Mit den neuen mechanischen 12-fach-Komponenten der Shimano 105 Serie bietet der Hersteller Rennrad-Enthusiasten, die Wert auf ein zuverlässiges und einfach zu wartendes Schaltsystem auf einem preislich attraktiven Niveau legen. Bereits im letzten Jahr hat der Komponentenhersteller mit der ersten Shimano 105 Di2 Gruppe das 12-fach Schaltvergnügen auch auf das Einstiegslevel der Performance-Gruppen gebracht und gleichzeitig die 105 Serie „elektrifiziert“.
Da ist sie nun - die lang erwartete Einsteiger 12-fach-Road-Gruppe im mechanischen Gewand. Nach Einführung der 105 Di2-Revolution Ende 2022 bahnt sich nun der nächste große Schritt an. Shimano bringt eine mechanische Road-Bike-Schaltgruppe als ultimative Wahl für Einsteiger. Nahezu abgeschrieben, erlebt die mechanische Roadbike-Schaltung eine Wiederbelebung.
Parallel zur neuen GRX entfaltet sich nun die mechanische Gruppe von Shimano und verspricht mit der 105er-Serie eine Schalt-Performance, die ihresgleichen sucht. Doch für alle Old-School-Fans und Gewichtsfetischisten, die bereits in Jubel ausbrechen und auf Felgenbremsen hoffen, gibt es einen kleinen Dämpfer: Die 105er-Serie bleibt ausschließlich mit hydraulischen Scheibenbremsen kompatibel. Doch ist diese Gruppe dennoch perfekt als Schaltung für die breite Masse und schmale Budgets geeignet?
Die mechanische Shimano 105 baut auf den gleichen Komponenten auf wie ihr elektrifizierter Zwilling. Einzig die schaltenden Elemente wurden überarbeitet. Das RD-R7100-Schaltwerk transferiert die Learnings aus jahrzehntelangem Antriebs-Know-How und 12-fach-Di2-Erfahrungen und soll so ein extrem flaches, leichtes und effizientes Schaltwerk zutage fördern. Dabei verbindet es die gleichen Eckdaten wie beim Di2-Gegenstück.
Vielseitigkeit und Flexibilität
Mit dem Schritt zu 12-fach bekommt die mechanische Shimano 105 zudem ein neues Maß an Flexibilität und Vielseitigkeit, denn die neuen Abstufungen dank des zusätzlichen Ritzels ermöglichen ein enorm breites Einsatzspektrum. Ermöglicht wird dies durch den Antriebsstrang der neuen mechanischen 105er, bestehend aus Kassetten mit wahlweise 11-34 oder 11-36 Zähnen sowie der Hollowtech II Kurbelgarnituren mit Abstufungen von 50/34 oder 52/36 Zähnen am großen bzw.
Während die Kombination einer 50/34 Kompakt-Kurbelgarnitur und 11-34 oder 11-36 Kassette mit einer 1:1-Übersetzung oder sogar einer Untersetzung besonders steile und lange Anstiege vereinfachen dürfte, so ermöglicht es die Kombination mit 52/36 Semi-Kompakt-Kurbel auch auf flotteren Abschnitten, Abfahrten oder im Sprint noch richtig Gas zu geben. Durch den zusätzlichen 12.
Schaltwerk und Umwerfer
Damit die Gänge aber auch entsprechend gewechselt werden können, kommen das neue RD-R7100 Schaltwerk mit Shadow RD Technologie und der FD-R7100 Umwerfer zum Einsatz. Die Shadow RD Technologie des Schaltwerks sorgt dafür, dass dieses trotz einer sehr flachen Konstruktion eine ausgeglichene Spannung und leichtgängige, effiziente und geräuscharme Schaltvorgänge ermöglicht.
Ein kurzes Fingertippen mit wenig Kraft, ein Klick - und schon liegt die Kette auf dem nächsten Ritzel. Und das so leise, dass man bei kleinen Gangsprüngen schon mal einen Blick nach hinten riskiert, um zu sehen, ob die neue Shimano 105 wirklich geschaltet hat. Was Shimano mit der neuen Gruppe vorgestellt hat, ist Feinmechanik auf höchstem Niveau.
