Die Shimano Alfine 11-Gang Nabenschaltung erfreut sich aufgrund ihrer Robustheit und optimierten Abstufung großer Beliebtheit. Eine Besonderheit dieser Schaltung ist die Verwendung von Öl als Schmierung. In diesem Artikel wird erläutert, wie Sie Ihre Alfine 11-Gang korrekt warten, einschließlich Ölwechsel, Reinigung und Montage.
Allgemeine Informationen und Tipps
Bevor Sie mit der Wartung beginnen, hier einige allgemeine Hinweise:
- Lassen Sie sich nicht durch "hohe Rabatte" verführen.
- Testberichte sagen mehr aus als ein Verkäuferlob.
- Bei den meisten Schaltproblemen muss die Alfine 11 gar nicht geöffnet werden. Oft helfen ein Ölwechsel, ein neuer Bowdenzug oder die richtige Schaltzug- und Konus-Einstellung.
Vorbereitung
Drucken Sie sich unbedingt die Shimano Explosionszeichnung EV-SG-S700-3092A.pdf aus, da hier alle Teile bezeichnet sind.
Werkzeug und Material
Für die Wartung benötigen Sie:
- Shimano Ölwechselset für Alfine 11-Gang Naben (enthält Öl, Spritze und Schlauch)
- Spezialwerkzeug zum Öffnen der Staubkappe (optional, aber empfohlen)
- Übliche Fahrradwerkzeuge
- Schraubstock
- Reinigungsmittel (z.B. Bremsenreiniger)
- Lappen und Bürsten
Ölwechsel
Die erste Wartung sollte nach etwa 1000 Kilometern erfolgen. Danach warten Sie Ihre Nabe circa alle 5000 Kilometer oder alle 2 Jahre (wenn dies zuerst eintritt).
Ablauf des Ölwechsels
- Schließen Sie die im Wartungs-Set enthaltene Spritze an den Schlauch an. Der Kolben der Spritze sollte komplett eingedrückt sein.
- Drehen Sie das Laufrad langsam, bis die Ölöffnung nach unten zeigt.
- Füllen Sie zunächst 25 Milliliter neues Öl in die Spritze ein.
- Drücken Sie den Kolben der Spritze, damit das neue Öl in die Nabe gelangt.
- Drehen Sie das Laufrad einige Minuten lang und schalten Sie dabei die Gänge rauf und runter. Dadurch vermischt sich das neue Öl mit möglicherweise in der Nabe verbliebenen Resten des alten Öls.
- Saugen Sie das "Spülöl" wieder ab.
- Füllen Sie 25 ml neues Öl ein.
Demontage
Ich starte mit der Demontage des Schaltarms und des Ritzels. Dazwischen sitzt eine Kunststoffscheibe namens Driver-Cap (Nr. 41), die später wieder montiert werden muss. Das Ritzel hat an dieser Nabe bereits deutliche Verschleißspuren, ich werde es auswechseln. Die Nabe hat vermutlich bereits 12 - 14.000 Kilometer runter.
Nach dem Entfernen des Ritzels wird der starke Ölverlust deutlich. Hier ist was undicht. Der schwarze Kunststoffring „Kettengleiter“ ist nur locker aufgesteckt und kann einfach abgezogen werden. Es dürfen beim Zusammenbau keinesfalls Sandkörner oder Dreck hinein fallen!
Im Bild ist zu sehen, was passiert, wenn man die Konusschrauben lösen will: Unter der Gummistaubkappe links sitzt wieder massig Dreck, der unbedingt entfernt werden muss, weil darunter schon gleich die erste, empfindliche Dichtung sitzt. Leider erfüllt die Staubkappe ihre Funktion überhaupt nicht. Vor dem Lösen der Kontermutter des Konuslagers also nochmal gründlich putzen, z.B.
Nun kommt das Spezialwerkzeug zum Einsatz. Achtung, das Gewinde läuft hier anders herum… Einige fragten, ob der Schlüssel wirklich notwenig ist. Nun ja, er kostet mit 12,- EUR nicht die Welt, der Deckel kann mit etwas Glück evtl. auch mit der Hand abgedreht werden, sicher ist das aber nicht. Nur keinesfalls mit einem Schraubendreher aufmeißeln.
