Insbesondere bei Vielfahrern und Sportfahrern (z.B. Rennrad, Triathlon Bike etc.) können perfekt aufeinander abgestimmte Fahrradteile den Unterschied ausmachen. Wer im sportlichen Bereich unterwegs ist, verwendet nicht selten auch hochwertigere Bauteile.
Diese können ihre volle Leistung und Qualität nur abrufen, wenn sie optimal eingestellt sind. Ein weiterer Effekt ist, dass nur im bestmöglichen Zusammenspiel der vermeidbare Verschleiß minimiert werden kann. Ist zum Beispiel die Schaltung an Ihrem Rennrad nicht gut eingestellt, kann die Kette über die Ritzel rutschen und somit die ungewünschte Abnutzung der mitunter teuren Bauteile erhöhen. Rennradfahrer ärgern sich außerdem über die schlechten Schalteigenschaften.
Die beste Schaltung am Rennrad nützt nicht viel, wenn naheliegende Komponenten nicht in einem einwandfreien Zustand sind. Prüfen Sie also zunächst, ob zum Beispiel alle Züge und Hüllen noch intakt sind.
Grundlegende Funktionsweise des Umwerfers
Der sogenannte Umwerfer begegnet uns bei Kettenschaltungen am Fahrrad. Bei Betätigung des Schalthebels steuert er vorne den Lauf der Fahrradkette auf den verschiedenen Kettenblättern. Das grundlegende Funktionsprinzip der vorderen Schaltung am Fahrrad ist bewährt und simpel: Ein Leitblech drückt die Kette in Richtung des Kettenblattes, auf das Du schalten willst. Die Einstellung des Umwerfers umfasst im Prinzip nur die Ausrichtung dieses Leitblechs zu den Kettenblättern und ein paar Vorgaben, wie weit es sich in welche Richtung bewegen kann. Hast Du den Umwerfer einmal korrekt montiert und eingestellt, solltest Du für eine Weile Ruhe haben.
Werkzeuge und Hilfsmittel
Schwierigkeitsgrad: für begabte Hobbymechaniker
Werkzeug:
- Innensechskant-Schlüssel (2, 4 und 5 mm)
- Drehmoment-Schlüssel mit Bits
- Schlitz- oder Kreuzschlitzschraubendreher
- ggf. Zange und Kabelschneider
Hilfsstoffe:
- Carbon-Montagepaste
Vorbereitung zur Montage
Da Du beim Justieren immer wieder Schalten musst und sich das Hinterrad dafür frei drehen können muss, empfehlen wir Dir, Dein Bike in einen Montageständer zu hängen. Ein Ständer, der nur das Hinterrad anhebt, tut es natürlich auch. Beim Einstellen des Umwerfers ist es auch nötig, hinten zu schalten. Das Schaltwerk solltest du darum also schon eingestellt haben.
Auswahl des passenden Mountainbike-Umwerfers
Umwerfer für Mountainbikes gibt es von Shimano und SRAM in einigen Varianten, die sich technisch grundlegend unterscheiden. Wenn Du einen neuen Umwerfer verbauen willst, ist es wichtig, das richtige Modell für Dein Bike auszuwählen. Dabei kannst Du den bisher verbauten als Vorlage nehmen oder in der Beschreibung des Herstellers nachschauen, welche Bauart mit Deinem Rahmen kompatibel ist. Wenn Du Dir unsicher bist, helfen wir Dir gerne weiter.
In den folgenden Aspekten unterscheiden sich Umwerfer hinsichtlich der Kompatibilität zum Rahmen:
- Befestigung am Rahmen (High- oder Low-Direct-Mount, E-Type, High-Clamp, Mid-Clamp, Low-Clamp)
- Zugführung (Front-Pull, Down-Pull, Top-Pull oder Dual-Pull)
Außerdem solltest Du die Reifenfreiheit beachten. An Bikes mit besonders kurzen Kettenstreben kann es sonst vorkommen, dass der Umwerfer mit den Seitenstollen breiter Reifen kollidiert, wenn Du auf das kleine Kettenblatt schaltest.
Die korrekte Montage des Umwerfers
Bevor Du den Umwerfer an Deinem Mountainbike einstellen kannst, solltest Du sicherstellen, dass er korrekt montiert ist. Von oben betrachtet sollte das Leitblech parallel zu den Kettenblättern stehen. Außerdem ist die Höhe wichtig. Zu niedrig montiert, stößt der Umwerfer gegen die Zähne des Kettenblattes. Zu hoch und er schaltet nicht korrekt. Die Leitbleche müssen parallel zur Kette verlaufen.
