Bei der Auswahl eines Schaltwerks für ein Rennrad spielen verschiedene Faktoren eine Rolle, darunter die Länge des Schaltkäfigs. Dieser Artikel beleuchtet die Unterschiede zwischen Schaltwerken mit langem Käfig (SGS) und kürzerem Käfig bei Shimano 105 10-fach Schaltungen.
Grundlagen der Rennrad-Schaltgruppen
Vorab eine kurze Einführung: Für all diejenigen, die mit dem Begriff Rennrad-Gruppe noch nichts anfangen können - eine Gruppe besteht aus den Bremsen und dem Antrieb, der wiederum aus Kurbel, Kettenblättern, Kette, Kassette, Schaltwerk- und Umwerfer sowie Schalthebeln besteht. Sie stellt also ein abgeschlossenes System dar, welches das Fahrrad nach vorne bewegt und auch dank der Bremsen wieder zum Stehen bringt.
Wenn es an die Auswahl der passenden Gruppe bzw. Rennrad-Schaltung geht, gilt das grundsätzliche Prinzip: Je mehr du investiert, desto bessere Qualität bekommst du. Schaltgruppen in höheren Preisklassen sind effizienter, langlebiger und ermöglichen einen leichtgängigeren Schaltvorgang, alles bei einem geringeren Gewicht. Einsteigermodelle werden nämlich häufig aus Aluminium minderer Qualität gefertigt, was zwar eine solide Funktionalität ermöglicht, aber darüber hinaus eben nicht mit teureren Gruppen mithalten kann. Hier findet man erst hochwertigere Aluminiumlegierungen, bis man bei den Top-Varianten aus federleichtem Carbon und Titan ankommt.
Mechanische vs. Elektrische Gruppen
Die Komponentenhersteller haben alle eine breite Auswahl an Schaltgruppen im Angebot, sowohl mechanische als auch elektrische. Die drei großen im Rennradgeschäft, Shimano, SRAM und Campagnolo, haben jeweils eine eigene Technologie, mit der sie das elektronische Schalten ermöglichen. EPS von Campagnolo steht für „Eletronic Power Shift“, Shimano hat mit Di2 die „Digital Integrated Intelligence“ und SRAM nutzt eTap, was „electronic tap“ heißen soll. Während damals die großen Hersteller noch auf Signalübertragungen per Kabel setzten, um Schaltvorgänge mit einem Signal über die Hebel einzuleiten, hat SRAM mit dem eTap-System 2015 eine Weltneuheit vorgestellt, die komplett kabellos funktioniert. Mithilfe eines eigenen Protokolls läuft die Kommunikation der einzelnen Komponenten in etwa so ab wie mit ANT + oder Bluetooth.
Die Vorteile der elektronischen Schaltung liegen in einem präziseren Schaltvorgang, einer leichteren Bedienung der Schalthebel, hoher Benutzerfreundlichkeit, einer höheren Schaltgeschwindigkeit sowie hoher Funktionalität, z.B. durch programmierbaren Schaltungen sowie dem Download von Schaltvorgängen zur Auswertung des Schaltverhaltens. Die Nachteile im Vergleich zur mechanischen Variante liegen in der Notwendigkeit eines geladenen Akkus und einem höheren Anschaffungspreis.
Mechanische Schaltungen arbeiten mit Kabeln, welche die Schalthebel mit dem Schaltwerk und dem Umwerfer verbinden und am Rahmen entlang oder hindurch laufen. Indem man über die Hebel die Spannung der Kabelzüge verändert, wird der Schaltvorgang ausgelöst. Die Vorteile dieser gängigen Variante lagen lange Zeit beim leichteren Gewicht - auch weil kein Akku oder zusätzliche Kabelkästen verbaut werden müssen. Mittlerweile sind die Gewichtsunterschiede jedoch zu vernachlässigen, da es sich nur noch um wenige Gramm handelt.
Einfach-, Zweifach- oder Dreifach-Kurbel?
Traditionell wird bei Rennrädern auf die Zweifach- oder Dreifach-Kurbel gesetzt. Die Kurbel besteht dabei aus zwei Kurbelarmen die auf einer Tretlagerwelle liegen und ist in der Regel zwischen 160mm und 175mm lang. Die Zweifach-Kurbel hält zwei, die Dreifach-Kurbel drei Kettenblätter. Aus dem MTB-Sport kann in den letzten Jahren auch die Einfach-Kurbel in den Rennrad-Bereich und wird hauptsächlich bei Cyclocross-Rädern eingesetzt. Eine Einfach-Kurbel minimiert natürlich die Fehleranfälligkeit der Kurbel, da kein Umwerfer nötig ist. Die meisten Rennräder nutzen allerdings eine Zweifach-Kurbel, die Dreifach-Kurbel findet man hauptsächlich bei Einsteiger- und Freizeit-Rädern.