Die rechte Seite der Alfine ist nun geöffnet. Nach dem Lösen des linken Konuslagers, kann die gesamte Getriebeeinheit zur Ritzelseite herausgenommen werden. Aber Achtung, auch hier versteckt sich wieder loser Dreck auf dem Wellendichtring (Siehe Pfeil Nr. 35). Dieser kann nach dem Säubern ganz vorsichtig herausgenommen werden. Darunter befindet sich das von innen ölgeschmierte, linke Konuslager. Der Wellendichtring muss eigentlich beim Zusammenbau mit einem Spezialwerkzeug (Nr. 49) eingesetzt werden. Braucht man aus meiner Sicht nicht unbedingt. Mit etwas ruckeln und ziehen habe ich die öltriefende Getriebeeinheit nun ausgebaut.
Auf der rechten Seite sind leichte optische Laufspuren von der Schleifdichtung der Staubkappe A (Nr.26), die ich ersetzen werde. Das Öl der Alfine ist länger nicht gewechselt worden - man sieht es deutlich. In schlimmeren Fällen sieht man abgebrochene Metallpartikel oder Bauteilsegmente wie z.B. Fragmente von Federn.
Reinigung
Die Nabe ist von Innen mit hochpräziser Feinmechanik vollgestopft. Grob reinigen reicht leider nicht aus. Bei mir hat das Putzen der verölten und sandverkrusteten Bauteile sehr viel Zeit gekostet.
Bevor es herausfällt, sollte nun das Konuslager samt Dichtring heraus genommen werden. Beides gründlich reinigen. Die Lauffläche des Konus und das Lager auf Laufspuren untersuchen. Falls diese sichtbar sind müssen die Teile ersetzt werden. Die Kugeln dürfen nicht von selbst aus dem Lagerring fallen, ansonsten das Kugellager erneuern.
Kontrolle des inneren, gesäuberten Nabenkörpers auf Laufspuren. Auf Riefen, Macken oder Klemmspuren achten, denn dann stimmt etwas nicht und der Nabenkörper (und oft auch die Getriebeeinheit) müssen ersetzt werden. Die beiden glänzen Flächen zeigen den Rollen-Freilauf (Shimano-Sprech: „Silent Clutch“) der ersten Getriebeeinheit.
Nach dem Einspannen der Getriebeeinheit in den Schraubstock erkennt man optisch den Zustand der Sonnen- und Planetenräder. Hier dürfen keine Zähne abgebrochen- oder verschlissen sein. Beachten sie die beiden Aussparungen mit den sichtbaren Haltenocken für die Federn. Genauso muss das später wieder zusammengebaut werden. Fehlt eine der beiden silbernen Haltenocken. ist wahrscheinlich eine Feder gebrochen. Das abgebrochene Drahtstück muss unbedingt gefunden werden.
Die Federn müssen leicht drehbar in ihren Nuten sitzen. Dies ist eine typische Fehlerquelle in der Alfine-Konstruktion, die bei vielen NutzerInnen für Probleme sorgt.
Montage
Nachdem die Getriebeeinheit wieder zusammengesetzt wurde, wird die große Shimano Staubkappe A mit dem Spezial-Werkzeug mit viel Gefühl wieder eingeschraubt (nicht anballern, sie besteht aus weichen Kunststoffen). Vorher sollten die beiden Dichtlippen (siehe Pfeile im Bild) unbedingt mit Öl befeuchtet werden, damit es leicht läuft und die Gummidichtung nicht wieder vorschnell verschleißt. Diese Dichtkappe ist aus verschieden festen Kunststoffmaterialien gefertigt und reagiert auf unsachgemäße Behandlung sicher extrem sensibel. Es wird sehr wahrscheinlich das verantwortliche Bauteil für die meisten Ölverluste auf Zeit an der Alfine 11 sein.
