Shimano 105 Kurbel demontieren: Eine detaillierte Anleitung

Viele Reparaturarbeiten oder auch der Austausch einzelner Komponenten am Fahrrad können mit ein wenig technischem Geschick von den meisten Radlern selbst durchgeführt werden.

Auch bei den gelegentlich nötigen Säuberungsarbeiten kann von Zeit zu Zeit eine Demontage erforderlich sein.

Im folgenden Artikel wird erklärt, wie man eine Shimano 105 Kurbel demontiert, montiert und wartet. Diese Anleitung kann auch für FSA Kurbeln hilfreich sein.

Werkzeuge und Materialien

Für die Demontage und Montage der Kurbel benötigen Sie folgende Werkzeuge und Materialien:

  • Inbusschlüssel (5er)
  • Kurbelmontage-Werkzeug (z.B. Artikel-Nr.: 28705)
  • Shimano-Originalwerkzeug TL-FC 16
  • Drehmomentschlüssel
  • Gummihammer
  • Fett
  • Putzlappen
  • Schlitzschraubendreher

Demontage der Kurbel

  1. Pedale entfernen: Bevor Sie die Kurbel demontieren, entfernen Sie die Pedale.
  2. Klemmschrauben lösen: An neueren Shimano-Kurbeln (Hollowtech II) ist der kettenblattlose Kurbelarm über zwei Schrauben an der Achse geklemmt. Lockern Sie diese mit einem 5er-Inbus - nicht komplett abschrauben.
  3. Kurbelkappe lösen: Bei gelockerten Schrauben lässt sich die Kurbelkappe - meist aus Kunststoff - über ein spezielles Kurbelkappen-Werkzeug per Handkraft lösen. Original-Shimano-Bezeichnung: TL-FC 16. Drehen Sie die Schraube komplett aus dem Gewinde.
  4. Fixierung lösen: Eine zusätzliche Kunststoffplatte mit kleiner Nase im Klemmspalt verhindert, dass der Kurbelarm bei lockeren Schrauben einfach seitlich abfällt. Schwenken Sie das Plättchen via Schlitzschraubendreher etwas nach oben, danach lässt sich der linke Kurbelarm abziehen.
  5. Kurbelachse rausklopfen: Legen Sie die Kette auf das kleinste Blatt. Lässt sich der rechte Kurbelarm inklusive Achse nicht rausziehen, helfen Sie mit einem Schonhammer etwas nach. Ist die Kurbel ein bis zwei Zentimeter rausgewandert, Kette zwischen kleines Blatt und Tretlagergehäuse legen.

Tretlagerprüfung

Nach der Demontage der Kurbel sollte das Tretlager überprüft werden:

  1. Erste Tretlagerprüfung: Ist die Kette unten, kann die Kurbel frei drehen. Um zu prüfen, ob das Tretlager noch sauber läuft, drehst Du die Kurbel mit einem Finger.
  2. Lagergeräusche prüfen: Während die Kurbel sich dreht, achtest Du auf die Lagergeräusche. Ist das Laufgeräusch blechern, als würde Metall auf Metall laufen, ist das Lager noch in Ordnung, aber viel zu trocken und muss dringend gefettet werden.
  3. Spiel prüfen: Um zu prüfen, ob das Lager horizontal oder vertikal ausgeschlagen ist, packst Du das Ende des Kurbelarms, der Antriebsseite, und probierst die Kurbel nach links und rechts zu bewegen. Wenn Du kein Spiel merkst, dann ist alles in Ordnung.

Falls Du merkst, dass das Lager unsauber läuft, sollte es mal sauber gemacht werden oder es mal sauber machen.

Reinigung und Vorbereitung

Es empfiehlt sich eine gründliche Reinigung der Komponenten vorzunehmen. Allein schon durch die Nähe zum Untergrund können sich am Innenlager, im Gewinde und an der Welle einige Schmutzpartikel ablagern und es kann zu Korrosion kommen.

Vor der Montage sollten das Gewinde des Innenlagers sowie die Lagerschalen mit Fett versehen werden, um einem Festwerden im Gewinde entgegen zu wirken.

Innenlager Montage

  1. Die Lagerschalen sind mit dem Hinweis „rechts“ beziehungsweise „links“ versehen. Die rechte Lagerschale ist aber auch an dem längeren Gewinde zu erkennen.
  2. Die Anzahl der einzubauenden Spacer ist abhängig von der verwendeten Kurbel und der Gehäusebreite. Beachten Sie hierfür die Herstellerangaben Ihres jeweiligen Produktes. Für gewöhnlich befindet sich auf der rechten Seite ein Spacer mehr als auf der linken Seite.
  3. Als erstes muss nun die Kunstoffbuchse in die rechte Lagerschale eingesetzt werden. Dann werden, falls erforderlich, die Spacer auf die Lagerschale geschoben und das Lager per Hand eingeschraubt (links: im Uhrzeigersinn, rechts: entgegen dem Uhrzeigersinn).
  4. Sind beide Schalen eingesetzt, müssen diese mit dem Shimano Werkzeug festgezogen werden. Das Drehmoment richtet sich nach den jeweiligen Herstellerangaben, liegt aber zumeist bei ca. 35 bis 50 Nm.

