Shimano 105 R7000 im Test: Eine umfassende Analyse

Die neue Shimano 105 Rennradschaltung - Baureihe R7000 - ist vielseitiger denn je. Mit Disc- oder Felgenbremse, vielen Möglichkeiten bei der Übersetzung und einzigartigen Brems-/Schalthebeln stellt sich im ersten Test die Frage: Läuft sie der großen Schwester Ultegra den Rang ab?

Die Herausforderungen der Shimano 105

Shimanos Komponentengruppe 105 hat eigentlich nur zwei Probleme: Ultegra und Dura-Ace. Als Nummer 3 in Shimanos Rennrad-Gruppen-Hierarchie steht die 105 traditionell etwas im Schatten der höherpreisigen Schaltungen mit den wohlklingenden Namen. Rein funktional konnte man der Shimano 105 dagegen nie viel vorwerfen, und die jüngste 105-Generation, Modellreihe R7000, startet mit viel Elan.

Was ist neu an der Shimano 105?

Die neuen Hebel für hydraulische Scheibenbremsen sind deutlich kleiner geraten. Der Test der neuen Gruppe in beiden Versionen - mit Disc- und Felgenbremse - soll zeigen, wie es um deren Qualitäten steht. Und um den Glamour-Faktor.

Die Voraussetzungen der neuen 105 stimmen jedenfalls: Die Schaltgruppe bietet dank der zusätzlichen Kettenblattkombination 52/36 mehr Gangabstufungen denn je, kommt mit gruppenzugehöriger Hydraulik-Disc inklusive ergonomisch und optisch attraktiven Brems-/Schalthebeln, obendrein gibt’s für die Shimano 105 R7000 exklusiv ein Brems-/Schalthebel-Pärchen für Fahrer/innen mit kleinen Händen.

Ein weiterer Punkt auf der Habenseite der neuen 105: Optisch wirken die getesteten mattschwarzen Teile sehr wertig - fast schon wie eine mattierte Version der Dura-Ace. Die aktuelle Ultegra R8000 kann sich im direkten Vergleich kaum davon absetzen - fanden die Tester. Kurz: Die "kleine Schwarze" gefällt - und passt zu fast jedem Rahmen. Optional gibt’s die R7000 zudem, ganz klassisch, in Silber. Aber auch unabhängig vom Finish überzeugt die R7000.

Im Praxistest mussten die Tester spürbare Unterschiede zur Ultegra schon gezielt suchen. Bei der vorigen 105-Generation (5800) konnte der Eindruck entstehen, Shimano habe ihr absichtlich Innovationen der teuren Ultegra (6800) vorenthalten, um die preisliche Differenz mit technischem Abstand zu rechtfertigen. Ganz anders bei der neuen R7000: Sie steht fast auf der gleichen Innovationsstufe wie die Ultegra R8000.

Anders als Dura-Ace und Ultegra gibt es die Shimano 105 auch in silber. Was in diesem Test fehlt, ist eine elektronische Variante der 105 - weil die auch in der aktuellen Generation nicht angeboten wird. Viel wurde über eine kostengünstige Di2 auf 105-Niveau spekuliert, nicht wenige haben fest damit gerechnet. Shimano sagt dazu offiziell nur: "Gibt’s nicht."

Hinter vorgehaltener Hand verraten die japanischen Entwickler ihr Dilemma: Die elektronischen Bauteile (Akku, Motoren etc.) sind bei Ultegra und Dura-Ace weitgehend baugleich - und für die Verwendung in einer noch günstigeren 105 schlicht zu teuer. Außerdem müssen die Japaner wohl auch funktional einen gewissen Abstand zwischen den Gruppen bewahren, um den Aufpreis nicht nur mit Gewichten und Haltbarkeit zu rechtfertigen. Dieser gewollte Abstand zur Ultegra ist bei der neuen 105 weiter geschrumpft. Die neue 105er funktioniert top.