Zweifach-Kurbeln lassen sich in Compact-Kurbeln, Mid-Compact (oder Pro-Compact)-Kurbeln und Standard-Kurbeln einteilen. Letztere hat beim großen Kettenblatt 53 Zähne und beim kleinen 39 Zähne und wird häufig von den Profis eingesetzt. Die Compact-Variante setzt auf 50 Zähne beim großen Kettenblatt und 34 beim kleinen, was für angenehmere Übersetzungen vor allem bei Anstiegen sorgt. Die neueste Option Mid-Compact liegt dazwischen mit 52 Zähnen / 36 Zähnen. Für Freizeiträder, Fitnessbikes und Cyclocrosser wird häufig eine Zweifach-Kurbel mit 46/36 Zähnen verwendet. Eine Dreifach-Kurbel hat meistens ein großes Kettenblatt mit 50, dann eines mit 39 und das kleinste mit 30 Zähnen.
Die Kettenblätter vorne sind die Grundlage für die Übersetzungsbandbreite, die dann von der Kassette hinten komplettiert wird. Die Kassette besteht aus mehreren Ritzeln, aktuell meist 11, was bei einer Zweifach-Kurbel 22 Gänge ergibt. Einsteiger-Gruppen nutzen auch 8-10-fach Kassetten. Die Gangzahl ist auch für die Kompatibilität entscheidend - man kann beispielsweise nicht einfach eine Kette einer 11-fach Schaltung mit einer Kette einer 8-fach-Schaltung ersetzen. Am besten bleibt man der Gruppe treu und mischt die Antriebskomponenten nicht, um die maximale Performance zu erhalten.
Die Ritzel einer 11er Kassette sind dünner, damit die Extra-Anzahl an Gängen auch passt, und sorgt gleichzeitig für leichtgängigeres Schalten. Die am weitesten verbreiteten Übersetzungen bei Rennrad-Kassetten liegen bei 11-25 und 11-28, wobei das kleinste Ritzel 11 Zähne und das größte entweder 25 oder 28 Zähne hat. Die Ritzel dazwischen sorgen dafür, den Schaltvorgang vom größten zum kleinsten bzw. umgekehrt so komfortabel und reibungslos wie möglich zu machen. Je größer der Unterschied zwischen größtem und kleinsten Ritzel, desto mehr muss sich die Kette bewegen, und desto weniger konstant ist die Kadenz des Fahrers beim Schaltvorgang.
Ein Rennrad mit kleineren Kettenblättern und einer großen Kassette sorgt für eine höhere Bandbreite bei den Gängen und leichtgängigere Übersetzungen, während große Kettenblätter und kleinere Kassetten für hohe Geschwindigkeiten und weniger Gänge sorgen.
Was bedeuten SS, GS und SGS?
SS, GS und SGS sind Bezeichnungen, die die Länge des Schaltkäfigs am Schaltwerk bestimmen. Von dieser Länge ist abhängig, wieviel Zähne ich vorne an der Kurbel und hinten am Zahnkranz verwenden kann. SS steht hier zu kurzer Käfig, GS für mittellanger Käfig (bei MTB auch kurzer Käfig genannt) und SGS für einen langen Käfig.
Bei einem Shimano XT Schaltwerk hat das GS Schaltwerk eine Gesamtkapazität von 35 Zähnen, das SGS Schaltwerk von 45 Zähnen.
Schaltkapazität
Die Länge des Schaltwerks wird nicht durch die Größe der Räder bestimmt, sondern durch die Schaltkapazität. Die Schaltkapazität ist entscheidend, um sicherzustellen, dass das Schaltwerk die Kette ausreichend spannen kann. Das Schaltwerk mit dem langen Käfig kann logischerweise ein längeres Stück Kette "wuppen". Wenn du also hinten eine weit gespreizte Kassette (11-34) hast und vorne mehrere Blätter, dass wirst du ein langes Schaltwerk brauchen.
Es gibt doch für jedes Schaltwerk Angaben, welche maximale Ritzelgröße und welche Gesamtschaltkapazität es hat. Für die beiden Schaltwerke sind seitens Shimano sog. Kapazitäten angegeben. Damit wird angegeben, wieviel Kettenlängenausgleich möglich ist. Der Bedarf berechnet sich aus der Summer der Zähnezahldifferenzen von vorne und hinten (im og Bsp.
