Shimano Alfine 11: Detaillierte Anleitung zur Demontage und Wartung

Dieser Artikel bietet einen umfassenden Erfahrungsbericht über die Demontage und Wartung einer Shimano Alfine 11 Nabenschaltung. Er richtet sich an Radfahrer und Mechaniker, die Probleme mit dieser Schaltung haben oder diese gründlich warten möchten. Hier werden die notwendigen Werkzeuge, die einzelnen Schritte und wichtige Hinweise zur Fehlerbehebung erläutert.

Erfahrungsbericht: Umbau auf Shimano Alfine 11

Ein Erfahrungsbericht über den Umbau eines Haibike Sduro Hardseven (27,5“) RC mit 20 Gang Kettenschaltung auf eine Shimano Alfine Inter 11 Gang Nabenschaltung zeigt: Der Komfort dieser Nabenschaltung ist toll und Wirkungsgradverluste sind nicht spürbar.

Folgende Schritte wurden durchgeführt:

  • Die vorhandene Nabe wurde ausgespeicht und die Alfine eingespeicht.
  • Auf die Nabe wurde dann das Ritzel (18 Zähne) aufgesteckt und mit dem Federring gesichert.
  • Das alte Schaltwerk wurde entfernt und der vorhandene Schaltzug von den Clips am Hinterbau gelöst.
  • Die Kettenblätter wurden entfernt. Für die richtige Übersetzung wurde das kleine Kettenblatt (32 Zähne) verwendet.

Da die Befestigungsschrauben etwas zu lang sind, wurden 4 Unterlegscheiben (10mm Loch, max. 16mm Außendurchmesser) zwischen Kettenblatt und der Innenseite des Trägers gelegt.

  • Als nächstes entfernte man den Umwerfer mit Zug und Schalthebel.
  • Auf der rechten Lenkerseite wurde der Schalthebel entfernt und der Schaltzug aus der Hülle heraus gezogen.
  • Die Alfine Schaltung SL-S700 wurde aufgesteckt und der Zug in die Hülle geschoben.
  • Die Bremsscheibe wurde von der alten Nabe abgeschraubt und auf die Alfine Nabe der Ashima Adapter für Center Lock Verzahnung aufgeschoben.

Wichtig: Der original Shimano Distanzring zur Center Lock Befestigung des Adapters ist etwas zu groß in der Dicke und dem Außendurchmesser und muss angepasst werden.

Die Bremsscheibe wird jetzt nur auf den Adapter gesteckt und nicht mehr verschraubt.

Wenn der Halter angepasst ist und das Hinterrad frei läuft kann man es einbauen.

Dabei die grüne Achsfixierung links und die blaue rechts mit der Nase nach unten auf die Achse stecken. Nun kann man den Alfine Kettenspanner montieren.

Die Seilklemme für das Schaltwerk auf das Seil aufstecken. Kontrollieren ob am Schalthebel der 6. Gang eingestellt ist.

Am Besten den Zug am Ende mit der Hand spannen und hin und her in den 6. Gang schalten.

Jetzt das Schaltwerk mit der Hand in die 6. Gang Markierungsposition drehen und das Seil mit der Seilklemme, die noch offen ist, einhängen.

Den Zug durch ziehen spannen und die Schraube der Klemme leicht anziehen. Kontrollieren ob die Markierungen genau stimmen und eventuell den Zug nachjustieren.

Wenn alles passt die Klemme fest ziehen, doch nicht zu stark weil sonst das Seil abgeschert wird. Das Seil dann 3-4 cm hinter der Seilklemme abschneiden und die Endkappe aufstecken.

Zum Schluss muss die Kette noch gekürzt werden. Es werden ca. 10 Glieder entfernt auf jeden Fall sollte der Kettenspanner nur so weit gestreckt sein, dass er senkrecht unter der Achse steht.

Grundsätzlich ist die Triggerschaltung die gleiche wie bei der Kettenschaltung, funktioniert aber deutlich leichter besonders beim Zurückschalten.

Hier bedarf es etwas Eingewöhnung.

Man muss tatsächlich ganz besonders am Berg eine richtige Tretpause einlegen um einen Gang zurück zu schalten.

Man gewöhnt sich schnell dran die kleine Pause zu machen und das Ganze geht dann richtig geschmeidig, wesentlich schneller als mit der Kettenschaltung.

Mit der Übersetzung 32 zu 18 Zähnen hat man fast die gleiche Abdeckung wie mit der 20 Gang Kettenschaltung (Kassette 11-30, Kettenblätter 44&32).