Details zur Schaltung der Shimano 105

Bei der Schaltung bleibt die neue 105 schön übersichtlich: Es gibt einen Umwerfer, einen Kurbelsatz sowie ein Schaltwerk mit langem Käfig (Version "GS", für Kassetten mit großem 28er- bis 34er-Ritzel) und eines mit kurzem ("SS") das maximal ein 30er-Ritzel bedient. Das 105-Schaltwerk setzt dabei auf die "Shadow RD"-Technologie: Es steht zentral unter dem Ritzelpaket und wandert nicht mehr so weit nach rechts (in Fahrtrichtung, 33 statt bisher 45 mm) und ist so besser geschützt.

Baugleich mit Ultegra und Dura-Ace kommt auch der R7000-Umwerfer mit seiner kompakten Anlenkung für mehr Reifenfreiheit, außerdem ist jetzt die Zugspannung justierbar, was sich als extrem nützlich erwiesen hat. Neu ist zudem die Zugführung: Sie soll gleiche Funktion garantieren, egal wie der Zug vom Rahmen kommt - hier empfiehlt sich vor der ersten Montage unbedingt ein Blick in die Montageanleitung.

Der Kurbelsatz bietet die Kettenblattkombinationen 53/39, 50/34 und, jetzt neu, die Semi-Kompaktabstufung 52/36 - dadurch sind mehr Gangabstufungen möglich als bei früheren 105-Ensembles. Am jeweils großen Kettenblatt der 105 zeigt sich der größte Unterschied zu Ultegra und Dura-Ace: Bei den teureren Gruppen ist das große Blatt aus zwei Teilen zusammengeklebt und hohl, diese kostenaufwendige Verarbeitung spart sich Shimano bei der R7000. Deshalb wiegt der Kurbelsatz, je nach Variante, knapp 50 Gramm mehr als bei der aktuellen Ultegra.

Kombinieren lassen sich die drei Kettenblattabstufungen mit folgenden Kassetten-Abstufungen: 11-25, 11-28, 11-30, 11-32 oder 11-34. In den Brems-/Schalthebeln für Disc- und Felgenbremsen steckt die gleiche, komplett neu entwickelte Schaltmechanik, die auch bei Ultegra und Dura-Ace Verwendung findet. Sie sorgt für kürzere Hebelwege und klareres Feedback bei jedem Gangwechsel. Trotz der neuen Technik haben die Schaltkomponenten in Summe auch noch knapp 40 Gramm abgespeckt.

Shimano 105: Scheiben- oder Felgenbremsen

Die neuen R7000-Felgenbremsen spiegeln 1:1 die Ultegra-Bremsen wider: Neben dem herkömmlichen Modell mit doppeltem Drehpunkt (Dual Pivot) bietet Shimano auch Bremszangen für Direct-Mount-Sockel an. Interessant: Die Felgenbremsen wurden (ebenfalls analog zu den Top-Gruppen) wenige Gramm schwerer. Auf Nachfrage erklärt Shimano den Zuwachs mit stabileren Bremskörpern, die höhere Bremskraft garantieren sollen. Disc-Kritiker behaupten, dies solle das Mehrgewicht der Disc-Anlagen etwas relativieren.

Denn das ist bei der R7000 erheblich: 290 Gramm mehr wiegt die hydraulische Scheibenbremsanlage im Vergleich zur R7000 mit Felgenbremsen. Hier kann die Ultegra punkten: Das Disc-Mehrgewicht beträgt hier "nur" 245 Gramm. Erstmals hat die Shimano 105 eine eigene hydraulische Bremsanlage. Das ist optisch und ergonomisch ein riesiger Schritt nach vorn.

Die Brems-/Schalthebel für die Disc (R7070) entsprechen im Umfang denen der Ultegra - die Maße unterscheiden sich um weniger als einen Millimeter. Der einzige Unterschied fällt an den Bremsscheiben sofort auf: Sie kommen ohne die aufwendigen Kühlrippen der Ultegra- und Dura-Ace-Discs, werden ebenfalls in Sandwich-Bauweise gefertigt: Zwischen den Reibflächen aus Stahl steckt ein Alu-Kern - Shimano nennt das Ice-Tech.

