Shimano Adapter für Schnellspanner und Steckachse: Ein umfassender Ratgeber

Steckachsen (oder Thru-Axle) sind eine beliebte Alternative zu Schnellspannern. Da nun beide Systeme im Umlauf sind und es verschiedene Einbaugrößen gibt, sind unzählige Adapter im Handel, um von einem System auf das andere zu wechseln. Jeder Hersteller von Steckachsen scheint sein eigenes Süppchen zu kochen: Selbst, was die Gewindesteigung angeht, gibt es verschiedene Standards. In unserem Ratgeber helfen wir Dir, den passenden Adapter zu finden.

Wie finde ich den passenden Steckachsen-Adapter?

Um diese Frage möglichst einfach und dennoch umfassend zu beantworten, haben wir eine Liste von Schritten zusammengestellt, auf die Du bei Umbau-Arbeiten dieser Art achten musst.

  1. Du hast einen Rahmen bzw. eine Gabel, der/die für ein spezifisches Achssystem entworfen ist: z.B. für 12mm Maxle Steckachsen oder für 9x100mm Schnellspanner. Bei Steckachsen passt in der Regel nichts anderes, da jeder Hersteller unterschiedliche Gewinde und Klemmechanismen benutzt: Die Steckachsen von Maxle zum Beispiel verwenden einen Schnellspannhebel, womit sie eine Mischung zwischen Schnellspanner und Steckachse darstellen.
  2. Du suchst eine passende Nabe für deinen Rahmen bzw. deine Achse? Im Idealfall findest Du ein Laufrad, das Dir gefällt und zum Durchmesser und zur Breite deiner Achse passt (z.B. Steckachse mit 12x100mm). Denn auf mehr kommt es nicht an.
  3. Dein gewünschtes Laufrad passt nicht zu Deiner Achse? Dann wird es verzwickt. Wenn Du ein Laufrad für Steckachse hast, dass Du auf einen Rahmen mit Schnellspanner befestigen möchtest, gibt es Adapter von Steckachse auf Schnellspanner. Mehr dazu findest Du weiter unten im Unterkapitel dazu.
  4. Viele neue Laufräder können auf verschiedene Achsstandards umgerüstet werden - die Adapter haben hier oftmals die Form von Endkappen, die man auf die Laufradnabe steckt. Doch solche Umbaulösungen sind immer abhängig vom jeweiligen Laufrad - weshalb man bei Adaptern immer eine Liste an kompatiblen Laufradmodellen findet.
  5. Wenn du nicht von einem Steckachsen-Laufrad auf einen Schnellspanner-Rahmen umrüstest und es für Dein spezifisches Laufrad von Deinem Hersteller keine Adapter gibt, kann man leider nichts machen.

Adapter: Steckachsen-Laufrad auf Schnellspanner-Rahmen

Die einfachste Adapter-Möglichkeit besteht darin, wenn man ein Steckachsen-Laufrad auf einen Schnellspanner-Rahmen montieren möchte. Verschiedene Hersteller stellen solche „allgemeinen“ Adapter her - jedoch sind dieser Adapter auch immer für spezifische Umbau-Szenarien gedacht, weshalb man auf die genauen Maße der Nabe achten muss, die man verbauen möchte.

Umbau-Szenarien

  • 12x100mm Steckachsen-Nabe auf 9x100mm Schnellspanner-Rahmen (Standard-Schnellspanner mit Achsdurchmesser 5mm): Hersteller dieses Adapters sind beispielsweise Reverse und Sun Ringle.
  • 15x100mm Steckachsen-Nabe auf 9x100mm Schnellspanner-Rahmen (Standard-Schnellspanner mit Achsdurchmesser 5mm): Hersteller dieses Adapters sind beispielsweise Mavic, BBP, CNC und WF-MTBE.

Andere Adapter-Möglichkeiten

Wenn Du ein Steckachsen-Laufrad auf einen Steckachsen-Rahmen einer verschiedener Größe oder ein Schnellspanner-Laufrad auf einen Steckachsen-Rahmen montieren möchtest, gibt es keine Adapter, die man pauschal benutzen kann. In diesen Fällen musst Du nach speziellen Adaptern für Dein spezifisches Laufrad-Modell suchen - oder Dich notfalls an den Hersteller Deines Laufrads wenden. Manche neuen Laufräder werden inzwischen so hergestellt, dass die Nabe zu verschiedenen Achsen passt - es müssen dann immer bloß die passenden Endkappen für die jeweiligen Achsenmaße eingesetzt werden. Für solche Laufräder findet sich eine Fülle an verschiedenen „Umrüstungskits“, um jedem Achsen-Standard gerecht zu werden.

