Die Welt der Shimano Nabenschaltungen kann verwirrend sein, besonders für Viel- und Schnellfahrer. Es gibt verschiedene Modelle wie Nexus Premium, Nexus Standard, Alfine 8-Gang und Alfine 11-Gang, sowie unterschiedliche Qualitätsaussagen. Dieser Artikel beleuchtet die Unterschiede zwischen den Shimano Nabenschaltungen, insbesondere die Alfine 8 und 11, und bietet eine detaillierte Vergleichsanalyse.
Shimano Nexus: Ein Überblick
Es gibt die Nexus 8 und Nexus 8 Premium. Premium hatte als Erkennungsmerkmal mal einen roten Ring und läuft leichter, da Nadellager statt Gleitlager verwendet werden. Beide Nexus-Naben haben keine Perma-Ölfüllung.
Viele ehrliche Radhändler bestätigen, dass die Naben ganz unterschiedlich leicht laufen und bestreiten nicht, dass es bei Shimano zeitweise „Problemnaben“ gab bzw. immer noch gibt. Das Ganze ist für Omas Stadtrad auch gar nicht so relevant, denn die 8-Gang Nexus wird bei der typischen Zielgruppe „Anspruchslos 50+“ über 200 km im Jahr sehr wahrscheinlich halten. Probleme gibt es vor allem, wenn ein Rad wirklich sportlich gefahren wird.
2005 kaufte ich ein Stevens City-Flyer mit einer Shimano Nexus 8-Gang Premium Nabenschaltung und bin bis heute begeistert. Die Nabe hat bei mir ca. 18.000 km gehalten, danach habe ich das innere Getriebe einfach komplett ausgetauscht, weil es teigiger wurde. Der 4. Gang ging immer etwas schwerer als alle anderen und knackt häufig, aber ansonsten eine sehr zuverlässige und unkomplizierte Schaltung, mit der ich jetzt noch gerne fahre. Das ist die Shimano Nexus Premium-Freilauf-Version ohne Rücktritt, äußerlich erkennbar am roten Streifen. Vor 15 Jahren sehr gut.
Im Gegensatz zur Premium-Version fehlen der optisch identischen Nabe (äußerlich ohne roten Streifen) die leichtgängigen Nadellager. Diese wurden durch billige Gleitlager ersetzt und erzeugen ca. 2-3% mehr innere Reibung. Dies ist z.B. spürbar an den Pedalen, die sich im Freilauf beim Rollen ständig mitdrehen wollen.
Shimano Alfine: Die sportlichere Alternative
Sehen wir uns neben der Shimano Nexus die Alfine-Nabe näher an. Sie sieht hochwertiger aus, ist aber gegenüber der Nexus vielleicht nur einfach schwarz lackiert. Hier gibt es keine Premiumversion mehr, dafür aber eine 11-Gang Alfine Nabe, die sehr viel teurer als die 8-Gang Alfine ist. Laut Fachhändler sollen beide Alfine-Versionen besser laufen, als die günstigeren Nexus-Varianten, die Shimano mittlerweile ebenfalls auf Wunsch in Schwarz (-matt) lackiert.
Es ist von Shimano nie genau gesagt worden, wie sich die Alfine- und Nexus Premium- Nabe voneinander unterscheiden. Zwei klare Unterschiede werden gern unter den Tisch gekehrt: Die Alfinenabe konnte auch vor ein paar Jahren schon mit einer Scheibenbremsaufnahme geliefert werden, das gab es bei der Nexus früher nicht - jetzt aber schon (Stand Februar 2025). Um die höheren Kräfte einer Scheibenbremse an der Nabe aufnehmen zu können, ist die Alfine-Achse anfangs etwas stabiler konstruiert worden.
Alfine 8 vs. Alfine 11: Was sind die Unterschiede?
Alfine 8 und Alfine 11 sind oft besser verarbeitet. Die 8er Alfine ist wahrscheinlich nur eine schöner designte Nexus 8 Premium in besserer Fertigungsqualität. Die 11er Alfine kostet gleich 200-300,- EUR mehr, hat drei Gänge mehr nach oben und läuft im Ölbad.
Die 3 Gänge liegen alle über dem 5. Gang. Der fünfte Gang ist aber bei Shimano der Beste, weil er als einziger ohne Getriebe-Übersetzung auskommt und die Kraft vom Kettenblatt fast 1:1 auf das Hinterrad überträgt.
Heißt auf Deutsch: Der ehemals leichte, fünfte Gang fehlt bei der Alfine 11. Ich fahre mit der 11-Gang-Alfine also im 6. oder 7. Gang von 11 Gängen und muss ständig das Planetengetriebe mit all den Reibungsverlusten bewegen. Die alte Nexus im 5. Gang (also 1:1 ohne Zahnrädchen übersetzt) läuft da sicherlich einen Tick leichter.
