Shimano Alfine 11: Ersatzteile, Reparatur und Vergleich

Die Shimano Alfine 11 Nabenschaltung ist eine beliebte Wahl für all diejenigen, die sich eine zuverlässige Schaltung für den sorgenfreien Gebrauch des Alltagsrads oder für längere Ausfahrten am Wochenende wünschen. Sie eignet sich für längere Fahrten zur Arbeit und kann am Wochenende auf ausgedehnteren Touren über den einen oder anderen längeren Anstieg genutzt werden. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über diese Schaltung, von den verfügbaren Varianten über Reparaturhinweise bis hin zu einem Vergleich mit anderen Getriebeschaltungen.

Verschiedene Varianten der Shimano Alfine

Shimano bietet mehrere Varianten der Alfine Nabenschaltung an. Sie kann mechanisch oder elektronisch geschaltet werden und ist in beiden Varianten wahlweise mit 8 oder 11 Gängen erhältlich. Alle Alfine Naben sind mit einer Bremsscheiben-Aufnahme ausgestattet und können so wahlweise an Rädern mit Scheiben- oder Felgenbremse genutzt werden.

Der Unterschied zwischen der elektronischen und der mechanischen Shimano Alfine Schaltung besteht darin, wie der Schaltimpuls vom Schalthebel am Lenker an das Getriebe im Innern der Nabe übertragen wird. Bei der mechanischen Schaltung kommt hier ein Schaltzug zum Einsatz. Bei der elektronischen Variante sitzt ein Stellmotor auf der rechten Seite der Nabe. Dieser stellt den gewünschten Gang ein, nachdem die Fahrerin oder der Fahrer den Schalthebel betätigt hat.

Die Anzahl der Gänge macht sich bei der Shimano Alfine Nabe hinsichtlich der Übersetzungsbandbreite, also dem Unterschied zwischen kleinstem und größtem Gang, bemerkbar. Bei der 8-fach Schaltung beträgt dieser Unterschied 307%. Wählst du die 11-fach Schaltung, beträgt dieser Unterschied 409%.

Bedienung der Alfine Nabenschaltung

Der Gangwechsel zwischen den 11 beziehungsweise 8 Gängen der mechanischen Shimano Alfine Nabenschaltung erfolgt über einen klassischen Schalthebel, der auf der rechten Seite des Lenkers angebracht ist. Dieser verfügt über zwei Hebel, die immer wieder in ihre Ausgangsposition zurückspringen und somit in jeder Situation erreichbar sind. Mit diesem wechselst du in den nächstniedrigeren Gang. Der hintere Hebel lässt sich gut mit dem Zeigefinger erreichen und dient dem Wechsel in eine größere Übersetzung.

Wenn du die elektronische Alfine Nabenschaltung, die sogenannte „DI2“-Version, nutzt, wird der Schaltimpuls ebenfalls über einen Daumenschalthebel ausgelöst. Ein Stellmotor, der außen an der Nabe angebracht ist, sorgt dann für den Gangwechsel. Alternativ kann die Alfine DI2 auch über einen Brems-Schalthebel bedient werden, der für die Montage am Rennradlenker entwickelt wurde. Über zwei Tasten auf der äußeren Seite des Bremshebels kannst du hoch- und runterschalten.

Die Alfine Schaltung verfügt weiterhin über die Option eines automatischen Gangwechsels. Wird die Nabe in einem E-Bike mit einem Shimano Steps Motor genutzt, besteht die Möglichkeit, dem System „beizubringen“, wann es schalten soll. Der Bordcomputer registriert dann, in welchen Situationen die Fahrerin oder der Fahrer bevorzugt schaltet und mit welcher Trittfrequenz bevorzugt gefahren wird. Auf dieser Grundlage besteht dann die Möglichkeit, die Gänge automatisch durch den Bordcomputer wechseln zu lassen.