Wie gut die Scheiben ohne Kühlrippen mit der Bremshitze klarkommen, muss ein Labortest zeigen. Bei den Testfahrten bewiesen die 160-mm-Scheiben (140-mm-Discs gibt’s für die R7000 nicht) Standfestigkeit.

Der Test: So schlägt sich die Shimano 105 auf der Straße

Egal ob man schaltet oder bremst, jede Interaktion mit der neuen R7000-Gruppe ist erst mal eine neue Erfahrung: Im Vergleich zur Vorgängerin 5800 funktioniert die neue 105 deutlich spürbar besser.

So greift sich die neue Shimano 105 R7000

Die Brems-/Schaltgriffe der neuen 105 liegen so gut in der Hand, wie man das von der aktuellen Ultegra kennt. Form und Ergonomie (mit noch größerem Verstellbereich der Griffweite) sind identisch: Der etwas kompaktere Griff "passte" für alle Tester und liegt gut in der Hand. Das gilt für beide R7000-Griff-Varianten: Zwischen Disc- und Felgenbremse lassen sich keine Unterschiede ausmachen.

Das bedeutet für Freunde der Scheibenbremse eine riesigen Fortschritt gegenüber den doch recht klobigen ST-RS505-Hebeln, die Shimano der 5800 in der Disc-Option zur Seite stellte. Damit präsentieren sich die wichtigsten Kontaktpunkte am Rennrad mit der neuen Gruppe auf zeitgemäßem Niveau - egal ob mit Disc- oder Felgenbremse.

So bremst die neue Shimano 105 R7000

Die neue 105-Disc arbeitet auf dem Niveau der Ultegra-Disc. Sie packt sehr kraftvoll zu, die Bremskraft steigt mit zunehmendem Bremshebelweg schnell an. Dennoch zeigt sich die kraftvoll zupackende Bremse dabei berechenbar und zuverlässig dosierbar. Probleme - etwa mit Hitze - traten im Test nicht auf, auch ohne die zusätzlichen Kühlrippen der Ultegra-Disc. Allerdings war keiner der Tester schwerer als 80 Kilo, und die Testrunden fanden nicht im alpinen Bereich statt.

Bei den Felgenbremsen gab’s bereits zur Version 5800 gravierende Veränderungen: die Reifenfreiheit bis 28 mm etwa oder der Doppel-Drehpunkt für mehr Bremspower - daran ändert sich auch bei der R7000-Variante nichts. Neu sind der Bremshebel (siehe oben) und das griffgünstigere Hebelchen zum Öffnen der Bremszange beim Laufradwechsel.

So schaltet die neue Shimano 105 R7000

Dass alle Schaltkomponenten neu sind, spürt man deutlich: Gangwechsel gehen bei der R7000 direkter und schneller von der Hand. So gut wie die aktuellen Shimano-Umwerfer arbeitet kein anderes mechanisches System, das gilt endlich auch für die 105. Auch das neue Schaltwerk folgt präziser als bislang. So macht die neue 105 in Sachen Schaltung einen gewaltigen Schritt nach vorn, fanden die Tester. Und Unterschiede zur Ultegra? Ist sie noch einen Tick knackiger? Vielleicht glaubt man es zu spüren.

Shimano 105: Wie ein Uhrwerk

Zuverlässige Technik, einwandfreies Schaltverhalten, Top-Ergonomie: Mit der 105-Gruppe bietet Shimano eine preiswerte Alternative zu teurer Elektronik. Eine durchsichtige Mechanik hat bestechende Vorteile. Sie ist unabhängig von Akkus oder Batterien und man kann sehen und fühlen, was passiert. Wenn doch etwas hakt, lässt sich meist leicht erkennen, woran es liegt.