Zwischen Leitblech und Kettenblatt sollten an der engsten Stelle ca. 2-3 mm Abstand sein. Von der Seite geschaut, sollte zwischen dem Leitblech und Deinem größten Kettenblatt eine Lücke von etwa zwei bis drei Millimeter zu sehen sein. Beide Parameter - also die Richtung und die Höhe des Leitblechs - kannst Du variieren, indem du die Schelle oder Direct-Mount-Befestigung des Umwerfers leicht löst und nach dem Ausrichten des Leitblechs wieder festziehst. Achte dabei auch auf die empfohlenen Drehmomente!
Einstellen des Umwerfers
Position kontrollieren
- Schalten Sie aufs größte Ritzel und aufs kleinste Kettenblatt. Die Unterkante des Umwerfer-Leitblechs sollte gleichmäßig etwa zwei Millimeter über dem großen Kettenblatt verlaufen. Moderne Kettenblätter haben teils unterschiedlich geformte Zähne - die höchsten sind der Maßstab für den Abstand!
- Schauen Sie von oben, vorne und hinten auf Umwerfer und Kettenblatt. Das äußere Leitblech muss parallel zu den Kettenblättern stehen. Fällt Ihnen die Einschätzung schwer, drücken Sie den Schalthebel leicht, damit das Leitblech direkt über den Zahnspitzen steht.
- Ist eine dieser beiden Bedingungen nicht erfüllt, entspannen Sie den Schaltzug, indem Sie aufs kleine Kettenblatt schalten. Lösen Sie die Befestigungsschraube des Umwerfers an der Rahmenbefestigung oder an der Klemmschelle am Rahmen, indem Sie sie ein bis zwei Umdrehungen gegen den Uhrzeigersinn bewegen.
- Justieren Sie den Umwerfer und halten Sie ihn in der richtigen Position fest. Drehen Sie die Schraube wieder gemäß Herstellerempfehlung fest (bei Sockelbefestigung meistens 5 bis 7 Newtonmeter).
- Schellen an Carbonrahmen 6 müssen Sie umsichtig festschrauben. Beginnen Sie mit 2,5 Newtonmeter und steigern Sie in Schritten von 0,5 Newtonmeter, bis die Schelle verdrehsicher sitzt.
- Hält der Umwerfer bei 3,5 Newtonmeter noch nicht, tragen Sie an der Schellen-Innenseite Carbonmontagepaste auf. Kontrollieren Sie dann erneut, ob das Leitblech nun richtig ausgerichtet ist.
Unterer Anschlag (L-Schraube)
Damit die Kette beim Schaltvorgang nicht in Richtung Rahmen vom Kettenblatt fällt oder am Leitblech des Umwerfers schleift, stellst Du zuerst die Begrenzung nach innen ein. Das ist der untere Anschlag. Schalte dazu hinten auf das größte Ritzel. Wenn schon ein Bowdenzug geklemmt ist, dann schalte vorne auf das kleinste Kettenblatt. Wenn noch kein Zug montiert ist, steht der Umwerfer ohnehin ganz unten. Einige Modelle kommen mit einem Kunststoffblock etwas vorspannt, um die Ausrichtung zu erleichtern. Entferne diesen, wenn das der Fall ist.
Mit der Schraube für den unteren Anschlag kannst Du nun begrenzen, wie weit sich das Leitblech in Richtung Rahmen bewegen kann. Die Schraube ist meist mit einem L markiert (für „Low“). Wenn Du keine Markierung findest, dann schau am besten in der Anleitung, welche der beiden Anschlagschrauben die richtige ist. Drehst Du die Schraube hinein (im Uhrzeigersinn), dann bewegt sich der Umwerfer vom Rahmen weg und umgekehrt.
Der untere Anschlag ist richtig eingestellt, wenn das innere Leitblech im leichtesten Gang etwa einen Millimeter von der Kette entfernt ist und beim Kurbeln gerade so nicht schleift. Mit der L-Schraube stellst Du den unteren Endanschlag des Umwerfers ein.
Zug klemmen und Spannung einstellen
Ist der untere Anschlag eingestellt, kannst Du im nächsten Schritt den Bowdenzug klemmen oder die Spannung überprüfen, wenn er schon geklemmt ist. Achte dabei auch auf den Zustand der Zughülle - sie hat einen großen Einfluss auf die Schaltpräzision. Das beste Ergebnis bekommst Du immer mit einem neuen Bowdenzug und einer neuen Hülle.
Die Zughülle sollte in gleichmäßigen Kurven verlegt sein. Wie der Zug genau am Umwerfer zur Klemmung geführt wird, unterscheidet sich stark von Modell zu Modell. Schau daher am besten in den Hinweisen des Herstellers nach. Achtung bei sogenannten Dual-Pull-Umwerfern: Sie können je nach Zugführung des Rahmens von unten oder von oben angesteuert werden. Der Zug wird dann am selben Umwerfer unterschiedlich geführt. Achte darauf, dass Dein Schalthebel im korrekten Gang steht, drehe die Zugspannungsschraube am Schalthebel komplett rein und wieder eine Umdrehung heraus.
