Shimano BR-M447 Bremssattel im Test: Ein umfassender Überblick

Die Wahl der richtigen Bremsen ist für jedes Fahrrad von entscheidender Bedeutung. Maßgeblichen Anteil an der Entscheidung hat bei mir immer die Auswahl der verbauten Komponenten. Ich gehe oft so vor, dass ich festlege, wie hoch mein Budget ist und dann versuche, das in meinen Augen beste Bike innerhalb meiner Preisgrenze zu finden.

Shimano Deore XT Bremse vs. Shimano Deore

Hersteller müssen zwischen ihren verschiedenen Modellen sinnvolle Abstufungen bei der Auswahl der eingesetzten Komponenten vornehmen. Nur so können sie zu den Preisvorstellungen von verschiedenen Fahrern die passenden Bikes anzubieten. trotzdem komme ich nicht so recht damit zurecht, wenn an einem 3000 EUR Fahrrad nicht mindestens ein vergleichbar hochwertiges Bremssystem wie die Shimano Deore XT Bremse montiert wurde. Besonders auffällig wird es in dem Segment der E-Bikes, die oftmals nur noch mit Shimano BR-MT200 oder BR-MT400 Scheibenbremsen ausgestattet sind.

Unterschiede im Detail

Grundsätzlich ist es etwas unfair, einen 2 Kolben Bremssattel mit einem 4 Kolben Bremssattel zu vergleichen. Vor allem, da es die Shimano Deore Bremse mit dem Modell BR-M6100 auch als 4 Kolben Version gibt. Allerdings hab ich diese Bremse herstellerseitig noch nie an einem Fahrrad verbaut gesehen, immer nur das 2 Kolben Modell. Es ist daher wahrscheinlicher, diese Bremse gegen eine Hochwertigere ersetzen zu wollen.

Der Hauptsächliche Unterschied der Shimano Deore XT Bremse ist die schnellere und höhere Kraftübertragung. Durch die 2 zusätzlichen Kolben wirken die Kräfte zudem gleichmäßiger auf der gesamten Auflagefläche des Bremsbelages.

Der Deore Bremssattel hat einen geraden Bremsleitungs-Anschluss, während die Richtung des Anschlusses des Deore XT Bremssattels angepasst werden kann um die Bremsleitung bestmöglich am oder im Rahmen verlegen zu können. Das kann unter Umständen ein Vorteil sein, allerdings kenne ich bislang nur Rahmen bei denen die Zuführung der Bremsleitung zur Bremse gerade verläuft. Eine Anpassung der Zuführung wird daher nur sehr selten erforderlich bzw.

Nicht außer Acht zu lassen ist auf jeden Fall die bessere Optik des Deore XT Bremssattels. Er ist hochglänzend in dunkel-grau metallic lackiert und hebt sich dadurch deutlich mehr an schwarzen Fahrradrahmen ab, wie die schwarz lackierte Deore Bremse.

Das zwei zusätzliche Kolben eingebaut sind, kann man dem Gehäuse des Bremssattels äußerlich ansehen, wodurch die Bremse insgesamt wuchtiger wirkt. Den letzten Schliff geben dann die Bremsbeläge, die bei der Deore XT Bremse bereits Kühlrippen besitzen. Allerdings gibt es auch für den Deore Bremssattel passende Beläge mit Kühlrippen.

Bremshebel im Vergleich

Ein paar Worte möchte ich noch zu den Unterschieden der Bremshebel verlieren. Die ursprünglich an meinem Rad verbauten, BL-T6000 3 Finger Bremshebel wurden durch den Umbau ja ebenfalls durch die entsprechenden Hebel der 8100er Produktserie, nämlich den BL-T8100 Bremshebeln ersetzt. Die Unterschiede sind aber wirklich kaum der Rede wert. Der Deore XT Hebel ist geringfügig leichter. Ansonsten lesen sich die Spezifikationen fast identisch. Beide Hebel besitzen I-SPEC-II kompatible Befestigungsschellen, und besitzen eine Schraube, mit sich die Griffweite werkzeuglos einstellen läßt.

Die 3-Finger Version des Deore XT Hebels bietet nicht die Möglichkeit den Leerhub zu verändern, so wie es bei dem 2-Finger Hebel BL-M8100 der Fall ist.

