Je schöner das Wetter ist, desto mehr Radfahrer sind in der Natur, auf Feldwegen, Radwegen und Straßen anzutreffen. Was den meisten Menschen nicht bewusst ist: Zahlreiche Radfahrer kümmern sich nur „mit halber Aufmerksamkeit“ um ihr geliebtes Bike. Sie setzen sich somit - gerade nach der Winterpause - unnötigen Risiken aus. Besonders eine mangelhafte Pflege / Wartung der Verschleißteile des Rads ist leider nicht unüblich.
Die Bremsen sind eines der wichtigsten Bauteile eines Fahrrads. Dass sie gut funktionieren, ist essentiell für die Sicherheit. Die Übertragung der Bremskraft auf die Laufräder findet unabhängig vom Bremssystem über die Bremsbeläge statt. Damit du keine böse Überraschung erlebst, solltest du sie regelmäßig kontrollieren und rechtzeitig auswechseln.
Welche Bremsentypen sind hauptsächlich verbaut?
Aktuell sind zwei Bremsentypen am Fahrrad weit verbreitet: die klassische Felgenbremse und die neuere Scheibenbremse. Während erstere an Rennrädern und Trekkingbikes zu finden ist, sind Mountainbikes mittlerweile fast immer mit Scheibenbremsen bestückt. Diese erfreuen sich aufgrund ihrer guten Bremsleistung ebenfalls zunehmender Beliebtheit an Trekking- und Rennrädern.
Grundsätzlich lassen sich Bremsbeläge je nach System in Felgenbremsbeläge und Scheibenbremsbeläge unterscheiden. Bis vor einigen Jahren waren beinahe ausschließlich Felgenbremssysteme auf dem Fahrrad-Markt verfügbar. Seit dem Aufkommen der (vor allem bei Nässe) deutlich leistungsstärkeren Scheibenbremsen ist die Marktsituation unübersichtlich geworden.
Für beide Bremstypen sind unterschiedliche Bremsbeläge erhältlich, die sich aufgrund ihrer unterschiedlichen Eigenschaften für ebenso unterschiedliche Einsatzzwecke und Anforderungen eignen.
- Felgenbremsen: Bei Felgenbremsen entsteht die Bremswirkung durch das mechanische Anpressen von Bremsbelägen an der Felgenflanke. Man findet diese Art von Bremssystem vornehmlich bei Trekking-, City- und Rennrädern. Neben dem niedrigen Preis und dem geringen Gewicht gehören die einfache Wartbarkeit und die solide Bremswirkung bei trockenem Wetter zu den Pluspunkten dieses bewährten Systems.
- Scheibenbremsen: Scheibenbremsen gelten bei Mountainbikes, aber auch bei E-Bikes und High-End-Rennrädern mittlerweile als Standard. Es handelt sich dabei in der Regel um Nabenbremsen. Bedeutet: Die Bremswirkung wird durch Anpressen der Bremsbeläge auf eine an der Nabe liegende Bremsscheibe erzielt. Scheibenbremsen sind sehr gut dosierbar und verschleißen deutlich langsamer als Felgenbremsen.
Wann solltest du die Bremsbeläge tauschen?
Von allen Verschleißteilen an einem Fahrrad ist der rechtzeitige Austausch der Bremsbeläge am wichtigsten. Wie schnell die Bremsbeläge verschleißen, ist von zahlreichen Faktoren abhängig. Die mit dem Rad zurückgelegte Distanz ist nur einer davon. Ebenfalls von Bedeutung sind das Wetter, Fahrstil, Gewicht des Fahrers und das Material der Beläge. Daher ist es wichtig, regelmäßig zu kontrollieren, ob noch genug Material vorhanden ist.