Kein Wunder also, dass die rein mechanisch betätigte Kettenschaltung am Rennrad auch im Zeitalter elektronisch angetriebener Schaltwerke und Umwerfer noch eine Menge Fans hat. Die können seit Kurzem aufatmen: Shimano bringt die mechanische Version der 105 als Getriebe auf dem neuesten technischen Stand auf den Markt, das ohne Akkus, Funksignale und sonstigen elektronischen Firlefanz funktioniert.

Neuester technischer Stand heißt: Mit zwölf Ritzeln am Hinterrad bietet sie ein Gängespektrum, das bislang deutlich höherpreisigen Rädern vorbehalten und fast flächendeckend von Elektroschaltungen geprägt ist. Inwieweit das Ensemble eine Alternative für moderne Rennräder sein kann, klärt unser erster Test.

Neu an der Gruppe sind genau genommen nur wenige Teile: Schalthebel, Schaltwerk und Umwerfer. Antrieb und Bremsen entsprechen der 2022 vorgestellten 105 Di2, die als elektronisch betätigter Zwilling im Shimano-Portfolio bleibt. Dennoch waren wir auf das Update aus mehreren Gründen besonders gespannt: Zum einen ist es Tradition, dass Shimano technische Verbesserungen zunächst in den teuersten Gruppen einführt und später an die günstigeren weiterreicht.

Da die teureren Ultegra- und Dura-Ace-Schaltungen aber schon seit spätestens 2017 nur noch als elektronische Varianten entwickelt wurden, gibt es im Grunde kein “Vorbild”, und es wird zur spannenden Frage, ob Shimano der Mechanik überhaupt noch Verbesserungen entlocken kann. Zum anderen hat sich das Rennrad seit der letzten Generation der Shimano 105, die 2018 auf den Markt kam, stark verändert.

Kabel und Leitungen verlaufen heute auch bei preiswerten Rennrädern fast ausschließlich an oder im Cockpit und von dort direkt in den Rahmen. Solche verwinkelten Leitungsführungen können die Funktion von Bowdenzügen aber erfahrungsgemäß stark beeinträchtigen. Auf die reibungslose Funktion der Schaltung haben wir deshalb auch bei den Fahrten mit unseren Testrädern besonders geachtet.

Ergonomie der Shimano 105

Eine erste positive Überraschung erleben wir aber schon, ohne einen Meter gefahren zu sein: In Sachen Ergonomie sind die neuen Hebel der 105 der Konkurrenz weit überlegen. Die Hände finden eine üppige Auflagefläche auf den Griffgummis; gleichzeitig sind die Griffkörper schlank genug, damit auch kleine Hände sie gut umgreifen können.

Zwischen Hebel und Lenker ist am oberen Ende viel Platz und im Wiegetritt stört keine Kante; weiter unten nähert sich der Bremshebel schwungvoll dem Unterlenker und auch kurze Finger können ihn dort gut fassen. Auch in Bremsgriffhaltung ist der Bremshebel sehr gut erreichbar und bietet eine große Fläche für die Finger. Auch eine Griffweiteneinstellung ermöglicht der Hebel, wegen der ausgefeilten Form ist sie aber eigentlich gar nicht notwendig.

Schnelle und präzise Gangwechsel

Auch von den Testfahrten können wir überwiegend Gutes berichten. Mit den zur Seite leicht ausgestellten Hebeln können auch mehrere Gänge gleichzeitig gewechselt werden, ohne sich groß die Hände zu verrenken. Vor allem das Schaltverhalten des vorderen Umwerfers finden wir im positiven Sinne bemerkenswert: Beim Wechsel aufs große Kettenblatt muss zunächst ein angenehm definierter Widerstand überwunden werden - danach geht alles rasend schnell und die Kette rastet in Sekundenbruchteilen sauber auf dem benachbarten Blatt ein.

Es fühlt sich an wie das Umlegen eines hochwertigen Schalters - bis auf ein vernehmbares “Klick” fast lautlos, ohne Schleifen, ohne Klemmen, egal, wie viel Druck auf dem Pedal lastet. Auch umgekehrt fällt die Kette stets sicher. Die Gänge hinten wechseln etwas weniger definiert, aber, wie von Shimano gewohnt, geschmeidig und tadellos - zumindest, sofern die korrekte Kassette montiert ist.

