Shimano 2-fach Umwerfer: Funktion und Einstellung

Zweifach-Schaltungen haben noch nicht ausgedient. Anders als Sram bietet Shimano nach wie vor eine Option mit zwei Kettenblättern an der Kurbel. Wir erklären, wie eine 2x12 Shimano XT (M8100) Gangschaltung eingestellt wird. Die Argumente für einen 2x12-Antrieb sind klar: Es gibt keine aktuelle MTB-Schaltung mit einer größeren Bandbreite (Gesamtübersetzung) bei gleichzeitig so feiner Abstufung der Gänge. Trotz der gleichen Ritzelanzahl gibt Shimano die 2x12-Schaltung nur für die feiner abgestufte Kassette mit 10-45 Zähnen frei. Die Variante mit dem großen 51er-Ritzel bleibt nach wie vor den Einfach-Antrieben (1x12) vorbehalten. Wer einen 1x12-Shimano-Antrieb mit einem 30er-Kettenblatt kombiniert, hat deshalb einen ähnlichen Klettergang wie die 2x12-Schaltung mit ihrem kleinen 26er-Kettenblatt. Außerdem gibt es für Zweifach-Schaltgruppen ein spezifisches Schaltwerk mit anderer Geometrie als bei der Einfach-Version.

Funktion des Umwerfers

Der Umwerfer ist bei Kettenschaltungen zu finden. Der Mechanismus steuert den Lauf der Fahrradkette auf den vorderen Kettenblättern. Er besteht aus einem Parallelogramm das einen Umwerferkäfig bewegt. Die Kette verläuft durch diesen Käfig und wird über den Schaltzug von Leitblechen zum jeweils gewünschten Kettenblatt gelenkt. Wird der Schaltzug gespannt, erfolgt die Beförderung der Fahrradkette mittels Steighilfen auf das nächstgrößere Kettenblatt. Eine Feder zieht die Kette auf das nächstkleinere Kettenblatt wenn der Zug gelöst wird. Ist der Umwerfer elektronisch gesteuert, führt ein digital gesteuerter Servo- oder Linearmotor diese Bewegung aus.

Klassifizierung nach Kapazität

Umwerfer werden nach Kapazität klassifiziert. Die Umwerferkapazität ist abhängig von der Größe des Umwerferkäfigs und beschreibt die größtmögliche Differenz an Zähnen zwischen dem kleinsten und dem größten Ritzel (Kettenblatt) die der Umwerfer verarbeiten kann.

Shimano Umwerfer: Bezeichnungen und Varianten

Die Zeiten von unzähligen Umwerfer-Standards wie Top Swing oder Down Pull sind mit den aktuellen 12fach-Schaltung bei Shimano vorbei - zum Glück. Mittlerweile gibt es von Shimano nur noch Side-Swing-Umwerfer in drei Standards. Der Schaltzug muss bei Side-Swing-Umwerfern immer von vorne kommen.

  • Ältere oder günstige Alu-Rahmen haben meist eine klassische Schellenmontage. Der Um­werfer wird dabei ans kreisrunde Sitzrohr geklemmt.
  • Vor allem Fullys haben meist eine E-Type-Montagemöglichkeit. Dabei wird der Umwerfer mit zwei Schrauben am Rahmen befestigt.
  • Wenn der Umwerfer mit einer Schraube oberhalb des Kettenblatts befestigt wird, handelt es sich um den Direct-Mount-Standard.

Umwerfer Montage-Typen

Wie der Umwerfer am Mountainbike montiert wird, hängt von der Rahmenform ab. Besonders moderne Fully-Rahmen benötigen oft spezielle Adapter. Neu ist zudem die Möglichkeit, den Umwerfer seitlich anzulenken (Side Swing), was vor allem die Bedienkräfte verringern und den Herstellern mehr Platz am Hinterbau bieten soll.

