Das Tretlagergehäuse eines Fahrrads ist die Stelle im Rahmen, an der das Innenlager montiert ist. Das Tretlagergehäuse und das Innenlager sind die Grundlage der Verbindung deines Antriebs bzw. der Kurbel mit deinem Rennrad oder Mountainbike.
Wenn über das Austauschen von Tretlager, Innenlager oder Bottom Bracket gesprochen wird, ist immer der Wechsel des im Tretlagergehäuse montierten Innenlagers gemeint.
Die Innenlager deines Rennrads oder Mountainbikes sind Verschleißteile. Durch die vielen unterschiedlichen Typen ist es kompliziert geworden, genau zu wissen, was du brauchst, wenn du selbst dein Innenlager austauschen möchtest. Viele Typen sind außerdem auch untereinander begrenzt austauschbar. Dafür brauchst du dann spezielle Adapter.
Diese ausführliche Anleitung zum Innenlager austauschen ist in einige praktische Schritte aufgeteilt. Wir beginnen mit der Erklärung, wie du erkennst, ob dein Innenlager ausgetauscht werden muss.
Du musst dein Innenlager austauschen, wenn du merkst, dass sich nicht mehr alles flüssig dreht. Es kann natürlich auch sein, dass du einfach ein Upgrade für dein Rad möchtest. Bemerkst du leichten Verschleiß, kannst du auch schauen, ob das Austauschen der Lager vielleicht schon ausreicht.
Das kannst du kontrollieren, indem du den Kurbelarm greifst und kräftig seitlich hin und her bewegst. Fühlst oder siehst du Spiel?
Wenn du beschlossen hast, dass du dein Innenlager austauschen oder upgraden möchtest, musst du herausfinden, was genau an deinem Rennrad oder Mountainbike montiert ist. Das Erkennen des Tretlagergehäuses ist nicht immer einfach. Hierunter haben wir für die verschiedenen Tretlagergehäusetypen angegeben, wie du sie erkennen kannst.
Tretlagergehäuse Typen Erkennen
Sowohl an der Außenseite als auch an der Innenseite kann ein Code stehen, der das Erkennen vereinfacht.
BSA Tretlagergehäuse
Ein BSA Tretlagergehäuse oder Italienisches Gewinde findest du vor allem bei Fahrrädern, die vor 2010 gebaut wurden. Rahmen mit BSA Passung sind sehr verbreitet. Bei Rennrädern ist ein BSA Tretlagergehäuse immer 68mm breit. Die anderen Breiten, vor allem 73mm, sieht man bei Mountainbikes.
Ein BSA Tretlager kann man außerdem am Text auf den Lagerschalen erkennen. Auf den Lagerschalen steht: 1.37 * 24. Das bedeutet, dass der Durchmesser des Gewindes 1.37 Zoll beträgt und es 24 Umdrehungen pro Zoll hat.
Das Gewinde an der linken Seite (Nicht-Antriebsseite) ist ein normales Gewinde. Es wird also im Uhrzeigersinn festgedreht. Die rechte Seite (Antriebsseite) ist gegenläufig, wird also gegen den Uhrzeigersinn festgedreht.
Italienisches Gewinde (ITA)
Tretlagergehäuse mit einem Italienischem Gewinde (ITA) sieht man seltener als BSA Tretlagergehäuse. Oft sind es Fahrräder von einem italienischen Hersteller. Die Breite beträgt immer 70mm. Das wichtigste Kennzeichen, das auf dem Innenlager steht, ist 36 x 24.
Der Vorteil dieser auffälligen Art des Festschraubens ist, dass die Lager perfekt ausgerichtet sind. Aber der große Nachteil ist, dass die rechte Lagerschale sich leichter wieder löst. Das ist auch der Grund, dass dieser Typ für moderne Räder nur noch selten verwendet wird.
BB30 Tretlager
Die BB30 Tretlager werden seit 2006 oft verwendet. Die Kurbelachse ist immer 30mm dick. Die Lager werden mit den Lagerschalen direkt ins Carbon oder Aluminium des Tretlagergehäuses gepresst. Das muss mit höchster Präzision erfolgen, denn schon bei kleinsten Ungenauigkeiten dreht sich das Ganze nicht mehr flüssig.
