Ob Shimano- oder SRAM-Antrieb: Die Kettenschaltung am Mountainbike oder E-MTB sauber einzustellen, sollte zum Standard-Repertoire gehören. Viele tun sich damit schwer, und wie oft hören wir: „Oh Gott, Schaltung einstellen. Kannst Du mal…?“ Dabei ist es nicht so schwer, wie manche denken. Essenziell ist das mechanische Verständnis. Drehe nicht nur an der Schraube, sondern schau, was genau dann passiert.
Grundlagen der Kettenschaltung
Die Schaltung eines Fahrrads ist ein etwas komplexeres System, in dem mehrere mechanische Bauteile zusammenwirken. Diese müssen optimal aufeinander eingestellt sein, um das Konzept Kettenschaltung reibungsarm und effizient werkeln zu lassen. Welchen Einfluss hat welche Schraube aufs System? Bevor Du wild überall dran drehst und schlussendlich doch verzweifelst, lies weiter. Wir erklären Dir Schritt für Schritt, wie es geht. Hinterher kannst Du nicht nur die Schaltung einstellen, sondern hast das komplette System verstanden und machst es praktisch im Schlaf.
Da an den meisten Mountainbikes, E-Bikes eingeschlossen, mittlerweile ein Einfach-Antrieb montiert ist, bei dem nur noch hinten geschaltet wird, ist das Einstellen sogar weniger komplex als früher mit Schaltwerk und Umwerfer. Um die fehlende Bandbreite vorne zu kompensieren, müssen die Kassetten hinten allerdings größer sein und somit auch mehr Ritzel als früher haben, damit die Sprünge zwischen den Gängen nicht zu groß werden. Mittlerweile müssen sich 12 Ritzel den gleichen Bauraum teilen wie früher 9 oder 10 Stück. Sie rücken enger zusammen, daher muss auch die Kette schmaler sein. Dies alles zusammen bedingt eine etwas genauere Feineinstellung der Schaltkomponenten als es früher der Fall war.
Moderne 1x12-Antriebe sind mittlerweile Standard am Mountain Bike. Die Funktionsweise ist jedoch bei beiden Herstellern nahezu gleich.
Vorbereitung und Kompatibilität
Um Deine Schaltung bestmöglich einstellen zu können, gibt es ein paar Voraussetzungen. Alle Teile des Antriebs und der Schaltung müssen zueinander kompatibel sein. Schaltwerk und Schaltgriff müssen vom gleichen Hersteller und idealerweise aus der gleichen Serie stammen. Essenziell sind hier aber die Schaltstufen: ein 12-fach Schaltwerk kann nur von einem 12-fach-Schaltgriff gleichen Herstellers angesteuert werden; es kann ausschließlich eine 12-fach-Kassette und -Kette benutzt werden. Shimano- und SRAM-Bauteile können NICHT gemixt werden. Dies führt unweigerlich zu Problemen bis hin zur kompletten Fehlfunktion. Auch wenn andere Hersteller kompatible Teile anbieten, schwöre ich persönlich auf Originalbauteile des jeweiligen Gruppen-Herstellers, um die beste Performance zu gewährleisten.
Für beste Performance ist ein markenreines, in sich kompatibles System obligatorisch. Hier: Shimano XT 12-fach.
Reinigung und Wartung
Grobe Verschmutzungen, insbesondere an Ritzeln, Kette und Schaltröllchen, können Probleme beim Schalten verursachen. Eine gründliche Reinigung ist daher obligatorisch. Für geschmeidige Schaltvorgänge muss die Kette sauber und gut geschmiert sein. Die Gelenke des Schaltwerks müssen leichtgängig sein. Sind sie verdreckt oder ist die Schmierung durch häufiges Waschen mit dem Hochdruckreiniger nicht mehr gegeben, darfst Du ihnen nach dem Säubern gern einen Tropfen Kettenöl spendieren. Dasselbe gilt für die Lager der Schalträdchen. Grundsätzlich sollen alle Komponenten, die mit im Spiel sind, vor dem Einstellen der Schaltung sauber und natürlich technisch einwandfrei sein. Die Hauptursache für schlecht funktionierende Schaltungen ist zu viel Reibung. Weniger Dreck bedeutet weniger Reibung. Alle beweglichen Teile müssen sauber und geschmiert sein.
