-Schalthebel (Shimano Integration System). Ab 1987 (1051) siebenfach, Biopace-Kettenblätter, Bremshebel mit Aero-Zugverlegung am Lenker
- 1990-1999 105 SC (1055/1056/1057) - Siebenfach, Dual-Pivot Bremsen, HyperGlide-Kassette und -Nabe.
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