Oft ist es, gerade für Anfänger, nicht einfach, das Wurfgewicht einer Baitcaster richtig einzuschätzen. Woher soll man wissen, mit welchen Wurfgewichten eine Baitcaster klar kommt und ab wann sie überfordert ist? Ist es möglich einzuschätzen, ob die Angaben auf diversen Webseiten, realitätsnah sind?
Ein aktuelles Beispiel ist die Daiwa Tatula TW 100 aus dem Jahr 2023. Daiwa Japan gibt das Wurfgewicht auf ihrer Webseite aber mit 5 g bis 110 g an. Wie soll man jetzt das Wurfgewicht einer Baitcaster einschätzen?
Das minimale Wurfgewicht einer Baitcaster
Das minimale Wurfgewicht einer Baitcaster einzuschätzen ist oft nicht ganz einfach und meiner Meinung nach die schwierigere Schätzung als nach oben hin. Prinzipiell kann man es ein bisschen von der Schnurfassung und den Spulengewichten abhängig machen. Jede Baitcaster die unter 3 g werfen soll, sollte nicht mehr als 9 g Spool Weight haben. Aber es gibt auch hier immer wieder Ausreißer nach oben und unten.
Wenn eine Spule zu tief ist und dadurch viel zusätzliches Gewicht durch die Schnurfassung dazukommt, wird es nach unten hin natürlich auch schwierig. Mit 7 g und mehr kann fast jede Standard Baitcaster umgehen. Bei richtig großen Rollen mit riesigen Spulen und gewaltiger Schnurfassung ist das dann natürlich noch einmal eine andere Geschichte.
Aber wie bereits erwähnt, gibt es nach unten hin oft sehr gute Einschätzungen von diversen unabhängigen Webseiten, YouTube Kanälen und Forum Posts, die sich ganz gezielt damit beschäftigen. Ganz prinzipiell kann man sagen, dass die Angaben bei deutschsprachigen Shops und Vertrieben immer sehr auf der sicheren Seite sind.
Wenn man sich ansieht, was Japaner ihren Shimanos in der 100er Größe zumuten, wird wohl so manchem Angler bei uns schlecht. Auch die kleineren Daiwas und Abus werden für unser allgemeines Verständnis regelmäßig sehr gequält. Bei den US Marken 13 Fishing und Lew’s sehen wir in Videos und Artikeln weniger häufig Leute, die ihre Baitcaster in unseren Augen quälen, weil in diesem Markt oft sehr viel Wert auf dicke Schnur gelegt wird und übertrieben kräftige Modelle bevorzugt werden.
Ich vermute, dass hinter den sehr vorsichtigen Angaben bei uns der Versuch steckt, möglichst wenig Garantie Fälle zu produzieren. Wobei ich sagen muss, dass ich noch nie das Getriebe einer Baitcaster mit zu schweren Ködern verwürgt habe. Gibt also der Deutsche Vertrieb einer der bekannten Baitcaster Hersteller ein Obergewicht an, ist dieses meistens noch im sehr sehr sicheren Wohlfühlbereich.
Das maximale Wurfgewicht einer Baitcaster
Das Wurfgewicht einer Baitcaster kann man nach oben hin im großen und ganzen an der Schnurfassung festmachen. Den Baitcastern darf ruhig etwas zugetraut werden. Sie sind meistens deutlich stabiler gebaut und können größere Belastungen ohne Probleme wegstecken, als wir ihnen zutrauen. Wenn man bei eher kleinen Rollen dann noch auf ein Getriebe aus Messing oder Stahl setzt, weil man bei Aluminium ein schlechtes Gefühl hat, dann ist man auf der sicheren Seite.
Besonders wenn man kleinere Hände hat und sich eine große Rolle unangenehm anfühlt, ist es schön, die Gewissheit zu haben, dass man die dicken Dinger in den allermeisten Fällen überhaupt nicht braucht.