Bauteile prüfen
Nimm Dir zuerst die Kassette vor: Wenn Du das größte Ritzel im montierten Zustand an zwei gegenüberliegenden Stellen fasst und die Kassette dann zu kippen versuchst, darf nur wenig bis kein Spiel spürbar sein. Kontrolliere bitte das Anzugsmoment der Kassette am Freilauf (40Nm). Die Kassette sollte in puncto Verschleiß im grünen Bereich sein. Spitze Zähne, auch „Haifischzähne“ genannt, sind ein klares Indiz dafür, dass die Kassette getauscht werden muss. Kontrolliere die Kassette auch auf etwaige Beschädigungen wie beispielsweise krumme oder abgebrochene Zähne. Ist dies der Fall, muss sie ebenfalls getauscht werden.
Das Schaltwerk muss fest und mit vorgeschriebenem Drehmoment am Schaltauge verschraubt sein. Selbstverständlich darf es nicht verbogen oder verzogen sein, was beim ernsthaften Mountainbiken schon mal vorkommt. Auf bockigen Abfahrten kann das Schaltwerk schon mal anecken und beim Kontakt gewinnt in aller Regel der Felsen. Durch das Gerüttel auf den Trails schlägt es auch irgendwann in seinen Gelenken aus. Dies spürst Du, wenn Du den Käfig unten fasst und seitlich bewegst. Nur ein spielfreies Schaltwerk kann die Gänge sicher, schnell und präzise wechseln. Kontrolliere auch das seitliche Spiel der Schalträdchen (idealerweise bei abmontierter Kette), indem Du daran wackelst. Sind die Lager verschlissen, kippen die Rädchen hin und her. Das Schaltwerk ist dann nicht mehr in der Lage, die Kette sauber unter dem gewünschten Ritzel in Position zu bringen und sie in der Flucht zu den Ritzeln zu halten.
Die Kassette muss korrekt auf dem Freilaufkörper montiert werden und spielfrei sein. Dann kannst Du gleich noch den Zustand der Zähne an den Schalträdchen checken: Genau wie bei der Kassette und dem vorderen Kettenblatt dürfen die Zähne der Schalträdchen ebenfalls nicht verschlissen oder beschädigt sein. Bist du unsicher, nimm Dir einfach ein Bild eines neuen Schalträdchens zur Hand, falls du gerade kein neues dahast. Möchtest Du die Kette weiter benutzen und keine neue verbauen, solltest Du sie vorher mit einer Kettenlehre auf Längung prüfen. Gerade am Mountainbike schlägt die Kette durch die starken Vibrationen und Schläge zusätzlich seitlich aus. Spürst Du beim seitlichen Tordieren der Kette starkes Spiel und lässt sich die Kette sehr weit „biegen“, muss sie getauscht werden.
Moderne 11- und 12-fach-Schaltwerke von Shimano und SRAM beherbergen eine Mechanik zur Erhöhung der Kettenspannung, die in der Verbindung von Schaltwerkskörper zum Käfig steckt. Da diese Technik ebenfalls einem Verschleiß unterliegt, kontrolliere die Funktion bzw. die Wirkung der Kupplung: Der Käfig darf sich nur mit spürbarem Kraftaufwand nach vorne bewegen lassen - Du spürst ein deutliches Losbrechmoment im Gelenk, bevor du gegen die Federkraft andrückst. So soll es sein!
