Shimano BR-MT200 Hydraulische Scheibenbremsen: Test und Erfahrungen

Die Bremsen sind ein entscheidender Faktor für Kontrolle und Sicherheit auf dem Fahrrad. Trotzdem schenken ihnen die meisten Radfahrer kaum Beachtung. Zu Unrecht!

Das BR-MT200 Scheibenbremsen-Set von Shimano

Beim Shimano BR-MT200 Scheibenbremsenset (VR + HR) handelt es sich um ein preisgünstiges Bremssystem ohne Gruppeneinbindung. Mit seinem vielseitigen Design eignet es sich für zahlreiche Fahrradtypen im MTB- oder auch Trekking- und Urban-Bereich. Die Leistung der 2-Kolben-Bremssättel ist an Einsteiger angepasst und entfaltet sich zuverlässig ohne große Geräuschentwicklung. Dank One Way Bleeding Technologie ist die Entlüftung kein Problem.

Dabei wurden die Leitungswege so optimiert, dass keine Luftblasen mehr im Bremssattel zurückbleiben. In Kombination mit dem Trichter lässt sich die Bremse sauber und einfach entlüften.

Lieferumfang:

  • 2 x Scheibenbremse Shimano BR-MT200 + BL-MT200, VR und HR
  • 1 x Bremsleitung Shimano SM-BH59-JK-SS 1000 mm (VR)
  • 1 x Bremsleitung Shimano SM-BH59-JK-SS 1700 mm (HR)
  • 2 Paar Bremsbeläge Shimano
  • 2 x Insertpin
  • 2 x Olive
  • 4 x Befestigungsschraube Bremssattel
  • 2 x Sprengring
  • Montagefertig befüllt und entlüftet

Direkt mitbestellen:

  • Scheibenbremsadapter
  • Werkzeug TL-BH61 zur Insertpin-Montage

Allgemeine Aspekte von Scheibenbremsen

Eine oft gehörte Frage beim Radkauf: „Hat das Rad eine XT-Schaltung?“ Gemeint ist das XT-Schaltwerk, auf das die Kundschaft stark achtet. Die Bremsanlage? Egal. Dabei sorgt diese doch für eine kontrollierte Entschleunigung und damit Sicherheit.

Zum Test sind Bremsen geladen, die an Fitness-, Cross-, Trekking-, Reiserad und Mountainbike eine gute Figur machen. Die BigPlayer im Erstausrüstergeschäft (Neuräder) sind Magura, Shimano, Sram und Tektro. Als Edelschmieden gelten Hope und Trickstuff.

Montage und Wartung

Bevor die Bremsen an Gabel und Rahmen angebaut werden, sollten die Aufnahmen und Adapter mit einem Spezialwerkzeug plangefräst werden. Der Grund: Meist befindet sich Lack auf Rahmen und Gabel, wodurch die Bremse nie perfekt zur Bremsscheibe ausgerichtet ist. Beim Arbeiten an Bremsanlagen sollte zudem mit der nötigen Sorgfalt und mit passendem Spezialwerkzeug gearbeitet werden.

Erstmal müssen Montage und Wartung einfach von der Hand gehen. Auf Tour ist dann wichtig, dass der Bremshebel angenehm in der Hand liegt, die Bremse für gute Kontrolle fein dosierbar ist, eine ausreichende Bremskraft anliegt und die Bremse auch unter hoher Belastung nicht ausfällt.

Bei der Montage setzen alle Hersteller beim Bremssattel auf den Postmount-Standard. Dieser ist einfach und schnell montiert, zudem kann der Bremssattel über ein integriertes Langloch genau zur Bremsscheibe ausgerichtet werden. Zur Anpassung an individuelle Vorlieben lässt sich an jeder Bremse die Hebelweite zum Lenker justieren. Ohne Werkzeug ist das bei BFO, Hayes, Hope, Shimano XT, Sram und TRP möglich. Zu finden bei BFO, Hayes, Hope und Sram. Und bei der Leitungsverlegung schwören Ästhetiker auf drehbare Leitungsanschlüsse am Bremssattel, weil diese die Bremsleitung optimal ausrichten.

Bremsmedium: DOT vs. Mineralöl

Damit eine Bremse auf Dauer ihre Arbeit einwandfrei verrichtet, gehören Wartung und Service dazu. Hier spielt das Bremsmedium eine wichtige Rolle, denn im Radbereich gibt es aktuell vier verschiedene Typen, die untereinander nicht kompatibel sind!

Vorteil von DOT: weltweite Verfügbarkeit in hoher Qualität, günstiger Preis, ein hoher Siedepunkt und das Binden von Wasser. Nachteile: Es unterliegt Alterungserscheinungen, sollte daher jährlich getauscht werden.

Vorteilhafter und immer weiter verbreitet sind indes Mineralöle, wie sie Magura, Shimano, Tektro und TRP einsetzen. Sie sind etwas dickflüssiger als DOT, greifen Oberflächen nicht so aggressiv an und brauchen keinen regelmäßigen Wechsel. Allerdings gibt es keinen Standard für Mineralöle, daher sollte nur die jeweilig vorgeschriebene Variante bei einer Bremse eingesetzt werden.