  • Direct Mount High: Der Umwerfer wird ohne Schelle am Rahmen montiert, der Käfig schwenkt nach unten (Down Swing). Die Klemmung verfügt über einen kleinen Verstellbereich. Den Umwerfer gibt es auch als Side-Swing-Ausführung.
  • Direct Mount Low: Wird ebenfalls am Rahmen montiert, der Käfig schwingt jedoch nach oben (Top Swing). Auch hier gibt es die moderne Side-Swing-Variante. Bei allen Direct-Mount-Modellen auf die passende Zahnkapazität achten.
  • High Clamp: Umwerfer mit Schellenmontage findet man an modernen Bikes nur noch selten. Sie passen an Sitzrohre mit 28,6 bis 34,9 Millimetern Durchmesser. High-Clamp-Modelle gibt’s als Down-Swing- oder Side-Swing-Versionen.
  • Low Clamp: Umwerfer mit niedriger Klemmschellenposition passen ebenfalls nur an Sitzrohre mit 28,6 bis 34,9 Millimetern Durchmesser und schwenken nach oben (Top Swing). Auch die Low-Clamp-Ausführung gibt es als Side-Swing-Variante.

Zugführung

  • Top Pull: Die Schaltzugführung erfolgt von oben.
  • Down Pull: Die Schaltzugführung erfolgt von unten.
  • Dual Pull: Viele Umwerfermodelle sind auch in der Dual Pull Version erhältlich. Hierbei ist die Zugführung sowohl von oben als auch von unten möglich.

Swing-Typen

  • Down Swing: Down Swing ist die am häufigsten zu findende Montageart.
  • Top Swing: Aufgrund von neuen, unterschiedlichen Rahmendesigns wurde im Laufe der Entwicklung auch eine Alternative zum Down Swing notwendig.
  • E-Type: Hierbei wird der Umwerfer zwischen Rahmen und Tretlager befestigt, anstatt am Sitzrohr. Eine Schelle ist nicht notwendig.

Shimano 2x12 Schaltung: Umwerfer einstellen

Wenn die Kettenschaltung des Fahrrads nicht mehr richtig arbeitet, ist häufig der Umwerfer schuld. Ihn wieder richtig zu justieren, ist gar nicht so schwer.

Die wichtigsten Stellschrauben

Die wichtigsten Stellschrauben an einem Shimano-Umwerfer (Shimano XT 12fach) mit E-Type-Montage im Überblick:

  • Die äußere Anschlagschraube (H): Sie ist mit einem H für „high gear“ gekennzeichnet und begrenzt den Schwenkbereich des Umwerfers nach außen. Sie verhindert, dass die Kette über das große Kettenblatt geworfen wird.
  • Die innere Anschlagschraube (L): Sie ist mit einem L für „low gear“ gekennzeichnet und begrenzt den Schwenkbereich des Umwerfers nach innen. Sie verhindert, dass die Kette aufs Tretlager fällt.
  • Klemmschraube (C): Diese Schraube klemmt den Zug am Umwerfer. Die Zugspannung wird am Schalthebel justiert.
  • Die Befestigungsschraube (D): Sie verbindet den Umwerfer mit dem Rahmen. Mit ihr kann der Höhenabstand des Umwerfers zu den Kettenblättern eingestellt werden. Unser Rad hat einen E-Type-Umwerferstandard. Bei anderen Montagemöglichkeiten sitzt diese Schraube an einer anderen Stelle.

