Der Umwerfer ist ein wichtiger Bestandteil der Kettenschaltung am Fahrrad. Er steuert den Lauf der Kette auf den verschiedenen Kettenblättern. Insbesondere beim Mountainbiken kann der Umwerfer durch Stöße und Stürze beeinträchtigt werden, was eine Neueinstellung erforderlich machen kann. Die Schaltung ist das Herz eines jeden Rennrads.
Nur wenn die Schaltvorgänge knackig und ohne Verzögerung funktionieren, entfaltet das Rad seine wahre Kraft und hat man maximalen Spaß beim Kilometersammeln. Angesichts der unterschiedlichen Schaltsysteme und Hersteller ist es aber gar nicht so einfach zu wissen, an welchen Stellschrauben man drehen muss, um die Schaltung an seinem Rennrad perfekt einzustellen, so dass alle Gänge flutschen und die Kette nicht hakelig über die Ritzel hüpft.
Da die Mehrheit der Rennradfahrer aber Schaltgruppen von Shimano (von Shimano 105 über Ultegra bis Dura-Ace) an ihren Rädern verbaut hat, liegt unser Fokus bei den Schraubertipps auf den Antrieben der Japaner.
Vorbereitung und Grundeinstellung
Wenn Sie Ihren Fahrradumwerfer im ersten Schritt zunächst grob ausrichten, wird Ihnen die Feinjustierung später leichter von der Hand gehen. Bevor es an die Feinausrichtung geht, müssen Sie den Schaltzug wieder einspannen.
Position kontrollieren
- Schalten Sie aufs größte Ritzel und aufs kleinste Kettenblatt. Die Unterkante des Umwerfer-Leitblechs sollte gleichmäßig etwa zwei Millimeter über dem großen Kettenblatt verlaufen. Moderne Kettenblätter haben teils unterschiedlich geformte Zähne - die höchsten sind der Maßstab für den Abstand!
- Schauen Sie von oben, vorne und hinten auf Umwerfer und Kettenblatt. Das äußere Leitblech muss parallel zu den Kettenblättern stehen. Fällt Ihnen die Einschätzung schwer, drücken Sie den Schalthebel leicht, damit das Leitblech direkt über den Zahnspitzen steht.
- Ist eine dieser beiden Bedingungen nicht erfüllt, entspannen Sie den Schaltzug, indem Sie aufs kleine Kettenblatt schalten. Lösen Sie die Befestigungsschraube des Umwerfers an der Rahmenbefestigung oder an der Klemmschelle am Rahmen, indem Sie sie ein bis zwei Umdrehungen gegen den Uhrzeigersinn bewegen.
- Justieren Sie den Umwerfer und halten Sie ihn in der richtigen Position fest. Drehen Sie die Schraube wieder gemäß Herstellerempfehlung fest (bei Sockelbefestigung meistens 5 bis 7 Newtonmeter).
- Schellen an Carbonrahmen müssen Sie umsichtig festschrauben. Beginnen Sie mit 2,5 Newtonmeter und steigern Sie in Schritten von 0,5 Newtonmeter, bis die Schelle verdrehsicher sitzt.
- Hält der Umwerfer bei 3,5 Newtonmeter noch nicht, tragen Sie an der Schellen-Innenseite Carbonmontagepaste auf. Kontrollieren Sie dann erneut, ob das Leitblech nun richtig ausgerichtet ist.
Feinjustierung des Umwerfers
Einstellen der Endanschläge
- Kontrollieren Sie den Abstand des inneren Leitblechs zur Kette bei entspanntem Zug (Kette auf dem kleinen Blatt). Drehen Sie dazu die Kurbel - die Kette darf nicht streifen, der Abstand muss jedoch so klein wie möglich sein. Mehr als ein halber Millimeter Abstand kann dazu führen, dass die Kette beim Schalten abgeworfen wird. Stellen Sie den Abstand mit der innen liegenden Endanschlagschraube ein.
- Diese Schraube lässt sich meist nur schwer drehen, weil der Umwerfer mit hoher Federkraft aufliegt; entlasten Sie die Schraube, indem Sie den Werferkäfig von Hand etwas nach außen schwenken. Drehen Sie die innere Schraube in Viertelumdrehungen im Uhrzeigersinn ein, bis die Stellung des Umwerfers stimmt.
Einstellen der Zugspannung
- Überprüfen Sie die Zugspannung: Dazu muss die Spannschraube des Umwerferschaltzuges am Unter- oder Steuerrohr ganz hineingedreht und der Schaltgriff entspannt sein (Kette auf dem kleinen Kettenblatt). Ziehen Sie den Zug probeweise vom Unterrohr weg - der Umwerfer sollte sich dann möglichst unmittelbar bewegen.