Auch wenn das BB30 verschleißt, entsteht sehr schnell Spiel und man hört schnell Knarzgeräusche. Die Breite eines BB30 Tretlagergehäuses beträgt 68mm oder 73mm. Beim Rennrad ist es immer 68mm. Der Durchmesser des Tretlagergehäuses beträgt 41.96mm, und die Lager werden immer einzeln in den Rahmen gepresst.
Wenn du eine Shimano Kurbel verwenden möchtest, brauchst du einen Adapter oder ein Lager in einer speziellen Lagerröhre. Diese verhindert auch baldiges Knarzen. Außer durch die Größenangabe kannst du erkennen, dass du ein BB30 Tretlager hast, weil keine Cups verwendet werden, sondern in den Rahmen gepresste Lagerschalen.
BB30A Tretlager
Die BB30A Tretlager werden ausschließlich für Cannondale Rennräder verwendet. Der Unterschied zum normalen BB30 ist, dass der Durchmesser des Tretlagergehäuser 42mm statt 41.96mm beträgt.
BB86/92 Pressfit
Dies ist ein Typ, der sowohl für Rennräder als auch Mountainbikes häufig verwendet wird. Das ist sehr praktisch, was Verschleiß betrifft. Die Lager beschädigen nämlich nicht so schnell den Rahmen, und die Schalen gleichen etwas Spiel aus. Von außen ist bei diesem Lager nicht viel zu sehen, da es im Rahmen sitzt. Nur ein schmaler Rand ist sichtbar.
Dieses Tretlagergehäuse ist bei einem Rennrad immer 86.5 mm breit. Daher kommt auch die Bezeichnung. Bei Mountainbike-Rahmen ist dieses Tretlager 89.5mm oder 92mm breit.
Press Fit 30 (PF30)
Außer dem BB86/92 Pressfit gibt es auch das Press Fit 30. Dieses basiert auf dem BB30 Tretlager. Um Platz für die Kunststoff-Cups zu bieten, haben PF30 Tretlagergehäuse einen Durchmesser von 46mm (im Gegensatz zu 42mm bei BB30). Der Vorteil ist, dass PF30 Innenlager mit BB30 Kurbeln kompatibel sind. Die Breite beträgt bei PF30 68mm bei Rennrädern und 73mm bei Mountainbikes.
BBright
BBright ist der Tretlager-Typ von Cervélo. Bei genauem Hinsehen ist BBright eine besonders breite BB/PF30 Version. BBright Direct Fit ist 79mm breit und hat 42mm Durchmesser. Der auffallende Unterschied mit anderen Tretlagern ist, dass BBright Tretlager sehr asymmetrisch sind. Die Nicht-Antriebsseite ist viel breiter, und das Laufrad befindet sich nicht in der Mitte des Tretlagers.
BB90/95
BB90 ist der Tretlagergehäuse-Typ von Trek. BB90 findet man bei Rennrädern. Bei Mountainbikes findet man die BB95 Version.
BB386EVO
Der letzte Tretlagergehäuse-Typ dieser Liste ist das BB386EVO. Es wurde von FSA entwickelt und soll das beste aus zwei Welten kombinieren. Von außen sieht man auch hier wieder nur einen schmalen Kunststoffrand.
Die Wahl des Richtigen Innenlagers
Jetzt weißt du, welches Tretlagergehäuse dein Rahmen hat. Welches Innenlager du wählst, hängt vom Typ des Tretlagergehäuses und der Kurbel ab, die du verwendest oder verwenden willst.
Shimano nutzt Hollowtech II Achsen für die Kurbeln. Diese Achsen haben einen Durchmesser von 24mm. Hast du eine Shimano Kurbel und weißt du, welches Tretlagergehäuse dein Rad hat?
Bei einer Ultra-Torque Kurbel befindet sich an jedem Kurbelarm eine Achse. Auf jeden Kurbelarm bzw. Achse ist ein Lager gepresst. Eine Power-Torque Kurbel hat eine Achse aus einem Stück. Am rechten Kurbelarm (Antriebsseite) ist ein Lager auf die Kurbel gepresst. Die Lagerschalen für Campagnolo Power-Torque.