Ziehe den Zug leicht straff und fixiere ihn mit der Klemmschraube am Umwerfer. Achte dabei auf das korrekte Drehmoment. Den Überschuss kannst Du bis auf einige Zentimeter mit einer Bowdenzugzange kürzen und das Ende mit einer Endtülle vor Ausfransen schützen.
Nun kannst Du auf das zweite Kettenblatt schalten. Wenn die Kette nicht auf das größere Blatt wechselt, dann erhöhe die Zugspannung, indem Du die Spannungsschraube am Schalthebel etwas herausdrehst. Gehe dabei in kleinen Schritten von etwa einer Viertelumdrehung vor und probiere den Schaltvorgang erneut.
Wenn Dein Umwerfer erfolgreich aufs zweite Blatt schaltet, dann kannst Du einmal hinten die Kassette durchschalten, um zu prüfen, welche Gänge einwandfrei laufen. Es ist nicht ungewöhnlich, dass die Kette am Leitblech des Umwerfers schleift, wenn Du vorne auf dem mittleren Blatt und hinten auf den größten oder kleinsten beiden Ritzeln bist. Mit der Zugspannung kannst du den nutzbaren Bereich feinjustieren.
Oberer Anschlag (H-Schraube)
Nachdem Du die Zugspannung eingestellt hast, ist der obere Anschlag an der Reihe. Bei einer Zweifachkurbel bist Du schon auf dem größten Kettenblatt. Bei einer Dreifachkurbel schaltest Du jetzt vom mittleren aufs größte Kettenblatt. Mit dem oberen Anschlag kannst du nun begrenzen, wie weit der Umwerfer maximal vom Rahmen weg schwenken kann. Liegt die Begrenzung zu weit außen, kann das Leitblech die Kette zu weit drücken und sie fällt herunter. Ist die Begrenzung zu weit innen, kannst Du nicht hochschalten.
Eingestellt wird der obere Anschlag mit der zweiten Schraube - meist mit einem H für „High“ markiert. Drehst Du die Schraube hinein (im Uhrzeigersinn), rückst Du die Begrenzung nach innen, also näher zum Rahmen und umgekehrt.
Korrekt eingestellt hast Du den oberen Anschlag, wenn die Kette gerade so nicht am äußeren Leitblech schleift, während sie hinten auf dem kleinsten Ritzel läuft. Mit der H-Schraube stellst Du den oberen Endanschlag des Umwerfers ein.
Feinjustierung der Zugspannung
- Kontrollieren Sie den Abstand des inneren Leitblechs zur Kette bei entspanntem Zug (Kette auf dem kleinen Blatt. Drehen Sie dazu die Kurbel - die Kette darf nicht streifen, der Abstand muss jedoch so klein wie möglich sein. Mehr als ein halber Millimeter Abstand kann dazu führen, dass die Kette beim Schalten abgeworfen wird. Stellen Sie den Abstand mit der innen liegenden Endanschlagschraube ein.
- Diese Schraube lässt sich meist nur schwer drehen, weil der Umwerfer mit hoher Federkraft aufliegt; entlasten Sie die Schraube, indem Sie den Werferkäfig von Hand etwas nach außen schwenken. Drehen Sie die innere Schraube in Viertelumdrehungen im Uhrzeigersinn ein, bis die Stellung des Umwerfers stimmt.
- Überprüfen Sie die Zugspannung: Dazu muss die Spannschraube des Umwerferschaltzuges am Unter- oder Steuerrohr ganz hineingedreht und der Schaltgriff entspannt sein (Kette auf dem kleinen Kettenblatt). Ziehen Sie den Zug probeweise vom Unterrohr weg - der Umwerfer sollte sich dann möglichst unmittelbar bewegen.
- Ist dies nicht der Fall, drehen Sie die Spannschraube (Bild 5) an der Klemmschelle eine Umdrehung heraus. Straffen Sie den Zug, indem Sie ihn festhalten, die Zugklemmschraube (Bild 4) ein bis zwei Umdrehungen öffnen, den Zug straffziehen und wieder klemmen (Drehmoment 5 bis 7 Newtonmeter). Schalten Sie auf ein mittleres Ritzel und aufs große Kettenblatt.
- Klettert die Kette nicht, ist die 6 Zugspannung noch zu gering. Spannen Sie den Zug mit der Spannschraube an Steuerrohr oder Unterrohr um eine halbe Umdrehung entgegen den Uhrzeigersinn. Versuchen Sie erneut, auf das große Blatt zu schalten. Straffen Sie den Zug so lange, bis das problemlos klappt.
