Dieser Artikel soll Radfahrern helfen, die Probleme mit der Alfine 11 haben oder diese gründlich warten möchten. Wer bereits eine Nexus 8-Nabe gewartet hat, wird hier keine allzu großen Herausforderungen finden, aber es erfordert Schraubertalent und eine Werkstattausrüstung mit den üblichen Fahrradwerkzeugen und einem Schraubstock. Bei den meisten Schaltproblemen muss die Alfine 11 nicht geöffnet werden, da vieles von außen reparabel ist.
Ausgangssituation
Eine gebrauchte Shimano Alfine 11 wurde erhalten, die Probleme mit unpräzisen Gangwechseln und Leertritten hatte und undicht war.
Vor der Demontage wurden Informationen über typische Probleme, Demontageverfahren, Verschleißteile und Ersatzteilkosten recherchiert. Da das deutschsprachige Internet nicht viele Informationen zur Alfine 11-Demontage bietet, wurden englischsprachige Foren durchstöbert, Explosionszeichnungen studiert und Händleranleitungen gelesen.
Demontage
Drucken Sie sich die Shimano Explosionszeichnung EV-SG-S700-3092A.pdf aus, da hier alle Teile bezeichnet sind. Zuerst wird der Schaltarm und das Ritzel demontiert. Dazwischen sitzt eine Kunststoffscheibe namens Driver-Cap (Nr. 41), die später wieder montiert werden muss. Das Ritzel kann Verschleißspuren aufweisen und sollte gegebenenfalls ausgetauscht werden.
Nach dem Entfernen des Ritzels wird der Ölverlust sichtbar. Der schwarze Kunststoffring „Kettengleiter“ ist nur locker aufgesteckt und kann einfach abgezogen werden. Achten Sie darauf, dass beim Zusammenbau keine Sandkörner oder Dreck hineinfallen, da die Nabe von innen mit hochpräziser Feinmechanik ausgestattet ist.
Vor dem Lösen der Kontermutter des Konuslagers muss der Dreck unter der Gummistaubkappe entfernt werden, da sich darunter die erste, empfindliche Dichtung befindet. Nun kommt das Spezialwerkzeug zum Einsatz, um den Deckel abzuschrauben. Achtung, das Gewinde läuft hier anders herum. Die rechte Seite der Alfine ist nun geöffnet.
Nach dem Lösen des linken Konuslagers kann die gesamte Getriebeeinheit zur Ritzelseite herausgenommen werden. Achten Sie auch hier auf losen Dreck auf dem Wellendichtring (Nr. 35). Dieser kann nach dem Säubern vorsichtig herausgenommen werden. Darunter befindet sich das von innen ölgeschmierte, linke Konuslager. Der Wellendichtring muss eigentlich beim Zusammenbau mit einem Spezialwerkzeug (Nr. 49) eingesetzt werden.
Mit etwas Ruckeln und Ziehen kann die öltriefende Getriebeeinheit ausgebaut werden. Das Öl wird weiterhin heraustropfen, insbesondere wenn die Getriebeeinheit gedreht in den Schraubstock eingespannt wird. Auf der rechten Seite können leichte optische Laufspuren von der Schleifdichtung der Staubkappe A (Nr.26) vorhanden sein, die gegebenenfalls ersetzt werden sollte.
Das Öl der Alfine sollte regelmäßig gewechselt werden. In schlimmeren Fällen können abgebrochene Metallpartikel oder Bauteilsegmente wie z.B. Fragmente von Federn sichtbar sein. Ursprünglich war geplant, die Getriebeeinheit außerhalb des Nabenkörpers in Getriebeöl zu baden, aber stattdessen wird die Getriebeeinheit in eingebautem Zustand mit frischem Öl gespült.
Vor dem Herausfallen sollte nun das Konuslager samt Dichtring herausgenommen werden. Beides gründlich reinigen. Die Lauffläche des Konus und das Lager auf Laufspuren untersuchen. Falls diese sichtbar sind, müssen die Teile ersetzt werden. Die Kugeln dürfen nicht von selbst aus dem Lagerring fallen, ansonsten das Kugellager erneuern.
Die gesamte Alfine 11 wird komplett durch das innere Ölbad geschmiert. Lagerfett (wie bei den Shimano Nexus-Schaltungen) verdickt das Öl künstlich und erzeugt so Schaltprobleme. Die Lager dürfen also nicht gefettet, sondern nur geölt eingebaut werden.
Kontrolle des inneren, gesäuberten Nabenkörpers auf Laufspuren. Auf Riefen, Macken oder Klemmspuren achten, denn dann stimmt etwas nicht und der Nabenkörper (und oft auch die Getriebeeinheit) müssen ersetzt werden. Die beiden glänzenden Flächen zeigen den Rollen-Freilauf (Shimano-Sprech: „Silent Clutch“) der ersten Getriebeeinheit. Diese dienen dem Freilauf der drei Getriebeeinheiten. Im Inneren der gesamten Getriebeeinheit stecken noch zwei weitere Rollenfreiläufe.