SRAM hat Kurbeln in zwei Ausführungen: GXP und BB30. Die SRAM GXP Kurbeln haben einen Achsdurchmesser von 24mm an der Antriebsseite und 22mm an der Nicht-Antriebsseite. Außerdem hat SRAM auch BB30 Kurbeln mit einer 30mm Kurbelachse.
FSA unterscheidet zwischen vier verschiedenen Kurbeln: BB386 Evo, Mega Exo, BB30 und Mega Exo 19mm Kurbeln. Die FSA BB386 Kurbeln haben viele verschiedene Passungen. Die FSA Mega Exo sind mit sehr vielen verschiedenen Passungen erhältlich. Die FSA BB386 Kurbeln haben ebenfalls viele verschiedene Passungen. Bei Rennrädern wird dieser Typ als Omega bezeichnet.
Rotor bietet verschiedene Kurbeltypen an. Zunächst gibt es die 3DF Kurbeln, die einen Achsdurchmesser von 30mm haben und für fast alle Rahmen passen. Diese Kurbeln eignen sich auch für Rahmen mit einem BSA Tretlager. Die unterschiedliche Breite wird durch Füllringe ausgeglichen. Der zweite Kurbeltyp von Rotor sind die 3D Kurbeln. Der dritte Kurbeltyp von Rotor sind die 3D+ Kurbeln mit 30 mm Achsdurchmesser.
Kombinieren verschiedener Typen
Kommen wir zur Gretchenfrage: kann man einen Typ mit einem anderen kombinieren? Die gute Neuigkeit: ja, das ist möglich. Aber leider nicht immer.
Von BB30 und PF30 auf einen anderen Typ
Du hast dann also quasi ein doppeltes Lager.
Beachte aber, dass ein “Threaded” Adapter nicht ohne Risiko ist. Zunächst scheint es eine gute Option zu sein, du solltest aber bedenken, dass die Röhre mit Loctite eingepresst werden muss. Das Risiko eines “Threaded” Adapters ist, dass dieser mehr zum Knarzen neigt. Es kann sogar sein, dass mit einem solchen Adapter die Garantie auf deinen Rahmen verfällt.
Rotor Adapter sind momentan die beste Lösung für einen BB30 Umbau. Rotor hat dafür ein Innenlager entwickelt, das du in das Gewinde des Tretlagergehäuse schraubst, so dass du mit einer Rotor BB30 Kurbel fahren kannst. Beachte aber, dass du diesen Umbau nur durchführst, wenn du mit einer Rotor Kurbel fährst oder fahren willst.
Werkzeuge und Vorgehensweise zum Ausbau
Moderne und hochwertige Innenlager (alter Begriff: Tretlager) halten oft viele Jahre und verrichten klaglos ihre Arbeit. Dennoch kann es irgendwann nötig sein, diese zu tauschen. Die notwendige Reparatur bzw. der Austausch ist auch für den Laien/Anfänger in weniger als einer Stunde zu bewerkstelligen. So sparen Sie sich den Weg zur Fahrradwerkstatt und damit bares Geld.
Hierzu wird, neben ein wenig handwerklichem Geschick, ein passendes Werkzeug benötigt, um das Innenlager zu entfernen. Das Innenlagerwerkzeug können Sie im Online Shop erwerben. Aber Achtung: Die Verzahnung des Innenlagers hat jeder Hersteller für sich genormt. Es gibt hier also keinen weltweiten Standard. Somit wird für die unterschiedlichen Innenlager, z.B. von Shimano auch immer ein Innenlagerwerkzeug benötigt, welches mit den Shimano-Innenlagern kompatibel ist. Die Kosten hierfür (ca. 10 EUR) dürften sich aber schon nach der ersten Reparatur gelohnt haben.
Zunächst nehmen Sie die Kurbeln samt der Kettenblätter (Zahnkränze) ab. Der Blick auf das Innenlager liegt nun frei.
Bei fast allen Innenlagern ist die Größe in Millimetern aufgedruckt. Fehlt diese Angabe und wissen Sie auch nicht wie lang das neue Innenlager sein muss, können Sie das ausgebaute Lager vermessen. Am besten nutzen Sie hierfür ein ganz normales Lineal oder Maßband.
Hierbei entspricht die Länge des Lagers der Strecke vom äußeren Rand bis zum Rand der Vierkantaufnahme. Messen Sie hier unbedingt ganz exakt. Es gibt zum Beispiel Innenlager mit 68 mm, aber auch mit 70 mm.
