Viele Mountainbiker fragen sich, ob sie ihr altes Mountainbike mit Kettenschaltung auf 1×12 umrüsten können. In den meisten Fällen lässt sich diese Frage mit einem klaren Ja beantworten. Dieser Artikel befasst sich mit dem "Wie" und den damit verbundenen Vor- und Nachteilen.
Was bedeutet 1×12 eigentlich?
Vorne befindet sich nur noch ein Kettenblatt an der Kurbel, wodurch unter anderem der Umwerfer entfällt. Der 1×12-Standard gilt beim Mountainbike derzeit als „State-of-the-art“, also der Stand der Technik.
Vorteile des 1x12-Antriebs:
- Weniger Gewicht durch eine geringere Anzahl benötigter Komponenten.
- Ein aufgeräumtes Cockpit und ein sportlicheres Schaltverhalten.
- Unproblematischere Verwendung ovaler Kettenblätter.
- Wegfall einer potenziellen Schwachstelle und Fehlerquelle, da besonders das Schalten zwischen den Kettenblättern unter Last generell als problematisch anzusehen ist.
- Gewichtsreduktion: Schalthebel, Umwerfer, Bowdenzughüllen, Schaltzug, Befestigungsmaterial und zwei Kettenblätter fallen weg.
- Aufgeräumtes Cockpit: Anstatt links und rechts je einen Schalthebel, entfällt der Linke vollständig. Man gewinnt Platz für andere Elemente, wie zum Beispiel den Remote-Hebel für eine versenkbare Sattelstütze.
- Sportliches Schaltverhalten: Man muss sich einfach weniger auf das Schalten konzentrieren, da man nicht mehr aufgrund des Kettenschräglaufs darauf achten muss, vorne mitzuschalten. Es gibt keine „verbotenen Gänge“ mehr. Man schaltet die Gänge einfach durch und kann jeden Gangwechsel unter Last ausführen.
Nachteile des 1x12-Antriebs:
Es gibt auch Nachteile. Dazu gehört beispielsweise die geringere Bandbreite, wobei dieser Abstrich bei modernen 12-fach-Schaltungen immer weniger gewichtet. Der größte Nachteil ist der Kostenfaktor. Die Verschleißteile am Antrieb, Ketten und Kassetten, sind im Vergleich relativ teuer in der Anschaffung. Besonders die Ketten verschleißen nach meiner Erfahrung schneller und sollten früher, bereits ab etwa einer Längung von 0,5 Millimetern, gewechselt werden. Das System ist zudem etwas empfindlicher und anfälliger gegen Schmutz.
Komponenten für den Umbau auf 1×12
Um die optimale Schaltperformance zu erreichen, sollte der gleiche Hersteller wie beim Schaltwerk gewählt werden. Seit der Einführung von 1×12 gibt es kaum noch Schalthebel mit Ganganzeige.
Schaltwerk:
Je nach Bandbreite der gewählte Kassette ist darauf zu achten, die richtige Länge des Schaltwerkskäfigs (bei Shimano meist SGS) zu wählen. Das Schaltwerk sollte vom gleichen Hersteller sein, wie der Schalthebel. Alte 10-Fach-Schaltwerke können für 12-Fach-Umbauten generell verwendet werden.
Kassette:
Die Wahl der richtigen Kassette hängt bei Umbauten auf 1×12 hauptsächlich vom vorhandenen Freilauf ab. Bei älteren Bikes ist dies mit hoher Wahrscheinlichkeit der Shimano-HG-Freilauf. Im Low-Budget-Segment wurden allerdings auch Schraubkranznaben verwendet, bei denen der Freilauf in der Kassette integriert ist. Diese sind nicht geeignet.
Kette:
Wichtig ist, auf die Bezeichnung 12-Fach zu achten. Den gleichen Hersteller wie bei der Kassette zu wählen ist empfehlenswert, aber kein Muss. Die Kette sollte je nach verwendeter Kassette und Größe des Kettenblatts individuell abgelängt werden. Da sich die Glieder der dünnen 12-Fach-Ketten generell schlecht wieder verschließen lassen, sollte in jedem Fall ein Kettenschloss verwendet werden.
Kettenblatt:
Natürlich kann man eines der alten Kettenblätter für den Umbau verwenden. Dies empfiehlt sich allerdings nur in Kombination mit einem Kettenspanner. Die eleganteste Lösung bietet ein Kettenblatt mit der sogenannten Narrow-Wide-Verzahnung. Diese gibt es in Rund oder Oval und es wird kein Kettenspanner benötigt. Das spezielle Design der Zähne verhindert ein Abspringen der Kette sehr zuverlässig. Im härteren Gelände ist es jedoch kein Schaden, zusätzlich ein Schaltwerk mit Shadow+ oder einer vergleichbaren Technologie zu verwenden. Wer seine alte 3-Fach-Kurbel mit nur einem Kettenblatt weiterverwenden möchte, kann dies tun. Das Einfach-Kettenblatt wird dann an die Position des mittleren Kettenblatts montiert. Hier ist auf den Lochkreis zu achten.
