Shimano Altus Bremshebel Test: Eine umfassende Analyse

Die Auswahl der richtigen Bremshebel ist entscheidend für ein sicheres und komfortables Fahrerlebnis. Besonders bei Tourenrädern und im Alltag spielen Zuverlässigkeit und Wartungsarmut eine große Rolle. Shimano bietet eine breite Palette an Bremshebeln, von der Einsteigerklasse Altus bis hin zu High-End-Modellen wie XTR. Doch welche sind die richtigen für Ihre Bedürfnisse?

Shimano Altus im Vergleich: Einordnung und Eigenschaften

Die Einsteigergruppen Shimano Altus, Acera und Alivio sind nicht unbedingt die Stars an hochwertigen Bikes. Dennoch hat Shimano diesen Schaltungen für 2018 einige wichtige funktionelle Updates spendiert. Die Hierarchie bei Shimano ist klar definiert: Altus, Acera, Alivio, Deore, SLX, XT und XTR - von unten nach oben. Diese drei untersten MTB-Schaltgruppen wurden von Shimano umfassend überarbeitet, um besser mit ihren größeren Geschwistern mithalten zu können.

Altus fährt, ist schwer. Weder elegant noch leicht, noch gönnt man sich was - außer einem geringen Preis. Die Welt kann man mit dieser Technik durchaus umrunden!

Updates und Verbesserungen

Kurbeln und Naben standen als erstes auf der Innovationsliste. Die neuen Kurbeln von Altus, Acera und Alivio wurden designtechnisch auf den Stand der Zeit gebracht, Kettenblätter sollen sich jetzt außerdem wesentlich leichter wechseln lassen, sollte die Übersetzung doch einmal überhaupt nicht passen. Und die Naben gibt es jetzt endlich auch im Boost-Format mit 148 Millimeter Breite am Hinterrad und 110 Millimetern am Vorderrad. Das ermöglicht zum einen steifere Laufräder und vergrößert auch die Kompatibilität mit anderen neuen Komponenten. Auch Kassetten und Schaltwerke wurden überarbeitet. Die Gangwechsel sollen dadurch schneller und präziser geworden sein - die Shadow-Technik bleibt jedoch weiterhin den höherwertigen Shimano-Gruppen vorbehalten.

Ein funktionaler Vorteil könnte sich aber der neue Umwerfer der Zweifach-Alivio herausstellen. Der soll nämlich nicht nur besser schalten, sondern auch eine wesentlich bessere Reifenfreiheit als vorher bieten, sodass Kettenstreben kürzer konstruiert und breitere Reifen verbaut werden können als vorher. Gerade im Einsteigerbereich ein großer Vorteil.

Ergonomie und Bedienbarkeit

Last but not least wurden auch die Bremshebel überarbeitet. So darf man sich jetzt endlich auch in den günstigen Gruppen von Shimano über die vielgelobte Ergonomie von XT- und XTR-Hebeln freuen, die mit einem Finger bedient werden können und sehr gut in der Hand liegen. Gerade Fahrer mit kleinen Händen kommt diese Entwicklung entgegen. Die Hebel können um ganze 2,5 Zentimeter in der Griffweite verstellt werden, damit sollten auch Kinder und Jugendliche keine Armkrämpfe beim Bremsen mehr bekommen.

Ab Juni 2018 werden die neuen Teile der Shimano Alivio, Acera und Altus im Handel erhältlich sein.

Hydraulische vs. Mechanische Scheibenbremsen

Bei der Wahl der richtigen Bremse stellt sich oft die Frage: hydraulisch oder mechanisch? Beide Systeme haben ihre Vor- und Nachteile.

Hydraulische Scheibenbremsen bieten maximale Bremsleistung, Dosierbarkeit und Kontrolle. Sie sind die beste Wahl für anspruchsvolle Fahrer und den Einsatz im Gelände. Allerdings sind sie in der Regel teurer und erfordern mehr Wartung.

Mechanische Scheibenbremsen sind preisgünstiger, einfacher zu montieren und zu warten. Ihre Bremsleistung kann, wenn richtig eingestellt, an hydraulische Bremsen heranreichen. Zudem lassen sie sich mit nahezu jedem Bremshebel bedienen, der mechanische Bremsen steuert.