Danach setzen Sie das neue Innenlager, gemäß dieser Anleitung in umgekehrter Reihenfolge wieder ein.
Um herauszufinden, welches Innenlager für Ihr Fahrrad geeignet ist, müssen Sie zunächst einige Maße bestimmen.
Wenn an Ihrem Fahrrad „komische“ Geräusche zu hören sind, sollten Sie der Herkunft dieser unbedingt auf den Grund gehen!
Wenn Sie an Ihrem Fahrrad ungewöhnliche Geräusche hören, sollten Sie diesen unbedingt nachgehen und ganz genau hinhören!
Die meisten Gewinde am Fahrrad sind Rechtsgewinde d.h. die Schraube wird im Uhrzeigersinn festgedreht und gegen den Uhrzeigersinn gelöst. Am Innenlager und bei einem Pedal kann dies jedoch andersherum sein. Sie haben je nach Seite ein Linksgewinde, damit sie sich beim Fahren nicht losdrehen.
Am häufigsten sind Innenlager mit B.S.C.-Gewinde, erkennbar an den Abmessungen von 1,37"x24 TPI. Die rechte Lagerschale besitzt als Schutz gegen Selbstlösen ein Linksgewinde.
Um die korrekte Gewinderichtung ermitteln zu können, solltest du vor dem Ausbau folgende Informationen in Erfahrung bringen! Doch Achtung, dies kann auch von Modell und Baujahr abhängig sein, daher unbedingt die Herstellerinformationen beachten und/oder einen Zweiradmonteur fragen!
Das Wesentliche, das man beim Innenlagerausbau falsch machen kann, ist es, mit dem Werkzeug abzurutschen und die Lagerschalen, den Rahmen oder sich selbst zu beschädigen! Daher sollte der Ausbau immer mit passendem Werkzeug erfolgen!
Die Herstellerinformationen sind daher nicht nur wichtig, um die genaue Drehrichtungen zu bestimmen, sondern auch um den benötigten Werkzeugtyp zu ermitteln. Als Werkzeug eignet sich am besten, neben der passenden Abziehernuss, eine grosse Ratsche bzw. Knarre.
Waren die Gewinde vor dem Einbau gut eingefettet, Du hast das passende Werkzeug zur Hand und die exakte Drehrichtung ist bekannt, sollte der Ausbau eigentlich kein Problem mehr sein.
Doch jetzt stehst Du da, der Rahmen ist nackt, soll eigentlich zum Lackierer, aber das Innenlager will nicht aus dem Rahmen. Wurde ein Schraubenkleber verwendet, hilft es möglicherweise, das Lager warm zu machen und es im erwärmten Zustand noch einmal zu versuchen.
Sind die Schalen des Lager aus Aluminium und nicht aus Stahl und beim Einbau in einen Stahlrahmen wurde nicht reichlich mit Fett gearbeitet, hat man im Gewinde Kontaktkorrosion vom Allerfeinsten. Das hält wie festgeschweißt.
Bei Alurahmen gibt man ein Kriechöl wie WD-40, Caramba o.ä. in das Gewinde zwischen Lagerschale und Rahmen . Das Ganze darf ruhig etwas länger ziehen, damit es seine volle Wirkung erzielen kann. Empfehlungen gehen von 1-2 Tagen bis zu 1-2 Wochen. Auch hier kann das zuführen von Wärme hilfreich sein. Die Materialen dehnen sich unterschiedlich aus, lösen somit einen Teil der Korrosion und das Kriechöl kann tiefer eindringen.
Bei Stahlrahmen und einer Alu-Innenlagerschale hilft Ammoniak. Das Ammoniak löst Aluminium auf. Doch Achtung, auch Alu-Rahmen können beschädigt werden - daher nur bei Stahlrahmen verwenden!
Bei "festgefressenen" Innenlagern kann es zudem helfen, den Abzieher in den Schraubstock zu spannen und den Rahmen zu drehen. Die Abziehernuss kann man beispielsweise mit einem Schnellspanner durch die Welle sichern oder mit einer Kurbelschraube (nicht-ganz-)fest schrauben.