Hydrauliköl wird bei Trickstuff eingesetzt. Das sogenannte Bionol wird in Deutschland aus nachwachsenden und biologisch abbaubaren Pflanzenölen hergestellt, ist giftklassefrei, toxikologisch unbedenklich und sogar für die Lebensmittelproduktion zugelassen! Einziger Nachteil: der sehr hohe Preis.

Wasser ist der absolute Exot und findet sich bei BFO. Positiv ist die hohe Druckstabilität, Dünnflüssigkeit und das hohe Wärmeaufnahmevermögen. Zudem ist es billig, überall zu bekommen und an sich umweltfreundlich.

Beim Spülen und Entlüften des Bremssystems achten wir auf eine gute Zugänglichkeit und Bedienung der Serviceports sowie den Entlüftungsvorgang an sich. Shimano XT und Sram sind hier perfekt.

Bremsbeläge und Bremsscheiben

Beim Verschleißcheck gilt: Nicht nur die Beläge sollten regelmäßig überprüft werden. Die Bremskraft ergibt sich aus dem Übersetzungsverhältnis des Bremshebels zum -sattel, der Scheibengröße sowie dem Zusammenspiel von Belag und Bremsscheibe.

Den Belägen kommt eine elementare Aufgabe zu: Sie sind Hauptreibpartner und damit zum Großteil für die Performance einer Bremse verantwortlich. Auf dem Markt gibt es organische, semi- oder Sintermetallbeläge. Die meisten Hersteller haben verschiedene Belagstypen im Portfolio.

Aber Vorsicht: Nur bei Trickstuff verliert man bei Fremdbelagsnutzung die Garantie der Bremse nicht! Weiterhin wurde die TRP Bremse exemplarisch mit drei unterschiedlichen Belägen gefahren. Das Ergebnis: Die Bremse zeigt deutliche Unterschiede.

Damit die Bremsanlage von Anfang an ihre Leistung abruft, müssen Beläge und Scheibe aufeinander eingebremst werden.

  1. Auf circa 20 km/h beschleunigen, im Sattel sitzen bleiben und langsam, gleichmäßig bis auf Schrittgeschwindigkeit abbremsen.
  2. Wichtig: Bremsungen bis zum Stillstand vermeiden!
  3. Nun auf 30 km/h beschleunigen und erneut bis auf Schrittgeschwindigkeit abbremsen.
  4. Vor der ersten Ausfahrt das Bremssystem abkühlen lassen.

Praxistest und Ergebnisse

Um den Bremsen auf den Zahn zu fühlen, beinhaltet der Praxistest Abfahrten auf Teer, Schotter und Waldwegen. Die Trekkingräder wurden zusätzlich mit Packtaschen bestückt, um ein Systemgewicht von 130 kg zu erreichen. Alle anderen geben keine Gewichtsbeschränkung vor.

Während des Tests wurden Hebelergonomie, Druckpunkt, Dosierbarkeit und Bremskraft überprüft. Jede Scheibenbremse wurde von mehreren Testern bewertet. Bei der Hebelergonomie wurde auf die Form und Verstellbarkeit des Bremshebels geachtet.

Beim Prüfstandtest wurden alle Scheibenbremsen auf ein Rad montiert, welches auf einem Rollenprüfstand fixiert war. Das Prüfprogramm bremste alle Bremsen ordnungsgemäß ein, bis die maximale Bremskraft anlag. Der Test basiert auf der DIN-Norm für Bremssysteme und wurde vom Prüfinstitut Velotech in Schweinfurt durchgeführt.

Bei der Bremskraft bieten Hayes und Trickstuff mit Abstand die höchste Leistung. Hier reicht ein Finger auch für starke Verzögerungen. Im Vergleich von trockenen zu nassen Bedingungen bremsen Hayes und Magura MT Sport am konstantesten. Hier ändert sich das Bremsverhalten quasi nicht. Top sind Sram, Tektro und Trickstuff, weil die Handkräfte fast annähernd gleich bleiben.

Alle Hersteller geben zwei Jahre Garantie, Magura gibt fünf Jahre auf Dichtigkeit ihres Bremssystems.

Alternativen und Empfehlungen

Am Ende stechen fünf Scheibenbremsen hervor: TRP ist durch die Bank gutmütig und problemlos, verdient sich den Preis-Leistungstipp. Durchweg gute Noten und ein Liebling der Tester ist die Sram G2. Sie heimst eine Empfehlung ein.

Die Hayes Dominion T4 zeigt eine enorme Performance, sowohl auf dem Trail mit einem sehr guten Bremsgefühl als auch im Labor, und legt damit ein erfolgreiches Comeback hin. Ihre beeindruckende Power und das Hebelgefühl, kombiniert mit dem geringsten Gewicht und nützlichen technischen Features wie die Crosshair-Bremssattel-Montage, machen die Hayes Dominion T4 zum Testsieger im Rennen um die beste MTB-Scheibenbremse.

Die Shimano SLX überzeugt mit dem besten Preis-Leistungs-Verhältnis im Test und einer starken Verzögerung samt solider Dosierbarkeit. Das digitale Bremsgefühl erfordert eine kurze Eingewöhnung, dafür muss man bei Anmutung, Ergonomie und Handling keine Abstriche in Kauf nehmen.

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