Einstellschritte

  1. Kontrolle aller Schaltungskomponenten: Vorbereitend sollten alle Schaltungskomponenten überprüft werden. Der Check von Kette, Kettenblättern und Schaltzügen gehört dazu, aber auch die Kontrolle der Leitbleche des Umwerfers, die nicht verbogen sein dürfen. Wenn auch das Schaltwerk hinten so weit in Ordnung ist und sich alle Gänge problemlos schalten lassen, kann es mit dem eigentlichen Justieren des Umwerfers losgehen.
  2. Lösen der Zugspannung: Zuerst muss die Zugspannung gelöst werden. Nur so lässt sich der Zug am Umwerfer zur Justierung bewegen. Dazu wird die Einstellschraube des Schaltzugs etwa bis zur Hälfte herausgedreht.
  3. Einstellen des unteren Anschlags: Nun sollte die Fahrradkette so geschaltet werden, dass sie vorne auf dem kleinsten Kettenblatt und hinten auf dem größten Ritzel läuft. Jetzt wird der untere Anschlag mittels der L-Schraube (L für "low", also unten) eingestellt. Tipp: Mit einer 10-Cent-Münze lässt sich der Abstand von 1,0 bis 1,5 Millimeter Platz sehr gut überprüfen. Die Münze sollte gut und ohne Spiel zwischen Kette und inneres Leitblech passen.
  4. Einstellen des oberen Anschlags: Nun ist der obere Umwerfer-Anschlag an der Reihe. Dazu wird die Kette genau umgekehrt geschaltet, also vorne auf das größte Kettenblatt und hinten auf das kleinste Ritzel. Mit der H-Schraube (H für "high", also oben) wird nun die Position des Anschlags eingestellt. Auch hier ist der Abstand richtig, wenn zwischen Kette und Leitblech ebenfalls etwa 1,0 bis 1,5 Millimeter Platz bleiben.
  5. Funktionskontrolle: Sind die Anschläge des Umwerfers richtig eingestellt, wird noch seine Funktion kontrolliert. Dabei wird mit dem Schalthebel vom kleinsten in den größten Gang geschaltet. Führt der Umwerfer diesen Befehl richtig aus, passt alles. Wird die Kette zu weit geworfen, sollte der obere Umwerfer-Anschlag nochmals überprüft und nachjustiert werden.
  6. Einstellen der Zugspannung: Um das Fahrrad wieder fahrbereit zu bekommen, muss noch die Spannung der Zugseile eingestellt werden. Sie war im ersten Schritt gelöst worden. Wird jetzt der Schalthebel am Lenker benutzt, um die Gänge durchzuschalten, springt die Kette nicht auf die gewünschten Zahnkränze. Mit der Einstellschraube am Schalthebel wird nun langsam der Zug erhöht, bis die Gangwechsel korrekt sind. Aber Achtung: Wird der Zug zu hoch eingestellt, werden die Wechsel zum nächstkleineren Kettenblatt unsauber. Entsprechend muss der Zug wieder reduziert werden.

Zusätzliche Tipps

  • Ausrichtung: Das äußere Leitblech des Umwerfers sollte exakt parallel zum Kettenblatt stehen. Legen Sie einen Inbus-Schlüssel an die flache Seite des großen Kettenblatts und führen Sie den Inbus-Schlüssel durch Drehen der Kurbel am Leitblech entlang. So lässt sich die Position leicht überprüfen. Vorteil Direct-Mount-Umwerfer: Sie stehen durch die fixe Aufnahme am Rahmen auch ohne Gefummel immer gerade.
  • Fully-Montage: Bei Bikes mit Hinterradfederung ändert sich die Umwerferposition, sobald der Fahrer im Sattel sitzt. Die Montage und Einstellung sollte man daher in der Sag-Position durchführen. Ein Spanngurt hilft, den Dämpfer während des Setups im Sag zu halten.
  • Umstellung 2- oder 3fach: Bei älteren Schalthebeln findet sich an der Unterseite ein so-genannter Mode Converter. Je nachdem, ob man zwei oder drei Kettenblätter fährt, wählt man die Position des kleinen Hebels. Aktuelle Schalthebel verzichten auf diese Funktion. Fährt man im Zweifach-Setup, wird die dritte Schaltposition einfach nicht verwendet.

Troubleshooting

Du hast alle Einstellungen vorgenommen und geprüft, aber Dein Umwerfer macht trotzdem noch Probleme? Hier eine Liste, woran es liegen könnte und was Du dann tun kannst:

  • Ist das Leitblech des Umwerfers verbogen oder hat deutliches Spiel, dann solltest Du einen neuen verbauen.
  • Sind Kette oder Kettenblätter verschlissen, kann das die Schaltqualität beeinflussen.
  • Einzelne Zähne an den Kettenblättern sind verbogen: Dann kannst Du vorsichtig versuchen, sie mit einer Zange geradezubiegen. Das ist aber eher eine Notlösung - ein neues Kettenblatt wird früher oder später dennoch fällig.
  • Der Schalthebel lässt sich nur mit viel Kraft betätigen? Überprüfe den Zustand des Schaltzuges und der Hülle und wechsle sie gegebenenfalls.
  • Der Schalthebel greift nicht oder hakt: Nach einiger Zeit kann die Schmierung in der Mechanik verharzen. Sprühe etwas Kriechöl hinein und lasse es einwirken.

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