Nachrüstung und Kompatibilität

Die Shimano Alfine Nabe ist mit einer 10mm Achse ausgestattet und ist 135mm breit. Sie kann somit in jedes Rad mit „normalen“ Ausfallenden eingebaut werden. Eine Nachrüstung ist an nahezu jedem Trekking- oder Citybike problemlos möglich. Bei der Nachrüstung macht es in den meisten Fällen Sinn, direkt ein komplettes Hinterrad mit Alfine Nabe zu kaufen.

Wer ein neues Rad mit Alfine Nabe anschafft, kann sich überlegen, einen Rahmen zu wählen, der direkt für die Nutzung mit einer Nabenschaltung ausgelegt ist. Solche Rahmen zeichnen sich durch horizontal verschiebbare Ausfallenden aus. Diese ermöglichen, die Kette stets auf der optimalen Spannung zu halten.

Vor- und Nachteile der Alfine Nabenschaltung

Die Vor- und Nachteile der Alfine Nabe betreffen einerseits die Entscheidung zwischen Ketten- und Nabenschaltung und andererseits die Positionierung im Feld der Nabenschaltungen, also gegenüber der Konkurrenz.

  • Vorteile: dauerhafte Zuverlässigkeit, wenig Verschleiß, geringe Wartung, hohe Widerstandsfähigkeit gegenüber äußeren Einflüssen, sehr gutes Preis-Leistungsverhältnis, vielseitig einsetzbar (in E-Bike und "normales" Fahrrad), leichte, intuitive Bedienung, Option unterschiedlicher Schalthebel, automatischer Gangwechsel in Verbindung mit dem Shimano Steps Motor möglich.
  • Nachteile: etwas schwerer als Kettenschaltungen, geringere Übersetzungsbandbreite als die Rohloff Speedhub, kaum Wartung notwendig.

Die Vorteile der Nabenschaltung liegen in ihrer dauerhaften, verschleißarmen Nutzung. Eine Nabenschaltung braucht im Allgemeinen deutlich weniger gewartet zu werden, als eine Kettenschaltung. Weiterhin läuft die Kette hier stets optimal geradeaus, wodurch der Verschleiß gering gehalten wird. Dadurch, dass der eigentlich Schaltvorgang im Innern der Nabe abgeschottet von äußeren Einflüssen stattfindet, ist dieser Schaltungstyp unempfindlicher gegenüber äußeren Einflüssen als eine Kettenschaltung, bei der Wasser und Dreck von der Straßen direkt auf die Schaltkomponenten gelangen.

Gegenüber anderen Nabenschaltungen zeichnet sich die Alfine Schaltung vor allem durch ihr gutes Preis-Leistungsverhältnis aus. Als direkte Konkurrenz ist die geringfügig schwerere Rohloff Speedhub anzusehen. Diese ist mit einem Anschaffungspreis von rund 1200€ drei- bis viermal so teuer wie die Alfine Nabe. Rohloff bietet für diesen Preis eine Nabe mit 14 Gängen und einem Übersetzungsspektrum von über 500% an. Die Rohloff Nabe ist damit die Oberklasse der klassischen Nabenschaltungen. Ihr Kundenstamm setzt sich vor allem aus Leuten zusammen, die viel bis sehr viel mit dem Rad unterwegs sind. Wer auf das zusätzliche Übersetzungsspektrum verzichten kann, ist mit der Shimano Alfine Nabe bestens bedient.

Vergleich: Pinion, Rohloff, Enviolo NuVinci und Alfine

Mit Pinion, Rohloff, Enviolo NuVinci und Alfine gibt es unterschiedliche Getriebeschaltungen für das Fahrrad. Die folgende Tabelle zeigt einen Vergleich der einzelnen Hersteller:

Merkmal Pinion Rohloff Enviolo NuVinci Alfine
Max. Übersetzung 636% 526% 380% 307% - 409%
Max. Gangzahl 18 14 Stufenlose Gänge 8 oder 11
Garantie Fünf Jahre bei Einhaltung der Wartungsintervalle Zwei Jahre Zwei Jahre Zwei Jahre
Gewicht Ca. 1700g Ca. 2450g Ca. 1700g -
Nachrüstbarkeit Benötigt speziellen Rahmen Kann durch individuelle Konfiguration mit fast jedem Rahmen verwendet werden Kompatibel mit 135x10mm Ausfallenden Passt in jeden Rahmen mit einem Hinterbau mit den Maßen 10x135mm
Verwendung im E-Bike Funktioniert mit Nabenmotoren. Kein automatisches Schalten möglich. Funktioniert mit Mittelmotoren. In Kombination mit Bosch Motoren wird die Nabenschaltung intelligent integriert. Funktioniert mit Mittelmotoren. Man kann die bevorzugte Trittfrequenz einstellen. Funktioniert mit Mittelmotoren. In Verbindung mit dem Shimano Steps Motor kann auch automatisch geschaltet werden.
Wartung Fast wartungsfrei. Lediglich alle 10.000km bzw. ein Mal pro Jahr wird ein Ölwechsel empfohlen. Fast wartungsfrei. Lediglich alle 5.000km bzw. ein Mal pro Jahr wird ein Ölwechsel empfohlen. Wartungsfrei Wartungsfrei, gelegentlich müssen Schaltzüge an der mechanischen Version nachgestellt werden
Schaltgriff Drehschaltgriff Im Stand, Rollen Drehschaltgriff „Rapid Fire“ Daumenschalthebel, in der elektronischen Version Schaltknopf am Lenker oder Rennrad Brems-Schalteinheit „Rapid Fire“ Daumenschalthebel, in der elektronischen Version Schaltknopf am Lenker oder Rennrad Brems-Schalteinheit
Schaltvorgang Im Stand oder Rollen und unter Teillast. In schnellere Gänge unter Volllast. Im Stand, Rollen und unter Teillast. Im Stand, Rollen und unter Last Im Stand, Rollen und unter Last
Wirkungsgrad Da nur zwei Getriebestufen vorhanden sind, ist ein Pinion Getriebe effizienter als eine Kettenschaltung. Der Wirkungsgrad liegt aber etwas unterhalb einer Rohloff Bietet den höchsten Wirkungsgrad aller Nabenschaltungen Durch die erhöhte Reibung ergibt sich gegenüber einer Kettenschaltung ein leichter Leistungsverlust Etwas geringer als Rohloff Speedhub
Anschaffungskosten Fahrräder samt Pinion Getriebe fangen aktuell bei ca. 2.500 € an. Seit 2019 auch für den Endverbraucher ab 649€ bis 1.499€ erhältlich. Ca. 1000 € Ca. 350-400 € Ab 150€ für die 8-fach Nabe ohne Zubehör, ca. 300€ für die 11-fach Variante

Reparatur der Shimano Alfine 11

Bei den meisten Schaltproblemen muss die Alfine 11 gar nicht geöffnet werden. Vieles ist von außen reparabel: Ölwechsel, neuer Bowdenzug, die richtige Schaltzug- und Konus-Einstellung usw. helfen in der Regel. Aber in meinem Fall musste zumindest der Ölverlust mittels neuer Dichtungen gestoppt werden.

Wichtiger Hinweis: Drucken Sie sich die Shimano Explosionszeichnung unbedingt aus und nehmen Sie diese mit an den Arbeitsplatz. Ganz wichtig: Die Shimano Explosionszeichnung EV-SG-S700-3092A.pdf, da hier alle Teile bezeichnet sind.