Die druckluftbetriebenen Schlagschrauber kennen sicher viele aus der KfZ-Werkstatt oder vom Pit-Stop in der Formel 1. Diese Geräte können entweder langsam oder schnell sehr hohe Drehmomente aufbauen, was bei festgefressenen Innenlagern die letzte relativ sanfte Rettung sein kann. Eigentlich hat kein Fahrradmonteur ein solches Gerät in der Werkstatt (auch keinen elektrischen), weshalb man mit Rahmen und Innenlagernuss die nächste KfZ-Werkstatt aufsuchen sollte.
Der Vorteil ist, dass diese Leute das Lösen der Lagerschalen - wenn überhaupt - dann aber sogar kostenlos machen. Bei Stahlrahmen ist diese Methode sicher unbedenklich. Sprödere Alu-Rahmen können hingegen reißen. Das machten sie sowieso auch bei den anderen Methoden.
Wichtig: Der Schlagschrauber sollte natürlich nur Kraft in Rotationsrichtung ausüben, es gibt auch Geräte, die z.B. Ein Abrutschen des Werkzeuges ist nach meiner letzten Erfahrung mit einem Schlagschrauber kein Problem. Es treten keine seitlichen Kräfte auf wie zwangsläufig mit per zittriger Hand betriebenen Hebeln, so dass ein Ausscheren der Nuss aus der Lagerschale nicht passieren sollte. Es könnten höchstens noch sämtliche Nuten auf einmal abbrechen. Dann waren Rahmen und Lagerschale aber so kaltverschweißt oder korrodiert, dass man nur mit aggressiver Chemie (im Falle eines Stahlrahmens und Alulagerschalen) oder Ausbohren die Teile herausbekommt.
Das Lager löst sich immer noch nicht? Dann kann man eine CO2 Patrone auf die Lagerschale entleeren. Bei Kälte zieht sich Aluminium stärker zusammen als Stahl. Kein Effekt? Alternativ kann man auch erst den Rahmen und das Innenlager zusammen stark erwärmen bis das Fett fast kocht. Mit Icespray oder einer CO2 Patrone die Lagerschale runter kühlen und dann sehr schnell mit großer Kraft die Lagerschale drehen. Kein Effekt?
Kann das Lager geopfert werden und besitzt einen Kragen der außerhalb des Innenlagers liegt, kann der Schraubstock auch als direktes Werkzeug benutzt werden. Mit der Säge werden zwei glatte Stirnflächen an der Lagerschale geschaffen. Das Ganze einspannen und in die richtige Richtung drehen! Den Rahmen dabei als Hebel verwenden.
Mit welchem Trick man die Plastikschale aus dem Innenlagergehäuse entfernt? Zur Not herausschmelzen! Am besten eignen sich Campinggas-Kocher und ein großer Hammer. Der Gaskocher hat eine schöne breite Flamme. Hier kann man einfach den Rahmen mit dem Tretlagergehäuse auflegen. Ist das Plastik weich, reicht ein fester Schlag mit dem Hammer und das Lager sollte draußen sein. Dennoch hat der Einsatz eines Lötbrenners schon große Wunder bewirkt und vielen Personen zu einer Lösung verholfen.
Wenn das Lager ausgebaut ist und nur noch die Plastikschale festsitzt, kann man auch eine Metallsäge hernehmen. Ausbohren kann man sein Lager natürlich auch. Einfach einen Kranz um die Welle bohren und herausschlagen.
Es kommt immer mal vor, das Rahmen und Innenlager eine untrennbare Ehe eingehen. Gerade bei günstigen Rahmen lohnt sich dann ein professioneller Ausbau allein aus finanziellen Gründen nicht mehr. Dennoch, geht alles schief, dann ab zum Profi mit dem Rahmen, oft kann man noch den einen oder anderen Tipp abstauben. Alternativ probiere noch einmal alle Methoden mit mehr RG (= Roher Gewalt).
Sollte der Ausbau dennoch das Gewinde zerstören, dann gibt es sogenannte Reparaturinnenlager, die ohne Gewinde auskommen.
Wann Benötige Ich Ein Neues Tretlager?