Das erste und offensichtlichste Kriterium ist die Schnurkapazität, daran kann man schon viel ablesen. Das Problem ist hier allerdings, dass die Angaben nicht ganz leicht zu übertragen sind auf geflochtene Schüre. Wählen wir als Beispiel von der Liste eine Stroft GTP R vom Typ 4, mit ihren 9kg Tragkraft ein ganz gutes Format für leichtere Hechtruten bis etwa 2oz WG.
Nehmen wir weiter an, wir liebäugeln mit einer Shimano Curado 201K. Bei den meisten Händlern ist hier als Schnurkapazität 225m einer Schnur mit 0,20mm Durchmesser angeben. Wir sehen also, dass mit einigem Backing locker über 100m einer 0,22mm-Schnur auf die Rolle gehen werden, das langt allemal. Und von ihrer Machart ist diese Rolle gut geeignet bis 2oz.
Außerdem ist die Bremskraft einer Rolle ein Kriterium. Ganz grob gesagt, reicht eine Bremskraft von 5kg im Bereich unter 100g aus. Über 100g darf es ein bisschen mehr werden, je schwerer, desto eher. Und neben der mechanischen Konstruktion einer Rolle ist die Belastbarkeit ihrer Spulenlager ein zu berücksichtigender Punkt.
In schweren, für die Meeresfischerei gedachten Rollen sind Spulenlager eingebaut, die mehr vertragen, aber die gängigen Baitcaster- und Multirollen für die Süßwasser-Angelei sind mit schwächeren Lagern ausgerüstet. Bei etwa 200g dürfte hier das Ende der Fahnenstange bei Dauergebrauch erreicht sein, und bei Keramiklagern liegt die maximale Belastungsfähigkeit noch sehr viel tiefer.
Persönlich baue ich obige Edelstahllager des Typs ZR nur in Rollen ein, die an Ruten mit bis zu 8oz maximalem WG betrieben werden. Aber natürlich geht es auch anders.
Die richtige Baitcaster-Rollengröße im Verhältnis zur Schnurstärke
Die Größenwahl erfolgt nicht nur in Abhängigkeit von Köder und Gewicht, sondern auch der Schnurstärke. Man darf die Thematik nicht im Einzelnen betrachten, sondern sollte sich überlegen, was man hinterher fischen will. Unter Köder und Gewicht findet Ihr die passende Größe für eure Bedürfnisse.
| Baitcaster-Rollengröße | Gewicht Köder | Tragkraft | Geeignet für | Schnurklasse | Angeln auf |
|---|---|---|---|---|---|
| 50er | 5-15 g | 4,5 kg | Fortgeschrittene | 8-10 lb | Aland, Barsch |
| 100er | 9-25 g | 6-7 kg | Beginner, Forgeschrittene, Allzweckrolle | 12-15 lb | Barsch, Hecht |
| 200er | 15-60 g | 7-10 kg | Fortgeschrittene | 15-20 lb | Barsch, Hecht |
| 300er | 30-100 g | 10-25 kg | Fortgeschrittene, Profis | 20-50 lb | Große Fische, Hecht |
Übrigens geht es nicht nur um das Gewicht der Köder oder der Schnur. Auch die Rollen an sich haben unterschiedliche Gewichte. Damit ihr hier nicht die falsche Wahl trefft, achtet darauf, dass diese nicht kopflastig ist, sondern eher in Richtung Heck geht. Die Erfahrung zeigt, dass das Handling wesentlich leichter ist. Achtet darauf, dass die Gewichte der Rollen in den meisten Fällen in Unzen angegeben sind.
Nicht jede Baitcaster wirft jedes Gewicht. Achtet unbedingt auf das Zahlensystem des jeweiligen Herstellers, so gewinnt ihr einen Überblick darüber, auf welches Gewicht die Baitcaster ausgelegt ist. Wenn wir hier vom Gewicht reden, dann zählen wir Gewicht, Köder und Schnur zusammen.
- 50-er - die kleinste Zahl im Bunde. Hiermit werft ihr kleine und leichte Gewichte bzw. Köder.
