Shimano Altus Schaltzug wechseln: Eine detaillierte Anleitung

Winterzeit ist Schrauberzeit! Wann, wenn nicht jetzt, hat man ausgiebig Zeit, sich der Fahrradpflege zu widmen? Denn soviel vorweg: Zeit solltest du dir für diesen Job auf jeden Fall genug nehmen.

Damit die Gangschaltung am Fahrrad reibungslos funktioniert und sich alle Gänge sauber schalten lassen, muss neben Schaltwerk, Schalthebel und Umwerfer auch der Schaltzug inklusive seiner Außenhülle intakt sein. Hakt die Gangschaltung, ist gegebenenfalls der Schaltzug verschlissen und/oder mit der Außenhülle verklebt. In diesem Fall ist es Zeit, den Schaltzug am Fahrrad zu wechseln.

Dieser Artikel bietet eine detaillierte Anleitung zum Wechseln des Schaltzugs an einem Shimano Altus-Schalthebel, wobei sowohl Fahrräder mit durchgehenden als auch mit unterbrochenen Außenhüllen berücksichtigt werden.

Deshalb ist es auch keine Schande, wenn du nach dem Lesen des Artikels vielleicht entscheidest, das Bike für den Schaltzugwechsel lieber einer Fachwerkstatt anzuvertrauen. Grund sind die heute üblichen, im Inneren des Rahmens verlaufenden Züge. Das verschönt zwar die Optik des Bikes, erfordert aber einige Überlegungen und Arbeitsschritte mehr, als das früher bei außen verlegten Zügen der Fall war.

Wann sollte der Schaltzug gewechselt werden?

In welchem Turnus ein Schaltzug erneuert werden muss, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Vor allem aber von der Nutzungsintensität. Denn die Gleitfähigkeit des Stahlseils in der Außenhülle nimmt mit der Zeit ab. Hinzu kommt der Störfaktor Schmutz, der trotz winziger Dichtungen an den Ein- und Ausgängen der Außenhüllen ins Innere eindringen kann.

Weitere mechanische Einflüsse können das Schaltverhalten verschlechtern, zum Beispiel abknickende oder ungünstig verlegte Züge. Untrüglicher Hinweis auf einen notwendigen Zugwechsel sind permanente, unpräzise Schaltschritte. An modernen Schaltungen mit 10, 11 und mehr Ritzeln auf engstem Raum muss das Schaltwerk extrem kleine und präzise Schritte ausführen.

Wenn die Schaltrollen am Ende des Schaltvorgangs nicht exakt senkrecht unter dem gewählten Ritzel stehen bleiben, erzeugt die Kette Laufgeräusche oder springt zum benachbarten Zahnkranz über. Man kann sich also vorstellen, dass jede Behinderung des Schaltseils auf seinem langen und kurvenreichen Weg vom Lenker zum Schaltwerk Probleme verursacht.

Wenn die Schaltung an Ihrem Fahrrad nur noch schwer und "hakelig" funktioniert, kann es nötig sein, den in die Jahre gekommenen Schaltzug zu erneuern.

Wichtiger Tipp vorab

Unser wichtigster Tipp zu Beginn: Bei einem Zugwechsel sollte stets das gesamte System erneuert werden, also Innenzug UND Außenhülle. Grund: Weil das Gleitmittel im Liner verharzt, bringt ein neues Stahlseil kaum eine Verbesserung (als Liner bezeichnet man das Kunststoffröhrchen in der Zughülle). Nur bei einem neuen Komplettsystem ist bestmögliche Gleitfähigkeit gegeben.

Zugegeben, der Kompletttausch ist etwas aufwändiger, aber dafür muss man heute bei Einfach-Antrieben nur noch einen Zug wechseln.

