Ursachen und Lösungen für schleifende Shimano 105 Scheibenbremsen

Der Trend ist klar: An Rennrädern mit Scheibenbremsen wird sich in Zukunft jeder Road Biker gewöhnen müssen. Alle großen Hersteller von Antriebsgruppen sind mittlerweile auf den Zug aufgesprungen, auch eine immer größer werdende Zahl von Fahrradherstellern bevorzugt inzwischen das zugegebenermaßen einfach überlegene Bremssystem. Die Chancen stehen gut, dass auch dein nächstes Rennrad - oder vielleicht auch das übernächste - Scheibenbremsen hat. Bei allen Vorteilen haben sie aber auch ihre Eigenheiten und Nachteile.

Da das Thema Scheibenbremsen bei Rennrädern stets kontrovers diskutiert wird und häufig Halbwissen ausgetauscht wird, ist es wichtig, die häufigsten Ursachen für Probleme wie Schleifen zu kennen und zu wissen, wie man diese behebt. Dieser Artikel konzentriert sich auf die Shimano 105 Scheibenbremse und bietet detaillierte Anleitungen zur Fehlerbehebung.

Grundlagen der Scheibenbremse

Scheibenbremsen gibt es nicht erst seit gestern, tatsächlich waren die ersten Prototypen in schon in den 1950ern unterwegs. Im Mountainbike-Bereich wurden die Vorteile von Scheibenbremsen früh erkannt, dort gehören sie seit ungefähr 20 Jahren zur Standardausstattung. Aber was ist ihr Geheimnis? Eigentlich ganz einfach…

Scheibenbremsen verlagern die Angriffsfläche der Bremse von der Felge auf eine spezielle Schiebe - meist ist sie aus Stahl - die an der Nabe befestigt ist. Das ist auch schon alles. Grundsätzlich unterscheiden sich die Bremszangen von Scheibenbremsen auch nicht von denen, die du an Felgenbremsen findest, sie sind viel kleiner und das Material ist wesentlich härter als die verschiedenen Gummimischungen, die bei Felgenbremsen verwendet werden.

Mechanische vs. hydraulische Bremsen

Eine mechanische Scheibenbremse funktioniert ziemlich genau wie eine klassische Felgenbremse. Der Bremshebel ist über den Bremszug mit dem Bremssattel verbunden, wenn du den Bremshebel ziehst, löst der Zug einen Bremskolben aus, der der einen einzelnen Bremsklotz bewegt, und zwar in Richtung der Bremsscheibe, die dann zwischen dem beweglichen und einem starren Bremsklotz eingeklemmt wird. Manche mechanischen Bremsen, die TRP Spare zum Beispiel, haben auch zwei bewegliche Bremsklötze, die gleichzeitig gegen den Rotor drücken.

Eine hydraulische Bremse ähnelt noch mehr einer modernen Autobremse, hier wird der Druck durch Flüssigkeit übertragen. Die Flüssigkeit befindet sich im Hauptbremszylinder, der sich innen im Bremshebel versteckt. Wenn du am Bremshebel ziehst, wird die Flüssigkeit aus dem Zylinder und in den Bremsschlauch gepresst. Diese Flüssigkeit drückt dann die Kolben des Bremssattels an beide Seiten des Rotors.

Mechanische Bremsen sind äußerst zuverlässig, die Züge und der Bremskörper sind aber weniger effizient in Sachen Kraftübertragung, Schmutz setzt sich leichter fest und sie müssen immer wieder manuell nachjustiert werden, da die Bremsklötzchen sich abnutzen. Im Gegensatz dazu gleichen hydraulische Bremsen automatisch den Verlust an Bremsbelag aus, sie sind leichter, und rundum versiegelt gegen Umwelteinflüsse. Zusätzlich dazu hat ein hydraulisches System weniger Kraftverlust durch Reibung zu verzeichnen, wenig Zug am Bremshebel generiert jede Menge Bremskraft.

