Shimano 105 Powermeter Nachrüsten: Ein umfassender Test

Um in das effizienteste Radtraining einzusteigen, ist ein Powermeter- bzw. Wattmesser-Kauf unausweichlich. Alleine nach Herzfrequenz zu trainieren ist weniger zielführend und weniger individuell angepasst an die eigene Leistung. Noch schlechter steht man da, wenn man einfach nur Kilometer zählt.

Warum ein Powermeter?

Ob und welche Leistung man erbracht hat, ist davon nahezu unmöglich abzuleiten. Um aber nachhaltig die Muskeln zu stimulieren und dabei genau die richtige Verausgabung zu treffen, damit die Muskeln weder unter- noch überfordert sind, ist eine Leistungsmessung der Kraft pro Zeit unausweichlich. Dabei sind die Kosten für diese Diagnose am Rad so günstig wie noch nie.

Vom Pedalieren zur Leistungsdiagnostik

Um fit zu bleiben, ist das Radfahren perfekt. Am besten zur Arbeit und zurück, um Kilometer zu sammeln. Die Bewegung schadet der Fitness garantiert nicht. So fangen alle Radfahrer mal an, viele gehen dann auch weiter. Man kann damit super Strecken zurücklegen und es macht irre Spaß! Doch irgendwann entwickelt sich die neue Fitness gar nicht weiter, da der Körper sich an die konstante Belastung adaptiert hat.

Die Entwicklung geht meist in drei Schritten:

  • Kilometer fahren: Man zählt die Kilometer. Das ist super und da spricht nichts dagegen. Doch einen echten Trainingseffekt wird man nicht haben, da der Körper sehr schnell die bekannte Anforderung kennenlernt und dabei bleibt es.
  • Puls messen: Ein Pulsmesser ist auch noch immer eine gute Möglichkeit fürs Training. Gerade um erste Intervalle und vielleicht die erste Struktur und Trainingsplan zu finden ist dieser Schritt ideal. Doch die Herzfrequenz hat auch einige Nachteile. Sie reagiert indirekt auf eine Belastung und kann kurze Intervalle nicht gut darstellen. Zudem ist der Puls auch abhängig von der Stresssituation, auch persönliche und emotionale Aspekte wirken auf die Zahl ein.
  • Leistungsmessung: Die harte Währung ist und bleibt in Watt. Die Leistung die Eure Muskeln tatsächlich auf die Pedale bringen. Jede Kurbelumdrehung kostet Kraft und auf den Watt genau kann man messen, was geleistet wurde. So kann ein Trainingsplan exakt auf eure Fitness und Leistung angepasst werden.

Ein- oder beidseitige Leistungsmessung?

Bei beidseitig messenden Powermetern werden noch einmal zwischen der „gemeinsam" beidseitigen und der individuell beidseitigen Messung unterschieden. Werden beide Beine individuell erfasst, benötigt der Powermeter zwei unabhängig voneinander messende Sensoren plus die dazugehörigen Sendeeinheiten. Aktuell können das nur die Pedal-Powermeter, der Shimano-Powermeter mit Dehnmessstreifen in beiden Kurbelarmen und die Rotor-2INPower-Systeme mit Sensoren in der Kurbelachse und im rechten Kurbelarm. Sie erfassen die gesamte Kurbelumdrehung, also die Druck- und die Zugphase für jedes Bein.

Bei einem gemeinsam beidseitig messenden System wird dagegen eine Hälfte einer Kurbelumdrehung dem einen Bein und die andere Hälfte dem anderen Bein zugeordnet und so die Gesamtleistung berechnet. Das ist das Funktionsprinzip der SRAM- und Quarq-Powermeter, deren Messsensoren entweder im Spider oder im Kettenblatt sitzen.

Welche Messung ist die Richtige für Sie?