Die Entscheidung der Japaner, dass es eben keine mechanischen Ultegra- und Dura-Ace-Gruppen mit zwölftem Ritzel geben soll, wird so nachvollziehbarer. Und was die Schaltperformance angeht, gibt’s bei der neuen 105 nix zu meckern. Das neue, komplett überarbeitete Shadow-Schaltwerk erlaubt die bereist erwähnten extrem geschmeidigen Gangwechsel, und auch der Umwerfer hebt die Kette selbst unter Last klag- und problemlos auf das jeweils andere Kettenblatt.
"Schalten auf höchstem Niveau: Mit der neuen 105 gibt’s keinen Grund mehr, eine mechanische Ultegra zu vermissen". - Christian Brunker, Redakteur
Ergonomie und Bremsen
Als einer der Hauptkontaktpunkte zwischen Fahrer und Rad liegt auf den Schalt-/Bremshebeln seit jeher ein großer Fokus in Sachen Ergonomie. Diese Kontrollierbarkeit spiegelt sich auch im Zusammenspiel zwischen Bremshebel und den neuen Bremssätteln wider. Denn zusammen sorgen diese für eine hohe, effiziente Bremsleistung bei guter Dosierbarkeit.
Besondere Aufmerksamkeit verdienen die neuen STIs. Wie bei der neuen GRX-Reihe legt Shimano einen Schwerpunkt auf verbesserte Ergonomie. Die Schalthebel sind so gestaltet, dass sie gleichermaßen kleinen wie großen Händen hervorragend passen und ein einfaches Schalten und Bremsen ermöglichen sollen.
Am Cockpit gefällt die verbesserte Ergonomie der STIs, die sehr angenehm in der Hand liegen und viele Griffvarianten erlauben. Weiterhin profitiert die neue 105 von verbesserten Bremsen. Dank des größeren Abstands zwischen Bremsbelägen und -scheiben (wie schon bei der Ultegra Di2 und Dura-Ace Di2) neigt sie weniger zum Schleifen, lässt sich aber dennoch sehr gut dosieren und gefällt mit ihrem präzisen Druckpunkt.
Eine erste positive Überraschung erleben wir aber schon, ohne einen Meter gefahren zu sein: In Sachen Ergonomie sind die neuen Hebel der 105 der Konkurrenz weit überlegen. Die Hände finden eine üppige Auflagefläche auf den Griffgummis; gleichzeitig sind die Griffkörper schlank genug, damit auch kleine Hände sie gut umgreifen können. Zwischen Hebel und Lenker ist am oberen Ende viel Platz und im Wiegetritt stört keine Kante; weiter unten nähert sich der Bremshebel schwungvoll dem Unterlenker und auch kurze Finger können ihn dort gut fassen.
Auch in Bremsgriffhaltung ist der Bremshebel sehr gut erreichbar und bietet eine große Fläche für die Finger. Auch eine Griffweiteneinstellung ermöglicht der Hebel, wegen der ausgefeilten Form ist sie aber eigentlich gar nicht notwendig.
Kassetten und Übersetzungen
Ein weiteres Highlight sind die neuen Kassetten: Die 105 gibt es neben dem bekannten 11-34er-Paket nun auch mit 11-36er-Kassette. Gerade diese erlaubt es zusammen mit einer 50/34-Kompaktkurbel auch, steile Rampen mit kniefreundlich hoher Trittfrequenz in Angriff zu nehmen. Auf langen Pässetouren werden wohl die meisten Hobbyfahrer die leichtere Übersetzung durchaus zu schätzen wissen. Und das Beste dabei: Dank dem zusätzlichen Ritzel geht nichts von der bekannten, ausreichend feinen Gangabstufung verloren. Das 36er-Rettungsringritzel kommt quasi als Bonus.
Positive Aspekte
- Zuverlässige Technik
- Einwandfreies Schaltverhalten
- Top-Ergonomie
- Preiswerte Alternative zu teurer Elektronik
Details zur Shimano 105 Di2
Shimano 105 ist als Schaltgruppe der Massen eine echte Institution und bringt nach dem Schalten auf Knopfdruck nun auch zuverlässige mechanische 12-fach-Antriebe unter die Leute. Die 12-fach-Performance für Jede und Jeden sieht dabei äußerst vielversprechend aus, und dank übergreifender Kompatibilität zwischen den Shimano-Road-Gruppen lassen sich Upgrades einfach durchführen.
Zum 40. Jahrestag ihrer Markteinführung (1982 unter dem Beinamen Golden Arrow) spendiert Shimano der Rennrad-Gruppe 105 ein elektronisches Upgrade. Die neue Shimano 105 Di2 mit dem Kürzel R7100 wird es damit erstmals als elektronische Schaltung geben. Bisher war die Di2-Technologie (”Digital Integrated Intelligence”) seit ihrer Einführung im Jahre 2009 alleine den Top-Rennrad-Gruppen Dura-Ace und Ultegra vorbehalten.