Benötigte Werkzeuge und Hilfsmittel

Werkzeuge und Hilfsmittel:

  • Ein Spezialwerkzeug, das man unbedingt benötigt, ist ein so genannter Kabelschneider. Er besitzt gerundete Schneiden, damit insbesondere die Außenhülle beim Ablängen nicht gequetscht wird.
  • Beim Innenzug (Stahlseil) sorgt diese Zange dafür, dass sich nach dem Abschneiden das Ende nicht in seine feinen Einzeldrähte auflöst. Ein Kabelschneider gehört in jede Hobbywerkstatt.
  • Wer seine Außenhüllen durch den Rahmen ziehen muss, braucht ein kleines aber feines Teil: Der RockShox Barb Connector verbindet die alte Außenhülle mit der neuen, so dass man den Strang mühelos durchs Rahmenrohr schieben/ziehen kann.
  • Wenn an deinem Rahmen lediglich das Stahlseil im Rohr verläuft (Außenhüllen enden am Einlass), dann benötigst du zum Durchfädeln des neuen Seils ein Stück Liner. Das Kunststoffröhrchen muss so lang sein, dass es beidseitig über das Rahmenrohr hinaus ragt.
  • Zughüllenschneider (Cable Cutter)
  • Inbussatz
  • Kreuzschlitz-Schraubendreher
  • Klebeband
  • Teflonspray

Benötigtes Material

Material:

  • Schaltzugset
  • Liner
  • Zugendhülsen
  • Endkappen

Schritt-für-Schritt-Anleitung

Zunächst entspannen Sie die Gangschaltung indem Sie die Fahrradkette also auf das kleinste Ritzel (den größten Gang) legen.

Variante A: Durchgehende Außenhüllen

Zunächst beschreiben wir die Arbeitsschritte für den Fall, dass die Außenhüllen an deinem Rahmen durchgehend verlegt sind.

  1. Vorbereitung: Als erstes die Kette aufs kleinste Ritzel schalten. Dann den entspannten Schaltzug an der Klemmschraube (Schaltwerk) lösen.
  2. Alten Zug entfernen: Damit sich das Seil aus der Hülle ziehen lässt, musst du das Ende mitsamt der Quetschhülse abschneiden.
  3. Zugwechsel-Öffnung öffnen: Zum Herausziehen des alten Schaltseils die Zugwechsel-Öffnung am Schalthebel öffnen:
    • Shimano: Kreuzschlitzschraube seitlich.
    • Sram: Gehäusedeckel oben.
    Anschließend das Schaltseil durch den Hebel herausziehen. Die Außenhülle verbleibt vorerst im Rahmenrohr!
  4. Neue Außenhülle verbinden: Nun wird die neue Außenhülle mit Hilfe des RockShox Connectors an die alte Hülle geschraubt (Ein- oder Ausgang spielt keine Rolle). An den Flanschen des Connectors sitzen unterschiedliche Gewinde (Links- und Rechtslauf), deshalb schraubt sich das Teil gleichzeitig in beide Außenhüllen.
  5. Neue Außenhülle einführen: Wichtig: Beim Einführen der neuen Außenhülle mehr schiebend als ziehend arbeiten! Nicht, dass sich der Connector löst.
  6. Außenhülle ablängen: Das endgültige Ablängen der neuen Außenhülle erledigst du am besten, nachdem sie an Ort und Stelle im Rohr sitzt. Achte darauf, die Hülle in harmonischen Bögen und weder zu knapp noch zu lang zu verlegen (Lenker muss sich in beide Richtungen voll einschlagen lassen).
  7. Enden aufweiten: Tipp: Bevor du den neuen Seilzug einführst, weite die Enden der Außenhüllen mit einem Nagel etwas auf. Denn selbst mit dem Bowdenzugschneider wird der Liner meist etwas gequetscht. Und nicht vergessen, die PVC-Endhülsen aufzustecken!
  8. Schaltseil einfädeln: Schaltseil durchfädeln, System straff ziehen, Seil klemmen und die Schaltung gegebenenfalls einstellen.

Variante B: Unterbrochene Außenhüllen

Die Anleitung für den Fall, dass die Außenhüllen nicht durchgehend verlegt sind.

Wenn die Außenhüllen bei deinem Rahmen nicht durchgehend im Unterrohr verlaufen, sondern an den Ein- und Auslässen andocken, unterscheiden sich die Arbeitsschritte teilweise.