Schlägt das Schaltwerk gegen einen festen Gegenstand, verbiegt das Schaltauge auch gerne mal, obwohl das Schaltwerk selbst vielleicht gar nicht viel abbekommen hat. Dafür ist es schließlich auch da: Als „Sollbruchstelle“ zwischen Rahmen und Schaltwerk. Wenn etwas kaputt geht, dann besser so ein günstiges Teil als das Schaltwerk oder gar der Rahmen. Ein sichtbar verzogenes Schaltauge lässt eine saubere Einstellung der Schaltung per se nicht mehr zu. Je nachdem kannst Du es mit einem Richtwerkzeug korrigieren, allerdings ist es bei modernen Rahmen mit Steckachse meist massiver, aus CNC-gefrästem Alu, daher schwer zu richten. Wir empfehlen, bei Beschädigung direkt ein neues Schaltauge zu verbauen.
Damit der Schaltgriff exakte „Befehle“ an das Schaltwerk weiterleiten kann, muss der Schaltzug und die schützende Außenhülle akkurat angeschlossen sein. Wenn Du einen neuen Schaltzug installierst, solltest Du auch immer gleich prüfen, ob er reibungsarm durch die komplette Hülle gleitet. Falls nicht, musst Du besser auch die Hülle tauschen. Beim Kürzen einer neuen Außenhülle ist wichtig, dass sie sauber und im 90°-Winkel abgeschnitten wird. Nimm hierzu auf keinen Fall einen Seitenschneider oder die Kombizange, da die Hülle hierbei gequetscht wird. Ein Bowdenzugschneider schert die Außenhülle sauber und quetschfrei ab. Mit einem speziell beschichteten Schaltzug verringerst Du die Reibung nochmals spürbar.
Prüfe die Reibung des Schaltzugs in der Außenhülle. Präzises Schalten geht nur mit wenig Reibung! Zu enge Radien bei der Verlegung der Außenhülle erhöhen die Reibung unnötig und sollten daher vermieden werden. Die Endkappe muss kräftig auf die Hülle gedrückt werden, damit sie später nicht noch weiter nachgibt, was die Schaltzug-Spannung wiederum verändern würde. Manche Fahrer:innen schmieren die Schaltzüge beim Einbau, doch wenn, dann sei sparsam und verwende ein dünnflüssiges Schmiermittel wie Gabelöl oder Nähmaschinenöl.
Bevor es an das Einstellen geht, hier noch ein kurzer Überblick der 3 Einstellschrauben eines modernen Schaltwerks. Die Schrauben und deren Funktion sind bei SRAM und Shimano aber gleich, auch deren Anordnung ist sehr ähnlich.
- B-Schraube (B-Screw): Diese Schraube ist für den Grad der Umschlingung der Kette auf der Kassette und für den Abstand des oberen Schalträdchens zum jeweiligen Ritzel zuständig.
- L-Schraube (Low Limit Screw): Diese Schraube stellt die obere Begrenzung des Schaltwerk-Schwenkbereichs ein, am größten Ritzel der Kassette.
- H-Schraube (High Limit Screw): Diese Schraube stellt die untere Begrenzung des Schaltwerk-Schwenkbereichs ein, am kleinsten Ritzel der Kassette.
Schaltzug wechseln - Schritt für Schritt
Damit die Gangschaltung am Fahrrad reibungslos funktioniert und sich alle Gänge sauber schalten lassen, muss neben Schaltwerk, Schalthebel und Umwerfer auch der Schaltzug inklusive seiner Außenhülle intakt sein. Hakt die Gangschaltung, ist gegebenenfalls der Schaltzug verschlissen und/oder mit der Außenhülle verklebt. In diesem Fall ist es Zeit, den Schaltzug am Fahrrad zu wechseln.
Wenn die Schaltung an Ihrem Fahrrad nur noch schwer und "hakelig" funktioniert, kann es nötig sein, den in die Jahre gekommenen Schaltzug zu erneuern. Zunächst entspannen Sie die Gangschaltung indem Sie die Fahrradkette also auf das kleinste Ritzel (den größten Gang) legen.Lösen Sie den Schaltzug hinten an der Schaltung.