Demontage und Reinigung

  1. Starten Sie mit der Demontage des Schaltarms und des Ritzels. Dazwischen sitzt eine Kunststoffscheibe namens Driver-Cap (Nr. 41), die später wieder montiert werden muss.
  2. Nach dem Entfernen des Ritzels wird der starke Ölverlust deutlich. Hier ist was undicht. Der schwarze Kunststoffring „Kettengleiter“ ist nur locker aufgesteckt und kann einfach abgezogen werden.
  3. Es dürfen beim Zusammenbau keinesfalls Sandkörner oder Dreck hinein fallen! Die Nabe ist von Innen mit hochpräziser Feinmechanik vollgestopft. Grob reinigen reicht leider nicht aus.
  4. Unter der Gummistaubkappe links sitzt wieder massig Dreck, der unbedingt entfernt werden muss, weil darunter schon gleich die erste, empfindliche Dichtung sitzt. Leider erfüllt die Staubkappe ihre Funktion überhaupt nicht.
  5. Nun kommt das Spezialwerkzeug zum Einsatz. Achtung, das Gewinde läuft hier anders herum…
  6. Nach dem Lösen des linken Konuslagers, kann die gesamte Getriebeeinheit zur Ritzelseite herausgenommen werden. Aber Achtung, auch hier versteckt sich wieder loser Dreck auf dem Wellendichtring (Siehe Pfeil Nr. 35). Dieser kann nach dem Säubern ganz vorsichtig herausgenommen werden.
  7. Mit etwas ruckeln und ziehen habe ich die öltriefende Getriebeeinheit nun ausgebaut. Das Öl wird weiterhin heraustropfen, insbesondere, wenn die Getriebeeinheit gedreht in den Schraubstock eingespannt wird.
  8. Bevor es herausfällt, sollte nun das Konuslager samt Dichtring heraus genommen werden. Beides gründlich reinigen. Die Lauffläche des Konus und das Lager auf Laufspuren untersuchen.

Kontrolle und Schmierung

  1. Die gesamte Alfine 11 wird komplett durch das innere Ölbad geschmiert. Lagerfett (wie bei den Shimano Nexus-Schaltungen) verdickt das Öl künstlich und erzeugt so Schaltprobleme. Die Lager dürfen also nicht gefettet, sondern nur geölt eingebaut werden.
  2. Kontrolle des inneren, gesäuberten Nabenkörpers auf Laufspuren. Auf Riefen, Macken oder Klemmspuren achten, denn dann stimmt etwas nicht und der Nabenkörper (und oft auch die Getriebeeinheit) müssen ersetzt werden.
  3. Nach dem Einspannen der Getriebeeinheit in den Schraubstock erkennt man optisch den Zustand der Sonnen- und Planetenräder. Hier dürfen keine Zähne abgebrochen- oder verschlissen sein.
  4. Nach dem Lösen des Sprengrings mit einem Schraubendreher können die Halteplatte und die erste Getriebeeinheit abgenommen werden. Die Federn müssen leicht drehbar in ihren Nuten sitzen.

Zusammenbau und Einstellung

  1. Nachdem die Getriebeeinheit wieder zusammengesetzt wurde, wird die große Shimano Staubkappe A mit dem Spezial-Werkzeug mit viel Gefühl wieder eingeschraubt (nicht anballern, sie besteht aus weichen Kunststoffen). Vorher sollten die beiden Dichtlippen unbedingt mit Öl befeuchtet werden, damit es leicht läuft und die Gummidichtung nicht wieder vorschnell verschleißt.
  2. Das linke Konuslager darf aber keinesfalls zu locker sitzen, die Alfine 11 verträgt (im Gegensatz nur Nexus 8) kein spürbares Spiel, da sie sonst undicht wird und die Lager vorschnell verschleißen.
  3. Auf der rechten Seite wurden das Ritzel und die Metalldichtung ebenfalls leicht ölfeucht eingebaut, damit es schön leicht läuft.
  4. Vor dem Aufsetzen des Schaltarms als letztes Teil, diesen aufschrauben und penibel reinigen, damit die einzelnen Gänge sich ganz leicht schalten lassen.
  5. Bei der Erneuerung des Schaltbowdenzugs ist das Maß zwischen der Tüllenhülse bis zur Klemmschraube von exakt 184 mm im 11. Gang einzuhalten, da die Alfine an der Rändelschraube des Rapidfire-Schalthebels sonst nicht sauber eingestellt werden kann.
  6. Die Alfine 11 wird grundsätzlich im sechsten Gang eingestellt. Dabei müssen die beiden gelben Punkte (siehe Pfeil im Foto) genau fluchten. Die Einstellung ist mindestens dreimal durchzuführen, indem vom 11. Gang in den 6. Gang geschaltet- und dann kontrolliert wird.

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