Für die mechanische Variante musste Shimano die 105-Kassette gegenüber der Di2-Version leicht anpassen, erkennbar ist sie an der Bezeichnung R7101 (statt R7100). Ansonsten ist optisch kein Unterschied auszumachen, doch man sollte sich an die Empfehlung halten. An einigen Testrädern war, vermutlich aufgrund von Lieferproblemen, die Di2-Kassette CS-R7100 montiert. Sie tendiert unter viel Kettenspannung zu etwas lauteren, knackenden Schaltgeräuschen beim Wechsel auf größere Ritzel, funktioniert ansonsten aber reibungslos. Das dürfte auch bei Kassetten aus den anderen Zwölffach-Gruppen Dura-Ace und Ultegra der Fall sein.

Shimano 105: Reibung

Die angesprochene Leitungsintegration scheint für die mechanische Shimano 105 indes kein Problem darzustellen. An unseren Testrädern sind, wenn überhaupt, nur marginale Unterschiede im Schaltverhalten auszumachen. Die Bedienkräfte sind bei allen niedrig und auch die sensible Schaltung hinten arbeitet über alle zwölf Ritzel präzise und ohne Verzögerungen.

Das ist insofern bemerkenswert, als wir noch vor wenigen Jahren von der Kombination aus mechanischen Schaltgruppen und innenverlegten Zügen eher abraten mussten: In vielen Fällen war die Reibung so hoch, dass das Schaltwerk nur verzögert reagierte und sich die Schaltung nicht sauber einstellen ließ.

Auch reibungsarm beschichtete Innenzüge sind bei der neuen 105 nicht mehr notwendig. Sie arbeitet mit den mitgelieferten einfachen, unbeschichteten Zügen völlig fehlerfrei. Eine geänderte Zugführung am Schaltwerk, an dem der Zug jetzt einen größeren Bogen beschreibt, scheint die Verluste wieder aufzufangen.

Shimano 105: Starke Leistung, hohes Gewicht

Die Gruppe bringt ansonsten alle Stärken und Schwächen mit, die auch für die Di2-Variante gelten. Kräftige und sehr gut dosierbare Scheibenbremsen sowie ein gutes Verschleißverhalten verbucht sie auf der Habenseite. Die Kette ist von der Mountainbike-Gruppe SLX entliehen und als haltbar und preiswert bekannt, ebenso wie die große 11-36-Kassette.

Ankreiden könnte man ihr das vergleichsweise hohe Gewicht, denn gegenüber der Vorgängerin sind fast alle Teile ein wenig schwerer geworden. Rennräder unter 8,5 Kilogramm sind nur mit viel Aufwand drin, die meisten Kompletträder bewegen sich eher Richtung neun Kilogramm. Auch die eingeschränkten Übersetzungsoptionen könnten bei der neuen Generation manchen Interessenten stören: Mit den Kassetten 11-34 und 11-36 bietet Shimano zwar viel Spielraum für steile Anstiege und zielt auf wenig trainierte Freizeitsportler.

Außerdem passen diese großen Ritzelpakete auf Laufräder mit Elffach-Freilauf, sodass bei einem Umbau keine neuen Laufräder angeschafft werden müssen. Allerdings sind beide Kassetten etwas grob abgestuft. Wer nur im Flachland unterwegs ist und feinere Sprünge sucht, muss auf Ultegra-Kassetten ausweichen, die, wie beschrieben, nicht ganz reibungslos funktionieren und mehr kosten. Doch diese Pillen werden Kritiker der Elektronik am Rennrad schlucken.

Schalten auf höchstem Niveau

Ein kurzes Fingertippen mit wenig Kraft, ein Klick - und schon liegt die Kette auf dem nächsten Ritzel. Und das so leise, dass man bei kleinen Gangsprüngen schon mal einen Blick nach hinten riskiert, um zu sehen, ob die neue Shimano 105 wirklich geschaltet hat. Was Shimano mit der neuen Gruppe vorgestellt hat, ist Feinmechanik auf höchstem Niveau.