  • Einseitige Messung: Suchst Du einen Powermeter für eine leistungsbasierte Trainingssteuerung, als Kontrollinstanz zum Pacing oder zum Einstieg in die Powermeter-Welt, ist eine einseitige Messung ausreichend.
  • Beidseitige Messung: Beidseitig messende Systeme sind vor allem dann für Dich interessant, wenn Du weißt, dass Du eine nennenswerte Dysbalance zwischen beiden Beinen hast. Zum Beispiel, wenn Du von einer Verletzung zum Training zurückkehrst, durch die ein Bein stärker geschwächt wurde.
  • Getrennt beidseitig messendes System: Möchtest Du Dich mit dem Bewegungsablauf beim Pedalieren und der Effizienz Deines Tritts genauer auseinandersetzen, ist ein getrennt beidseitig messendes System empfehlenswert.

Kostenlose oder kosteneffiziente Optionen für die Leistungsmessung

Powermeter bzw. Leistungsmesser/Wattmesser haben eine lange Geschichte. Angefangen hatte alles mit Labortests, in den 90ern hatte man auf der Straße und im Wettkampf die Leistung gar nicht messen können. Nur im Labor konnten Profis sich einer genauen Leistungsdiagnostik unterziehen. Doch in dieser Zeit kamen auch schon die ersten Powermeter auf den Markt, die unter realen Bedingungen gemessen haben. So entwickelte sich der Markt für diese Geräte. Nach und nach sanken die Preise.

Ich zeige euch ein paar Ideen, wie man ganz ohne oder mit noch geringeren Kosten zur Leistungsdiagnostik kommt. Ja, die gibt es tatsächlich.

Kostenlose Leistungsmessung mit der Rolle

Man muss nicht zwangsläufig einen teuren Sensor am Rad verbauen, der die genaue Leistung misst. Es gibt statistische Modelle, die mit einfacheren Sensoren und Konstanten gefüttert werden, um daraus eure Leistung ziemlich genau zu bewerten. Die Rede ist von der Rolle. Genauer gesagt geht es um Rollentraining und Zwift, die Software um online in einer Community virtuell Runden zu drehen. Auf einer Rolle.

Der Einstieg ist leicht: ein Zwift Account, eine einfache Rolle (die einfachsten Rollen reichen schon aus) und ein Kadenz- und Geschwindigkeitssensor. Ihr bekommt eine Leistungsmessung damit geschenkt. Diese wird anhand eines statischen (also unveränderten) Widerstands, der Umdrehung der Kurbeln und des Laufrads (Geschwindigkeitsmesser) berechnet.

Der Einstieg in dieses System ist denkbar günstig:

  • eine Dumb-Roll (gebraucht ca 50€)
  • ein Kadenz und Geschwindigkeitssensor (ca 50€ Neu)
  • Zwift Account (monatliches Abo)

Günstige Powermeter Optionen

SRAM Rival AXS

Der Powermeter von Quarq (eine Tochter von SRAM) kann in der Kurbel einfach nachgerüstet werden. Damit ist die Rival Gruppe die günstigste komplett elektrische Schaltgruppe im Mittelsegment (Vergleichbar mit Shimano 105). Praktisch am Quarq AXS Powermeter ist, dass er optional ist und im Handumdrehen installiert und nachgerüstet wird. Stattdessen wird der Powermeter in die Spindel geschraubt. Schon ist der Sensor aktiv.

Erst Mal sei zu erwähnen, dass die Leistungsmessung nur linksseitig erfolgt. Um ein volles Bild zu bekommen wird die Leistung des linken Beins auf das rechte Bein übertragen. Häufig ist dieser Ansatz auch völlig in Ordnung.

Powermeter Nachrüsten - Stages und 4iiii Precision

Die einseitige Messung der Leistung ist meist die günstigste Option. Zwei Anbieter haben speziell dafür sehr gute Angebote zum Nachrüsten geschaffen. Deren Sensor wird in der linken Kurbel nachträglich verbaut. Beispielsweise nimmt man eine Shimano 105 Kurbel (links) und befestigt den Sensor an der Innenseite der Kurbel.

Montiert wird der Sensor vom Hersteller, das bedeutet ihr müsst entweder eure Kurbel in die USA schicken (Stages und 4iiii sitzen in den Staaten) oder ihr kauft eine komplette Kurbel mit Sensor. Dennoch wird diese Option euren Geldbeutel schonen.