Schauen Sie sich vorher unbedingt den Verlauf des Zuges genau an. Am besten machen Sie davon ein Foto, damit Sie den neuen Zug später auf die gleiche Weise wieder verschrauben. Lösen Sie die kleine Staubkappe vorne am Schalthebel. Die alten Außenhüllen dienen als Vorlage zum Ablängen/Zuschneiden der neuen Hüllen.Nachdem Sie die Außenhüllen neu angefertigt haben, schieben Sie hier den neuen Schaltzug hinein. Verlegen Sie den Zug am Fahrrad bzw. am Rahmen wieder auf die gleiche Weise wie der vorherige verlegt war.
Wie eingangs bereits erwähnt, achten Sie bitte unbedingt darauf, den Verlauf des Zuges am Rahmen vor Beginn der Arbeiten gut zu betrachten und eventuell zu fotografieren. So ist sichergestellt, dass auch der neue Zug spielfrei funktioniert und leicht laufen kann. Ein Ölen der Hüllen (z.B. mit dem Innotech Spray 107) sorgt für eine gute Schmierung. Bei einigen Fahrradrahmen laufen die Züge über weite Strecken auch ohne Hüllen.
Gerade beim Mountainbike, das auf jeder Tour verschmutzt, ist regelmäßige Wartung wichtig. Und jeder Schaltzug wird folgerichtig am MTB irgendwann schwergängig. Wie du ihn erneuerst, erklären wir am Beispiel des Shimano-XT-Schaltwerks.
Werkzeug & Aufwand
- Werkzeug: Zughüllenschneider (Cable Cutter), Inbussatz, Klebeband, Teflonspray
- Material: Schaltzugset, Liner, Zugendhülsen, Endkappen
- Schwierigkeitsgrad: Mittel
- Zeitaufwand: 30 Minuten
Schritte im Detail
- Zug entlasten: Vor dem Ausbau des alten Zugs müssen Sie auf das kleinste Ritzel schalten. Betätigen Sie den oberen Hebel so oft, bis keine Schaltstufe mehr möglich ist. Dann liegt die Plombe am oberen Zugende in der richtigen Position und kann später herausgeschoben werden.
- Schaltzug lösen: Knipsen Sie die Endkappe am unteren Zugende ab. Als Werkzeug empfiehlt sich ein Kabelschneider. Danach müssen Sie die Klemmschraube mit einem 5-mm-Inbus lösen. Drehen Sie die Schraube aber nur so weit, bis sich der Zug locker aus der Klemmung ziehen lässt.
- Ausfädeln: Öffnen Sie mittels Kreuzschlitz-Schraubendreher die kleine Plastik-Abdeckschraube, die Sie bei Shimano-Schaltungen zwischen den Hebeln finden. Schieben Sie danach von hinten den Zug heraus, bis oben an der Öffnung die kleine Plombe erscheint.
- Zughülle mobilisieren: Selbst bei komplett innenverlegten Zügen sollten Sie prüfen, ob Sie auch die Hülle tauschen müssen. Wenn nicht, können Sie etwas Silikonöl in das obere Ende geben. Dann läuft der neue Zug geschmeidiger und ist besser vor Korrosion geschützt.
- Einfädeln: Fädeln Sie den Zug zuerst in den Schalthebel ein - gehen Sie dabei in umgekehrter Reihenfolge wie in Bild drei vor. Hebel verschließen. Dann in Hülle einfädeln. Auf deren Ende eine gedichtete Endkappe aufsetzen (Shimano: eine mit vier Rillen an der Seitenwand, ungedichtete haben zwei).
