Ketten, Kassetten und Kettenblätter gehören zu den Verschleißteilen Nummer eins am Mountainbike. Entsprechend groß ist das Angebot. Sram und Shimano dominieren den Antriebsmarkt bei Mountainbike-Schaltungen, während Drittanbieter mit Alternativen geschickt Nischen bei einzelnen Schaltungskomponenten zu besetzen versuchen.
Kompatibilität und Standards
Bis vor Kurzem war die Antwort einfach. In der Ära von 9fach- und 10fach MTB-Schaltungen dominierte der universelle HG-Standard am Freilauf. Innerhalb einer Gang-Gruppe waren die Ritzelabstände der jeweiligen Kassetten gleich sowie die Innen- und Außenmaße der Ketten identisch.
Spätestens seit der Einführung der aktuellen 12fach MTB-Schaltungen wird jedoch der HG-Standard mehr und mehr durch die herstellereigenen XD-(Sram) und Micro-Spline-Varianten (Shimano) verdrängt. Wer ein aktuelle 1x12 Eagle-Schaltung von Sram verbaut hat, kann also gar keine Shimano-Kassette mehr montieren, ohne nicht auch das Hinterrad oder zumindest den Freilauf zu tauschen.
Eigentlich war es klar, dass die Konkurrenzsituation zwischen Shimano und Sram und eine immer ausgefeiltere Technik bei den Schaltungen dazu führen wird, dass die Zwölffach-Systeme aus Japan und USA nicht mehr kompatibel sind. Schade ist es dennoch.
Mischen von Komponenten
Vor allem bei aktuellen Zwölffach-Schaltungen sind kaum Verbindungen und Mixturen aus Sram- und Shimano-Teilen möglich. Das Baukastenprinzip ist damit passé. Was zum Glück immer noch geht: Man kann die unterschiedlichen Gruppen eines Herstellers untereinander mischen.
Sowohl Shimano als auch Sram haben Schaltgruppen in unterschiedlichen Preisklassen. Alle aktuellen Schaltgruppen eines Herstellers sind untereinander immer kompatibel. Man kann also alle Zwölffach-Bauteile von Shimano untereinander kombinieren. Genauso, wie man alle Eagle-Komponenten von Sram mischen kann. Was jedoch bei keinem Hersteller funktioniert, ist, Bauteile von älteren Zehn- oder Elffach-Antrieben mit einem aktuellen Zwölffach-Ensemble zu kombinieren.
Kassetten im Detail
Die Kassette hat eine Schnittstellenfunktion zwischen Hinterrad und Antrieb. Dementsprechend muss man beim Tausch einer Kassette also auch zwei Schnittstellen berücksichtigen. Zum einen muss das Ritzelpaket auf den vorhandenen Freilauf passen. Zum anderen müssen die Ritzel der Kassette mit dem verbauten Antrieb harmonieren. Bis zur Zehnfach-Generation war alles mit allem kompatibel.
Beim Versuch, eine Shimano Zwölffach-Kassette mit einer Sram Eagle-Schaltung einwandfrei zum Laufen zu bekommen, scheitern selbst erfahrene Schrauber, denn bei 12fach-Schaltungen sind die Abstände zwischen den Ritzeln von Sram- und Shimano-Kassetten nicht exakt gleich. Der Antrieb mit dieser Kombination funktioniert zwar einigermaßen, verursacht aber bei manchen Gängen fiese Geräusche. So mancher Schaltvorgang verlangt auch nach etwas Nachdruck am Hebel. Die Kombination ist also absolut nicht zu empfehlen.
Die optimale Funktion gibt es nur, wenn die Kassette zum Rest der Schaltgruppe passt.
Sram Eagle Kassette: Achtung bei der Bandbreite
Seit 2021 gibt es für Sram-Eagle-Antriebe auch eine Kassette mit einem 52er-Ritzel anstelle eines 50er-Kletterritzels. Wer beim Nachrüsten überlegt, so eine 10-52 Kassette mit 520 Prozent Bandbreite zu verbauen, sollte erst checken, ob das montierte Sram-Schaltwerk diese Kassette auch packt.
Der Hersteller selbst spricht keine generelle Freigabe für die Kombination älterer Eagle-Schaltwerke (das Parallelogramm ist bei diesen Schaltwerken etwas kürzer) und Kassetten mit 52er-Ritzel aus. Unsere Erfahrung hat aber gezeigt, dass es in manchen Fällen dennoch klappt. Der Erfolg dieser Kombi hängt von der Position des Schaltauges ab, welches bei jedem Fahrrad individuell ist. Wer wirklich sichergehen will, dass sich die neue 52er-Kassette auch gut schalten lässt, braucht ein Eagle-Schaltwerk, dessen Käfig mit dem Schriftzug „520 %“ gekennzeichnet ist.