Erfahrungen nach dem Umbau

Wenn alles funktioniert hat, sollte das Endergebnis so wie auf den folgenden Bildern aussehen. Bei allen Scheibenbremsen ist wichtig, die Bremsbeläge zunächst einzubremsen. Dadurch erhöht sich die Bremswirkung noch mal deutlich. Das Einbremsen funktioniert so, dass man ca. 20 Mal aus normalem Fahrtempo bis zur Schrittgeschwindigkeit herunterbremst.

Leider konnte ich noch keine lange Tour mit den neuen Bremsen fahren. Ich konnte bisher gerade mal die Beläge einbremsen und mir einen ersten Eindruck verschaffen. Ich kann aber jetzt schon sagen, dass die Bremswirkung erheblich hoher ist, als mit der originalen Shimano Deore Bremse. Vermutlich wird man auch mit der 2 Kolben Version am Trekkingrad gut auskommen. Die 4-Kolben Bremse wurde ja eigentlich für schwere Räder wie z.B. E-Bikes mit Gewichten zwischen 20-30 kg entwickelt. Trotzdem läßt sich die Bremskraft auch für mein Rad gut dosieren. Ein Fehlkauf war es daher nicht.

Bremsbeläge: Organisch vs. Gesintert

Eine gute Bremsscheibe in Kombination mit guten Bremsbelägen kann in einer brenzligen Situation über Unfall oder kein Unfall entscheiden. Ist also eine Art Lebensversicherung für Dich. Aber was ist gut und hochwertig? Und worin unterscheiden sich eigentlich die vielen Bremsbeläge (organisch und gesintert), die man so kaufen kann? Kann ich meine vorhandene Bremsscheibe einfach vergrößern? …dann kann das zum Beispiel an schlechten oder für die Anforderung ungeeigneten Bremsbelägen bzw. Bremsscheiben liegen.

Die organischen und gesinterten Bremsbeläge sind die gängigsten Varianten, die Du kaufen kannst. Du kannst organische Bremsbeläge meist daran erkennen, dass die Löcher auf der Rückseite der Trägerplatte aufgefüllt sind. Organische Bremsbeläge bestehen in der Regel aus Kunstharz und Kohlenstofffasern und enthalten Zusätze aus Glas, Metall oder Gummi. In einem organischen Belag können bis zu 25 verscheidene Werkstoffe zum Einsatz kommen.

Sinterbeläge heißen nach ihrem Herstellungsverfahren. Beim Sintern werden verschiedene Werkstoffe (meist Metalle oder Keramik) in Pulverform unter hohem Druck und hoher Temperatur miteinander verbunden - es entsteht ein metallähnlicher Werkstoff. Gesinterte Beläge sind im Allgemeinen härter und verschleißfester als organische Beläge und funktionieren auch bei sehr hohen Temperaturen noch problemlos (sehr geringe Anfälligkeit für Fading). Gesinterte Beläge neigen aber stärker zum Quietschen, belasten die Bremsanlage durch verstärkte Wärmeerzeugung (deswegen auch nicht für jede Bremse zu empfehlen) und sind in der Produktion teurer als organische Beläge.

Verschleiß und Austausch

Es gibt hier nur sehr grobe Richtwerte, da der Verschleiß von vielen Faktoren abhängt. Aber wenn die Bremsleistung merklich nachlässt, dann sollte man auf jeden Fall mal die Bremsbeläge ausbauen und die Dicke des Bremsbelages überprüfen. Wenn diese nur noch 0,5 Millimeter oder weniger beträgt, sollten die Bremsbeläge unbedingt ausgetauscht werden. Auch sollten die Belege unbedingt dann ausgetauscht werden, wenn die Ränder brüchig aussehen bzw.

Wie Du auf dem Bild sehen kannst, halten die Bremsbeläge bei normaler Fahrweise viele Kilometer durch. Für Dich als grober Anhaltspunkt. Der Shimano B01S Belag hat neu eine Dicke von rund 2 Millimetern. Nach 600 E-Bike-Kilometern, die Hauptsächlich auf der Straße, Rad- und Waldwegen gefahren wurden, sind noch 1,6 Millimeter über. Ist also noch genug Belag da, um noch einige Kilometer damit sicher fahren zu können. Allerdings warte ich nicht bis die Beläge nur noch 0,5 Millimeter haben, sondern tausche die Bremsbeläge in der Regel schon bei einer Restdicke von 1 Millimeter aus.