Beachte bitte, dass dieser Adapter nur für ganz bestimmte Laufrad-Modelle gedacht ist!

Fahrradanhänger-Adapter für Steckachse

Da Fahrradanhänger (wie die Kinderanhänger von Thule und Croozer) immer an die Hinterrad-Achse befestigt werden, benötigt es auch hier spezieller Adapter-Lösungen, wenn das Hinterrad eine Steckachse hat. Die Sache ist hier leider besonders kompliziert, da man auf die herstellerspezifische Gewindesteigung achten muss - aber es ist schon machbar. Tatsächlich versuchen es die Hersteller dieser Fahrradanhänger, den Käufern die Frage nach dem Adapter so einfach wie möglich zu gestalten - so einfach, wie das eben bei Steckachsen möglich ist. Online findet man auf den Seiten von Thule und Croozer entsprechende Erklärungen, wie man den richtigen Adapter findet.

Im Grunde solltest Du (mindestens) drei Dinge über Deine Steckachse wissen, um sicherzustellen, dass Du den passenden Adapter findest:

  1. Durchmesser der Achse. Die meisten Steckachsen, die an Trekking- und Stadt-Rädern verbaut werden, haben das „Leichtmaß“ von 12mm Durchmesser. Doch Steckachsen können auch 15 oder 20mm dick sein. Alle erhältlichen Adapter sowohl für Croozer- als auch für Thule-Anhänger sind 12mm dick - Fahrräder mit dickeren Steckachsen scheiden also aus.
  2. Länge der Achse. Entweder ist dies bei Deiner Steckachse mitangegeben oder Du misst selber die Länge aus.
  3. Gewindesteigung der Achse. Das Gewinde Deiner Achse kann 1,0mm, 1,5mm oder 1,75mm betragen. Croozer bietet ein praktisches Dokument zum Ausmessen der Gewindesteigung an: Maßstab für Steckachsen. Die Gewindesteigung hängt aber auch vom Hersteller der Steckachse ab: Syntace-Stecknaben haben 1,0mm, Shimano-Steckachsen haben 1,5mm und Maxle-Steckachsen haben 1,75mm.

Welche Steckachse ist die richtige für Deine Nabe?

Wir geben Dir einen Überblick über die gängigen Maße von Naben und Achsen an MTB, Rennrad und Gravelbike.

Früher war’s simpler: Steckachsen mit 5 mm Achsdurchmesser waren der Standard. Schöne neue Welt: Die deutlich steifere Verbindung zwischen Laufrad und Gabel oder Rahmen bilden heute Steckachsen. Am MTB finden sich mittlerweile fast ausschließlich Steckachsen. Dabei hat sich am Vorderrad der Achsdurchmesser 15 Millimeter und am Hinterrad 12 Millimeter etabliert. An älteren Bikes mit viel Federweg wurden vorn teilweise 20-Millimeter-Achsen verbaut. Heute dominieren zwei Achsdurchmesser den Markt, unabhängig ob Boost oder Non-Boost.

Viele Naben von Herstellern wie etwa DT Swiss und Hope lassen sich mithilfe verschiedener Achs-Endstücke einfach von Schnellspanner auf Steckachse oder zurück umbauen.

Was ist eigentlich dieses Boost?

Mit dem Boost-Einbaumaß wurde die Nabeneinbaubreite am Vorderrad von 100 auf 110 Millimeter und am Hinterrad von 142 auf 148 Millimeter vergrößert. Das hatte auch mit der wachsenden Verbreitung der größeren 29-Zoll-Laufräder zu tun. Am Hinterrad rückt dabei aber auch der gesamte Antrieb um drei Millimeter nach außen. Darum brauchst Du bei einer Boost-Nabe auch ein Boost-Kettenblatt.

Noch einen Schritt weiter geht der Nabenstandard Superboost Plus am Hinterrad. Die Einbaubreite beträgt hier 157 mm, was einen deutlich breiteren Flanschabstand ermöglicht und somit ein nochmals steiferes Hinterrad. Noch ist Superboost Plus eine Nische.

Achstypen Mountainbike (Nabenbreite)

Vorderrad (Achsdurchmesser / Einbaubreite) Hinterrad (Achsdurchmesser / Einbaubreite)
Schnellspanner 5 / 100 mm 5 / 135 mm
Steckachse (klassisch) 20 / 100 mm 12 / 142 mm
Steckachse (Non-Boost) 15 / 100 mm 12 / 142 mm
Steckachse (Boost) 15 / 110 mm 12 / 148 mm
Steckachse (Superboost Plus) 15 / 110 mm 12 / 157 mm

Kompatibilitäten und ihre Grenzen

In einen Rahmen und eine Gabel mit 142er- bzw. 100er-Einbaubreite kannst Du keine Boost-Laufräder einbauen, sie sind schlicht zu breit. Umgekehrt kannst Du allerdings einen Non-Boost-Laufradsatz auf das Boost-Maß bringen: mithilfe zur Nabe passender Adapter wie den MRP Better Boost oder dem Problem Solvers Booster Adapter Kit. So profitierst Du zwar nicht vom Vorteil stabilerer Laufräder, kannst aber vorhandene Laufräder erst mal weiter nutzen.