- Justageschraube herausdrehen: Am Schalthebel befindet sich eine Einstellschraube. Drehen Sie sie raus, erhöhen Sie die Zugspannung. Drehen Sie sie hinein, lässt die Spannung nach. Drehen Sie die Schraube komplett rein und dann wieder eine Umdrehung raus, bevor Sie den Zug befestigen.
- Zug befestigen: Führen Sie den Zug am Schaltwerk durch die Führung unter der Klemmung hindurch. Sobald er richtig sitzt, können Sie die Klemmschraube wieder anziehen. Achten Sie darauf, dass der Zug nur leicht gespannt ist. Zum Schutz eine Metallkappe auf das Zugende knipsen.
- Schaltung einstellen: Schalten Sie jeden Gang durch. Falls das Schaltwerk unsauber arbeitet, müssen Sie die Zugspannung regulieren. Am besten geht der Check auf dem dritt- und viertkleinsten Ritzel. Die Zähne müssen exakt in der Mitte der Kettenlaschen stehen.
Besonderheiten von SRAM-Schaltungen
Bei Schaltwerken von Sram müssen Sie den Zug in der Regel über eine Umlenkung führen, bevor Sie ihn an der Klemmung einfädeln können. Trotzdem gilt wie bei Shimano, dass Sie den Zug nicht zu stark spannen dürfen.
Innen liegende Schaltzüge
Innen liegende Schaltzüge verleihen dem Bike eine aufgeräumte Optik. Doch der edle Look hat seinen Preis: Ist der Schaltzug ab oder verschlissen, kann es schon mal vorkommen, dass einem beim Erneuern auch der Geduldsfaden reißt. Denn den Zug durch das Rahmeninnere zum Ausgang zu friemeln, erfordert Geschick und gute Nerven. Umso wichtiger ist es, den Schaltzugwechsel mit der richtigen Strategie anzugehen.
Höchste Zeit für einen neuen Schaltzug wird es, wenn Schmutz und Verschleiß die Reibung erhöhen und Schalten nur noch mit viel Daumenkraft möglich ist, oder beim Wechsel auf ein kleineres Ritzel die Kette nur widerwillig nach unten wandert. Am unkompliziertesten ist der Tausch, wenn die Züge außerhalb des Rahmens verlaufen.
Wer beim Wechsel von innen verlegten Zügen leichtsinnig den alten Bowdenzug aus dem Rahmen zieht, kann unter Umständen Stunden damit verbringen, den neuen wieder korrekt durch den Rahmen zu führen. Die folgende Anleitung hilft, derartige Werkstattpannen zu vermeiden.
Bei frei liegenden Zügen (B) im Inneren des Rahmens fädelt man einen sogenannten Liner als Ersatz für die Außenhülle über den Schaltzug. In den Liner lässt sich dann der neue Schaltzug schieben, nachdem der alte entfernt wurde.
Tipps fürs Wechseln der Schaltzüge
- Kein Klappern: Mit einer dünnen Schaumstoffhülle (zum Beispiel von Jagwire oder Capgo) lässt sich nerviges Klappern von Zügen schnell und einfach abstellen.
- Wenn Sie einen neuen Schaltzug in den Rahmen einziehen wollen, können kleine Helfer viel Zeit sparen.
Umzugshelfer: Hilfreiche Tools für den Schaltzug-Wechsel
- Magnet: Sollte der Zug doch mal im Rahmen verloren gehen, kann man versuchen, ihn mit einem Magneten zu angeln. Ein komplettes Montage-Set mit Linern gibt es dafür von Parktool.
- Liner: Zum Wechsel des Schaltzugs wird der Liner über den alten Zug geschoben und später als Führung für den neuen Zug verwendet. Gibt’s von Jagwire.
- Gebogene Speiche: Manchmal helfen Hausmittel am besten.