Der große Vorteil der Alfine 11-Gang-Nabe, liegt für mich nicht in den 3 Gängen mehr, sondern in ihrer leichtgängigen Perma-Ölfüllung, die dadurch ein leichteres Treten ermöglicht, als alle Nexus-Versionen samt der Alfine 8.
Die Alfine im Detail
Shimano Alfine 8
- Shimano SG-S7000-8, Centerlock für Scheibenbremsen
- 8 Gänge
- 306% Gesamtübersetzung
- geradverzahntes Planetengetriebe, nadel-/kugelgelagert
- 1670 Gramm
- Daumentasthebel Rapidfire Plus, obere Taste kann vor- oder rückwärts gedrückt werden (2-way-release), ein Gang pro Schaltvorgang
- Jahresinspektion, Getriebeinheit in Öl-Bad tauchen, Fett erneuern
- empfohlener Faktor Kettenblatt/Ritzel: 2-2,25
Shimano Alfine 11
- Shimano SG-S700, Centerlock für Scheibenbremsen
- 11 Gänge
- 409% Gesamtübersetzung
- schrägverzahntes Getriebe, nadelgelagert
- 1665 Gramm
- Daumentasthebel Rapidfire Plus, obere Taste kann vor- oder rückwärts gedrückt werden (2-way-release), bis zu 2 Gänge pro Schaltvorgang (Multi-Release)
- erstmaliger Ölwechsel nach 1000 km; dann alle 5000 km oder 2 Jahre
- empfohlener Faktor Kettenblatt/Ritzel: 1,8-2
Beide Alfine-Schaltungen lassen sich knackig-exakt schalten und geräuschlos fahren, wenn man sie korrekt einstellt und gelegentlich die Zuglänge nachjustiert. Die Einstellung geht so: Im Referenzgang (Nr.4/Alfine 8, Nr. 6/Alfine 11) müssen die gelben Markierungen an der Nabe genau übereinstimmen.
Die Getriebenaben reagieren empfindlich auf nicht genau parallele Ausfalllenden, ungleich festgedrehte Achsschrauben, zu lang oder eng verlegte sowie verschlissene und verschmutzte Schaltzüge. Shimano empfiehlt die gedichteten, beschichteten Zughüllen SP-41 mit Fettdepot.
Vor- und Nachteile der Alfine Nabenschaltung
Die Vor- und Nachteile der Alfine Nabe betreffen einerseits die Entscheidung zwischen Ketten- und Nabenschaltung und andererseits die Positionierung im Feld der Nabenschaltungen, also gegenüber der Konkurrenz.
Vorteile:
- dauerhafte Zuverlässigkeit
- wenig Verschleiß
- kaum Wartung notwendig
- hohe Widerstandsfähigkeit gegenüber äußeren Einflüssen
- sehr gutes Preis-Leistungsverhältnis
- vielseitig einsetzbar - in E-Bike und "normales" Fahrrad
- leichte, intuitive Bedienung - Option unterschiedlicher Schalthebel
- automatischer Gangwechsel in Verbindung mit dem Shimano Steps Motor möglich
Nachteile:
- etwas schwerer als Kettenschaltungen
- geringere Übersetzungsbandbreite als die Rohloff Speedhub
Eine Nabenschaltung braucht im Allgemeinen deutlich weniger gewartet zu werden, als eine Kettenschaltung. Weiterhin läuft die Kette hier stets optimal geradeaus, wodurch der Verschleiß gering gehalten wird.
Alfine im Vergleich zu anderen Getriebeschaltungen
Mit Pinion, Rohloff, Enviolo NuVinci und Alfine gibt es unterschiedliche Getriebeschaltungen für das Fahrrad. Wie die einzelnen Hersteller im Vergleich abschneiden, kannst du in der folgenden Gegenüberstellung nachlesen.