Natürlich gibt es nach wie vor viele, die sich auch eine mechanische Ultegra mit zwölf Ritzeln wünschen, aber nach einer Runde mit der beeindruckend souverän funktionierenden 105 stellt sich die Frage fast zwangsläufig, wie sich eine Ultegra - außer in Sachen Prestige und eventuell beim Gewicht - noch groß abheben könnte.

Die Entscheidung der Japaner, dass es eben keine mechanischen Ultegra- und Dura-Ace-Gruppen mit zwölftem Ritzel geben soll, wird so nachvollziehbarer. Und was die Schaltperformance angeht, gibt’s bei der neuen 105 nix zu meckern. Das neue, komplett überarbeitete Shadow-Schaltwerk erlaubt die bereist erwähnten extrem geschmeidigen Gangwechsel, und auch der Umwerfer hebt die Kette selbst unter Last klag- und problemlos auf das jeweils andere Kettenblatt.

Am Cockpit gefällt die verbesserte Ergonomie der STIs, die sehr angenehm in der Hand liegen und viele Griffvarianten erlauben. Ein weiteres Highlight sind die neuen Kassetten: Die 105 gibt es neben dem bekannten 11-34er-Paket nun auch mit 11-36er-Kassette. Gerade diese erlaubt es zusammen mit einer 50/34-Kompaktkurbel auch, steile Rampen mit kniefreundlich hoher Trittfrequenz in Angriff zu nehmen. Auf langen Pässetouren werden wohl die meisten Hobbyfahrer die leichtere Übersetzung durchaus zu schätzen wissen. Und das Beste dabei: Dank dem zusätzlichen Ritzel geht nichts von der bekannten, ausreichend feinen Gangabstufung verloren. Das 36er-Rettungsringritzel kommt quasi als Bonus.

Weiterhin profitiert die neue 105 von verbesserten Bremsen. Dank des größeren Abstands zwischen Bremsbelägen und -scheiben (wie schon bei der Ultegra Di2 und Dura-Ace Di2) neigt sie weniger zum Schleifen, lässt sich aber dennoch sehr gut dosieren und gefällt mit ihrem präzisen Druckpunkt. Viele gute Gründe zur Vorfreude auf neue Kompletträder mit Shimanos aktueller 105. Schade nur, dass die bislang noch selten im Handel oder auch nur auf den Hersteller-Webseiten zu finden sind.

Shimano 105 R7000: Die Details

Die Shimano 105 R7000 gibt es für Felgenbremsen und für Scheibenbremsen. Die aufregendste Neuheit von Shimano ist die 105-Gruppe. Sie kommt erstmals mit hydrau­lischer Scheibenbremse, aber ohne spezifische Brems­scheibe; ­Shimano empfiehlt die bekannte Ice-Tech SM-RT70. Parallel zur Disc-Version wird es die Gruppe mit überarbeiteten Felgenbremsen geben.

Die Schaltbremsgriffe ST-R7020 erlauben ­einen größeren Einstellbereich für unterschiedlich große Hände. ­Zudem bietet die 105 R7000 für die hydraulischen Bremsen ein STI-Modell (ST-R7025) für Radler mit kleinen Händen: der Winkel des ­Hebels zum Lenker und nach außen ist entsprechend verändert. ­Shimano ­verspricht nach der Überarbeitung der Mechanik "schnellere und leichtgängigere Schaltvorgänge mit geringeren Hebelwegen".

Es gibt vielfältige Übersetzungen: eine "Mid-Compact"-­Kurbel mit 52/36 Zähnen sowie die bewährten Kurbeln mit 50/34 und 53/39 Zähnen. Für Gravel oder Cross stehen neue Kassetten bereit: mit 11-30 Zähnen (CS-R7000) sowie mit 11-34 Zähnen (CS-HG700-11). Die neue Shimano 105 R7000 wird in Schwarz oder Silber erhältlich sein.

