Shimano 105 Schalthebel für geraden Lenker: Umbau und Kompatibilität

Viele Radfahrer, die ein Stevens 4x Gent oder ein ähnliches Fahrrad mit geradem Lenker besitzen, erwägen einen Umbau auf einen Rennradlenker, um die Vorteile der integrierten Schalt-/Bremshebel (STI) zu nutzen. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Aspekte eines solchen Umbaus, insbesondere im Hinblick auf die Kompatibilität der Shimano 105 Schalthebel mit anderen Komponenten.

Grundlegende Überlegungen zum Umbau

Ein Umbau auf einen Rennradlenker erfordert in der Regel eine 3x9-fach STI-Schaltung. Bei Shimano ist bis 9-fach das Rennrad-System mit dem MTB-Schaltsystem kompatibel. Das bedeutet, dass Umwerfer und Schaltwerk mit den STIs angesteuert werden können.

Allerdings gibt es Probleme mit den Bremsen, da unterschiedliche Zugwege vorliegen. Mechanisch "brauchen" diese Rennrad-Kombihebel die Canti-Mittelzugbremsen (oder eben Rennrad-Bremsen), für V-Brakes passen die nicht, bei V-Brakes wird wesentlich mehr Bowdenzug vom Weg her, gezogen, dafür mit weniger Kraft. Die Canti-Mittelzugbremse benötigt aber wiederum einen Gegenhalter für die Bowdenzughülle mittig, irgendwo über der Bremse. Wenn bereits Scheibenbremsen montiert sind, könnte es passen, wenn die mechanisch ist - da liegt dann wieder das Canti-Verhältnis vor. Alternativ kann man bei Stahlrahmen (dünner Rohrdurchmesser) mit zusätzlicher Schelle, Rahmenschalthebel befestigen, die gibt es (aber auch nicht zu billig) auch bis 10-fach. Aber ob das dein Plan war? Damit ist das Bremsenproblem aber noch nicht gelöst, nur sind einzelne Rennradbremshebel ohne Schaltfunktion oft billiger als die Bremsschalthebel.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist, dass ein Rennradlenker die Griffposition deutlich weiter nach vorne-unten verlegt. Rahmen, die für die Verwendung eines Rennlenkers konzipiert sind, sind von vornherein viel kürzer als Rahmen, die für die Verwendung von geraden Lenkern konzipiert sind. Es besteht die Wahrscheinlichkeit, dass die Sitzposition zu gestreckt ist, wenn der Rahmen bisher gepasst hat.

Kompatibilität von Schaltwerk und Kassette

Ob ein neues Schaltwerk benötigt wird, hängt davon ab, welches Schaltwerk bereits vorhanden ist und ob es kompatible STI-Shifter gibt. Die Anzahl der Gänge allein ist nicht aussagekräftig genug. Der Index wird ja vom Shifter vorgegeben, dein Schalthebel muss also beim Gangwechsel dass Kabel um ein ganz präzises Maß ziehen damit das Schaltwerk die Kette auf das richtige Zahnrad wirft.

Falls das Schaltwerk gewechselt werden muss, kann es auch passieren, dass eine neue Kassette benötigt wird, weil Rennrad-Schaltwerke selten mit großen Kassetten zurechtkommen.

Bremsen und Bremshebel

Rennradschalthebel bilden in der Regel mit Bremshebeln eine untrennbare Einheit (Bremsschalthebel), und diese Bremshebel müssen zur Bremse passen. Unterschiedliche Zugwege erfordern möglicherweise den Austausch der Bremsen.

Es gibt jedoch auch Alternativen, wie z.B. die Verwendung von Mini V-Brakes oder Canti-Bremsen, die mit Rennrad-Bremshebeln kompatibel sind. Auch hier gilt es, die Kompatibilität genau zu prüfen.

Alternativen und individuelle Lösungen

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, die Herausforderungen beim Umbau zu meistern:

  • Lenkerendschalthebel: Eine Option sind Lenkerendschalthebel, die jedoch möglicherweise nicht so komfortabel sind wie STI-Hebel.
  • Kombinationen verschiedener Hersteller: Es ist möglich, Schaltbremshebel von Campagnolo mit einem Shimano-kompatiblen Schaltwerk zu kombinieren, indem man eine Umlenkrolle (Shiftmate) verwendet.
  • Anpassung der Kettenlinie: Durch Verschieben der Spacer des GXP-Lagers kann die Kettenlinie angepasst werden, um eine bessere Schaltperformance zu erzielen.
  • Verwendung von Zusatzadaptern: Goat Link von Wolf Tooth oder Shiftmate von jtek ermöglichen es, MTB-Kassetten mit Rennrad-Schaltwerken zu steuern.
  • Gevenalle-Bremsschalthebel: Eine weitere Option sind Gevenalle-Bremsschalthebel, die Bremshebel mit Lenkerendschalthebeln kombinieren.

Beispiele für erfolgreiche Umbauten

Viele Radfahrer haben erfolgreich Umbauten von geraden Lenkern auf Rennlenker mit Shimano 105 Schalthebeln durchgeführt. Hier sind einige Beispiele:

  • Kombination von 9-fach Sora STI mit LX-Kurbel und Umwerfer: Diese Kombination ermöglicht eine gute Schaltperformance, auch wenn sie nicht vom Hersteller empfohlen wird.
  • Verwendung von Sora STI mit Deore-Schaltwerk und großer Kassette: Durch die Verwendung eines langen Käfigs am Schaltwerk können auch Kassetten mit großen Ritzeln gefahren werden.
  • Montage von XT-Rapidfirehebeln am Oberlenker: Diese Lösung ermöglicht eine perfekte Schaltung, erfordert aber viel "Geraffel" am Oberlenker.
  • Verwendung von 105er 10-fach STI mit Deore 9-fach Kurbel: Durch den Austausch des großen Kettenblatts und die Verwendung eines Kettenschutzrings kann diese Kombination gut funktionieren.

Wichtige Hinweise zur Feinjustierung

Bei der Feinjustierung des Umwerfers kann ein Zwischenstück (als Schraubstück im Zug montiert) erforderlich sein. Dieses dient dazu, den Umwerfer optimal einzustellen.

Auch die Kettenlinie sollte beachtet werden. Trekkingkurbeln haben oft eine andere Kettenlinie als Rennradkomponenten, was zu Problemen führen kann.

Bremsen: V-Brakes und STI-Hebel

Die Kombination von V-Brakes und STI-Hebeln ist möglich, wird aber nicht immer empfohlen. Es gibt jedoch Räder, die ab Werk mit dieser Kombination angeboten werden.

Wichtig ist, dass die Bremshebel eine Einstellmöglichkeit zur Feinjustierung bieten, um den Bremsbelag-Verschleiß auszugleichen.

Alternative Lenkerformen

Eine weitere Überlegung ist die Montage eines Triathlonlenkers. Hierfür werden Lenkerendschalthebel und spezielle Bremshebel benötigt.

Fazit

Der Umbau eines Fahrrads von einem geraden Lenker auf einen Rennlenker mit Shimano 105 Schalthebeln ist ein komplexes Thema, das sorgfältige Planung und die Berücksichtigung verschiedener Faktoren erfordert. Durch die richtige Auswahl der Komponenten und die Anpassung der Einstellungen kann jedoch ein zufriedenstellendes Ergebnis erzielt werden.

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