Montage der Kurbel

  1. Achse fetten: Vor dem Einschieben solltest Du die Achse sorgfältig fetten, am saubersten geht das mit einem Pinsel in entsprechender Breite.
  2. Achse einschieben: Jetzt kannst Du die Achse wieder durch das Tretlager schieben.
  3. Linken Kurbelarm montieren: Bevor Du jetzt den anderen Kurbelarm aufschiebst, solltest Du die Achse auch auf dieser Seite nochmal kurz einfetten. Auch die andere Achsseite wird eingefettet. Achte dabei aber auf den Dichtring im Kurbelarm; die Gummiseite des Rings zeigt immer Richtung Tretlager.
  4. Sicherungsblech nicht vergessen: Jetzt musst Du das Sicherungsblech im Klemmschlitz der Kurbel wieder hinunterdrücken.
  5. Kurbelschraube festziehen: Jetzt kannst Du die Kurbelschraube festziehen. Falls die Schraube fest ist, die Kurbel aber noch nicht richtig sitzt, kannst Du die Kurbel auch mit leichten Hammerschlägen weiter eintreiben. Wenn sich die Kurbel durch die Schläge noch setzt, musst Du danach die Kurbelschraube nochmal anziehen. Stelle sicher, dass die Kurbel richtig sitzt.
  6. Klemmschraube anziehen: Als Letztes musst Du die Kurbel noch mit der Innensechskantschraube klemmen. Nutze zum Festziehen der Schraube einen Drehmomentschlüssel und achte auf die angegebenen Werte. Oft steht das Drehmoment direkt neben dem Schraubenloch.

Kettenblattwechsel

Ein verschlissener Antrieb ist nicht nur nervig weil die Schaltung dann meistens nicht mehr sauber funktioniert, es kann sogar gefährlich werden. Wartet man zu lange mit dem Tauschen der Antriebskomponenten, kann die Kette beim Antreten durchrutschen.

Bevor Du jetzt anfängst Deine Kettenblätter zu tauschen, kannst Du Dich noch vergewissern, ob das Kettenblatt wirklich verschlissen ist. Den Verschließ kannst Du an der Form der Zähne erkennen.

Verschleißindikatoren

  1. Durch die voranschreitende Abnutzung der Kettenblätter, werden auch die Grate auf den Zähnen immer größer.
  2. Die Zähne werden oben immer runder.
  3. Beim Treten wird die Kette vom Kettenblatt gezogen, deshalb wird der Zahn dieser Seite mehr abgenutzt.

Demontage der alten Kettenblätter

Jetzt kannst Du die verschlissenen Kettenblätter demontieren.

Direct Mount Kettenblätter werden nicht auf einem Spider verschraubt, hier sitzt das Kettenblatt direkt auf der Kurbel. Es wird von einer Mehrfachverzahnung mitgenommen und mit Schrauben (je nach Standart unterschiedlich viele) von hinten fixiert.

Schrauben zur Fixierung des Kettenblattes lösen.

Montage der neuen Kettenblätter

  1. Reinigung: Vor dem Einbau der Neuteile - Alles sauber machen. Wenn die Kettenblätter demontiert sind, macht es Sinn, die Achse und die Kettenblattaufnahme gründlich zu säubern.
  2. Großes Kettenblatt montieren: Sieht alles wie neu aus?! Dann kannst Du jetzt die Kettenblätter montieren. Dabei fängst Du immer mit dem größten Kettenblatt an. Damit die Steighilfen am Kettenblatt richtig arbeiten können, muss das Kettenblatt in der richtigen Position am Spider festgeschraubt werden.
  3. Kleines Kettenblatt montieren: Auch bei der Montage der kleinen Kettenblätter musst Du auf die Positionierung achten. Im inneren Kreis des kleinen Kettenblatts ist auch eine Nase. Diese muss, genauso wie beim großen Kettenblatt, auch hinter dem Kurbelarm sitzen. In dieser Position kannst Du das Blatt festmachen.

Achtet beim Anziehen der Schrauben auf das angegebene Drehmoment. Wie bei Kassetten, passt diese Verzahnung nur in einer Position, also achtet genau auf die Nasen und Nuten am Kettenblatt bzw. an der Kurbel.

Aber Vorsicht, auch hier gibt es, je nach Hersteller, mehrere Standards, die nicht untereinander kompatibel sind.

Tabelle: Tretlagergehäuse und Kurbelsatz Kompatibilität

Tretlagergehäuse Kurbelsatz Hinweise
BSA Hollowtech II Benötigt Adapter
BB86/BB90 Hollowtech II Benötigt Adapter
BB30 BB30 Direkt kompatibel

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