Ab 2023 wechselt erstmals auch die 105er-Shimano-Gruppe die Gänge nicht mehr mechanisch, sondern elektronisch. Und sogar kabellos. Denn die neue 105 Di2 erbt die drahtlose Kommunikation zwischen Schaltern und Schaltwerk, die Shimano im vergangenen Jahr bei der Top-Gruppe Dura-Ace R9200 und der aktuellen 12fach-Ultegra Di2 präsentierte. Außerdem bekommt die Shimano 105 ein Ritzel an der Kassette dazu und reiht sich damit in Riege der 12fach-Rennrad-Schaltungen ein.
Wie die anderen Elektro-Schaltgruppen von Shimano setzt auch die neue 105 Di2 nicht komplett auf wireless, wie es beispielsweise die Sram Elektro-Schaltungen (eTap AXS und XPLR) tun. Stattdessen kommt ein kombiniertes System zum Einsatz: Die Schalthebel kommunizieren per Funk mit Schaltwerk und Umwerfer, den Strom bekommen Umwerfer und Schaltwerk aber per Kabel aus einem zentralen Akku, der meist im Sattelrohr untergebracht ist.
Übersetzungen der neuen 12-fach-Schaltung
Da die neue 105 Di2 nicht mehr mit elf, sondern 12 Ritzeln an der Kassette kommt, schließt sie zu Shimano Top-Gruppen und dem aktuellen Stand der Technik auf. Wie bei der Ultegra gibt es in der 105er Di2-Serie nur noch zwei Ritzelpakete: Die Abstufungen sind allerdings etwas “zahmer” und liegen bei 11-34 und 11-36 Zähnen. Auch bei der 12fach-Kurbel der neuen Shimano 105 gibt es nur noch zwei Varianten: Die Kompakt-Version mit 50/34 Zähnen und eine sportlichere 52/36-Abstufung.
Was passiert mit der mechanischen Shimano 105?
Die bestehende, mechanische Shimano 105 R7000 wird es auch weiterhin geben. Die Rennrad-Gruppe läuft als mechanische 11fach-Schaltgruppe weiter und dürfte damit weiterhin an vielen Einstiegs-Rennrädern zwischen 1000 bis 2000 Euro zu finden sein.
Shimano 105 Di2: Preise im Überblick
Shimano hat UVP-Preise für die neuen Di2-Komponente der 105er genannt. Zum Vergleich: Die mechanische Elffach-Version der 105 kostet aktuell bei Online-Shops etwa 700 Euro.
- Kassette CS-R7100: 79,95 Euro
- Umwerfer FD-R7150: 164,95 Euro
- Kurbelgarnitur FC-R7100: 184,95 Euro
- Schaltwerk RD-R7150: 284,95 Euro
- Kette CN-M7100: 38,95 Euro
- Schalt-Bremshebel inkl. Scheibenbremse (einzeln): 359,95 Euro
- Bremsscheibe SM-RT70: 36,95 Euro
- Akku BT-DN300: 194,95 Euro
- Kabel: 35-40 Euro
Auch die 105er-Scheibenbremsen erhalten Technik-Update
Wie bei den im Vorjahr vorgestellten Shimano-Gruppen kommt auch die neue 105 mit überarbeiteten und verbesserten hydraulischen Scheibenbremsen. Sie sollen kraftvoller , weniger anfällig für Geräusche und leichter zu entlüften sein als die Vorgänger-Version. Sie dürften damit ähnlich bissig zupacken und feinfühlig zu dosieren sein wie die Scheibenbremsen der Dura-Ace, die TOUR bereits getestet hat.
Neue, preislich attraktive Carbon-Laufräder
Zur Markteinführung der 105 Di2 präsentiert Shimano erstmals auch zwei neue Carbon-Laufräder im mittleren Preisniveau, die an keine Gruppe gebunden sind. Wie bei den Schaltgruppen transformieren die Japaner dabei die Technologien von den Top-Produkten auf preiswertere Komponenten. Das niedrigere C32-Laufrad soll sich durch sein geringeres Gewicht an Kletterer richten, das neue Allround-Modell C46 orientiert sich an den bekannten C50-Laufradsätzen von Dura-Ace und Ultegra.
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