- Lassen Sie die Kette auf dem großen Blatt, schalten Sie aufs kleinste Ritzel. Der Umwerfer muss möglichst eng an die Kette justiert werden, damit diese nicht nach außen ab- geworfen wird. Schalten Sie aufs kleine Kettenblatt. Drehen Sie die äußere Endanschlagschraube eine Viertelumdre- hung ein. Schalten Sie wieder hoch. Wiederholen Sie das so oft, bis die Einstellung stimmt.
Funktionsprüfung und Probefahrt
Hast Du beide Anschläge und die Zugspannung eingestellt, bist Du im Prinzip fertig. Schalte zur Kontrolle noch alle möglichen Kombinationen von Kettenblättern und Ritzeln durch. Achte dabei auf den Schräglauf der Kette und in welchen Gängen sie eventuell am Umwerferleitblech schleift. Wenn das bei der Kombination der größten ein oder zwei Ritzel mit dem größten Kettenblatt der Fall ist, dann ist das nicht schlimm. Den extremen Schräglauf der Kette solltest Du sowieso vermeiden. Gänge mit der gleichen Übersetzung hast Du auch zur Verfügung, wenn Du auf das mittlere Kettenblatt und auf kleinere Ritzel schaltest. Das gleiche gilt für die Kombination des kleinen Kettenblattes mit den kleinsten Ritzeln.
Alles funktioniert, wie es soll? Dann solltest Du eine Probefahrt auf dem Trail unternehmen!
Tipps
- Gegenkontrolle: Bei Shimano-Umwerfern prüfen Sie die richtige Zugspannung, indem Sie aufs größte Kettenblatt und größte Ritzel schalten. Bei entspannter Trimmstufe (sofern vorhanden) darf der Umwerfer zur Kette einen Abstand von maximal 0,5 Millimetern haben.
- Funktonstest: Testen Sie die Schaltungseinstellung vor der Fahrt gründlich! Während das Rad im Montageständer hängt, schalten Sie bei wechselnder Kurbeldrehzahl mehrmals schwungvoll vom großen aufs kleine Blatt, wenn hinten das größte Ritzel aufliegt. Wiederholen Sie die Prüfung mit der Kette auf dem kleinsten Ritzel.
- Probefahrt: Prüfen Sie die Funktion nach der Einstellung gründlich bei einer Probefahrt abseits des Straßenverkehrs.
- Kontrolle: Kontrollieren Sie die Schrauben der Zugbefestigungen und die Befestigung von Schaltwerk und Umwerfer mit einem Drehmomentschlüssel nach 100 bis 300 km Fahrt und danach alle 2.000 km.
- Tauschteil: Die Gleitschiene aus Kunststoff am inneren Leitblech ist bei den neuen Umwerfern tauschbar.
Troubleshooting: Was sonst noch schiefgehen kann
Du hast alle Einstellungen vorgenommen und geprüft, aber Dein Umwerfer macht trotzdem noch Probleme? Hier eine Liste, woran es liegen könnte und was Du dann tun kannst:
- Ist das Leitblech des Umwerfers verbogen oder hat deutliches Spiel, dann solltest Du einen neuen verbauen.
- Sind Kette oder Kettenblätter verschlissen, kann das die Schaltqualität beeinflussen.
- Einzelne Zähne an den Kettenblättern sind verbogen: Dann kannst Du vorsichtig versuchen, sie mit einer Zange geradezubiegen. Das ist aber eher eine Notlösung - ein neues Kettenblatt wird früher oder später dennoch fällig.
- Der Schalthebel lässt sich nur mit viel Kraft betätigen? Überprüfe den Zustand des Schaltzuges und der Hülle und wechsle sie gegebenenfalls.
- Das genügt nicht? Prüfe, ob sich der Umwerfer von Hand bewegen lässt. Reinige ihn bei Bedarf und schmiere die Drehpunkte mit etwas Öl.
- Der Schalthebel greift nicht oder hakt: Nach einiger Zeit kann die Schmierung in der Mechanik verharzen. Sprühe etwas Kriechöl hinein und lasse es einwirken. Oft genügt das schon.
- Es kann sein, dass Du die Zugspannung nach einigen Schaltvorgängen noch einmal nachstellen musst. Neue Zughüllen und Endkappen können sich noch setzen.
Verwandte Beiträge:
- Shimano GRX Umwerfer Montage: Schritt-für-Schritt Anleitung
- Shimano SIS Umwerfer montieren: Schritt-für-Schritt Anleitung
- Shimano GRX Schaltwerk 11-fach: Test & Kaufberatung
- Shimano Dura Ace Kassette 11-fach: Test, Vergleich & Kaufberatung
- Shimano GRX Umwerfer Montage: Schritt-für-Schritt Anleitung
- Ab welchem Alter dürfen Kinder auf einem Motorrad mitfahren? Die wichtigsten Regeln und Tipps!
Kommentar schreiben