Nach dem Einspannen der Getriebeeinheit in den Schraubstock erkennt man optisch den Zustand der Sonnen- und Planetenräder. Hier dürfen keine Zähne abgebrochen- oder verschlissen sein. Beachten sie die beiden Aussparungen mit den sichtbaren Haltenocken für die Federn. Genauso muss das später wieder zusammengebaut werden. Fehlt eine der beiden silbernen Haltenocken. ist wahrscheinlich eine Feder gebrochen. Das abgebrochene Drahtstück muss unbedingt gefunden werden.
Nach dem Lösen des Sprengrings mit einem Schraubendreher können die Halteplatte und die erste Getriebeeinheit abgenommen werden. Die Pfeile im Bild zeigen auf die Haltenocken zweier Federn, die nicht gebrochen oder ausgeklinkt sein dürfen. Dies ist eine typische Fehlerquelle in der Alfine-Konstruktion, die bei vielen NutzerInnen für Probleme sorgt. Die Federn müssen leicht drehbar in ihren Nuten sitzen.
In fast allen Foren wird davon abgeraten, die Planetenräder zu demontieren, da diese übereinstimmend mit winzig kleinen Markierungen wieder in das Sonnenrad eingesetzt werden müssen. Die beiden silbernen Rollenfreiläufe müssen sich ein kurzes Stück zurückdrehen lassen und von selbst wieder in ihre Ausgangsposition federn.
Auch die zweite und dritte Getriebeeinheit kann demontiert werden - z.B. um eine gebrochene Feder oder defekte Kupplung (Nr.15) zu entdecken. Die Nabe knackt dann bzw. lässt sich in vielen Gängen nicht mehr schalten. Für die Demontage der rechten Seite wären zwei neue Dichtungen nötig (Nr. 21 u.
Ersatzteile
Die Einzelteile für die Alfine 11 sind nicht sonderlich teuer, aber es kann mühsam sein, sie bei mehreren Händlern im Netz zu bestellen, da nicht jeder alles vorrätig hat. Es ist ratsam, einen kompetenten Shimano-Fahrradhändler vor Ort als Anlaufstelle für die Original-Ersatzteile zu haben.
- Shimano Alfine Kleinteile-Set für SM-S700
- Getriebeöl samt Ölwechselkit
Zusammenbau
Nachdem die Getriebeeinheit wieder zusammengesetzt wurde, wird die große Shimano Staubkappe A mit dem Spezial-Werkzeug mit viel Gefühl wieder eingeschraubt. Vorher sollten die beiden Dichtlippen unbedingt mit Öl befeuchtet werden, damit es leicht läuft und die Gummidichtung nicht wieder vorschnell verschleißt. Diese Dichtkappe ist aus verschieden festen Kunststoffmaterialien gefertigt und reagiert auf unsachgemäße Behandlung sicher extrem sensibel.
Im Prinzip macht genau diese Dichtung neben den drei Gängen technisch den großen Unterschied zur fettgefüllten Alfine- oder Nexus-8 Schaltung. Wer die Nexus 8 an dieser Stelle z.B. mit Hilfe eines Dichtmittels ebenfalls richtig abdichtet, kann sich auch bei den Nexus 8-Modellen über eine sehr leichtgängige und wartungsfreundliche Ölbadschmierung freuen.
Das gilt vor allem auch für das weit außen liegende Konuslager, welches mit einer ordentlichen Ölladung eingesetzt werden will. Die beste Einstellung des Konuslagers entscheidet über die Effizienz der gesamten Fahrdynamik. Spüren kann man diese bei der Einstellung nur mit ordentlich geschmierten Lagern. Schon etwas zu stramm eingestellte Konuslager kosten sehr viel zusätzliche Energie, die im Nachhinein schwer zu lokalisieren ist. Deshalb ist das Ausprobieren bis zum Optimum ein wichtiger Prozess.
Das linke Konuslager darf aber keinesfalls zu locker sitzen, die Alfine 11 verträgt (im Gegensatz zur Nexus 8) kein spürbares Spiel, da sie sonst undicht wird und die Lager vorschnell verschleißen. Andererseits dreht sich die Nabe durch die Menge an Zahnrädern und Lagern samt Abdichtung relativ schwer. Hier entsteht ein technischer Konflikt zwischen maximal möglichem Leichtlauf und einer technisch erforderlichen, absoluten Nullspiel-Toleranz.
Auf der rechten Seite wurden das Ritzel und die Metalldichtung ebenfalls leicht ölfeucht eingebaut, damit es schön leicht läuft. Die Metalldichtung muss extrem passgenau aufliegen und keinesfalls verzogen oder verbeult sein. Zwischen diesen Teilen entstehen ansonsten zu viel Reibungsverluste beim Freilauf.