- 100-er - wenn man eine Allzweck-Rolle sucht, dann ist man hiermit gut aufgehoben. 10-50 Gramm ist ein gutes Spektrum, das man häufig anwendet.
- 200-er - beim leichten Jerken oder auch größeren Wobblern ist dies die ideale Baitcaster.
- 300-er - ein echtes Schwergewicht unter den Köderwurf-Rollen, das ist nichts für Anfänger ist.
Die Wahl des richtigen Gewichts ist eine elementare Auswahl beim Kauf, ansonsten hat man viel Geld ausgegeben und hinterher keine Freude an der Multirolle. Wenn ihr in Deutschland angeln geht, dann kommt Ihr am besten mit den Größen 50-200 zurecht. Wer sich nur eine Rolle leisten will, der sollte je nach Vorhaben die 100er Baitcasting-Rolle wählen.
Wenn man mit einem zu schweren Ködergewicht angelt und die Rolle darauf nicht ausgelegt ist, riskiert man, dass die Stabilität der Baitcaster nicht ausreichend ist und diese defekt geht. Es spielt keine Rolle wie man auswirft, da mit dieser Rollenart keine wirkliche Belastung entsteht.
Baitcaster-Modelle von Shimano
Für die Saison 2018 hat Shimano ein umfassendes Lineup an Baitcast-Rollen im Programm, von denen ich viele fische. Insgesamt sind es 16 Shimano Baitcaster Süßwasser-Modelle und verschiedene 29 Versionen. Mit der Tranx ist nun endlich auch eine Bigbait-Rolle am Start.
- Die Calcutta Conquest: ist mit Sicherheit eine der schönsten Rollen auf dem Baitcast-Markt. Ihr bekommt das güldene Meisterwerk der Rollenbaukunst als 201er und 301er Version. Ich fische die 201er an meiner schweren Adrena XH (das 120 Gramm-Modell). Durch die niedrige Übersetzung eignet sie sich sehr gut zum Durchkurbeln von Gummifischen und Hardbaits. Markenzeichen ist der überragende Lauf. Ihr werdet von der Leichtgängigkeit begeistert sein. Gewicht: 265 Gramm (301er) bzw. Schnurfassung: 255m/0,25mm (201er) bzw. Übersetzung: 4,8:1 (201er) bzw. Schnureinzug: 78 cm (201er) bzw. Bremskraft: 5kg (201er) bzw.
- Die Calcutta: ist der Klassiker unter den Shimano Baitcastern. Erhältlich als 201er. Wir fischen sie als Hechtrolle auf den schweren Exprides (bis 56 Gramm). Die Calcutta D hat aber einen geringeren Schnureinzug als die Calcutta Conquest und ist insofern erst recht swimbaittauglich. Sicher auch top zum Jerken. Machen wir halt kaum.
- Die Cardiff A: ist eine günstige und kompakte schwere Baitcaster. Ideal für den Einsteiger in die Hechtangelei mit der Baitcaster. Gewicht: 230 Gramm (201er) bzw. 252 Gramm (301er) bzw. Schnurfassung: 255m/0,25mm (201er) bzw. 235m/0,30mm (301er) bzw. Übersetzung: 5,8:1 (201er) bzw. 5,8:1 (301er) bzw. Schnureinzug: 61 cm (201er) bzw. 61 cm (301er) bzw. Bremskraft: 5kg (201er) bzw. 5 kg (301er) bzw.
- Die Corvalus: ist noch ein bisschen preiswerter als die Cardiff A und kommt in 301er und 401er Größe daher. Im Katalog steht: „Ideale Rolle für Anfänger und Fortgeschrittene“. Dazu kann ich wenig sagen. 309 Gramm (301er) bzw. Schnurfassung: 245m/0,30mm (301er) bzw. Schnureinzug: 64 cm (301er) bzw. Bremskraft: 5 kg (301er) bzw.