Drittanbieter als Alternative
Drittanbieter wie E-Thirteen oder Absolute Black bieten universelle Nachrüstkassetten für alle 1x12-Antriebe an. Die E13-Helix-R12-Kassette geht bei den Abständen zwischen den Ritzeln einen Kompromiss ein, um sowohl mit Shimano- und Sram-Antrieben kompatibel zu bleiben und ist damit eine gute Option, wenn man ein Laufrad mit Sram-XD-Freilauf mit einer Shimano-Zwölffach-Schaltung paaren will.
Die E13-Helix-R12-Kassette kostet 290 Euro und funktioniert gleichermaßen für Sram- und Shimano-Antriebe.
Kettenblatt: Worauf es ankommt
Mit der Einführung der Einfach-Antriebe von Sram hat sich auch das Zahnprofil der Kettenblätter stark verändert. Während Sram bei seinen ersten 1x11-Antrieben auf ein Profil mit abwechselnd dicken und dünnen Zähnen (Narrow-Wide) gesetzt hat, um die Kette besser auf dem Kettenblatt zu halten, überraschte Shimano nur wenig später mit einem erstaunlich kantigen Zahn-Design in einheitlicher Breite.
Wie bei den Ketten und Kassetten kann man auch hier sagen: Bis zur 11fach-Generation der MTB-Schaltungen waren eigentlich alle Kombinationen möglich. Seit der Einführung des 12fach-Standards kann man Sram-Kettenblätter nicht mehr mit Shimano-Ketten fahren, oder andersrum.
Man kann jedoch alle Kurbeln mit Kettenblättern von Drittanbietern kombinieren und so jede Kurbel mit jedem Antrieb kreuzen. Die US-Firma OneUp Components hat zum Beispiel Kettenblätter im Angebot, die auf Elffach-Shimano-Kurbeln mit asymmetrischem Lochkreis passen, jedoch ein Zahnprofil speziell für Sram-Zwölffach-Ketten haben. Anders herum gibt es auch Kettenblätter, (z. B. von Alugear, Woolftooth), die auf den Direct-Mount-Standard von Sram-Kurbeln passen und für die Nutzung von Shimano-Zwölffach-Ketten empfohlen werden. Die Kettenblätter und Kurbeln von e-Thirteen sind pauschal für alle Zwölffach-Antriebe freigegeben.
Neben dem Montagestandard an der Kurbel und dem passenden Zahnprofil muss man beim Tausch des Kettenblatts darauf achten, dass man die richtige Kettenlinie für das jeweilige Bike erwischt. Bikes mit Boost-Hinterbau brauchen ein Kettenblatt mit 3-mm-Offset. Bikes mit geringerem Einbaumaß für das Hinterrad brauchen mindestens sechs Millimeter Offset, um die Kettenlinie zu halten.
Die Kettenlinie beschreibt den Abstand vom Kettenblatt zur Mitte des Rahmens. Rahmen mit 142 mm Einbaumaß am Hinterrad haben meist eine 49er-Kettenlinie (6 mm Offset). Rahmen mit Boost-Standard haben meist eine 52er-Kettenlinie (3 mm Offset).
Die passende Kette finden
Bei Neun-, Zehn- oder Elffach-Antrieben muss man sich über die Kompatibilität von Ketten keine Gedanken machen. Die Schaltungen vergangener Tage habe so viel Freiraum zwischen den Ritzeln, dass hier alles kombinierbar ist. Die Außen- und Innenbreiten der originalen Shimano- und Sram-Ketten sind in diesen Baureihen zudem identisch.
Beim Zwölffach-Antrieb wird die Sache kompliziert. Denn Zwölffach-Shimano-Ketten haben eine 0,15 Millimeter geringere Innenbreite als die von Sram. Dieser Unterschied kann vor allem im Bereich der Kettenblätter Probleme verursachen. Drittanbieter wie KMC haben Universalketten im Programm, die sowohl für Sram- als auch für Shimano-Antriebe freigegeben sind.
Auch die Kettenschlösser sind ab der Zwölffach-Generation nicht mehr kompatibel.
Wer eine Shimano-Kette auf einem Sram-Eagle-Antrieb fährt, muss mit Chainsucks rechnen. Auch anders herum funktioniert die Kombi nicht perfekt.
Schalthebel und Schaltwerk: Alternativen
Wer kein Original-Ersatzschaltwerk von Sram oder Shimano für den eigenen Antriebsstrang findet oder kaufen will, hat folgende Alternativen: Die 2020 vorgestellten Zwölffach-Schaltungen vom taiwanesischen Hersteller TRP sind kompatibel mit allen Zwölffach-Shimano-Gruppen. Man kann also einen noch intakten Shimano-Schalthebel mit einem TRP-Zwölffach-Schaltwerk kreuzen, ohne an Funktionalität einzubüßen.
Generell gilt: Die Einheit aus Schalthebel und Schaltwerk muss zusammenpassen. Ein Sram-Schaltwerk lässt sich nicht mit einem Shimano-Schalthebel kreuzen und umgekehrt.