Angenommen du hast vorne Kettenblätter mit 30 und 50 Zähnen und hinten die 11-34 Zähne brauchst du für 30-11 eine wesentich kürzere Kette, als für 50-34.
Berechnung der Kapazität
Um die benötigte Kapazität zu berechnen, addiert man die Differenz der Zähne vorne und hinten.
Beispielrechnung zur Ermittlung der max. Differenz vorne und der Kapazität:
- 3-fach-Kurbelgarnitur mit einer Abstufung von 48-36-26 Zähnen
- 48 - 26 = 22 Zähne = max. Differenz vorne
- 10-fach-Kassette mit einer Abstufung von 11-32 Zähnen
- 32 - 11 = 21 Zähne
- Addition der Teilergebnisse zur Ermittlung der Kapazität:
- 22 + 21 = 43 Zähne = Kapazität
Shimano 105 im Überblick
Die Shimano 105 ist für viele die erste wirklich brauchbare Rennrad-Schaltung, wenn es an die Wettbewerbsfähigkeit geht. Sie ist höchstsolide, zuverlässig und hat zahlreiche innovative Features von teureren Gruppen wie der Ultegra und der Dura-Ace geerbt. Mit einer 12-fach Kassette teilt sich die 105 die gleiche Gangzahl wie die gerade genannten Top-Modelle, sodass man hier bedenkenlos upgraden kann, wenn es denn Zeit wird. Bei den Kurbeln bietet Shimano seit Kurzem die 1:1 Übersetzung an, neben der klassischen Zweifachkurbel.
Die neueste Generation R7100 belebt Rennradfahren neu. Die ergonomischen Dual-Control-Hebel passen zu einer Vielzahl unterschiedlicher Handgrößen, während die 1:1-Übersetzung des Antriebs hervorragende Kletteroptionen bereithält.
Weitere Shimano Schaltgruppen
Neben der Shimano 105 gibt es noch weitere Schaltgruppen, die sich in Preis und Leistung unterscheiden:
- Claris: Die Shimano Claris ist die Einsteiger-Gruppe des Herstellers und eignet sich vor allem für Rennrad-Einsteiger und Freizeitfahrer.
- Sora: Die Sora ist in Sachen Funktion und Qualität vergleichbar mit der Claris, kann aber mit seiner 9-fach Kassette einen Extra-Gang verbuchen.
- Tiagra: Mit der Shimano Tiagra sind wir im echten Rennrad-Geschäft unterwegs. Die Schaltung mit 10-fach Kassette ist dank seiner verbesserten Performance und Widerstandsfähigkeit an vielen Rennrädern und sogenannten All-Road-Bikes zu finden, wobei letztere auch im Offroad-Bereich eingesetzt werden können.
- Ultegra: Die Ultegra ist für ambitionierte Hobbysportler und in der Funktionalität identisch mit dem Top-Model Dura-Ace.
- Dura-Ace: Die Dura-Ace Schaltung ist die Referenzklasse von Shimano. Ein Materialmix aus Carbon, Titan und hochwertigem Aluminium sorgt für höchste Zuverlässigkeit, die präzise Fertigung nach höchsten Standards für ein unvergleichliches Schaltgefühl.
Zusammenfassung
Die Wahl des richtigen Schaltwerks hängt von der gewünschten Übersetzungsbandbreite und der Anzahl der Gänge ab. Ein längerer Käfig ist notwendig, wenn eine Kassette mit großer Spreizung verwendet wird. Die Shimano 105 bietet eine gute Balance zwischen Preis und Leistung und ist für viele Rennradfahrer eine ausgezeichnete Wahl.
| Schaltgruppe/Modell | Ganganzahl | Typ | Einsatzbereich | Besonderheiten |
|---|---|---|---|---|
| Claris | 8-fach | Mechanisch | Einsteigerklasse | Robust, einfach zu bedienen, kostengünstig. |
| Sora | 9-fach | Mechanisch | Freizeit und Fitness | Ideal für längere Touren. Einsteigerklasse, erschwinglich, zuverlässig, für Freizeitfahrer. |
| Tiagra | 10-fach | Mechanisch | Tourenfahrer und Training | Präzisere Schaltvorgänge. Mittelklasse, robust, ideal für Training und Touren. |
| 105 | 11- oder 12-fach | Mechanisch/Elektronisch | Mittelklasse | Mechanisch oder Di2 (12-fach), vielseitig, präzise, ideal für Hobbyfahrer. |
| Ultegra | 12-fach | Mechanisch/Elektronisch | Fortgeschrittene und Rennen | Leicht, präzise, mechanisch oder Di2 verfügbar. |
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