Bremsbeläge sind typische Verschleißteile. Unabhängig von der Art des Bremssystems lässt die Bremsleistung nach langem Gebrauch zwangsläufig nach. Das Ausmaß der Verschleißerscheinungen hängt von verschiedenen Faktoren ab: Raue Witterungsbedingungen und ein sportlicher Fahrstil mit vielen plötzlichen Bremsvorgängen beschleunigen den Materialverschleiß. Wer die Pflege seines Bremssystems vernachlässigt (Reinigung der Felgenflanken bzw. der Bremsscheiben), darf sich ebenfalls über eine nachlassende Leistung nicht wundern.
Fährst du mit verschlissenen Belägen weiter, wirst du im besten Fall dein Material, sprich Felgen oder Bremsscheiben unnötig stark verschleißen. Es besteht darüber hinaus die Gefahr, dass die Bremsen unberechenbar reagieren und im schlimmsten Fall komplett versagen.
Üblicherweise halten die Bremsbeläge bei einem Fahrrad zwischen 1.000 km (Felgenbremsen) und 5.000 km (Scheibenbremsen). Die meisten Hersteller wissen, wie wichtig es ist, rechtzeitig die Bremsen zu wechseln. An marktüblichen Bremsbelägen ist daher eine Indikatorlinie angebracht, die anzeigt, wann der Verschleiß sichere Bremsmanöver erschwert oder gar unmöglich macht.
Viele Standard-Fahrräder sind nach wie vor mit einer Felgenbremse ausgestattet. Wer seine Bremsbeläge am Fahrrad wechseln möchte, benötigt im Prinzip kaum fachspezifisches Know-how. Ein gewisses handwerkliches Geschick sollte man allerdings schon mitbringen. Sind die Bremsen verschlissen, bleibt einem nichts anderes übrig als die Bremsbeläge zu wechseln. Hierbei handelt es sich um eine vergleichsweise einfache Reparaturleistung, die von Laien in circa 30 bis 40 Minuten erbracht werden kann.
So erkennst du den Bremsbelagverschleiß
Im Folgenden wird beschrieben, wie du den Verschleiß an verschiedenen Fahrradtypen erkennst:
Mountainbike
Mountainbikes sind mittlerweile immer mit Scheibenbremsen ausgerüstet. Gebremst wird indem die Bremsbeläge von beiden Seiten gegen die Bremsscheibe drücken. Durch die Reibung zwischen Bremsbelägen und Bremsscheibe wird diese und mit ihr das gesamte Rad, an dem sie montiert ist, verlangsamt. Zugleich entsteht Wärme. Wird die Bremse losgelassen, werden die Beläge durch eine Spreizfeder zurück in ihre Ausgangsposition gedrückt.
Um zu sehen, wie viel von deinen Bremsbelägen noch übrig ist, kannst du von oben in den Bremskörper schauen, eventuell kannst du hierzu eine Taschenlampe zur Hilfe nehmen. Ziehst du nun am Bremshebel, erkennst du am Abstand zwischen Bremsscheibe und Feder, wie dick der Belag noch ist. Da der Verschleiß der Beläge sehr unterschiedliche ist, kann an dieser Stelle kein genereller Ratschlag gegeben werden, wie viel Rest-Belag vorhanden sein sollte. Mit ungefähr 1mm Stärke bist du aber in den meisten Fällen noch auf der sicheren Seite.
Wenn du deine Beläge nicht kontrollierst, kann es sein, dass du sie über ihre Verschleißgrenze hinaus nutzt. Dies macht sich dann durch metallische Geräusche und schließlich einem Abfall der Bremskraft bemerkbar. Hierbei hörst du zuerst die Spreizfeder auf der Scheibe kratzen. Dann wird die gesamte, nun von Bremsbelag freie Trägerplatte auf der Scheibe schleifen. In diesem Moment wirst du nur noch einen Bruchteil der ursprünglichen Bremskraft zur Verfügung haben. Weiterhin ist das Bremsen mit der Metallplatte schädlich für die Bremsscheibe.
So lange solltest du die Beläge jedoch auf keinen Fall verwenden. Besser du tauschst sie, wenn bei gezogenem Bremshebel noch etwas Platz zwischen Feder und Bremsscheibe zu erkennen ist.