Bremsscheiben-Wechsel

Wenn Du Deine Bremsbeläge austauschst, dann musst Du die Bremsscheibe nicht zwingend mit austauschen. Das ist nur dann sinnvoll, wenn Du auf eine andere Mischung der Bremsbeläge wechselst, da gesinterte und organische Bremsbeläge einen unterschiedlichen Abrieb (Reibfilm) auf der Bremsscheibe hinterlassen. Die Bremsscheibe sollte immer dann ausgetauscht werden, wenn sie sichtbare Beschädigungen aufweist bzw. wenn die Mindeststärke der Scheibe unterschritten wird. Wie diese Mindeststärke der Bremsscheibe ist, ist von Hersteller zu Hersteller etwas unterschiedlich. Bei Shimano zum Beispiel gilt als Untergrenze für die Dicke der Bremsscheibe 1,5 mm.

Hinweise und Empfehlungen

Bremsenhersteller heben immer wieder hervor, dass man nur die Hersteller eigenen Bremsbeläge nutzen darf, um die Ansprüche auf Garantie und Gewährleistung nicht zu verlieren. Allerdings gilt das nur für den Fall, dass der fremde Bremsbelag nachweislich ein Bremsversagen verursacht hat. Jedoch macht es Sinn, bei der Belagmischung (organisch oder gesintert) die Gleiche zu verwenden, wie sie bei der Auslieferung Deines E-Bikes / Pedelecs montiert war.

Galfer Bremsbeläge und Bremsscheiben

Galfer bringt mit seiner neuen und innovativen Shark Disc® die vollkommenste MTB Bremsscheibe unserer Zeit auf den Markt. Durch den innovativen Produktionsprozess, mit Hilfe eines Laserschneiders, wird das optimale Design für bestmögliche Performance erzielt. Eines der wichtigsten Alleinstellungsmerkmale sind die innenliegenden Shark Fins (Kühlrippen), die der Scheibe ihren Namen geben: Shark Disc®. Im Zusammenspiel der Fins mit den vielen kleinen Lochbohrungen in der Scheibe kann die Hitzeentwicklung reduziert werden während das äußere Wellendesign und die seitlichen Öffnungen eine starke und gleichmäßige Bremsleistung ermöglichen.

Vorteile der Shark Disc®

  • Höhere Bremsleistung: Durch das Design der Shark Disc® kann mit weniger Druck und somit geringerem Kraftaufwand auch bei ermüdenden Bedingungen gebremst werden.
  • Mehr Stabilität: Auch bei ungünstigsten Temperaturbedingungen (steile Abfahrten, high-speed Strecken, hohe Außentemperatur und hohes Gewicht), hält die Shark Disc® eine stabile und gleichbleibende Leistung.
  • Für E-Bikes: Integrierte Magnet-Aufnahme für Speed-Sensoren in der Bremsscheibe.

Galfer Bremsbeläge

Die roten Advanced-Beläge sind wahre Alleskönner. Egal ob in Gravel-Bikes, Trail-Bikes, DH oder Enduro und XC - diese Bremsbeläge lassen einen nicht im Stich. Dadurch bekommt der Fahrer eine dauerhaft gleichbleibende Rückmeldung der Bremse bei anhaltender Qualität während der gesamten Nutzungsdauer. Dadurch wird bestätigt, dass ihr Qualitäts- und Wirkungsgrad dem des Originalmaterials entspricht bzw. darüber liegt.

Die schwarzen Performance-Beläge sind für den Einsatz in Gravel, XC und Enduro konzipiert. Dadurch bekommt der Fahrer eine dauerhaft gleichbleibende Rückmeldung der Bremse bei anhaltender Qualität während der gesamten Nutzungsdauer.

Die grünen Pro-Beläge sind die High-End Produkte aus dem Hause Galfer. Sie sind auf den Rennstrecken zu Hause und machen da weiter wo andere Beläge schon längst aufgegeben haben. Dadurch bekommt der Fahrer eine dauerhaft gleichbleibende Rückmeldung der Bremse bei anhaltender Qualität während der gesamten Nutzungsdauer.