Die Entscheidung für eine mechanische Bremse kann durch folgende Punkte geprägt sein:

  • Reparierbarkeit unterwegs
  • Einfache Montage
  • Kompatibilität mit vorhandenen Bremshebeln

Alternativen und Vergleiche

Wenn man sich etwas mit dem Thema beschäftig, kommt man am Ende meist bei drei Bremsen raus: Die Avid BB7, die TRP Spyre und die TRP Spyke. Alle genannten sind für den anspruchsvollen Einsatz am Reise- oder Bikepacking-Rad geeignet. Die TRP Spyre ist aber eher für Road-Räder mit Rennrad Bremshebel gedacht, die Spyke ist mehr für MTB und deren Bremshebel konzipiert.

Welche dieser Bremsen nun die „beste“ ist, darüber kann man streiten. Ich bin sowohl die BB7 Road (am Salsa Marrakesh) als auch die TRP Spyre gefahren. Beide Bremsen sind natürlich gut und bremsen auch bei Nässe prima. Die Montage ist bei beiden sehr einfach und die Beläge sind beidseitig mit einem Inbus, bzw. Rädchen auf der einen Seite bei der BB7, nachstellbar.

Beim Gewicht gibt es allerdings Unterschiede: Die TRP Spyre wiegt (pro Körper) 162g (nachgewogen), die BB7 Road S bringt 197g auf die Waage. Ich habe mich aufgrund der beidseitigen Bremskolben für die TRP Spyre entschieden, die sich mit den SRAM Rival Bremshebeln gut ansteuern lassen. Ich fahre die Bremsen mit 160mm Scheiben und habe damit den Tuscany Trail als auch den Atlas Mountain Race gemeistert.

Die Bremsleistung ist aus meiner Sicht sehr gut, sie arbeitet bissig und bringt die Räder ohne Probleme zum blockieren, hat aber auch genug Dosierung parat. Allerdings ist die Performance auch von den Bowdenzügen abhängig. Am Bombtrack Beyond fahre ich eine TRP Spyre C, die Bauteile aus Carbon hat und etwas leichter als die herkömmliche TRP Spyre ist, die ich am Salsa Fargo installiert habe.

Wer absolut auf mechanische Bremsen steht und genug Budget zur Verfügung hat, der sollte sich die PAUL Klamper anschauen. Die Klamper gibt es als Post Mount/IS und Flat Mount Version. Dabei wird dann noch zwischen kurzem Zug, langem Zug und Campagnolo unterschieden. Und: die Klamper bremst einseitig, was aber hier mit „mehr Power“ begründet wird.

Zum Beispiel die Avid BB5 (MTB/Road). Sie verfügt aber nicht über die Belagnachstellmöglichkeiten der BB7. Allerdings ist die BB5 mit einem Preis von ca. Ähnlich ist die Hayes MX-5, die für MTBs gedacht ist. Eine einfache Bremse für Road und Cross ist die Tektro Lyra, die mit 148g ein tolles Gewicht hat und um die 45 Euro kostet. Ich habe aber keine Erfahrungswerte mit dieser Bremse finden können. Völlig unbekannt ist mir die Clarks CMD 22. Aber sie bremst mit 2 Kolben und ist mit ca 35-40 Euro pro Körper auch nicht ganz so teuer (ca 80 Euro für v/h). Bei Seven Day Cyclist habe ich einen recht informativen Testbericht zu dieser Bremse gefunden.

Ich habe gerade mit dem Surly Bridge Club ein neues Testrad bekommen. Das bremst mit den mechanischen Promax 300 Bremsen. Mein erster Eindruck ist, dass sie verzögern, aber von der Bremsleistung her jetzt nicht vorne mitspielen. Aber ich war auch grad nur mit dem Rad Pizza holen. Promax ist ein Komponentenanbieter und baut auch mechanische Scheibenbremsen unter der Typbezeichnung Render.

…und damit einige weitere mechanische Bremsen-Modelle wie die BR-R317 aus der Shimano Sora 3500 Gruppe, die vorzugsweise an Road Bikes und Crossern verwendet wird und mit 183g pro Körper auch nicht besonders schwer ist. Oder die BR-CX77 aus der Shimano Ultegra 6800 Gruppe für den Einsatz am Cyclocrosser. Die BR-TX805 ist eine mechanische Scheibenbremse aus der Tourney TX Gruppe. Sie ist für MTB mit Center Lock System vorgesehen und wiegt 295g pro Körper (vermutlich inkl. Disc. Ebenfalls für MTB, aber auch Trekking und City ist die BR-M375 aus der Shimano Altus Gruppe.