Wenn du bei jeder Kurbelumdrehung ein nerviges Geräusch aus dem Tretlagerbereich hörst, du spürbares Spiel in der Kurbel oder das Gefühl hast, dass du schwerer Treten musst um die Kurbel zu bewegen, dann ist es an der Zeit, sich mit einem neuen Tretlager den Spaß am Radfahren zurückzuholen.
Dabei verschleißen Tretlager je nach Kilometerleistung, Beanspruchung und den äußeren Bedingungen unterschiedlich schnell. Auch unsachgemäße Handhabung, z.B. eindringendes Wasser durch Reinigung mit dem Dampfstrahler oder ausbleibende Wartung lassen Lager vorzeitig verschleißen.
Gerade Ganzjahres- und Allwetterfahrer sollten ihrem Tretlager besondere Pflege zukommen lassen, da das Tretlager im Spritzbereich von beiden Rädern liegt.
Wie finde ich heraus, welches Tretlager ich benötige?
Die einfachste Art festzustellen, welches Lager du benötigst, ist, das alte Lager auszubauen. Meist ist auf dem Lager eine Lagergröße oder ein Code vermerkt, sodass du mithilfe der Informationen einfach ein neues Lager bestellen kannst. Zudem lässt es sich im ausgebauten Zustand leicht ausmessen, sollten keine Angaben mehr lesbar sein.
Grundsätzlich gibt es drei verschiedene Arten von Tretlagern:
- Lager mit geschraubten Lagerschalen
- Lager mit eingepressten Lagerschalen
- Direkt eingepresste Lager
Diese drei Arten unterscheiden sich hinsichtlich der Montage und dem benötigten Werkzeug. In Abhängigkeit von der Gehäusebreite können zudem auf beiden Kurbelseiten Spacer notwendig sein.
Geschraubte Lager sitzen häufig in einem BSA Tretlagergehäuse, also in einem Gehäuse mit Gewinde auf beiden Seiten. Der BSA Standard ist bei Fahrrädern bis Baujahr 2010 am meisten verbreitet, wobei Rennräder eine Gehäusebreite von 68mm aufweisen und Mountainbikes eine Breite von 73mm; die weiteren BSA Breiten von 83mm und 100mm sind eher selten.
Der seit 2006 häufig verwendete BB30 Standard wurde von dem BB86 - BB90 Standard abgelöst, der bei heutigen Rennrädern und Mountainbikes aktueller Stand der Technik ist.
Welches Tretlager-Werkzeug wird benötigt?
Um besser an und mit deinem Bike arbeiten zu können, empfehlen wir dir je nach geplanter Arbeit, dein Fahrrad auf dem Fahrradständer oder dem Hinterbauständer abzustellen oder einen Montageständer zu benutzen. Außerdem solltest du immer mit den passenden Minitools und dem richtigen Fahrrad Werkzeug zur Montage arbeiten.
Wir empfehlen dir das Rad vor der Reparatur gründlich zu reinigen, um sich mit dem neuen Tretlager nicht gleich wieder alten Schmutz mit einzubauen. Zudem sind demontierte Kurbelarme eine gute Gelegenheit, das Rad im Tretlagerbereich mal wieder richtig sauber zu bekommen. Die Kurbelinnenseiten und die Kettenblätter lassen sich ebenfalls im demontierten Zustand bestens reinigen.
Für den Ausbau empfehlen wir folgende Vorgehensweise:
- Sorge für einen sicheren Stand des Rades Am besten in einem Montageständer
- Hebe die Kette vorsichtig vom Kettenblatt ab. Du kannst sie am einfachsten mit einem Kabelbinder am Umwerfer hochbinden, damit sie den Rahmen nicht verkratzt
- Löse an der linken Kurbel die Inbusschrauben Nur lösen, die Schrauben brauchen nicht entfernt zu werden
- Entferne mit dem Kurbelkappenwerkzeug die Kurbelkappe
- Hebe mit dem Schraubendreher das Sicherungsplättchen an Das Plättchen sichert die linke Kurbel auf der Achse
- Ziehe die Kurbel von der Kurbelachse ab
- Treibe mit dem Gummihammer vorsichtig die rechte Kurbel aus
- Schraublager: Drehe mit dem Tretlagerwerkzeug die Lagerschalen aus dem Rahmen linke Seite=Rechtsgewinde, rechte Seite=Linksgewinde, Tipp: Beide Lagerschalen lösen sich „nach vorne“
- Presslager: Treibe mit einem passenden Dorn die Lagerschalen aus Führe dazu den Dorn auf der jeweils gegenüberliegenden Seite in das Tretlager ein und treibe es leichten Schlägen auf dem gesamten Umfang aus
- Reinige das Tretlagergehäuse gründlich von außen und innen
- Begutachte nun das gereinigte Tretlagergehäuse. Unschöne Stellen und Korrosion kannst du leicht mit feinem Schmirgelpapier oder etwas Stahlwolle entfernen. Überprüfe auch das Gewinde auf eventuelle Gratbildung oder Beschädigungen. Falls das Gewinde nachgearbeitet werden muss, empfiehlt sich für diesen Arbeitsschritt der Gang zur örtlichen Fahrradwerkstatt. Die Anschaffung eines Gewindeschneiders lohnt sich bei einem Kaufpreis von mindestens 60 € für den einmaligen Einsatz eher nicht.