Die Alfine 11 hat insgesamt die gleiche Abdeckung wie die Kettenschaltung mit ganz geringem Überhang im 1. Gang nach unten und im 11. Gang nach oben.

Wichtige Sicherheitshinweise

Bei der Arbeit an der Shimano Alfine 11 sind einige Sicherheitshinweise zu beachten, um Verletzungen und Schäden zu vermeiden:

  • Lithium-Ionen-Akku: Laden Sie den Akku nur mit dem zugehörigen Ladegerät. Die Verwendung unzulässiger Geräte kann zu Brandausbruch, Überhitzung oder Flüssigkeitsaustritt führen.
  • Scheibenbremsen: Halten Sie Ihre Finger von der rotierenden Bremsscheibe fern, da diese schwere Verletzungen verursachen kann. Bremssattel und -scheibe erhitzen sich beim Bremsen und sollten nicht berührt werden, um Verbrennungen zu vermeiden.
  • Elektrische Kabel: Sichern Sie die Stromkabel mit Kabelbindern, sodass sie nicht mit Kettenblättern, Ritzeln oder Reifen in Kontakt kommen.

Demontage des Schaltarms und des Ritzels

Der erste Schritt ist die Demontage des Schaltarms und des Ritzels. Dazwischen sitzt eine Kunststoffscheibe namens Driver-Cap (Nr. 41), die später wieder montiert werden muss. Das Ritzel hat an dieser Nabe bereits deutliche Verschleißspuren und sollte gegebenenfalls ausgetauscht werden.

Reinigung und Inspektion

Nach dem Entfernen des Ritzels wird der starke Ölverlust deutlich. Hier ist etwas undicht. Der schwarze Kunststoffring „Kettengleiter“ ist nur locker aufgesteckt und kann einfach abgezogen werden. Es dürfen beim Zusammenbau keinesfalls Sandkörner oder Dreck hinein fallen! Die Nabe ist von Innen mit hochpräziser Feinmechanik vollgestopft. Grob reinigen reicht leider nicht aus. Bei mir hat das Putzen der verölten und sandverkrusteten Bauteile sehr viel Zeit gekostet.

Unter der Gummistaubkappe links sitzt wieder massig Dreck, der unbedingt entfernt werden muss, weil darunter schon gleich die erste, empfindliche Dichtung sitzt. Leider erfüllt die Staubkappe ihre Funktion überhaupt nicht. Vor dem Lösen der Kontermutter des Konuslagers also nochmal gründlich putzen, z.B. mit einem Pinsel.

Öffnen der Nabe und Ausbau der Getriebeeinheit

Nun kommt das Spezialwerkzeug zum Einsatz. Achtung, das Gewinde läuft hier anders herum… Die rechte Seite der Alfine ist nun geöffnet. Nach dem Lösen des linken Konuslagers, kann die gesamte Getriebeeinheit zur Ritzelseite herausgenommen werden. Aber Achtung, auch hier versteckt sich wieder loser Dreck auf dem Wellendichtring (Siehe Pfeil Nr. 35). Dieser kann nach dem Säubern ganz vorsichtig herausgenommen werden. Darunter befindet sich das von innen ölgeschmierte, linke Konuslager.

Mit etwas ruckeln und ziehen habe ich die öltriefende Getriebeeinheit nun ausgebaut. Das Öl wird weiterhin heraustropfen, insbesondere, wenn die Getriebeeinheit gedreht in den Schraubstock eingespannt wird. Auf der rechten Seite sind leichte optische Laufspuren von der Schleifdichtung der Staubkappe A (Nr.26), die ich ersetzen werde.

Inspektion der Getriebeeinheit

Das Öl der Alfine ist länger nicht gewechselt worden - man sieht es deutlich. In schlimmeren Fällen sieht man abgebrochene Metallpartikel oder Bauteilsegmente wie z.B. Fragmente von Federn.

Ursprünglich hatte ich deshalb vor, die Getriebeeinheit außerhalb des Nabenkörpers in Getriebeöl zu baden - eben genau so, wie bei den Nexus-Schaltungen vorgeschrieben. Ich hatte für diese Prozedur aber gerade nicht mehr genug Getriebeöl zur Hand und außerdem jetzt noch die Möglichkeit, die Getriebeeinheit ja auch in eingebautem Zustand noch reichlich mit frischem Öl spülen zu können.

Bevor es herausfällt, sollte nun das Konuslager samt Dichtring heraus genommen werden. Beides gründlich reinigen. Die Lauffläche des Konus und das Lager auf Laufspuren untersuchen. Falls diese sichtbar sind müssen die Teile ersetzt werden. Die Kugeln dürfen nicht von selbst aus dem Lagerring fallen, ansonsten das Kugellager erneuern.