Hybrid-Bremsen: Eine Kombination aus beiden Welten

Ein bisschen Öl kann da nicht schaden, vor allem wenn es zu mehr Bremskraft und Dosierbarkeit führt und in sogenannten Hybrid-Bremsen zum Einsatz kommt. Diese Bremsen sind eine Kombination aus mechanischen und hydraulischen Bremsen. Dabei werden die Bremsbeläge hydraulisch gegen die Scheibe gedrückt und die Hydraulik mechanisch gesteuert.

Bei Hybrid-Bremsen fällt zuerst immer ein Name: TRP HY RD. Diese Hybrid-Bremsen für Rennrad Bremsgriffe gibt es schon sehr lange. Trotz dieses zusätzlichen Öl-Pakets bauen die Bremsen nicht besonders breit und lassen sich wie alle TRP mechanischen Scheibenbremsen einfach und schnell montieren. Automatische Bremsbelagnachstellung.

Besonders aufgefallen ist mir, wie viel weniger Kraft ich beim Bremsen aufwenden muss, vor allem wenn man wie ich viel von oben bremst. Damit meine ich das Bremsen, wenn die Hände oben auf den Brems-/Schalthebeln liegen. Um diese Performance zu gewährleisten, sollte man die TRP HY RD vorzugsweise mit Jagwire Slick Lube und kompressionslosen Bowdenzughüllen verbinden. Der Öl-Behälter ist sehr solide verschlossen und die Gefahr des Blutens ist eher unwahrscheinlich.

Und nicht nur weniger Kraft ist nötig, sondern auch die Bremsperformance hat sich verbessert. Die Bremsen haben die Power einer hydraulischen Bremse, packen ordentlich zu und sind wesentlich feiner in der Dosierung und Druckpunktsteuerung. Kurzum: Die TRP HY RD ist aktuell „meine“ Bremse, denn sie vereint momentan das Beste aus beiden Welten.

Bei meiner Recherche habe ich nur noch eine andere Hybrid-Bremse gefunden: Die Yokozuna Motoko und Ultimo. Der Unterschied zwischen Motoko und Ultimo liegt in der Anzahl der Kolben.

Shimano Bremsen und Magura Bremsscheiben

Es ist durchaus möglich, Shimano-Bremsen mit Magura-Bremsscheiben zu kombinieren. Ich fahre Shimano-Scheibenbremsen (XT aus dem Jahre 2015) in Kombination mit Magura-Bremsscheiben (ich bin mir, ohne jetzt nochmal gemessen zu haben, daß die 2 mm Materialdicke haben) ohne Probleme. Die Bremssättel stecken die 0,2 mm an Mehr problemlos weg.

Empfehlungen und Anwendungsfälle

Für normale Touren, ohne Downhill- oder Alpenpass-Ambitionen, kann bereits ein günstigeres Set wie das Shimano BR-MT200 + BL-MT201 in Betracht gezogen werden. Wichtig ist, auf wartungsarmen Betrieb, überschaubare Folgekosten und die Verfügbarkeit von Verschleißteilen zu achten.

Alternativ kann auch die Shimano Trekking-Kombi BR-M6000 + BL-T6000 für ca. 90€ (ohne Scheiben) eine gute Wahl sein. Ersatzteile sind für Leitungen, Dichtungen und Deckel erhältlich. Die Griffweite lässt sich mit einem kleinen Inbusschlüssel einstellen.

Tabelle: Vergleich verschiedener Bremsentypen

Bremsentyp Vorteile Nachteile Empfohlener Einsatz
Hydraulische Scheibenbremsen Maximale Bremsleistung, gute Dosierbarkeit Teurer, aufwendigere Wartung MTB, anspruchsvolle Touren
Mechanische Scheibenbremsen Preisgünstig, einfache Montage und Wartung Geringere Bremsleistung Alltagsräder, einfache Touren
Hybrid-Bremsen Kombination aus Bremsleistung und einfacher Wartung Höherer Preis als mechanische Bremsen Rennräder, Cyclocross

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