Scheibenbremsen: Was ist kombinierbar?
Wer sich steile Abfahrten runterstürzt, vertraut sein Leben der am Mountainbike verbauten Scheibenbremse an. Kann man hier Teilen von Drittanbietern vertrauen?
Wer eine neue Bremsscheibe verbaut, muss Folgendes beachten: Die neue Scheibe muss sich auf dem bestehenden Laufrad montieren lassen. Die Bremsscheibe braucht den richtigen Scheibendurchmesser. Und die Bremsscheibe benötigt die richtige Materialstärke. Nur, wenn diese drei Parameter mit dem Laufrad und der montierten Bremsanlage übereinstimmen, sind die Bremsscheiben kompatibel mit dem aktuellen Bike.
Bei der Montage am Laufrad gilt: Bremsscheiben mit Sechsloch-Aufnahme können mit einem Adapter auf Laufräder mit einer Centerlock-Verzahnung montiert werden. Centerlock-Scheiben hingegen sind nicht mit Laufrädern mit Sechsloch-Aufnahme kompatibel.
Shimano-Kassette Vergleich 2025
Hier ist ein aktueller Vergleich von Shimano-Kassetten:
| Modell | Kompatible Kette | Schaltstufen | Übersetzung | Gewicht | Vorteile |
|---|---|---|---|---|---|
| Shimano Deore XT | 11-fach HG/LG | 11 Gänge | 11 - 46 Zähne | 600 g | Breites Ritzelpaket, stabile Schaltung |
| Shimano CS-M771 | 10-fach HG-X | 10 Gänge | 11 - 36 Zähne | 300 g | Viele Schaltstufen, einfache Übersetzung, leicht |
| Shimano CS-M7100-12 10-51 | 12-fach HG | 12 Gänge | 10 - 51 Zähne | 700 g | Kontinuierliches Pedalieren beim Schalten, reduziert Trägheit |
| Shimano CS-M8100-12 10-51 | 12-fach HG | 12 Gänge | 10 - 51 Zähne | 300 g | Leichtere und steifere Konstruktion, 12-Gang-Antrieb |
| Shimano CS-R8000-11 11-28 | 11-fach HG/LG | 11 Gänge | 11 - 28 Zähne | 331 g | Besonders leicht, Hochleistungs-Getriebekombination |
| Shimano CS-HG200-9 | 9-fach HG | 9 Gänge | 11 - 36 Zähne | 500 g | Sanftes und komfortables Treten, hochwertiges Design |
| Shimano CS-HG400-9 11-34 | 9-fach HG | 9 Gänge | 11 - 34 Zähne | 300 g | Leichtbauweise, schnelle und einfache Montage |
| Shimano CS-M4100 | 10-fach HG-X | 10 Gänge | 11 - 46 Zähne | 360 g | Viele Schaltstufen, einfache Übersetzung, leicht |
Neue 8-Fach-Schaltung von Shimano: Shimano Essa
Shimano stellt mit der Essa-Gruppe eine brandneue, acht Gänge bereitstellende Einsteiger-Schaltung vor. Hinter dem Namen der neuen Einsteiger-Schaltung von Shimano steckt "The Essence of Active" - sie soll also im Wesentlichen ein günstiger und guter Einstieg in die Welt des Radsports darstellen.
Kurz & knapp:
- neue "Einsteiger"-Schaltung von Shimano
- 1x8 Gänge, Kassette mit 11 bis 45 Zähnen
- Kettenblätter mit 32 oder 34 Zähnen
- kompatibel mit Acera-, Altus-, Tourney-TX-Gruppen
- Preis & Gewicht: keine Angabe
Mit 400 % ist der Abstand zu den "großen" 12-Fach-Gruppen zwar deutlich (denn die haben bis zu satten 510 %), im Mittelgebirge ist das aber verschmerzbar. Denn trotz "nur" acht Gängen ist ein recht dicker Berggang mit 45 Zähnen genauso am Bord wie ein 11er-Ritzel für Speed in der Ebene. Dazu passt, dass die Essa mit 32 oder 34 Zähnen gefahren werden kann.
Die Essa ist mit bestehenden Hyperglide-Systemen kompatibel und kann munter mit Acera-, Altus- und/oder Tourney-TX-Gruppen gemischt werden. Auch kommt das von den MTB-Schaltungen bekannte "Narrow-Wide"-Zahnprofil zum Einsatz, welches laut Shimano besseren Kettenhalt verspricht.
Diese Essa-Komponenten wird es geben:
- RD-U2000 - Schaltwerk (Kapazität max. 34x45 Zähne)
- FC-U2000-1 - Kettenblatt (verfügbar mit 32 oder 34 Zähnen)
- CS HF400-8 - Kassette (Bandbreite: 11 bis 45 Zähne)
In Zukunft soll sie an Mountainbikes, aber auch an Fitness- und City-Fahrrädern zu finden sein.
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