Umrüstkit:
Hier kauft man die für den Umbau auf 1×12 benötigten Komponenten vom gleichen Hersteller als Set.
Freilaufsysteme
Mit der Einführung der 12-Fach-Antriebe wurden durch die führenden Hersteller Shimano und SRAM auch neue Freilauf-Standards eingeführt. Bei SRAM heißt der neue Standard „XDR“, bei Shimano nennt man die Schöpfung „Micro Spline“. Für welchen der beiden Hersteller man sich nun entscheidet mag für manche eine Glaubensfrage sein; in erster Linie ist es jedoch Geschmackssache. Ich persönlich setze auf Shimano, da mir das weichere und gefühlt präzisere Schaltverhalten besser zusagt und ich seit Jahren ohne große Probleme damit unterwegs bin.
Warum sind die neuen Freilauf-Standards nötig?
Die aktuellen 12-Fach-Kassetten verfügen über ein 10er Ritzel, was die Bandbreite zusätzlich erhöht. Um dieses 10er Ritzel montieren zu können, wird ein kleinerer Freilaufkörper benötigt. Es gibt aber auch 12-Fach-Kassetten, die über kein 10er Ritzel verfügen. Diese können daher problemlos auf dem alten Freilauf-Standard (HG) montiert werden.
Nachteile eines 10er Ritzels
Auch ein 10er Ritzel hat seine Nachteile. Wer also sein altes Mountainbike auf 1×12 umrüsten möchte, muss nicht zwingend eine neue Hinterradnabe einspeichen oder das Laufrad wechseln. Die Bandbreite ist bei den nachrüstfreundlichen 12-Fach-Kassetten mit 11er Ritzel natürlich etwas geringer. Sie sinkt beispielsweise von 510% auf 473%. Ein 10er Ritzel verschleißt sehr schnell, zudem ist die Kraftübertragung durch den sogenannten Polygoneffekt vergleichsweise ineffizient. Je kleiner ein Zahnrad ist, das von der Kette umlaufen werden muss, desto stärker prägt sich der Effekt aus. Die Kraft, die auf den nur 10 Zähnchen lastet, ist enorm.
Bastardschaltung
Den alten Freilauf weiterhin nutzen zu können, reduziert die Kosten und den Aufwand beim Umbau erheblich und macht diesen auch für die Eigner älterer Mountainbikes erschwinglich. Einzig Shimano hat keine 12-Fach-Kassette für den alten Freilauf im Programm. Hier kann man sich jedoch einfach am SRAM-Baukasten bedienen. Die PG-1230 lässt sich problemlos in Kombination mit Shimano-Schaltkomponenten betreiben. Ich selbst fahre so eine „Bastardschaltung“ an einem meiner Fahrräder, also eine Schaltung, die aus den Komponenten mehrerer Hersteller besteht.
Weitere zu beachtende Punkte
- Hinterrad-Nabe: Mein altes Mountainbike hat eine 135mm Hinterrad-Nabe mit klassischem Schnellspanner. Die alten Schnellspanner-Naben mit Standard-Freilauf lassen sich nicht umrüsten. Die Nabe kann allerdings komplett getauscht werden. Die Hersteller haben hier inzwischen nachgezogen und bieten auch 135mm Schnellspanner-Naben mit Micro-Spline-Freilauf an. Bei modernen, höherwertigen 135mm-Naben lässt sich der Freilauf dagegen umrüsten.
- Anzahl der Gänge: Definitiv ja. Theoretisch reicht auch weniger. Eine Zeit lang war ich sogar mit einem 1×9-Antrieb in den Bergen unterwegs. Es ist also möglich, entsprechendes Training vorausgesetzt. Spürbar komfortabler ist es natürlich mit 1×11 oder 1×12 im alpinen Gelände.
Shimano XT Upgrade Kit
Das Shimano XT 1x12 Upgrade Kit ermöglicht allen, die keine Shimano-Kurbel fahren, den Einstieg in die Welt 12-fach Schaltens mit Shimano. Es beinhaltet das Schaltwerk RD-M8100, den Schaltgriff SL-M8100-R, die Kette CN-M8100 und die Kassette CS-M8100-12 in der Abstufung 10-45 oder 10-51 Z. Beim Schaltgriff kannst Du zwischen Klemmschellen- und I-Spec EV-Montage wählen.