Aber Achtung: Manche Hersteller schließen eine Umrüstung ihrer Naben auf Boost aus. DT Swiss zum Beispiel weist ausdrücklich darauf hin, dass bei umgerüsteten Naben die Garantie erlischt.

Sonderfall Torque Caps

Um die Steifigkeit der Einheit Vorderrad/Gabel weiter zu erhöhen, hat RockShox die Torque Caps entwickelt: Die Ausfallenden und ihre Gegenstücke an der Nabe besitzen jeweils eine deutlich größere Oberfläche. Die Abstützung erhöht sich. Du kannst eine Nabe ohne Torque Caps in eine Gabel für Torque Caps stecken, aber nicht andersrum.

Einbaubreiten-Evolution am Rennrad

Auch am Rennrad und an seinen Vettern, den Gravel- und Cyclocross-Bikes, hat mittlerweile die Scheibenbremse Einzug gehalten - und mit ihr die Steckachse. Die Einbaubreiten entsprechen weitgehend dem Non-Boost-Maß, also vorn 100 Millimeter und 142 Millimeter hinten.

In diesem Licht ist auch die jüngste Entwicklung namens „Road Boost“ zu betrachten: Die Zwölf-Millimeter-Achsen vorn und hinten werden mit den Boost-Einbaubreiten kombiniert, wie wir sie vom MTB kennen, also: 12/110 und 12/148 mm.

Achstypen Rennrad(Nabenbreite)

Vorderrad (Achsdurchmesser / Einbaubreite) Hinterrad (Achsdurchmesser / Einbaubreite)
Schnellspanner 5 / 100 mm 5 / 130 mm
Steckachse 12 / 100 mm 12 / 142 mm
Road Boost 12 / 110 mm 12 / 148 mm

Wie finde ich die richtige Achse?

Wenn Du eine Ersatzachse brauchst, Dein Bike in einen Rollentrainer einspannen oder es in puncto Gewicht bzw. Farbe tunen willst, musst Du zunächst die passende Achse finden. Die meisten Steckachsen sind mit ihren Maßen beschriftet, was Dir die Suche erleichtert. Um die Größen selbst zu ermitteln, gehst Du am besten wie folgt vor:

  1. Erstens misst Du den Durchmesser Deiner Steckachse: Ob dieser 15 oder 12 mm misst, lässt sich recht einfach bestimmen.
  2. Zweitens brauchst Du nun die Einbaubreite der entsprechenden Nabe.
  3. Drittens wird bei Hinterradachsen oft die effektive Länge der Steckachse angegeben, die natürlich deutlich über der Einbaubreite liegt. Miss hierfür die Länge der Achse ohne Achsenkopf; also ab dem Kragen, der außen am Rahmen anliegt und hinter dem der Hebel oder der Inbus- oder Torx-Kopf kommt.
  4. Viertens, und hier wird es meist knifflig, gibt es unterschiedliche Gewinde an den Steckachsen. Denn die Achse muss immer zu ihrem Gegenstück, der „Mutter“ in Rahmen oder Gabel passen, weshalb eine Steckachse auch immer zum Lieferumfang von Rahmen oder Gabel gehört.

Relativ einfach ist die Entscheidung bei Federgabeln: Über die Angabe des Herstellers und Boost oder Non-Boost kommst Du recht schnell zum Ziel. Bei Hinterradachsen musst Du eventuell die Gewindesteigung ermitteln. M12x1,0, M12x1,5 oder M12x1,75 sind die gängigen Maße - hierfür druckst Du Dir am besten eine Schablone aus, wie sie etwa bei Robert Axle Project erhältlich ist. Dasselbe Vorgehen ist übrigens ratsam, wenn Du einen Adapter für die Montage eines Anhängers brauchst.

Exoten und Sonderformen

Die in diesem Text genannten Einbaumaße sind nur die gängigsten Varianten an Mountainbikes, Gravel- und Rennrädern. Es gibt noch eine Fülle weiterer Einbaumaße. Bevor Du etwas Falsches kaufst oder Bauteile beim Montieren nicht passender Achsen beschädigst, miss lieber zweimal nach oder melde Dich bei uns im Service. Wir helfen Dir gern bei Deiner Suche nach den richtigen Parts für Dein Bike!

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