Rennrad
An Rennrädern sind Felgenbremsen nach wie vor am weitesten verbreitet. Auch wenn sich Scheibenbremsen zunehmender Beliebtheit erfreuen, soll es hier darum gehen, wie du den Verschleiß deiner Bremsbeläge an einem Rennrad mit Felgenbremse erkennst. Für Scheibenbremsen am Rennrad gilt dasselbe wie für solche an Mountainbikes (siehe vorheriger Abschnitt). Bei einer Felgenbremse werden die Bremsbeläge auf die Seitenflanken der Laufräder gedrückt. Bremsbeläge für Felgenbremsen gibt es aus unterschiedlichen Gummimischungen sowie aus Kork.
Wenn die Bremsbeläge einer Felgenbremse verschleißen, merkst du dies als erstes daran, dass du den Bremshebel weiter an den Lenker ziehen musst, um Kontakt zwischen Bremsbelag und Felge herzustellen. Um dies auszugleichen, verfügen die meisten Bremsen um eine Einstellschraube, mit der du den Belag wieder näher an die Felge stellen kannst. Bei Rennradbremsen findest du diese am Bremskörper selber, an der Stelle, an der die Außenhülle des Bremszugs endet. Nutze diese Einstellmöglichkeit rechtzeitig, bevor du den Hebel bis an den Lenker ziehen kannst und somit nicht mehr richtig bremsen kannst.
Um zu sehen, wann die Beläge einer Felgenbremse verschlissen sind, haben die meisten dieser Bremsbeläge eine Indikatorlinie, die dir anzeigt, wann es an der Zeit ist, die Beläge zu wechseln. Natürlich kannst du noch einige Kilometer fahren, bevor die Beläge vollkommen aufgebraucht sind, auf eine längere Ausfahrt solltest du damit jedoch nicht mehr gehen.
City- oder Trekkingrad
Bei Trekkingrädern sind Felgen- und Scheibenbremsen ungefähr gleichermaßen verbreitet. Kontrolliere deine Bremsbeläge regelmäßig auf Verschleiß. Solltest du den Bremshebel deiner Felgenbremse sehr weit zum Lenker ziehen müssen, um eine Bremswirkung festzustellen, ist es an der Zeit, die Bremse nachzustellen. Bei den an Trekking- und Cityrädern verbreiteten „V-Brakes“ ist diese Einstellschraube am Bremshebel zu finden (nicht wie am Rennrad am Bremskörper). Es ist die Schraube, die sich zwischen Bremshebel und der Bremszug-Außenhülle befindet. Um die Bremsbeläge näher an die Felge zu stellen, musst du diese Schraube ein Stück herausdrehen. Kontrolliere dann direkt die Funktion der Bremse, um böse Überraschungen bei der nächsten Fahrt zu vermeiden.
Wenn die Bremsbeläge deiner Felgenbremse die Indikatorlinie erreicht haben, ist es auch hier an der Zeit, diese zu tauschen. Bei Scheibenbremsen gilt, wie auch beim Mountainbike, dass ungefähr 1mm Belag übrig sein sollte, wenn du mit deinem Rad losfährst. Ist es weniger, solltest du den Belag bei der nächsten Gelegenheit tauschen.
Verschiedene Bremsbeläge und ihre Eigenschaften
Die Eigenschaften von Bremsbelägen sind vom verwendeten Material abhängig. Diese unterscheiden sich insbesondere bei Scheibenbremsen hinsichtlich der Kraftübertragung, Dosierbarkeit, Lebensdauer und Geräuschentwicklung bei Nässe. Bei Felgenbremsen spielt weiterhin die Hitzeentwicklung beim Bremsen eine Rolle.