Technische Daten Kassette:
- Typ: Deore XT CS-M8100-12 (Hyperglide+)
- Schaltstufen: 12-fach
- Abstufung: 10-12-14-16-18-21-24-28-32-36-40-45 Z, 10-12-14-16-18-21-24-28-33-39-45-51 Z
- Material Ritzel: Stahl (Ritzel 1 bis 10), Aluminium (Ritzel 11 und 12)
- Freilaufkompatibilität: Shimano Micro Spline
- Spider / Ritzelträger: 1 (Aluminium)
Technische Daten Schaltwerk:
- Typ: Deore XT RD-M8100 oder RD-M8120 lang (SGS)
- Befestigung: Standard
- Kapazität: 41 Zähne (RD-M8100), 45 Zähne (RD-M8120)
- Max. Zähne größtes Ritzel: 51 Zähne (RD-M8100), 45 Zähne (RD-M8120)
- Min. Zähne größtes Ritzel: 51 Zähne (RD-M8100), 45 Zähne (RD-M8120)
- Max. Zähne kleinstes Ritzel: 10 Zähne
- Min. Zähne kleinstes Ritzel: 10 Zähne
- Max. Differenz vorne: 0 Zähne (RD-M8100), 10 Zähne (RD-M8120)
- Kompatibilität: Shimano MTB 12-fach
- Schalträdchen: 13 Zähne
- Material äußerer Käfig: Aluminium
- Material innerer Käfig: Aluminium
- Material weitere Bauteile: Aluminium, Edelstahl, Stahl, Kunststoff (GFRP)
Technische Daten Kette:
- Typ: Deore XT CN-M8100 (HG)
- Gliederzahl: 126
- Verschlussart: Kettenschloss (Quick-Link)
- Nietentyp: massiv
- Laufrichtungsgebunden: Ja
- Material: Stahl
Technische Daten Schaltgriff:
- Typ: Deore XT SL-M8100 oder SL-M8100-I (Rapidfire Plus)
- Montage: Klemmschelle (geschlossen) oder I-Spec EV
- Material Gehäuse: Aluminium
- Material Hebel: Aluminium (Haupthebel), Kunststoff (GFRP) + Stahl (Lösehebel)
- Innenzug: Edelstahl (Optislick)
- Außenhülle: OT-SP41
- Einstelloptionen: Zugeinstellung, Positionseinstellung (nur I-Spec EV), Rotationseinstellung (nur I-Spec EV)
Kompatibilität:
- Freilauf / HR-Nabe: Shimano Micro Spline. Von verschiedenen Anbietern sind Umrüstkits erhältlich.
- Bremsgriff: laut Shimano nur I-Spec EV, es gibt aber Adapterlösungen für I-Spec (B) oder I-Spec II von anderen Anbietern, z. B. Wolf Tooth
- Kettenblatt: Shimano 12-fach oder für Shimano Hyperglide+ 12-fach konstruiertes Kettenblatt
Übersichtstabelle: Welcher Freilauf ist mit welcher Kassette kompatibel?
| Art des Freilaufs | Welche Kassetten passen vom Profil? | Wie viele Ritzel kann die Kassette haben? | Spacer benötigt? |
|---|---|---|---|
| Shimano MTB (HG spline M) | Shimano, SRAM (außer XD/XDR) und Fremdanbieter (SunRace, OneUp Components, u. a.) | Elffach-MTB (sowie CS-HG800 und CS-HG700) | Nein |
| Ausgewählte Zehnfach-Road: CS-7900 / CS-7800 / CS-6700 / CS-6600 / CS-5700 / CS-5600 | 1,85 + 1 mm | ||
| Acht-/Neun-/Zehnfach(Road und MTB) | Nein | ||
| Shimano Road (HG spline L) | Shimano, SRAM (außer XD/XDR) und Fremdanbieter (Rotor, Miche, u. a.) | Zwölffach-Road | Nein |
| Elffach-Road (außer CS-HG800 und CS-HG700) | Nein | ||
| Elffach-MTB (sowie CS-HG800 und CS-HG700) | 1,85 mm | ||
| Ausgewählte Zehnfach-Road: CS-7900 / CS-7800 / CS-6700 / CS-6600 / CS-5700 / CS-5600 | 1 mm | ||
| Acht-/Neun-/Zehnfach(Road und MTB) | 1,85 mm | ||
| Shimano 12-fach Road (HG spline L2) | Shimano | Zwölffach-Road | Nein |
| Shimano 12-fach Micro Spline | Shimano | Zwölffach-MTB | Nein |
| SRAM XD | SRAM und div. Fremdanbietern (e*thirteen, KCNC, u. a.) | Elf-/Zwölffach (MTB) | Nein |
| SRAM XDR | SRAM | Zwölffach (Road) | Nein |
| Elf-/Zwölffach (MTB) | 1,85 mm | ||
| Campagnolo | Campagnolo Ultra-Drive | Neun-/Zehn-/Elf-/Zwölffach-Ultra-Drive | Nein |
| Campagnolo N3W | Campagnolo N3W | 13-fach | Nein |
| Elf-/Zwölffach | Adapter (Art-Nr. 78166) |
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