  1. Vorbereitung: Als erstes die Kette aufs kleinste Ritzel schalten. Dann den entspannten Schaltzug an der Klemmschraube (Schaltwerk) lösen.
  2. Zug freilegen: Nun kannst du die Außenhülle am Schalthebel einige Zentimeter wegziehen und damit das Stahlseil freilegen. Dort musst du es abschneiden!
  3. Außenhülle entfernen: Jetzt kannst du das zwischen Lenker und Rahmenrohr sitzende Segment der Außenhülle abziehen, so dass das blanke Schaltseil noch aus dem Rahmen hängt. Ebenso unten am Tretlager die Außenhülle wegziehen.
  4. Liner verwenden: Nun kommt das Anfangs erwähnte Liner-Röhrchen zum Einsatz: Schiebe den Liner über den alten Seilzug bis er unten wieder aus dem Rohr kommt. Erst jetzt den alten Zug nach unten aus dem Liner ziehen. Aufpassen, dass der Liner im Rohr an Ort und Stelle bleibt! Er dient gleich als Führung für das neue Schaltseil.
  5. Außenhüllen ablängen: Inzwischen kannst du die neuen Außenhüllen-Segmente auf die richtigen Längen schneiden. Übrigens eine gute Gelegenheit, die Verlegung zu optimieren, falls die alten Hüllen vielleicht zu lang oder kurz waren. Vor dem Aufstecken der PVC-Endhülsen hilft der Trick mit dem Nagel, um die Einlässe zu Weiten (siehe oben).
  6. Neues Schaltseil einfädeln: Um das neue Schaltseil einfädeln zu können, musst du am Hebel die Zugwechsel-Öffnung aufschrauben (Shimano: Kreuzschlitzschraube seitlich. Sram: Gehäusedeckel oben). Der alte, abgeschnittene Seilrest lässt sich leicht heraus schieben. Jetzt das neue Seil durch den Hebel und das erste Segment der Außenhülle fädeln. Anschließend mit Gefühl durch den Liner im Rahmenrohr.
  7. Liner entfernen: Sobald das Seil unten auftaucht kannst du den „Hilfs-Liner“ mit dem Seil zusammen durch bzw. aus dem Rahmen ziehen.
  8. Restliche Montage: Der Rest ist reine Formsache: Schaltzug und weitere Außenhüllensegmente bis zum Schaltwerk fädeln. System straff ziehen, Seil klemmen und die Schaltung gegebenenfalls einstellen.

Zusätzliche Tipps und Hinweise

  • Verlauf des Zuges merken: Schauen Sie sich vorher unbedingt den Verlauf des Zuges genau an. Am besten machen Sie davon ein Foto, damit Sie den neuen Zug später auf die gleiche Weise wieder verschrauben. Wie eingangs bereits erwähnt, achten Sie bitte unbedingt darauf, den Verlauf des Zuges am Rahmen vor Beginn der Arbeiten gut zu betrachten und eventuell zu fotografieren. So ist sichergestellt, dass auch der neue Zug spielfrei funktioniert und leicht laufen kann.
  • Schmierung: Ein Ölen der Hüllen (z.B. mit dem Innotech Spray 107) sorgt für eine gute Schmierung. Bei einigen Fahrradrahmen laufen die Züge über weite Strecken auch ohne Hüllen.
  • Zugspannung: Als Faustregel gilt: Befindet sich das Schaltwerk mit dem Röllchen unter dem kleinsten Ritzel, soll der Schaltzug minimal vorgespannt sein.
  • Endkappen: Zum Schutz des abgeschnittenen Endes wird eine Endtülle auf den Zug gequetscht.
  • Saubere Schnitte: Beim Kürzen einer neuen Außenhülle ist wichtig, dass sie sauber und im 90°-Winkel abgeschnitten wird. Nimm hierzu auf keinen Fall einen Seitenschneider oder die Kombizange, da die Hülle hierbei gequetscht wird. Ein Bowdenzugschneider schert die Außenhülle sauber und quetschfrei ab.
  • Reibung reduzieren: Mit einem speziell beschichteten Schaltzug verringerst Du die Reibung nochmals spürbar. Vermeide enge Radien bei der Zugverlegung. Lieber etwas mehr Leitung und dafür weite "Kurven" - das senkt die Reibung.
  • Reibungsdämpfer prüfen: Prüfe den Widerstand des Käfigs sowie eventuelles Spiel in den Gelenken und Röllchen.

Nachjustierung

Abschließend: Ein neues Schaltzugsystem muss man nach den ersten Ausfahrten meist ein oder zwei mal nachjustieren! In der Regel genügt dazu ein kleiner Dreh an der Zugspannschraube, dort wo der Zug am Schalthebel anflanscht.

Grund: Die Abfolge aus Außenhüllensegmenten, Endhülsen und Anschlägen drückt sich bis zum endgültigen Sitz etwas zusammen. Dadurch gibt der Seilzug minimal nach - die Schaltung wird unpräzise.

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