| Pinion | Rohloff | Enviolo NuVinci | Alfine | |
|---|---|---|---|---|
| Max. Übersetzung | 636% | 526% | 380% | 307% - 409% |
| Max. Gangzahl | 18 | 14 | Stufenlose Gänge | 8 oder 11 |
| Garantie | Fünf Jahre bei Einhaltung der Wartungsintervalle | Zwei Jahre | Zwei Jahre | Zwei Jahre |
| Gewicht | Ca. 1700g | Ca. 2450g | Ca. 1700g | |
| Nachrüstbarkeit | Benötigt speziellen Rahmen | Kann durch individuelle Konfiguration mit fast jedem Rahmen verwendet werden | Kompatibel mit 135x10mm Ausfallenden | Passt in jeden Rahmen mit einem Hinterbau mit den Maßen 10x135mm. Das ist quasi jeder Trekking- oder Citybike-Rahmen |
| Verwendung im E-Bike | Funktioniert mit Nabenmotoren. Kein automatisches Schalten möglich. Getriebe kommuniziert auch nicht mit der Elektronik des Motors/Displays. | Funktioniert mit Mittelmotoren. In Kombination mit Bosch Motoren wird die Nabenschaltung intelligent integriert. Empfohlene Gangwechsel werden angezeigt, im Stand wird automatisch auf einen leichten Gang zum Anfahren geschalten uvm. | Funktioniert mit Mittelmotoren. Man kann die bevorzugte Trittfrequenz einstellen, die dann durch automatische Schaltvorgänge immer konstant gehalten wird. | Funktioniert mit Mittelmotoren. In Verbindung mit dem Shimano Steps Motor kann auch automatisch geschaltet werden. |
| Wartung | Fast wartungsfrei. Lediglich alle 10.000km bzw. ein Mal pro Jahr wird ein Ölwechsel empfohlen. | Fast wartungsfrei. Lediglich alle 5.000km bzw. ein Mal pro Jahr wird ein Ölwechsel empfohlen. | Wartungsfrei | Wartungsfrei, gelegentlich müssen Schaltzüge an der mechanischen Version nachgestellt werden |
| Schaltgriff | Drehschaltgriff | Im Stand, Rollen Drehschaltgriff | „Rapid Fire“ Daumenschalthebel, in der elektronischen Version Schaltknopf am Lenker oder Rennrad Brems-Schalteinheit | |
| Schaltvorgang | Im Stand oder Rollen und unter Teillast. In schnellere Gänge unter Volllast. | Im Stand, Rollen und unter Teillast. | Im Stand, Rollen und unter Last | Im Stand, Rollen und unter Last |
| Wirkungsgrad | Da nur zwei Getriebestufen vorhanden sind, ist ein Pinion Getriebe effizienter als eine Kettenschaltung. Der Wirkungsgrad liegt aber etwas unterhalb einer Rohloff | Bietet den höchsten Wirkungsgrad aller Nabenschaltungen | Durch die erhöhte Reibung ergibt sich gegenüber einer Kettenschaltung ein leichter Leistungsverlust | Etwas geringer als Rohloff Speedhub |
| Anschaffungskosten | Fahrräder samt Pinion Getriebe fangen aktuell bei ca. 2.500 € an. Seit 2019 auch für den Endverbraucher ab 649€ bis 1.499€ erhältlich. | Ca. 1000 € | Ca. 350-400 € | Ab 150€ für die 8-fach Nabe ohne Zubehör, ca. 300€ für die 11-fach Variante |
Wartung und Pflege
Deshalb empfiehlt Shimano regelmäßig einen Ölwechsel bzw. bei den geschlossenen Naben-Versionen ein regelmäßiges Tauchen der Innereien in einem Ölbad. Details zur Wartung der Shimano Nexus gibt es hier.
Die meisten Shimano Naben verschleißen im Alltag immer noch durch eindringende Feuchtigkeit und Schmutz. Falls Wasser eingedrungen ist, rostet die Nabe von innen bis sie schrottreif ist, wenn sie nicht demontiert und getrocknet wird.
Alfine und E-Bikes
Wie du bereits lesen konntest, ist die Shimano Alfine Nabe sowohl für die Nutzung im klassischen, alleine durch Muskelkraft betriebenen Fahrrad, als auch für die Nutzung im elektronisch unterstützen E-Bike ausgelegt. Sie verkraftet die höheren Kräfte, die bei der Nutzung im E-Bike auftreten, problemlos. In Kombination mit Shimanos E-Bike Antrieb, dem Shimano Steps System, besteht die Möglichkeit, die Gänge mithilfe des Bordcomputers automatisch zu wechseln.
Fazit
Die Wahl zwischen Shimano Alfine 8 und 11 hängt von den individuellen Bedürfnissen und dem Einsatzzweck ab. Die Alfine 8 ist eine solide Wahl für flaches bis welliges Terrain und den städtischen Gebrauch. Die Alfine 11 bietet eine größere Übersetzungsbandbreite und eignet sich besser für längere Fahrten und hügeliges Gelände. Beide Varianten sind wartungsarm und zuverlässig, wobei die Alfine 11 durch ihre Ölfüllung einen leichteren Lauf bietet.
Verwandte Beiträge:
- Shimano GRX Schaltwerk 11-fach: Test & Kaufberatung
- Shimano Dura Ace Kassette 11-fach: Test, Vergleich & Kaufberatung
- Shimano XT Übersetzung: Die optimale Übersetzung finden
- Shimano EP8 App Einstellungen: Optimale Einstellungen für Deine E-Bike Tour
- Die besten Rennräder 2024: Test & Vergleich der Top-Modelle
- Motocross mit Seitenwagen: Adrenalin pur! Technik, Tipps & Rennen
Kommentar schreiben