- Die Alde BFS XG: ist ein ultrahochgezüchtetes Bait Finesse-Tool. Experten werfen mit entsprechenden Ruten unter 2 Gramm locker und auch relativ weit. Mit meiner Expride BFS (4 bis 12 Gramm Wurfgewicht) fühle ich mich ab 4,X Gramm wohl. Ideal wird’s ab 5 bis 6 Gramm, was aber eher an der Rute liegt, die sich dann einfach stärker auflädt. Die Aldebaran BFS XG ist superleicht. Außen. Und auch innen. Die gelochte S3D Spule wiegt ohne Schnur ca. 8 Gramm und ist mit verantwortlich für die Wurfperformance mit leichten Ködern. Mit der Alde kann‘s echt jeder. Da muss man nicht auf eine mehrjährige Karriere als Baitcaster zurückblicken, um Micro-Jigs und andere Finessen durch die Gegend zu katapultieren. Überraschend ist an den ersten Tagen auf jeden Fall, dass sich die Bremse akustisch bemerkbar macht. Muss man sich erst mal dran gewöhnen. Mir gefällt der „Exciting Drag Sound“ aber gut aber gut. Eine Bremskraft von 3,5 kg ist nicht wirklich viel. Wenn mal ein großer Hecht einsteigt, muss der Finger auf die Spule, um die Rolle zu unterstützen. Das macht aber auch Spaß.
- Tranx: Auf diese Rolle haben die Bigbait-Fans relativ lange warten müssen. Jetzt bietet Shimano aber eine großködertaugliche Rolle mit fetter Bremskraft an. Erhältlich als 301er und 401er. Ich kann wenig zu der Rolle sagen, weil ich sie weder gefischt habe noch in den Händen hielt. Soll aber wohl gut sein. Evtl. kann da ja jemand mal was in den Kommentaren dazu schreiben. Gewicht: 330 Gramm (301er) bzw. Schnurfassung: 235m/0,30mm (301) bzw. Übersetzung: 5,8:1 (301 A und 401 A) bzw. Bremskraft: 10 kg (301 A und 401 A) bzw.
- Die Metanium MGL: ist eine meiner Lieblingsrollen. Sie sticht optisch hervor mit ihrem Silberlook. Das ist mir persönlich nicht so wichtig. Wichtig sind die guten Wurfeigenschaften. Die Metanium MGL ist die Definition von Gutmütigkeit und lässt sich supereasy auf die entsprechenden Köder einstellen. Mit einem Gewicht von 175 Gramm ist sie nach der Alde die leichteste Baitcaster im Shimi-Programm. Sie läuft super leicht an und durch das Micromodule-Getriebe gibt’s überhaupt keine Störgeräusche. Ich fische sie wahlweise auf M und MH-Ruten (21 Gramm bzw. 30 Gramm maximales Wurfgewicht). Aktuell habe ich FC drauf (ich war ja gerade Schwarzbarschfischen) und das bleibt jetzt auch erstmal so (Spanien - ich komme!!!). Ihr bekommt die Rolle in 151er Größe in 3 verschiedenen Übersetzungen.
- Auch die Chronarch MGL: zeichnet sich durch eine herausragende Wurfperformance aus. Sie kommt ebenfalls als 151er daher und hat sich bei mir als Rolle für die M-Ruten (Wurfgewicht bis 21 Gramm) festgespielt. Ich verwende sie hauptsächlich zum Angeln mit Cranks und Twitchbaits und da macht sie einen super Job. Sie wirft sich absolut stressfrei und wenn man mal ein bisschen was umjustieren muss, ist das schnell erledigt. Dazu gibt’s dieses kleine Rad auf der Unterseite der linken Gehäuseabdeckung. Auch auf der Rolle sitzt aktuell eine Füllung Fluorocarbon, die ich aber gegen Mono austauschen werde, weil sie definitiv eine Hardbait-Rolle bleiben wird. Was nicht bedeutet, dass sie Jigs nicht kann. Die natürlich erst recht.
- Wie die Ziffern schon andeuten: Die Scorpion hat es in der 71er Größe zu uns geschafft. Ich kann zu der nicht viel sagen, außer dass Teamkollege Veit K.