In welchem Turnus ein Schaltzug erneuert werden muss, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Vor allem aber von der Nutzungsintensität. Denn die Gleitfähigkeit des Stahlseils in der Außenhülle nimmt mit der Zeit ab. Hinzu kommt der Störfaktor Schmutz, der trotz winziger Dichtungen an den Ein- und Ausgängen der Außenhüllen ins Innere eindringen kann. Weitere mechanische Einflüsse können das Schaltverhalten verschlechtern, zum Beispiel abknickende oder ungünstig verlegte Züge.
Untrüglicher Hinweis auf einen notwendigen Zugwechsel sind permanente, unpräzise Schaltschritte. An modernen Schaltungen mit 10, 11 und mehr Ritzeln auf engstem Raum muss das Schaltwerk extrem kleine und präzise Schritte ausführen. Wenn die Schaltrollen am Ende des Schaltvorgangs nicht exakt senkrecht unter dem gewählten Ritzel stehen bleiben, erzeugt die Kette Laufgeräusche oder springt zum benachbarten Zahnkranz über. Man kann sich also vorstellen, dass jede Behinderung des Schaltseils auf seinem langen und kurvenreichen Weg vom Lenker zum Schaltwerk Probleme verursacht.
Unser wichtigster Tipp zu Beginn: Bei einem Zugwechsel sollte stets das gesamte System erneuert werden, also Innenzug UND Außenhülle. Grund: Weil das Gleitmittel im Liner verharzt, bringt ein neues Stahlseil kaum eine Verbesserung (als Liner bezeichnet man das Kunststoffröhrchen in der Zughülle). Nur bei einem neuen Komplettsystem ist bestmögliche Gleitfähigkeit gegeben. Zugegeben, der Kompletttausch ist etwas aufwändiger, aber dafür muss man heute bei Einfach-Antrieben nur noch einen Zug wechseln.
Werkzeuge und Hilfsmittel
Ein Spezialwerkzeug, das man unbedingt benötigt, ist ein so genannter Kabelschneider. Er besitzt gerundete Schneiden, damit insbesondere die Außenhülle beim Ablängen nicht gequetscht wird. Beim Innenzug (Stahlseil) sorgt diese Zange dafür, dass sich nach dem Abschneiden das Ende nicht in seine feinen Einzeldrähte auflöst. Ein Kabelschneider gehört in jede Hobbywerkstatt.
Wer seine Außenhüllen durch den Rahmen ziehen muss, braucht ein kleines aber feines Teil: Der RockShox Barb Connector verbindet die alte Außenhülle mit der neuen, so dass man den Strang mühelos durchs Rahmenrohr schieben/ziehen kann.
Wenn an deinem Rahmen lediglich das Stahlseil im Rohr verläuft (Außenhüllen enden am Einlass), dann benötigst du zum Durchfädeln des neuen Seils ein Stück Liner. Das Kunststoffröhrchen muss so lang sein, dass es beidseitig über das Rahmenrohr hinaus ragt.
Die Step by Step Anleitung
Zunächst beschreiben wir die Arbeitsschritte für den Fall, dass die Außenhüllen an deinem Rahmen durchgehend verlegt sind.
- Als erstes die Kette aufs kleinste Ritzel schalten. Dann den entspannten Schaltzug an der Klemmschraube (Schaltwerk) lösen. Damit sich das Seil aus der Hülle ziehen lässt, musst du das Ende mitsamt der Quetschhülse abschneiden.
- Zum Herausziehen des alten Schaltseils die Zugwechsel-Öffnung am Schalthebel öffnen:
- Shimano: Kreuzschlitzschraube seitlich.
- Sram: Gehäusedeckel oben.
- Nun wird die neue Außenhülle mit Hilfe des RockShox Connectors an die alte Hülle geschraubt (Ein- oder Ausgang spielt keine Rolle). An den Flanschen des Connectors sitzen unterschiedliche Gewinde (Links- und Rechtslauf), deshalb schraubt sich das Teil gleichzeitig in beide Außenhüllen. Wichtig: Beim Einführen der neuen Außenhülle mehr schiebend als ziehend arbeiten! Nicht, dass sich der Connector löst.