Pedale, Startups und nicht gehaltene Versprechen

Immer wieder poppen auch Startups mit entsprechenden Kickstarter Kampagnen auf dem Radar auf. Zutaten dieser sind unhaltbar günstige Preise und andere Marketing-Etiketten.

Andere günstige Optionen die zu erwähnen wären, sind beispielsweise die Favero Assioma Uno Pedale (einseitige Messung, basierend auf der Pedal-Spindel).

Powermeter im Test: Was bringen die Messwerte?

Powermeter sind Messgeräte, mit denen während der Fahrt die Tretleistung des Fahrers erfasst wird. Die Preise beginnen bei 599 Euro. Die erfassten Leistungsdaten (angegeben in Watt) werden zum Computer am Lenker oder auch aufs Mobil­telefon gefunkt. Ausgewertet dienen sie vorrangig der Belastungs­­steuerung in Training und Rennen, können aber auch genutzt werden, um Material zu optimieren.

Gemessen wird die Tretleistung so ziemlich überall am Rad: an Kurbelstern, Kurbel, Tret­lagerwelle, Pedal, Hinterradnabe und Schuhsohle.

So testet TOUR Rennrad-Powermeter

Die absolute Genauigkeit der Geräte lässt sich mit vertretbarem Aufwand nicht ermitteln. Doch auch die Messwerte direkt vergleichen zu können, ist sehr aufschlussreich. So testeten wir auf einem neuen Prüfstand erst­mals Kurbel-­Powermeter im direkten Vergleich. Eines der Infocrank-Modelle dien­te als Referenz, mit deren Messwerten wir die Werte aller anderen kurbelbasierten Systeme verglichen - darunter auch ein zweites Info­crank-­­Modell. Das Ergebnis zeigt, wie stark die Systeme voneinander abweichen und wie sich die Abweichung jedes Gerätes bei unterschiedlichen Tretleistungen verändert. Der Aufbau ermöglicht auch, das Testsystem zu kühlen und zu prüfen, wie sich ein Temperatursprung von 15 Grad auf das Messergebnis auswirkt.

Zusätzlich haben wir auf zahlreichen Testfahrten (Rolle und Straße) alle Powermeter miteinander verglichen. Das Leistungsspektrum lag zwischen 150 und 1200 Watt. Bei den Messwerten haben wir sowohl die geglätteten Durchschnittswerte als auch die Rohdaten­sätze der Geräte analysiert. Zum Datensammeln nutzten wir Garmin-Edge-520-Computer mit identischen Einstellungen. Ausgewertet wurde in Excel und Golden Cheetah.

Garmin Rally XC200 Powermeter

Die Garmin Rally XC200 Powermeter eignen sich besonders für ambitionierte Athleten, die über mehrere Räder hinweg ihre Leistung verfolgen und vergleichen wollen und gerne Offroad unterwegs sind. Dank der austauschbaren Pedalkörper bieten die Powermeter von Road-Bike über Gravel-Bike bis hin zum Mountainbike ein breites Einsatzspektrum, was den Preis rechtfertigt.

Sie liefern über jede Fahrt hinweg kontinuierlich plausible Werte, ohne nach oben oder unten hin abzudriften, Leistungsspitzen und Messaussetzer zu erzeugen oder von Fahrbahnunebenheiten irritiert zu werden.

Die Wahl der richtigen elektronischen Schaltgruppe

Die elektronischen Gruppen von Shimano und SRAM sind im Jahr 2022 gleichauf. Dabei spielt eine elektronische Rival eTap AXS auf dem gleichen Level wie eine Shimano 105 Di2. Eine Force eTap AXS im gleichen Bereich einer Ultegra Di2 und eine Red eTap AXS konkurrieren mit einer Dura-Ace Di2.

Aktuell (11/2022) spielt die Verfügbarkeit immer noch eine große Rolle. Vereinzelt hat man Glück und bekommt eine SRAM Red eTap AXS oder Dura-Ace 12-fach beim Händler seines Vertrauens. Einzig die Shimano 105 Di2 bietet keinen kurbelbasierten-Leistungsmesser an.

Verwandte Beiträge:

Kommentar schreiben

Kommentare: 0