Die gesamte Alfine 11 wird komplett durch das innere Ölbad geschmiert. Lagerfett (wie bei den Shimano Nexus-Schaltungen) verdickt das Öl künstlich und erzeugt so Schaltprobleme. Die Lager dürfen also nicht gefettet, sondern nur geölt eingebaut werden.

Kontrolle des inneren, gesäuberten Nabenkörpers auf Laufspuren. Auf Riefen, Macken oder Klemmspuren achten, denn dann stimmt etwas nicht und der Nabenkörper (und oft auch die Getriebeeinheit) müssen ersetzt werden. Die beiden glänzen Flächen zeigen den Rollen-Freilauf (Shimano-Sprech: „Silent Clutch“) der ersten Getriebeeinheit. Diese dienen dem Freilauf der drei Getriebeeinheiten. Im Inneren der gesamten Getriebeeinheit stecken noch zwei weitere Rollenfreiläufe.

Nach dem Einspannen der Getriebeeinheit in den Schraubstock erkennt man optisch den Zustand der Sonnen- und Planetenräder. Hier dürfen keine Zähne abgebrochen- oder verschlissen sein. Beachten sie die beiden Aussparungen mit den sichtbaren Haltenocken für die Federn. Genauso muss das später wieder zusammengebaut werden. Fehlt eine der beiden silbernen Haltenocken. ist wahrscheinlich eine Feder gebrochen. Das abgebrochene Drahtstück muss unbedingt gefunden werden.

Nach dem Lösen des Sprengrings mit einem Schraubendreher können die Halteplatte und die erste Getriebeeinheit abgenommen werden. Die Pfeile im Bild zeigen auf die Haltenocken zweier Federn, die nicht gebrochen oder ausgeklinkt sein dürfen. Dies ist eine typische Fehlerquelle in der Alfine-Konstruktion, die bei vielen NutzerInnen für Probleme sorgt. Die Federn müssen leicht drehbar in ihren Nuten sitzen.

In fast allen Foren wird davon abgeraten, die Planetenräder zu demontieren, da diese übereinstimmend mit winzig kleinen Markierungen wieder in das Sonnenrad eingesetzt werden müssen.

Die beiden silbernen Rollenfreiläufe müssen sich ein kurzes Stück zurückdrehen lassen und von selbst wieder in ihre Ausgangsposition federn.

Auch die zweite und dritte Getriebeeinheit kann demontiert werden - z.B. um eine gebrochene Feder oder defekte Kupplung (Nr.15) zu entdecken. Die Nabe knackt dann bzw. lässt sich in vielen Gängen nicht mehr schalten.

Ersatzteile und Bezugsquellen

Im Grunde genommen sind die Einzelteile nicht sonderlich teuer. Problematisch ist eher, das sie mühsam bei mehreren Händlern im Netz bestellt werden müssen, da nicht jeder alles vorrätig hat. Bei drei Einzelbestellungen hat man aber schon gleich ganz schnell zwanzig Euro Versandkosten oben drauf. Das läppert sich spätestens dann, wenn man später bei der Montage von Nexus auf Alfine merkt, das auch die Lenkergriffe nicht mehr passen (Drehgriff versus Rapidfire-Schalthebel) und auch noch neue Verdrehsicherungen für die Ausfallenden sowie neue Achsmuttern benötigt werden (Shimano Alfine Kleinteile-Set für SM-S700). Haben Sie an das Getriebeöl samt ein Ölwechselkit gedacht?

Zusammenbau der Nabe

Nachdem die Getriebeeinheit wieder zusammengesetzt wurde, wird die große Shimano Staubkappe A mit dem Spezial-Werkzeug mit viel Gefühl wieder eingeschraubt (nicht anballern, sie besteht aus weichen Kunststoffen). Vorher sollten die beiden Dichtlippen (siehe Pfeile im Bild) unbedingt mit Öl befeuchtet werden, damit es leicht läuft und die Gummidichtung nicht wieder vorschnell verschleißt.

Diese Dichtkappe ist aus verschieden festen Kunststoffmaterialien gefertigt und reagiert auf unsachgemäße Behandlung sicher extrem sensibel. Es wird sehr wahrscheinlich das verantwortliche Bauteil für die meisten Ölverluste auf Zeit an der Alfine 11 sein.

Das linke Konuslager darf aber keinesfalls zu locker sitzen, die Alfine 11 verträgt (im Gegensatz nur Nexus 8) kein spürbares Spiel, da sie sonst undicht wird und die Lager vorschnell verschleißen. Andererseits dreht sich die Nabe durch die Menge an Zahnrädern und Lagern samt Abdichtung relativ schwer.