Komponenten im Detail

  • Shimano 105 FC R7000 Kurbel: Kann mit Kettenblattabstufungen 50-34, 52-36, 53-39 Zähne ausgestattet werden.
  • Shimano 105 Schaltwerk RD-R7000: Das Shimano Ultegra RD-R7000 SS short Cage Schaltwerk kann mit einer Kassette mit maximal 30 Zähnen gefahren werden, für die 11-32 und 11-34 er Kassetten wird das RD-R7000 GS medium Cage Schaltwerk benötigt.
  • Shimano 105 Umwerfer FD-R7000: Die Zugführung wurde angepasst, um die Krafteinwirkung beim Schalten weiter zu reduzieren.
  • Shimano 105 Disc Schaltbremshebel STI R7020: Kompakter Schalt-Bremshebel für hydraulische Scheibenbremsen und mechanische Schaltsysteme.
  • Shimano 105 Bremssattel BR R7070: Verwindungsstabil und für Bremsscheiben bis 160 mm zugelassen.
  • Shimano 105 Kassette CS-R7000: Zur Gewichtsreduzierung und um eine höhere Verwindungssteifigkeit zu erreichen, sind die drei grössten Ritzel auf Aluminium Spider vernietet.
  • Shimano 105 Kette HG601: Mit SIL-TEC Oberflächenbeschichtung für ultra geringe Reibung und verbesserte Verschleissfestigkeit.

Lieferumfang Shimano 105 Gruppe R7000

  • Shimano 105 Schaltwerk, kurzeroder langer Schaltarm RD R7000 SS oder GS
  • Shimano 105Umwerfer FD R7000 erhältlich als Anlöt- und Schellenwerfer
  • Shimano 105 STI, Dualcontrol Disc Schalthebel, 11/2 fach, ST R7020
  • Shimano 105 Scheibenbremsen, Vorder- und Hinterrad BRR7070, Flat Mount mit Vorderrad Adapter, Bremsbeläge L02A, Bremsleitungen 100 und 170 cm Länge
  • Shimano 105 Kurbelgarnitur, FC 7000, Abstufung 53/39, 52/36 oder 50/34 Zähneoptional Shimano Ultegra Innenlager, SMBBR60 BSA oder Italienisches Gewinde oder Pressfit BB86, oder Wheels MFG Innenblager für BB30, Pressfit30, BBright oder BB386 Tretlagergehäuse
  • Shimano 105 Kassette, CS R7000 oder HG700 in unterschiedlichen Abstufungen
  • Shimano 105 Kette, CN HG601 oder HG701
  • Shimano 105 Schalt- und Bremszüge

Kompatibele Tretlagergehäuse - Innenlager

Mittlerweile gibt es unterschiedlichste Tretlagergehäuse bei den modernen Rahmen. Shimano bietet nur für einige passende Innenlager an. Wir liefern, damit die Ultegera Gruppe an alle Rahmen passt optional FSA oder Wheels MFG Innenlager für die Tretlagergehäuse, für die Shimano keine Innenlager anbietet. Die Wheels Outboard Innenlager sind deutlich haltbarer als normale Einpresslager das die Lagerschalen gegeneinander Verschraubt werden und somit plan und fest im Rahmen sitzen.

Preisvergleich: Shimano 105 Di2, Ultegra und Dura-Ace

Shimano gibt nur die Preise für die einzelnen Bauteile der neuen 105-Di2-Gruppe an. Die Komplettgruppe inklusive Akku und Ladegeräten kostet demnach rund 1838 Euro. Zum Vergleich: Die neue Ultegra-Zwölffachgruppe kostet rund 2415 Euro, die Dura-Ace rund 4180 Euro.

Gruppe Preis (ca.)
Shimano 105 Di2 1838 Euro
Ultegra Zwölffach 2415 Euro
Dura-Ace 4180 Euro

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