Organische Bremsbeläge
Organische Bremsbeläge zeichnen sich durch ihre von Beginn an hohen Bremskräften aus. Sie entwickeln weniger hohe Temperaturen als dies bei Sintermetallbelägen der Fall ist und neigen dazu, auch bei Nässe nicht zum Quietschen. Allerdings verschleißen organische Bremsbeläge schneller als solche aus Sintermetall. Der Verschleiß nimmt noch zu, wenn du die Bremse etwa auf langen Abfahrten mit vielen Kurven ständig nutzt und die Beläge richtig heiß werden. Um die Hitzeanfälligkeit auszugleichen, werden organische Bremsbeläge für eher abwärtsorientierte Räder (z.B. Enduro) auf Bremsbelägen mit extra Kühlrippen angeboten, die einer Überhitzung entgegenwirken.
- Hohe Bremskraft von Anfang an
- Geringe Hitzeentwicklung - jedoch auch weniger Hitzebeständig
- Kaum Quietschanfälligkeit
- Höherer Verschleiß
Sintermetallbeläge
Die Stärke von Sintermetallbelägen ist ihre lange Haltbarkeit und ihre Unempfindlichkeit gegenüber hohen Temperaturen. Ihre Bremskraft liegt etwas unter der von organischen Belägen, weiterhin neigen sie dazu, bei Nässe zu quietschen.
- Höhere Hitzeentwicklung als organische Beläge
- Neigen zum Quietschen
- Halten länger als organische Beläge
Semimetallbeläge
Semi-metallische Bremsbeläge verbinden die Vorteile der beiden zuvor genannten Bremsbelag-Typen. Sie verbinden eine hohe Bremskraft mit einer hohen Lebensdauer und einer sehr guten Resistenz gegenüber hohen Temperaturen. Ihr einziger Nachteil: Sie neigen dazu, laut zu quietschen.
- Geringster Verschleiß der drei Beläge
- Hohe Bremskraft
- Sehr Hitzebeständig
- Quietschen
Gummibremsbeläge
Gummibremsbeläge sind der Standard bei Felgenbremsen. Sie werden aus unterschiedlichen Gummimischungen hergestellt und haben damit unterschiedliche Eigenschaften. Im Allgemeinen sind Bremsbeläge aus Gummi recht langlebig und haben eine gute Bremskraftentwicklung. Sie eignen sich gut für die Nutzung in Verbindung mit Alufelgen. Für Carbonfelgen solltest du auf Bremsbeläge zurückgreifen, die für diese ausgelegt sind. Diese sind oft aus Kork.
Korkbremsbeläge
Korkbremsbeläge haben den entscheidenden Vorteil, dass sie weniger Hitze entwickeln als Gummibremsbeläge. Sie sind daher für Carbonfelgen geeignet. Diese sind empfindlicher gegenüber Hitze als Alufelgen und haben andere Oberflächeneigenschaften. Korkbeläge verschleißen in der Regel deutlich schneller als solche aus Gummi.
Tipps zur Verlängerung der Lebensdauer von Bremsbelägen
Damit man nicht alle drei bis vier Monate seine Bremsbeläge wechseln muss, gilt es einige Tipps zu beherzigen. Durch bremsenschonende Fahrweise zögert man den Verschleiß der Beläge erheblich heraus. Schonend bedeutet in diesem Fall: keine überflüssigen oder allzu abrupten Bremsvorgänge. Darüber hinaus sollten Radfahrer ihre Beläge sowie die dazugehörigen Komponenten (Felge, Nabe) mindestens einmal in der Woche gründlich säubern. Nicht zuletzt verringert man durch die Wahl einer harten Gummimischung (Felgenbremsbeläge) bzw.
Nach dem Bremsklötze Wechseln
Nach dem Bremsklötze Wechseln sollten sicherheitsbewusste Radfahrer einige Punkte „abarbeiten“. Als Erstes muss die Bremse eingefahren werden. Dies gilt insbesondere für Scheibenbremsen. Man sollte hierzu auf einem leeren Parkplatz rund 30 Mal stark abbremsen. Erst danach besitzt die neue Scheibenbremse am Fahrrad ihre volle Bremskraft. Auch Felgenbremsen sollten zunächst vorsichtig getestet werden.
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