Auf der rechten Seite wurden das Ritzel und die Metalldichtung ebenfalls leicht ölfeucht eingebaut, damit es schön leicht läuft. Auf dem Foto ist gut zu erkennen, das die Metalldichtung extrem passgenau aufliegt und keinesfalls verzogen oder verbeult sein darf. Zwischen diesen Teilen entstehen ansonsten zu viel Reibungsverluste beim Freilauf.

Bevor der Schaltarm als letztes Teil aufgesetzt wird, habe ich ihn aufgeschraubt und penibel gereinigt, damit die einzelnen Gänge sich ganz leicht schalten lassen. Nach dem Anklipsen habe ich ein leichtes Spiel bemerkt - der Schaltarm wackelte leicht und war bereits optisch angeschliffen. Der Schaltarm funktionierte bei der ersten Probefahrt trotz der Wackelei. Trotzdem habe ich für wenig Geld einen neuen Schaltarmsatz (Shimano Alfine Kleinteile-Set für SM-S700) bestellt, da ich die anderen Kleinteile ebenfalls benötigte.

Einstellung des Schaltzugs

Bei der Erneuerung ist das Maß zwischen der Tüllenhülse bis zur Klemmschraube von exakt 184 mm im 11. Gang einzuhalten, da die Alfine an der Rändelschraube des Rapidfire-Schalthebels sonst nicht sauber eingestellt werden kann.

Auch die saubere Verlegung des Bowdenzugs ohne Knicke mit korrekten Radien entscheidet später über saubere Schaltvorgänge - oder eben nicht.

Die Alfine 11 wird grundsätzlich im sechsten Gang eingestellt. Dabei müssen die beiden gelben Punkte (siehe Pfeil im Foto) genau fluchten. Die Punkte waren vor der Säuberungsaktion übrigens kaum zu erkennen. Die Einstellung ist mindestens dreimal durchzuführen, indem vom 11. Gang in den 6. Gang geschaltet- und dann kontrolliert wird. Ein halber Millimeter vor oder hinter dem exakt übereinstimmenden Fluchtpunkt entscheiden hier oft über Sieg oder Niederlage.

Werkzeuge

Ein Fahrrad besteht aus einer Vielzahl von Komponenten. Damit jede Komponente ein Maximum an Funktionsleistung erbringt, ist es erforderlich, dass sie perfekt gewartet wird. Hohe Präzision, Benutzerfreundlichkeit und ein einheitliches Design sind für Reparatur- und Wartungswerkzeug unerlässlich. Deswegen widmen wir uns bei SHIMANO auch weiterhin der Entwicklung von qualitativ hochwertigem Werkzeug. Wir entwickeln unser Profi-Werkzeug nicht ausschließlich für SHIMANO Produkte, sondern auch für die Wartung von Fahrrädern allgemein. SHIMANO Werkzeuge sind so geformt, dass sie perfekt für SHIMANO Komponenten passen.

Komponenten und ihre Positionen

Die folgende Tabelle zeigt die verschiedenen Komponenten der Shimano Alfine 11 und ihre beispielhaften Positionen:

Komponente Beispielhafte Position
Lithium-Ionen-Akku (externer Typ) SM-BTR1 Unterrohr (unter dem Flaschenhalter)
Motoreinheit MU-S705 An der Nabe
Schalthebel SW-S705 Am Lenker
Info-Anzeige SC-S705 Am Lenker
Nabenschaltung 11-fach SG-S705 Hinterrad

Anschluss der Stromkabel

Die folgende Tabelle zeigt die Spezifikationen für den Anschluss der Stromkabel je nach Akkutyp und Lenker:

Akkutyp Lenker Komponenten
Externer Akku (SM-JC40) Flachlenker SC-S705, SW-S705, SM-BTR1, SM-BMR1 / SM-BMR2, EW-SD50, MU-S705
Externer Akku (SM-JC40) Rennlenker BL-S705-L, SC-S705
Eingebautes Modell (SM-JC41) Flachlenker SC-S705, SM-BTR1, SW-S705, SM-BMR1 / SM-BMR2, EW-SD50-I, MU-S705
Eingebautes Modell (SM-JC41) Rennlenker BL-S705-L, SC-S705, SM-BTR1
Eingebauter Akku (SM-JC41) Flachlenker SM-BTR2, SC-S705, SW-S705, EW-SD50-I, MU-S705
Eingebauter Akku (SM-JC41) Rennlenker BL-S705-L, SC-S705, SM-BTR2

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