- Die Curado K: ist neu im Programm und der Nachfolger der Curado 201 I. Sie wurde mit neuen (Hagane) Features ausgestattet und auch sie ist in 3 verschiedenen Übersetzungen erhältlich. Sie sieht schick aus. Gewicht: 215 Gramm (201 und 201 HG) bzw.
- Im Vergleich zur Curado K: kommt die Curado silbern daher und in 71er Größe. Ich mag die Curados sehr, weil sie sich sehr entspannt werfen lassen und sehr robust sind. Keine Ahnung, wie viele Bäume ich da schon dran hatte in Spanien.
- Die Grappler: kommt aus dem JDM-Programm und ist zum Meeresangeln mit Jigs gebaut worden und gehört hier eigentlich nicht hin. Da sie aber im Katalog zwischen den BCs gelistet ist, findet sie auch hier Erwähnung. Sicher top zum vertikalen Dorschangeln. Dazu gibt’s passende Ruten. Ein besonderes Feature ist der lange Kurbelarm (51 mm.). Größe 201. Gefischt habe ich sie nicht. Stylish sieht sie aus.
- Die Citica I: ist die günstigste Shimano Baitcaster mit Hagane-Features. 201er Größe - damit ziemlich allround, aber keine Finesse-Rolle. Mit einer Bremskraft von 5,5 kg durchaus großfischtauglich. Ich habe sie mir für den anstehenden Spanientrip bestellt und werde euch danach oder währenddessen ein kleines Feature auf dem Shimi-Blog hinterlassen. Sicher sehr interessant für Einsteiger. Preis/Leistungs-Hammer?
- Das trifft mir Sicherheit auch auf die Casitas zu. Wer nicht unter 7 Gramm werfen will und nicht so viel Geld ausgeben kann, findet in der Casitas eine super Rolle für einen relativ schmalen Taler. Übersetzung: 6,3:1 (151) bzw. Schnureinzug: 69 cm (151) bzw.
- Die Shimano Caenan A: ist das zweitgünstigste Modell. Sehr günstige Baitcaster in 151er Größe. Kann ich nix zu sagen.
- Die Cajus A: ist die günstigste Shimano Baitcaster. Auch über sie kann ich nichts sagen.
Ich hoffe, diese Übersicht über die aktuellen Shimano Baitcaster-Rollen hilft ein wenig dabei, wenn ihr euch für ein Modell entscheiden wollt. Zusammengefasst: Die Casitas ist zusammen mit der Citica I DER Preis/Leistungs-Hammer. Die Aldebaran BFS XG muss man haben, wenn man ganz kleines Zeug werfen will. Die Metanium MGL ist ein Traum. Die Chronarch MGL macht der Metanium aber gut Konkurrenz. Die Curados überzeugen mich auf ganzer Linie. Die Calcutta Conquest ist die schönste Multi auf dem Markt.
Tipps für Baitcaster-Einsteiger
Verinnerlicht Euch aber bitte eines, bevor wir in die einzelnen Punkte gehen. Mit einer Kombo deckt Ihr nicht jede Fischart ab. Irgendwo muss man anfangen. Das gilt für das Plumsangeln, Raubfischangeln mit einer Stationär-Kombo und eben auch für das Angeln mit einer Baitcaster.
Die Frage mit dem lieben Geld stellt sich eigentlich zu Beginn immer, sollte es in diesem Fall aber nicht zu Begin. Das ist die wichtigste Frage, die Ihr Euch stellen solltet. Sofern Ihr komplette Einsteiger seid, holt Euch etwas Günstiges und habt Spaß. Schaut, dass Ihr so oft wie möglich ans Wasser kommt und entwickelt Eure Technik weiter, verbessert die Köderführung und fangt Fische.