Häufige Ursachen für schleifende Scheibenbremsen

Eine schleifende Scheibenbremse kann verschiedene Ursachen haben. Hier sind die häufigsten:

  • Verschmutzte Bremsbeläge oder Bremsscheibe: Öl, Fett oder andere Verunreinigungen können die Bremsleistung beeinträchtigen und Geräusche verursachen.
  • Verzogene Bremsscheibe: Durch Hitze oder mechanische Einwirkung kann sich die Bremsscheibe verformen.
  • Falsch ausgerichteter Bremssattel: Wenn der Bremssattel nicht mittig zur Bremsscheibe sitzt, schleifen die Beläge.
  • Schwergängige Bremskolben: Wenn die Kolben nicht gleichmäßig zurückfahren, kann ein Belag schleifen.
  • Lockere Schrauben: Lose Schrauben am Bremssattel oder der Bremsscheibe können Vibrationen und Geräusche verursachen.
  • Ungleichmäßig abgenutzte Bremsbeläge: Dies kann auf schwergängige Bremskolben hindeuten.
  • Achter im Laufrad: Ein Höhen- oder Seitenschlag im Laufrad kann sich auf die Bremsscheibe auswirken.

Schritt-für-Schritt-Anleitung zur Fehlerbehebung

  1. Überprüfen der Verschraubungen: Kontrollieren Sie alle Verschraubungen von Bremssattel und -scheibe. Lose Teile können in Schwingungen geraten, die sich auf andere Bereiche übertragen.
  2. Reinigen von Bremsbelägen und Bremsscheibe: Häufigste Ursache für Scheibenquietschen sind verschmutzte Beläge bzw. Wasser auf der Bremsscheibe; meist lässt dabei auch die Bremskraft nach. Ist Wasser die Ursache, verschwindet das Geräusch in der Regel nach starken Bremsungen, und die Bremskraft normalisiert sich wieder. Verölte oder mit anderen Chemikalien verunreinigte Beläge sind aber meist nicht mehr zu retten - dann müssen Sie neue Beläge montieren und unbedingt die Scheibe mit Bremsenreiniger säubern.
  3. Überprüfen der Montage des Bremssattels: Sitzt der Bremssattel leicht verkantet an Gabel bzw. Rahmen, treffen die Beläge nicht plan auf die Scheibe und können dadurch quietschen. Ursache können Lackreste an den Montagepunkten sein. Sie können den Lack vorsichtig abschaben oder ­einen Händler bitten, die Schraubenaufnahmen mit einem speziellen Werkzeug plan zu fräsen.
  4. Nachjustieren des Bremssattels: Schleift die Rennrad-Bremse nur nach starken Bremsungen, verziehen sich unter Last die Teile. Justieren Sie den Bremssattel neu und ziehen Sie die Schrauben mit dem vorgegebenen Drehmoment an. Bei Laufrädern mit Schnellspannachsen kann sich auch das Laufrad in den Ausfallenden verschieben: Die Erfahrung zeigt, dass nur stabile Schnellspanner mit hoher Klemmkraft den Belastungen standhalten. Keine Leichtbauteile verwenden!
  5. Richten der Bremsscheibe: Ice-Tech-Scheiben von Shimano können nach starken Bremsungen leicht schleifen, weil sie sich durch die Hitze etwas verziehen. Das Schleifen sollte aber nach kurzer Zeit wieder verschwinden. Ist die Scheibe verbogen, muss sie zentriert werden. Zur Not geht das von Hand: einfach gefühlvoll in die gewünschte Richtung drücken. Präziser gelingt es mit einem geschlitzten Zentrier­werkzeug, mit dem man die Scheibe besser fassen kann und einen größeren Hebel hat.
  6. Reinigen der Bremskolben: Stellt sich einer der Kolben im Sattel der Scheibenbremse nicht komplett zurück, schleift er dauerhaft an der Scheibe. Dann hilft es, die Kolben zu reinigen und zu mobilisieren.
  7. Bremssattel einstellen: Sitzt der Bremssattel nicht mittig über der Scheibe oder nicht parallel, wird der Druckpunkt schwammig: Beim Bremsen wird zuerst die Scheibe etwas gebogen, bevor die Bremse richtig greift. Stellen Sie die Bremse zuerst exakt ein.
  8. Bremskolben überprüfen: Hängt einer der beiden Kolben im Bremssattel, arbeitet die Bremse nur einseitig, der Druckpunkt wird unsauber. Meist ist Dreck die Ursache; säubern Sie den Bremssattel zunächst bei ausgebauten Belägen gründlich von innen mit Reiniger und Wasser. Drücken Sie die Kolben mit dem Bremshebel etwas heraus, beträufeln Sie die Flanken mit etwas Bremsflüssigkeit und drücken Sie sie anschließend vorsichtig mit einem speziellen Abstandshalter oder einem Stück Holz ins Gehäuse zurück. Danach die Bremse neu einstellen.