Seit 2016 sind die speziell für den Rennradbereich entwickelten Bremsbeläge von Galfer im EInsatz. Dadurch bekommt der Fahrer eine dauerhaft gleichbleibende Rückmeldung der Bremse bei anhaltender Qualität während der gesamten Nutzungsdauer.

Disc Wave® Bremsscheiben

Die Disc Wave® Bremsscheiben sind aus hochwertigem Edelstahl mit hohem Kohlenstoffanteil gefertigt und zeichnen sich durch kraftvolle, progressive Bremsleistung sowie einem wirksamen Rostschutz-Finish aus. Die leisen und vibrationsarmen Bremsscheiben liefern konstant hohe Leistungen, sowohl bei nassen als auch trockenen Bedingungen.

Dank dieses wertvollen Feedbacks haben die Galfer-Ingenieure wichtige Aspekte wie Seitensteifigkeit, Bremsmodulation und Wärmeableitung optimiert. Der Bremsscheibenkern ist aus 7075-T6 Aluminium CNC-gefräst, einem für die Luft- und Raumfahrt geeigneten Material mit hoher Ebenheit und struktureller Festigkeit. Sie bietet eine höhere seitliche Steifigkeit und zwingt beide Bremssattelkolben, symmetrisch zu arbeiten, wodurch unerwünschte Reibung vermieden wird.

Tipps und Tricks zum Bremsbelagwechsel

Hier eine kurze Anleitung zum Wechseln der Bremsbeläge:

  1. Baue dein Rad aus.
  2. Nimm den Pin, der genauso lange ist wie dein bisheriger.
  3. Stecke den neuen Pin durch die Bremsbelaghalterung hindurch und biege das Ende des Pins wieder um.
  4. Vergiss das nicht! Ansonsten könnte der Pin samt Bremsbelägen während der Fahrt herausfallen.
  5. Sollte die Bremse jetzt schleifen, dann musst du den Bremssattel ausrichten.

Du kannst dann im Bremssattel die beiden Kolben links und rechts sehen. Die drückst Du vorsichtig und langsam z.B. Jetzt ist genug Platz da für die neuen Bremsbeläge. Die lange Schraube mit dem passenden Drehmomenta festziehen - das variiert und richtet sich auch danach, ob die Schraube aus Alu oder Stahl ist. Jetzt erst die Bremse ein paar mal betätigen und im Stand gucken, ob's bremst. Danach ein paar Probebremsungen mit niedriger Geschwindigkeit durchführen. Wenn alles ok ist, dann "Einbremsen".

Zusätzliche Informationen

Bitte die Herstellerangaben für maximale Scheibendurchmesser bei Federgabeln beachten.

Wer sich trotzdem an den Wechsel herantrauen will, sollte sich mit dem Entlüften der Scheibenbremse vertraut machen. Das dürfte der schwierigste Arbeitsschritt sein, denn darüber hinaus sind nur noch ein paar Schrauben zu lösen und wieder anzuziehen. Außerdem möchte ich noch erwähnen: Wer vorschnell die alten innenverlegten Leitungen aus dem Rahmen gezogen und kein spezielles Einziehwerkzeug zur Hand hat, kann sich schon mal darauf einstellen, dass die Montage der neuen Bremsleitung einige Zeit in Anspruch nehmen kann.

Fazit

Ich habe daher bis auf ein paar Fahrten mit Avid Elixir Bremsen kaum Erfahrungen mit anderen Bremssystemen. Mit Shimano XT Bremsen kenne ich mich aber ziemlich gut aus und habe sie über viele Jahre als sehr zuverlässig und wartungsarm zu schätzen gelernt. Meine guten Erfahrungen damit waren sicher ausschlaggebend für die Entscheidung, diese auch wieder am Stevens C12 lite fahren zu wollen.

Die Verfügbarkeit von Ersatzteilen über den lokalen Bikeshop ist coronabedingt leider aktuell nicht gegeben, daher habe ich die neuen Bremsen Online bestellt. Die Preise dafür variieren um bis zu 40 EUR, außerdem auch die Verfügbarkeiten.

Verwandte Beiträge:

Kommentar schreiben

Kommentare: 0