- Ist dies nicht der Fall, drehen Sie die Spannschraube (Bild 5) an der Klemmschelle eine Umdrehung heraus. Straffen Sie den Zug, indem Sie ihn festhalten, die Zugklemmschraube (Bild 4) ein bis zwei Umdrehungen öffnen, den Zug straffziehen und wieder klemmen (Drehmoment 5 bis 7 Newtonmeter). Schalten Sie auf ein mittleres Ritzel und aufs große Kettenblatt.
- Klettert die Kette nicht, ist die Zugspannung noch zu gering. Spannen Sie den Zug mit der Spannschraube an Steuerrohr oder Unterrohr um eine halbe Umdrehung entgegen den Uhrzeigersinn. Versuchen Sie erneut, auf das große Blatt zu schalten. Straffen Sie den Zug so lange, bis das problemlos klappt.
- Lassen Sie die Kette auf dem großen Blatt, schalten Sie aufs kleinste Ritzel. Der Umwerfer muss möglichst eng an die Kette justiert werden, damit diese nicht nach außen abgeworfen wird. Schalten Sie aufs kleine Kettenblatt. Drehen Sie die äußere Endanschlagschraube eine Viertelumdrehung ein. Schalten Sie wieder hoch. Wiederholen Sie das so oft, bis die Einstellung stimmt.
Zusätzliche Tipps und Hinweise
- Probleme beim Hochschalten: Treten Probleme beim Hochschalten auf, muss die Zugspannung erhöht werden.
- Kettenabwürfe verhindern: Wird die Kette nach innen oder nach außen von den Kettenblättern geworfen, müssen Sie die Anschlagschrauben neu justieren.
- Umwerferabstützung: Die Umwerfer der jüngsten Shimano-Schaltungsgenerationen (auch Di2) sowie die der elektrischen SRAM eTap Schaltungen müssen sich am Rahmen abstützen, damit eine saubere Funktion gewährleistet ist.
Zum Einstellen des unteren Anschlags des Rennrad-Umwerfers benötigen Sie die sogenannte L-Schraube (= low). Schalten Sie hierfür zunächst auf das kleinste Kettenblatt und hinten auf das größte Ritzel. Der untere Anschlag ist optimal eingestellt, wenn das innere Leitblech maximal 1 mm von der Fahrradkette entfernt ist. Wird die L-Schraube nach rechts gedreht, wandert der Umwerfer nach außen, also vom Fahrradrahmen weg.
Um den oberen Anschlag des Umwerfers vom Rennrad korrekt einzustellen, benötigen Sie die H-Schraube (=high). Dieser ist korrekt eingestellt, wenn das äußere Leitblech maximal 1 mm von der Fahrradkette entfernt ist. Schalten Sie zunächst vorne auf das größte Kettenblatt und hinten auf das kleinste Ritzel. Durch das Drehen der H-Schraube nach rechts bewegt sich der Umwerfer zum Fahrradrahmen hin. Möchten Sie den Umwerfer zur anderen Seite korrigieren, drehen Sie die H-Schraube nach links. Gehen Sie bei den Korrekturen möglichst feinfühlig und Schritt für Schritt vor.
Sind Probleme beim Sprung vom größeren auf ein kleineres Kettenblatt vorhanden, muss die Zugspannung gelockert werden. Beim Rennrad verwenden Sie zum Einstellen der Spannung den Schaltzugeinsteller.
Abschließende Überprüfung
Führen Sie eine Probefahrt durch, um Ihre Einstellungen zu überprüfen. Schalten Sie intensiv rauf und runter. Wenn Sie noch weitere Korrekturen vornehmen müssen, gehen Sie am besten sehr feinfühlig und in kleinen Schritten vor.
Gegenkontrolle: Bei Shimano-Umwerfern prüfen Sie die richtige Zugspannung, indem Sie aufs größte Kettenblatt und größte Ritzel schalten. Bei entspannter Trimmstufe (sofern vorhanden) darf der Umwerfer zur Kette einen Abstand von maximal 0,5 Millimetern haben.
Funktonstest: Testen Sie die Schaltungseinstellung vor der Fahrt gründlich! Während das Rad im Montageständer hängt, schalten Sie bei wechselnder Kurbeldrehzahl mehrmals schwungvoll vom großen aufs kleine Blatt, wenn hinten das größte Ritzel aufliegt. Wiederholen Sie die Prüfung mit der Kette auf dem kleinsten Ritzel.
Probefahrt: Machen Sie nach der Einstellung eine Testfahrt abseits des Straßenverkehrs und schalten Sie nochmals alle Gänge durch.
Kontrolle: Kontrollieren Sie die Schrauben der Zugbefestigungen und die Befestigung von Schaltwerk und Umwerfer mit einem Drehmomentschlüssel gemäß den Angaben Ihres Schaltungsherstellers nach 100 bis 300 Kilometern Fahrt, danach alle 2.000 Kilometer.
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