Bevor der Schaltarm als letztes Teil aufgesetzt wird, sollte er aufgeschraubt und penibel gereinigt werden, damit die einzelnen Gänge sich ganz leicht schalten lassen. Bei der Erneuerung ist das Maß zwischen der Tüllenhülse bis zur Klemmschraube von exakt 184 mm im 11. Gang einzuhalten, da die Alfine an der Rändelschraube des Rapidfire-Schalthebels sonst nicht sauber eingestellt werden kann.
Auch die saubere Verlegung des Bowdenzugs ohne Knicke mit korrekten Radien entscheidet später über saubere Schaltvorgänge - oder eben nicht. Die Alfine 11 wird grundsätzlich im sechsten Gang eingestellt. Dabei müssen die beiden gelben Punkte genau fluchten. Die Einstellung ist mindestens dreimal durchzuführen, indem vom 11. Gang in den 6. Gang geschaltet- und dann kontrolliert wird.
Ein halber Millimeter vor oder hinter dem exakt übereinstimmenden Fluchtpunkt entscheiden hier oft über Sieg oder Niederlage. Bedenken Sie, dass sich neue Bowdenzüge in den ersten Wochen noch setzen und die Einstellung wahrscheinlich einmal wiederholt werden muss.
Schaltprobleme und RapidFire Schalthebel
Schlecht funktionierende Schaltvorgänge bei dem RapidFire Schalthebel von Shimano können ein Ärgernis sein. Im ersten Schritt sollten Sie zunächst immer alle Schaltzüge kontrollieren. Läuft alles sauber und leicht, könnte sich das Problem im Shimano RapidFire Schalthebel befinden. Auch hier können Kleinteile abnutzen oder kaputt gehen.
Manchmal ist die einfachste Variante schon die Lösung des Problems. Kleinteile im Inneren des Schalthebels können austrocknen oder verkleben, zum Beispiel wenn altes Fett im Laufe der Zeit verharzt. Probieren Sie also zunächst, ob sich mit der Zugabe von etwas leichtgängigem Öl in den Schalthebel etwas bewirken lässt.
Wenn diese Variante keine Besserung verursacht, müssen Sie sich den Schalthebel von innen genauer ansehen, indem Sie das Gehäuse entfernen. Lösen Sie zunächst die Schraube am Schalthebel, die für die Staubabdeckung zuständig ist. Beachten Sie genau die korrekte Reihenfolge aller Zahnräder, Federn und Schrauben.
Nun können Sie alle Bauteile gründlich mit WD40 reinigen. Dann sollten alle Komponenten sorgfältig abgewischt und an der Luft getrocknet werden. Bauen Sie alle Teile in der richtigen Reihenfolge wieder in den Shimano RapidFire Schalthebel ein und montieren Sie diesen anschließend wieder an Ihrem Lenker. Bringen Sie auch das Schaltkabel wieder an die richtige Position. Zum Abschluss wird die Schaltung, sofern nötig, neu eingestellt.
Inkompatibilitätsprobleme
Beim Austausch einer defekten Alfine 8-fach Nabe durch eine Nexus 8-fach Nabe können Inkompatibilitätsprobleme auftreten. Obwohl die Gehäuse aus demselben Rohling gefertigt sind und die Übersetzungsstufen identisch sind, kann es zu Problemen beim Aufsetzen des Schaltarms kommen. Möglicherweise muss der passende Schaltarm von der Nexus verwendet werden.
Der Außenzug muss möglicherweise etwas länger sein und der Winkel vom Klemmnippel passt möglicherweise nicht richtig. Der Alfine-Zug hat zwar schöne Dichtkappen, aber dadurch wird der Außenzug am Ende zu dick, da die Zugaufnahme bei Nexus dünner ist.
Es ist ratsam, einen Nexus Schalthebel zu kaufen. Der Trigger der Alfine 500 schaltet umgekehrt wie bei Kettenschaltungen üblich. Deswegen wurden bei der neuen Alfine 700 die Schaltrichtung geändert.
Anleitung zur Demontage des Schaltzugs
Wichtigstes "Spezialwerkzeug" ist ein Stück Speiche, muss man dabei haben, um das Rad ausbauen zu können. Das wird radial in eine Bohrung in dem Teil gesteckt, um es so weit gegen die Federkraft in Richtung höherer Gänge zu verdrehen, dass man den Schaltzugaushängen kann. Vorher den Schaltgriff in den 1. Gang stellen.
Ich schalte am Dehgriff auf den ersten Gang, das Dreh-Ding dreht sich rechts rum, es wird viel Seil darauf aufgewickelt. Dann stecke ich die Speiche in das Loch und drehe das Dreh-Ding links herum, woraufhin das Seil locker wird und ich die Seilklemme ca. 45° rechtsrum drehen und dann entgegen der Fahrtrichtung aus der Aufnahme ziehen kann.
Ganganzeige
Wenn am Sichtfenster die gelben Markierung übereinstimmen ist der 4 Gang drin, nur so als Orientierung.
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