Die gesamte Alfine 11 wird komplett durch das innere Ölbad geschmiert. Lagerfett (wie bei den Shimano Nexus-Schaltungen) verdickt das Öl künstlich und erzeugt so Schaltprobleme. Die Lager dürfen also nicht gefettet, sondern nur geölt eingebaut werden.
Auf der rechten Seite wurden das Ritzel und die Metalldichtung ebenfalls leicht ölfeucht eingebaut, damit es schön leicht läuft. Auf dem Foto ist gut zu erkennen, das die Metalldichtung extrem passgenau aufliegt und keinesfalls verzogen oder verbeult sein darf. Zwischen diesen Teilen entstehen ansonsten zu viel Reibungsverluste beim Freilauf.
Bevor der Schaltarm als letztes Teil aufgesetzt wird, habe ich ihn aufgeschraubt und penibel gereinigt, damit die einzelnen Gänge sich ganz leicht schalten lassen. Nach dem Anklipsen habe ich ein leichtes Spiel bemerkt - der Schaltarm wackelte leicht und war bereits optisch angeschliffen.
Einstellung
Die Alfine 11 wird grundsätzlich im sechsten Gang eingestellt. Dabei müssen die beiden gelben Punkte (siehe Pfeil im Foto) genau fluchten. Die Punkte waren vor der Säuberungsaktion übrigens kaum zu erkennen. Die Einstellung ist mindestens dreimal durchzuführen, indem vom 11. Gang in den 6. Gang geschaltet- und dann kontrolliert wird. Ein halber Millimeter vor oder hinter dem exakt übereinstimmenden Fluchtpunkt entscheiden hier oft über Sieg oder Niederlage. Bedenken Sie, dass sich neue Bowdenzüge in den ersten Wochen noch setzen und die Einstellung wahrscheinlich einmal wiederholt werden muss.
Konuslager Einstellung
Die beste Einstellung des Konuslagers entscheidet über die Effizienz der gesamten Fahrdynamik. Spüren kann man diese bei der Einstellung nur mit ordentlich geschmierten Lagern. Schon etwas zu stramm eingestellte Konuslager kosten sehr viel zusätzliche Energie, die im Nachhinein schwer zu lokalisieren ist. Deshalb ist das Ausprobieren bis zum Optimum ein wichtiger Prozess.
Das linke Konuslager darf aber keinesfalls zu locker sitzen, die Alfine 11 verträgt (im Gegensatz nur Nexus 8) kein spürbares Spiel, da sie sonst undicht wird und die Lager vorschnell verschleißen. Andererseits dreht sich die Nabe durch die Menge an Zahnrädern und Lagern samt Abdichtung relativ schwer. Wir kommen hier in einen technischen Konflikt zwischen maximal möglichem Leichtlauf und einer technisch erforderlichen, absoluten Nullspiel-Toleranz.
Ersatzteile
Im Grunde genommen sind die Einzelteile nicht sonderlich teuer. Problematisch ist eher, das sie mühsam bei mehreren Händlern im Netz bestellt werden müssen, da nicht jeder alles vorrätig hat. Bei drei Einzelbestellungen hat man aber schon gleich ganz schnell zwanzig Euro Versandkosten oben drauf.
Häufige Probleme und Lösungen
Hier eine Tabelle mit häufigen Problemen und möglichen Lösungen:
| Problem | Mögliche Ursachen | Lösungen |
|---|---|---|
| Schaltprobleme | Verschmutzung, falsche Einstellung, defekter Bowdenzug | Reinigung, Einstellung überprüfen, Bowdenzug austauschen |
| Ölverlust | Defekte Dichtungen, beschädigte Staubkappe | Dichtungen austauschen, Staubkappe ersetzen |
| Leertritte | Verschlissenes Ritzel, defekte Federn im Getriebe | Ritzel austauschen, Getriebe überprüfen und reparieren |
| Schwergängigkeit | Falsche Konuslager-Einstellung, fehlende Schmierung | Konuslager einstellen, Ölwechsel durchführen |
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