Detaillierte Schritte zur Problemlösung

1. Bremssattel ist falsch montiert

Wenn deine Scheibenbremse schleift und das Nachstellen nicht hilft, kann es auch daran liegen, dass der Bremssattel falsch montiert oder der Adapter falsch herum gedreht ist. Dadurch stimmt der Abstand zwischen Bremsscheibe und Bremssattel, auch Bremskörper genannt, nicht. Die richtige Montagerichtung ist auf dem Adapter angegeben, meist mit einem Pfeil nach oben.

2. Bremsbeläge sind ungleichmäßig abgenutzt

Wenn die Bremsbeläge ungleichmäßig abgenutzt sind, kann dies ebenfalls zum Schleifen der Scheibenbremse führen und ist ein Hinweis auf schwergängige Bremskolben (nächster Schritt). Abgefahrene Bremsbeläge können auch Schleifgeräusche verursachen.

3. Schwergängige Bremskolben

Wenn die Bremskolben schwergängig sind, drücken diese die Bremsbeläge ungleichmäßig an die Scheibe, was wiederum zu Schleifen führen kann. Manche Scheibenbremsen haben zwei, andere vier Kolben. Nachdem man die Bremsbeläge ausgebaut hat, können die Kolben mit einem Reifenheber aus Plastik zurückgedrückt werden. Durch mehrmaliges Betätigen der Bremse kommen die Kolben wieder zum Vorschein. Man sollte sie aber nicht weiter als 2 bis 3 Millimeter herausdrücken, da sich sonst das Bremssystem öffnet und die gesamte Bremse entlüftet werden muss. Durch das Rein- und Rausdrücken werden die Kolben wieder gängig. Zusätzlich kann man jeweils einen Tropfen Bremsflüssigkeit auf die Kolben geben. Bevor man die Beläge dann wieder einbaut, sollte man aber mit Bremsenreiniger überschüssige Bremsflüssigkeit entfernen.

4. Achter im Laufrad

Wenn die Bremsscheibe deines Fahrrads sowohl am linken als auch am rechten Bremsbelag schleift, kann das bedeuten, dass die Bremsscheibe verbogen ist. Bevor du die Bremsscheibe verbiegst, solltest du aber unbedingt prüfen, ob das Rad selbst keinen Achter hat. Das kann sich nämlich auch auf die Bremsscheibe auswirken. Bevor man also zum Scheibenrichtwerkzeug greift, sollte man das Rad zentrieren.

5. Bremsscheibe ist verbogen

Hast du die anderen Fehlerquellen gecheckt und die Bremsscheibe schleift noch immer auf beiden Seiten, kannst du versuchen, sie mit einem Bremsscheibenrichtwerkzeug zu zentrieren. Feinfühlige, kleine Schritte sind hier der Schlüssel zum Erfolg. Überprüfe immer wieder genau, an welcher Stelle und Seite die Scheibe schleift. Sonst läuft man Gefahr die Scheibe noch weiter zu verbiegen.

Zusätzliche Tipps und Informationen

  • Quietschen bei Nässe: Bei Regen oder niedrigen Temperaturen quietscht so gut wie jede Scheibenbremse. In diesem Fall musst du dir keine Sorgen machen.
  • Einbremsen neuer Bremsbeläge: Viele Bremsenhersteller wie Shimano oder Magura sprechen hier von etwa 20 bis 30 stärkeren Bremsungen - beispielsweise bergab - bis die Bremsbeläge eingebremst sind.
  • Verglaste Bremsbeläge: Das „Verglasen“ lässt sich bei Bremsbelägen an einer glänzenden, Glas-ähnlichen Oberfläche erkennen. Alle Bremsenhersteller empfehlen jedoch einen verglasten Bremsbelag auszutauschen, da dieser nicht mehr die volle Bremsleistung bieten kann.
  • Kontaminierte Bremsbeläge: Bei einer Scheibenbremse reicht oft schon ein winziger Tropfen Öl oder Fett zur Kontamination. In den meisten Fällen ist Kettenöl der Verursacher. Die Bremsbeläge lassen sich leider nicht mehr weiterverwenden. Die Bremsscheibe kann in den meisten Fällen nach einer gründlichen Reinigung weiterverwendet werden.

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