Befindet sich das Tretlagergehäuse (wieder) in einem guten Zustand, kannst du mit der Montage des neuen Tretlagers beginnen.
Tretlager Einbauen - Montage
Ist das Tretlagergehäuse nun in einem einwandfreiem Zustand und hast du das neue Lager mit allen Spacern vorliegen, kannst du mit der Montage beginnen.
Für den Einbau empfehlen wir folgende Vorgehensweise:
- Bestreiche beide Gewinde bzw. die Gehäusefläche von innen reichlich mit Montagefett Das Fett schützt die Oberfläche vor Korrosion und verhindert das Eindringen von Feuchtigkeit
- Schraublager: Schraube beide Lagerschalen in den Rahmen ein linke Seite=Rechtsgewinde, rechte Seite=Linksgewinde, Tipp: Beide Lagerschalen schließen „nach hinten“, Achte dabei auf die richtige Anzahl der Spacer (siehe Tabelle) und ein Anzugsmoment von 40 - 45 Nm
- Presslager: Beide Lagerschalen in das Tretlagergehäuse einpressen Beide Lagerschalen mit dem Einpresswerkzeug bündig in das Gehäuse einpressen, dazu die Lagerschalen gerade an das Gehäuse anlegen und gleichmäßig und ohne zu verkanten anziehen. Beim Einpressen können unangenehme Geräusche entstehen. Diese sind jedoch nicht schlimm
- Die rechte Kurbel bis zum Anliegen in das Tretlagergehäuse einschieben
- Die linke Kurbel in der richtigen Position auf die Kurbelachse aufschieben
- Die Kurbelkappe mit dem Kurbelkappenwerkzeug handfest anziehen (0,7 - 1,5 Nm)
- Kurbel sichern und festziehen Sicherungsplättchen wieder eindrücken und beide Inbusschrauben im Wechsel mit 12 - 14 Nm anziehen
- Kontrolle Die Kurbel sollte sich nun leicht und spielfrei im Tretlagergehäuse drehen lassen
- Überflüssiges Montagefett entfernen und Kette wieder auflegen - FERTIG!
Die Kurbel sollte sich nun leicht und spielfrei im Tretlagergehäuse drehen lassen.
Zusätzliche Tipps und Tricks
Hier sind einige zusätzliche Tipps und Tricks, die Ihnen beim Ausbau und Einbau Ihres Innenlagers helfen können:
- Achten Sie darauf, das richtige Werkzeug für Ihr Innenlager zu verwenden.
- Fetten Sie die Gewinde des Innenlagers vor dem Einbau ein, um Korrosion zu vermeiden und den Einbau zu erleichtern.
- Ziehen Sie die Lagerschalen nicht zu fest an, da dies die Lager beschädigen kann.
- Wenn Sie Schwierigkeiten haben, das Innenlager auszubauen, versuchen Sie, es mit einem Fön oder einer Heißluftpistole zu erwärmen.
- Wenn das Gewinde des Innenlagers beschädigt ist, können Sie ein Reparaturinnenlager verwenden.
Mit den richtigen Werkzeugen und etwas Geduld können Sie Ihr Innenlager selbst ausbauen und einbauen. Dies spart Ihnen Geld und gibt Ihnen die Möglichkeit, Ihr Fahrrad besser kennenzulernen.
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