Falls Ihr aber bereits seit einigen Jahren fischt und Eure Angelei in die Richtung Baitcaster verändern möchtet, haut rein! Spart nicht am Equipment und gebt ein paar Euro mehr für gutes Tackle aus. Ihr werden Euch zu Tode ärgern, wenn der Biss nicht gut übertragen wird oder der Blank den Köder nicht sauber beschleunigt.
Wichtiger als eine Hight-End-Rute ist, wie bereits erwähnt, eine vernünftige Baitcast-Rolle. Abgesehen von Neigung und Markentreue, die auch die Technik, Bremssysteme, Kugellager, Optik und Haptik bestimmen, ist der Einsatzbereich. Leg Euch erst einmal nicht zu sehr auf eine Marke fest, da Ihr auch erst einmal herausfinden müsst, welcher Hersteller zu Euch passt oder welches Bremssystem für Euch am besten funktioniert.
Solltet Ihr in Zukunft sogar ohne Magnet- oder Fliehkraftbremse aktiviert zu haben fischen können, dann ändert sich natürlich auch der Blickwinkel auf einzelne Rollen. Ich möchte hier nicht zu tief einsteigen, da Übersetzungen beim Angeln eine ganz andere Geschichte sind.
Je nach Bait und entsprechender Führung, gibt es andere Geschwindigkeiten, nach welchen Ihr die Rolle wählen solltet. Angelt Ihr beispielsweise mit einem Spinner Bait, leiert Ihr den Köder meist nur durch, pausiert hier und da einmal, dennoch lebt der Köder vom Druck, welchen er unter Wasser erzeugt. Hier kann man, um auch nicht Gefahr zu laufen, den Köder zu schnell einzukurbeln, eine Rolle mit einer Übersetzung um 5-6 wählen.
Ich fische eine M-Rute mit Solidtip, gepaart mit einer Shimano Aldebaran Bfs XG. Hier und da steigt mal ein maßiger Hecht ein, was die Rute zwar locker wegsteckt, die Bremse aber schon ziemlich rattern lässt. Was ich damit sagen möchte ist, dass je kleiner und finessiger eine Rolle ist, desto weniger eignet sich eine Rolle für große Köder und Fische.
Beispiel: Eine Daiwa Steez SV 103 HSL gibt eine maximale Schnurstärke von 12lbs vor. Wenn Ihr die Rolle auf eine Rute klemmt, deren angegebener Schnurdurchmesser bei 8lbs - 12lbs liegt, solltet Ihr keine Schnur aufspulen, die dicker ist bzw. mehr Tragkraft hat. Ebenso macht es keinen in Hinblick auf die Rolle wenig Sinn, da die Schnurkapazität eben auf maximal 12lbs ausgelegt ist.
Achtet ebenso darauf, dass Ihr die Ködergröße bzw. das Gewicht abstimmt. Es stimmt. Billige Köder laufen nicht so gut wie die hochwertigen, Haken biegen schneller auf oder brechen und mein Lieblingsteil, der Snap. Beziehen wir das Ganze auf das Angeln mit einer Baitcaster, seid Euch stets bewusst, je billiger die Rolle, Rute oder Schnur, desto weniger Spaß werdet Ihr haben.
Setzt Euch ein Budget aber spart nicht, wenn es Spaß machen soll. Ich habe auch nicht mit einer 400€ Rolle angefangen, aber meine Shimano Casitas habe ich letztenendes kaum genutzt, bevor ich sie dann verkauft habe. Kauft Euch die erste Rolle daher unbedingt gebraucht aber rechnet gut und gerne mit 100€ - 150€ für eine gute Baitcast-Rolle, die Euch nicht die Laune verdirbt.
Ich habe viel gelesen und noch mehr Videos gesehen, bevor ich mir meine erste Baitcast-Rolle gekauft habe. Die Meinungen gingen nicht auseinander und liefen alle darauf hinaus, dass man mit einer günstigen, monofilen Schnur starten solle. Ihr produziert, sobald Ihr ein bisschen mehr durchzieht oder die Bremseinstellungen lockert, so fiese Vogelnester, dass es schade wäre, eine 30€ geflochtene Schnur dafür herzunehmen.