- Das endgültige Ablängen der neuen Außenhülle erledigst du am besten, nachdem sie an Ort und Stelle im Rohr sitzt. Achte darauf, die Hülle in harmonischen Bögen und weder zu knapp noch zu lang zu verlegen (Lenker muss sich in beide Richtungen voll einschlagen lassen).
- Tipp: Bevor du den neuen Seilzug einführst, weite die Enden der Außenhüllen mit einem Nagel etwas auf. Denn selbst mit dem Bowdenzugschneider wird der Liner meist etwas gequetscht. Und nicht vergessen, die PVC-Endhülsen aufzustecken!
- Die letzten Handgriffe: Schaltseil durchfädeln, System straff ziehen, Seil klemmen und die Schaltung gegebenenfalls einstellen.
Die Anleitung für den Fall, dass die Außenhüllen nicht durchgehend verlegt sind
Wenn die Außenhüllen bei deinem Rahmen nicht durchgehend im Unterrohr verlaufen, sondern an den Ein- und Auslässen andocken, unterscheiden sich die Arbeitsschritte teilweise.
- Als erstes die Kette aufs kleinste Ritzel schalten. Dann den entspannten Schaltzug an der Klemmschraube (Schaltwerk) lösen. Nun kannst du die Außenhülle am Schalthebel einige Zentimeter wegziehen und damit das Stahlseil freilegen. Dort musst du es abschneiden! Jetzt kannst du das zwischen Lenker und Rahmenrohr sitzende Segment der Außenhülle abziehen, so dass das blanke Schaltseil noch aus dem Rahmen hängt. Ebenso unten am Tretlager die Außenhülle wegziehen.
- Nun kommt das Anfangs erwähnte Liner-Röhrchen zum Einsatz: Schiebe den Liner über den alten Seilzug bis er unten wieder aus dem Rohr kommt. Erst jetzt den alten Zug nach unten aus dem Liner ziehen. Aufpassen, dass der Liner im Rohr an Ort und Stelle bleibt! Er dient gleich als Führung für das neue Schaltseil.
- Inzwischen kannst du die neuen Außenhüllen-Segmente auf die richtigen Längen schneiden. Übrigens eine gute Gelegenheit, die Verlegung zu optimieren, falls die alten Hüllen vielleicht zu lang oder kurz waren. Vor dem Aufstecken der PVC-Endhülsen hilft der Trick mit dem Nagel, um die Einlässe zu Weiten (siehe oben).
- Um das neue Schaltseil einfädeln zu können, musst du am Hebel die Zugwechsel-Öffnung aufschrauben (Shimano: Kreuzschlitzschraube seitlich. Sram: Gehäusedeckel oben). Der alte, abgeschnittene Seilrest lässt sich leicht heraus schieben. Jetzt das neue Seil durch den Hebel und das erste Segment der Außenhülle fädeln. Anschließend mit Gefühl durch den Liner im Rahmenrohr. Sobald das Seil unten auftaucht kannst du den „Hilfs-Liner“ mit dem Seil zusammen durch bzw. aus dem Rahmen ziehen. Der Rest ist reine Formsache: Schaltzug und weitere Außenhüllensegmente bis zum Schaltwerk fädeln. System straff ziehen, Seil klemmen und die Schaltung gegebenenfalls einstellen.
Abschließend: Ein neues Schaltzugsystem muss man nach den ersten Ausfahrten meist ein oder zwei mal nachjustieren! In der Regel genügt dazu ein kleiner Dreh an der Zugspannschraube, dort wo der Zug am Schalthebel anflanscht. Grund: Die Abfolge aus Außenhüllensegmenten, Endhülsen und Anschlägen drückt sich bis zum endgültigen Sitz etwas zusammen. Dadurch gibt der Seilzug minimal nach - die Schaltung wird unpräzise.
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