Braid hat viele Vorteile und ist die Schnur, die ich am häufigsten verwende. Sie ist einerseits freundlicher beim Werfen und rollt sich nicht selber ab, ist aber beim Anhieb auf weite Distanzen direkter und verfügt, dank der geringen Dehnung, über eine bessere Kraftübertragung. Hinzu kommt auch die direktere Köderführung und die Sichtbarkeit der Schnur.
Im Gegensatz zu den Freunden in den USA oder Japan, wo Flurocarbon die gängige Angelschnur ist, fischen die meisten Europäer mit einer geflochtenen Schnur. Für eine Baitcast-Rolle empfielt sich eine PE 4x für Anwendungen wie das Jiggen oder Topwater. Man kann alles damit abdecken, auf Grund der geringen Dehnung, kann man für Hardbaits aber auch auf Flurocarbon oder eine gute, monofile Schnur wechseln.
PE4x bedeutet übrigens, dass die Schnur viermal geflochten wurde, statt der für Stationärrollen üblichen 8-fach geflochtenen Schnüre. 4-fach geflochtene Schnüre sind von Haus aus etwas steifer und lauter, 8-fach geflochtene sind runder und weicher, was ein Nachteil bei Baitcast-Rollen ist, da sich die Fasern nicht so gut übereinanderlegen und öfter zu Perücken führt. Mein Favorit sind die PE4x von Sunline.
Sollte Eure Wahl auf Flurocarbon fallen denkt daran, zu Beginn nicht wie mit Braid durchzuziehen. Flurocarbon hat einen Memory-Effekt und rollt sich ein bisschen ein, was bei schlechter Daumenarbeit (Bremsen mit dem Daumen), Unkonzentriertheit oder einfach nicht genug Erfahrung, zu den schlimmsten Vogelnestern führt, die Ihr niemals hättet sehen wollen. Dank der größeren Dehnung von Flurocarbon eignet sich sie Schnur aber sehr gut für Hardbaits, da sich der Fisch ja mehr oder weniger selber hakt, die Schnur ein bisschen nachgibt und eine steifere, geflochtene Schnur, den Haken aus dem Fischmaul ziehen kann. Außerdem sinkt Flurocarbon, was eine bessere Köderführung ermöglicht.
Baitcast-Einsteiger werden Schwierigkeiten haben, kleine 2“-Köder vernünftig zu werfen. Mein Tipp für den Einstieg in die Baitcast-Fischen ist eine Daiwa Tatula SV TW 103 HSL. Diese Rollen sind sowohl für Einsteiger als auch für Fortgeschrittene und Profis gemacht. Sie kann Köder ab 7g ganz passabel ab, richtig gut wirft sie aber ab 10g Jigghead. Nach oben würde ich sagen, dass man bis 60g gehen könnte, allerdings wäre hier sinnvoll, auf die größere Variante oder eine andere Rolle umzusteigen.
Ein Weiterer Punkt ist die Schnurkapazität. Solltet Ihr mehr auf Shimano stehen und einmal deren Produkte und Bremssysteme testen wollen, sucht nach der Curado-Serie. Kaufst du billig kaufst du doppelt! Ein Meister ist noch nie vom Himmel gefallen. Wer 300€ für eine gute Rolle ausgibt sollte nicht an der Schnur sparen und was ebenfalls noch wichtig ist, bleibt dabei!
Schaut Euch Videos an, lest in Foren oder Gruppen und üben, üben, üben. Ich habe zwar (noch?) keinen eigenen YouTube-Kanal, dennoch kann ich jedem Einsteiger nur empfehlen, sich dort regelmäßig Videos anzusehen und die Theorie zu studieren. Vor allem die Kollegen aus den USA haben das ein oder andere gute Tutorial, Tipps für Baitcast-Einsteiger oder Tackle-Review, welches Euch zwar nicht hilft Schwarzbarsche zu fangen, über die richtige Schnur, Übersetzung, Köderführung, Rute-Rolle-Kombi usw.
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